Trüschen für Einsteiger
24 | 10 | 2022 PraxisText: Nils Anderson 22217
24 | 10 | 2022 Praxis
Text: Nils Anderson 2 2217

Trüschen für Einsteiger

Die Trüsche ist ein beliebter Winterfisch. Nicht etwa, weil sie den ganzen Sommer über Diät machen würde, sondern weil sie vor allem in der Dunkelheit aktiv auf Futtersuche ist. Wenn es also im Winter nach Feierabend noch schnell ans Wasser gehen soll, ist es für die meisten Zielfische zu spät. Für die Trüsche ist es jetzt genau richtig. Wir zeigen Dir, was es braucht, damit Du Deine Trüsche fängst.


Köder

 Ab in die Tiefe damit! Um auf 30, 40 Metern Tiefe zu fischen, braucht es genügend Gewicht. © André Suter

Ab in die Tiefe damit! Um auf 30, 40 Metern Tiefe zu fischen, braucht es genügend Gewicht. © André Suter

Egal ob vom Boot oder vom Ufer aus, der Wurm ist Trüschenköder Nummer 1. Und beim Wurm gilt; je dicker und grösser, desto besser, und wenn noch ein zweiter oder gar dritter Wurm auf dem Haken Platz hat, dann rauf mit ihnen. Der zweite klassische Köder für Trüschen ist ein (kleiner) toter Köderfisch oder aber Fischfetzen. Klein ist dabei relativ. Ich konnte schon knapp 40 cm lange Trüschen fangen, denen der Schwanz eines 15 cm langen Weissfischs aus dem Maul schaute. Köderfisch und Fischfetzen sind für mich aber klar zweite Wahl nach den Würmern. Weitere Köder drängen sich nicht auf; ich habe schon oft mit Lockstoffen oder stark aromatisierten Kunstködern experimentiert – mehr Erfolg konnte ich dadurch nie verzeichnen. Auch Leuchtperlen und Knicklichter sind meiner Meinung nach keine besondere Hilfe, trotzdem fische ich mit ihnen in der festen Überzeugung, den Köder damit attraktiver zu machen.

 Würmer aller Art sind DER Trüschenköder überhaupt. Es lohnt sich, den Haken wirklich vollzupacken. © stock.adobe.com

Würmer aller Art sind DER Trüschenköder überhaupt. Es lohnt sich, den Haken wirklich vollzupacken. © stock.adobe.com


Standortwahl

 Sowohl der Walensee ...

Sowohl der Walensee ...

 ... als auch Thunersee ...

... als auch Thunersee ...

 ... und Zürichsee sind ihrer steil abfallenden Ufer wegen gute Trüschengewässer. © Nils Anderson

... und Zürichsee sind ihrer steil abfallenden Ufer wegen gute Trüschengewässer. © Nils Anderson

Wer es das erste Mal auf Trüschen versuchen will, dem ist ein einschlägig dafür bekannter Platz zu raten. Das können Schiffanlegeplätze oder Hafenmolen sein. Wichtig ist, dass man  eine Tiefe von mindestens 25 Meter erreichen kann. Wer eine Tiefenkarte unserer Seen zur Hand hat, wird schnell merken, dass viele unserer Seen voller potenziell vielversprechender Trüschenplätze sind. Überall, wo das Ufer steil abfällt, kann man auf Trüschen treffen. Wenn dann noch Strukturen wie Felsen oder Vorsprünge auszumachen sind, steigen die Chancen nochmals erheblich. Findet man einen solchen Übergang in der Nähe eines grösseren Bacheinlaufs, lohnt sich ein Versuch allemal. Dies gilt ganz besonders dann, wenn der Bach viel Wasser führt und entsprechend Nahrung hinein verfrachtet wird. 

Was es zu bedenken gibt: Wer an einer steil abfallenden Kante fischt, kann mit kleinen Änderungen der Position, Wurfweite oder -richtung den Köder ganz woanders präsentieren.


Wann fischen gehen?

 Herbst und Winter sind gemeinhin die beliebteste Zeit fürs Trüschenfischen. © André Suter

Herbst und Winter sind gemeinhin die beliebteste Zeit fürs Trüschenfischen. © André Suter

Mit der einsetzenden Dämmerung kann man beim Trüschenfischen in der dunklen Jahreszeit mit Bissen rechnen, und dies kann bis zum Morgen andauern. Gerade im Oktober oder Anfang November lohnt sich auch mal ein Versuch ganz früh morgens. Meine Trüschen-Sternstunden kamen stets am Morgen mit einsetzender Dämmerung. Wenn an einem Platz keine Bisse zu verzeichnen sind, heisst das nicht, das keine Trüschen da sind und ein anderer Platz unbedingt besser wäre. Ich erlebe die Trüschen stets als sehr launisch. Eine meiner Faustregeln lautet dennoch: Wenn nach zwei Stunden kein Biss erfolgt, ist es Zeit, entweder nach Hause zu gehen oder doch noch den Ort zu wechseln. Allgemein gilt, dass Vollmond kein guter Zeitpunkt fürs Trüschenfischen ist. Der naheliegende Umkehrschluss, dass Leermond besonders gut sei, hat sich aber leider nicht bestätigt. Die beste Zeit fürs Trüschenfischen an unseren Seen ist von Mitte September bis Mitte Dezember.

 Vom Schwimmbagger aus funktioniert das Trüschen­fischen auch tagsüber prima. Doch in Ufernähe ist die Dunkelheit erfolgsversprechender. © André Suter

Vom Schwimmbagger aus funktioniert das Trüschen­fischen auch tagsüber prima. Doch in Ufernähe ist die Dunkelheit erfolgsversprechender. © André Suter


Trüschenfischen vom Boot

 Schöne Trüschenstrecke von einem morgendlichen Ausflug am Zürichsee. Alle vier Fische bissen an ein und derselben Stelle auf Wurm am Pilker (vorne im Bild). © Nils Anderson

Schöne Trüschenstrecke von einem morgendlichen Ausflug am Zürichsee. Alle vier Fische bissen an ein und derselben Stelle auf Wurm am Pilker (vorne im Bild). © Nils Anderson

Mit einem Boot mit elektronischem Anker hat man beim Trüschenfischen viele Vorteile. Das vertikale Fischen ist viel weniger anfällig für Hänger und Materialverluste als das Fischen vom Ufer aus. Um die Köder zügig auf Tiefe zu bringen, sind Pilker die erste Wahl. Ich knüpfe den etwa 50 Gramm schweren Pilker direkt an die geflochtene Hauptschnur von etwa 10 bis 15 Kilo Tragkraft. Mit geflochtener Schnur lässt sich auch die Bodenbeschaffenheit beim Aufsetzen des Pilkers erfühlen: Harten Untergrund ziehe ich weichem Boden vor. Die Verwandten der Trüsche im Meer sind die Dorsche, und genau wie diese kann man auch die Trüschen mit grobem Gerät fischen. Es gilt jedoch zu bedenken, dass der Köder unmittelbar am Boden oder noch besser zwei, drei Zentimeter darüber platziert wird. Ich fische daher vom Boot aus immer aktiv mit der Rute in der Hand. Der Einsatz einer zusätzlichen passiven Rute hat mir mehr Mühe bereitet als zusätzliche Fische gebracht. Die Rute sollte also weder zu lang noch zu steif noch zu schwer sein und trotzdem einen kräftigen Anhieb ermöglichen; mittlere Hechtspinnruten sind optimal. Übrigens: Wer zum ersten Mal eine kleine Trüsche in 40 Metern hakt, denkt zuerst an ein Mordstier.

 Ein Echolot zeigt zwar keine Trüschen an (die halten sich ganz am Boden auf), ist aber für die Orientierung an den Strukturen ganz hilfreich. © Nils Anderson

Ein Echolot zeigt zwar keine Trüschen an (die halten sich ganz am Boden auf), ist aber für die Orientierung an den Strukturen ganz hilfreich. © Nils Anderson


Trüschenfischen vom Ufer aus

 Besonderer Reiz: Beim winterlichen Trüschenfischen ist am See oft weit und breit niemand anzutreffen. © André Suter

Besonderer Reiz: Beim winterlichen Trüschenfischen ist am See oft weit und breit niemand anzutreffen. © André Suter

Beim Uferfischen auf Trüschen gewinnt das Material keinen Schönheitspreis. Ich greife jeweils auf recht brachiales Gerät zurück; die Rute sollte mindestens drei Meter lang sein und über ein Wurfgewicht von 50 Gramm und mehr verfügen. Als Schnur nehme ich bevorzugt eine Monofile mit 0,33 mm Durchmesser. Geflochtene Schnur ist vom Ufer aus nicht zu empfehlen, da man beim Hochziehen der Montage oder des Fischs fast unweigerlich mit scharfkantigen Steinen und Muscheln in Kontakt kommt. Nebst den Kanten sind vor allem Hänger ein Problem. Um diesen so gut es geht vorzubeugen, verwende ich ein Anti-Tangle-Boom, an welchem das Gewicht eingehängt werden kann (siehe Foto). Dieses Anti-Tangle-Boom fädle ich direkt auf die Hauptschnur und montiere dann einen Karabiner. Das Vorfach mit Wurm und Haken halte ich möglichst kurz. 5 bis 15 Zentimeter reichen da völlig aus.

 Die Ufermontage ist einfach: Ein Anti-Tangle-Boom mit 40 Gramm Gewicht wird freilaufend auf die Hauptschnur gefädelt, dann ein kurzes Vorfach mit Einzelhaken an den Wirbel geknotet.  © Nils Anderson

Die Ufermontage ist einfach: Ein Anti-Tangle-Boom mit 40 Gramm Gewicht wird freilaufend auf die Hauptschnur gefädelt, dann ein kurzes Vorfach mit Einzelhaken an den Wirbel geknotet. © Nils Anderson

Um Bisse zu erkennen, nehme ich einen Leuchtring, kombiniere diesen mit einem Aalglöckchen und spanne die Schnur an der Grundrute so, dass ich den Ring mit Glöckchen auf den Boden legen kann. So kann ich auch im Dunkeln jede Bewegung der Schnur registrieren.

 Ein Glöcklein oder Leuchtring als Bissanzeiger ist besonders in der Dunkelheit ein Muss. © André Suter

Ein Glöcklein oder Leuchtring als Bissanzeiger ist besonders in der Dunkelheit ein Muss. © André Suter


Biss!

Es kommt immer mal wieder vor, dass die Trüschen vehement und entschlossen anbeissen und ein Anhieb gar nicht nötig ist. Gerade vom Boot merkt man aber oft nur ein Ziehen und nicht etwa ein «Tock». Hält das Ziehen für zwei, drei Sekunden an, setze ich einen kräftigen Anhieb. Hängt die Trüsche einmal, so mache ich kein Federlesen und kurble den Fisch schnell hoch. Wer in Tiefen von 30 Metern oder mehr fischt, muss sich bewusst sein, dass ein Zurücksetzen des Fischs sowieso nicht möglich ist; denn im Gegensatz zu Felchen, Hechten oder Forellen sind die Trüschen keine ausgesprochenen Kämpfer im Drill.  Trüschen fischt man also ausschliesslich für die Pfanne.

 Trüschen zurücksetzen geht nicht! Weil die Fische aus so grosser Tiefe geholt werden, gehören sie anschliessend auch in die Pfanne. © André Suter

Trüschen zurücksetzen geht nicht! Weil die Fische aus so grosser Tiefe geholt werden, gehören sie anschliessend auch in die Pfanne. © André Suter

2 Kommentare


Tom

01 | 11 | 2022

Ab welcher Grösse sind Trüschen für die Pfanne geeignet und wäre ein zurücksetzten überhaupt vertretbar (punkto Fischlaichfresser)


Nils

01 | 11 | 2022

ab 30 Zentimeter kann man sie gut für die Pfanne gebrauchen.
Zurücksetzen wäre bezüglich Fischlaichfresser durchaus vertretbar, Trüschen sind keine Plage. Doch meistens sind sie nicht überlebensfähig wenn sie hochgezogen werden, wegen Problemen mit dem Druckausgleich.
Zu kleine Trüschen eignen sich für Fischfetzen oder als toter Köderfisch (Hecht)


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