Spot-Hopping für Alpenlachse
05 | 12 | 2018 PraxisText & Fotos: Andrin Krähenbühl 0794
05 | 12 | 2018 Praxis
Text & Fotos: Andrin Krähenbühl 0 794

Spot-Hopping für Alpenlachse

Die Seeforellenfischerei vom Ufer aus ist wohl etwas vom Schwierigsten, aber auch Spannendsten, was die Schweiz für den Fischer zu bieten hat. Die Bedingungen sind hart und alles muss stimmen, damit man am Wasser den ersehnten Adrenalinschub erleben kann.

Die Seeforellensaison fängt für mich schon weit vor der ersten Eröffnung an. Damit will ich nicht sagen, dass ich in der Schonzeit fischen gehe, sondern dass die Vorfreude und die Planung schon viel früher einsetzt. Das Material wird auf Vordermann gebracht und die Strategie wird festgelegt. Nicht so starr definiert muss für einmal der Fischerspot sein, dort ist Flexibilität gefragt.


Vorbereitung

Die Vorbereitung fängt schon im Kopf an. Ein normaler Mensch kann sich nicht vorstellen, warum man im Dezember, Januar und Februar (wenn es dann endlich auch im Kanton Bern wieder losgeht) bei ungemütlichsten Bedingungen tagelang am Wasser steht und häufig auch genauso lange nichts fängt. Doch als passionierter Ufer-Seeforellenfischer gehört man nicht zu den Normalen. Wenn man einmal den Biss und die harten Fluchten einer silberblanken Seeforelle im kalten und klaren Wasser erlebt hat, will man das immer wieder. 

Diese Fische sind echte Kaliber und wachsen schnell, da sie vom reichen Nahrungsvorkommen in unseren tiefen Voralpenseen profitieren. Während sie im Sommer meistens in den tiefen Regionen umherziehen, kommen sie im Winter und Frühling ins kühle und sauerstoffreiche Oberflächenwasser. Dies ist unsere Gelegenheit! Oberflächennahe heisst allerdings nicht immer auch nahe am Ufer; die Seeforellen suchen ihre Nahrung oft auch weit weg vom Ufer. Folglich muss man als Uferfischer eine grosse Fläche abdecken. Dazu braucht man weite Würfe. Dafür haben sich lange und relativ straffe Ruten zwischen 2,40 und 3 Meter und einem Wurfgewicht bis 30 oder 40?g, je nach verwendeten Ködern bewährt. Die Rolle muss einiges leisten und sollte daher stabil sein. Gerade bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt trennt sich auch dort die Spreu vom Weizen. Es gibt nichts Mühsameres, als wenn auf einmal die Rücklaufsperre versagt oder die Bremse im entscheidenden Moment ihren Dienst nicht erfüllt. Die Schnur sollte so dünn wie möglich, aber so stark wie nötig sein, meistens passt eine Tragkraft von ungefähr 8 kg. Bei Temperaturen im positiven Bereich verwende ich gerne Geflecht. Wenn es kälter wird, ist es spätestens bei -5 Grad unumgänglich, auf eine monofile Leine zu wechseln.


Spotwahl

Natürlich kann man, wenn alles bereit ist, auch einfach ans Wasser fahren und sein Glück probieren. Seeforellen sind mobile Fische und früher oder später kommt vermutlich eine vorbei. Wer aber seine Chance maximieren will, der sollte sich im Voraus über das Gewässer informieren. So lassen sich zum Beispiel auf Tiefenkarten oder auch auf Satellitenbildern interessante Strukturen wie steil abfallende Uferpartien, Buchten, Hafenanlagen, Zuflüsse usw. erkennen. Bacheinläufe bringen Futter, und Hafenanlagen oder steil abfallende Kanten erlauben uns, auch tiefer stehende Fische zu befischen. Häufig findet man bei auffälligen Strukturen auch Kleinfische. Da können die Seeforellen ja nicht weit sein.

Was man vor dem Gang ans Wasser auch immer anschauen sollte, ist das Wetter. Generell ist Bewölkung besser als Sonne; Wind und Wellen sind erfolgversprechender als Windstille. Anlandiger Wind ist zwar unangenehm zum Fischen, aber oftmals ein gutes Zeichen für ufernahe Fische. Im Zweifelsfall immer ab ans Wasser! Nichts ist beim Seeforellenfischen wichtiger als Hartnäckigkeit und Geduld. Alpenlachse muss man sich verdienen.


Taktik am Wasser

Am Wasser ist Flexibilität gefragt. Wenn man eine passende Stelle eruiert hat, sollte man dort nicht den ganzen Tag verbringen. Wenn ich, warm eingepackt am Ufer oder manchmal auch in den Wathosen, in der flachen Ufer­zone stehe, dann wechsle ich im Verlauf des Tags mehrmals die Stelle, gehe dem Ufer entlang oder fahre gleich ein ganzes Stück weiter. im Extremfall auf die andere See­seite. So kann ich die Vorteile der leichten Spinnfischerei ausnützen und dabei relativ effektiv die Uferzone des Sees nach aktiven Seeforellen absuchen. Dies bietet Abwechslung und hilft, stundenlang konzentriert zu fischen. Wenn der Biss kommt, muss man hellwach sein.

 Ein passender Spot ist gefunden. Nun gilt es zu checken, ob eine aktive Forelle in der Nähe ist. Dies ist in der Gruppe natürlich unterhaltsamer und zudem effizienter.

Ein passender Spot ist gefunden. Nun gilt es zu checken, ob eine aktive Forelle in der Nähe ist. Dies ist in der Gruppe natürlich unterhaltsamer und zudem effizienter.

 Ein schöner Sonnenuntergang am See; so kann man die Fischerei geniessen. Die Abendstunden sollten sowieso nicht unterschätzt werden.

Ein schöner Sonnenuntergang am See; so kann man die Fischerei geniessen. Die Abendstunden sollten sowieso nicht unterschätzt werden.

 Eine etwas kleinere silberblanke Seeforelle hat weit draussen auf einen Wobbler gebissen. Direkt nach dem Foto darf die Schönheit wieder in den Weiten des Sees verschwinden.

Eine etwas kleinere silberblanke Seeforelle hat weit draussen auf einen Wobbler gebissen. Direkt nach dem Foto darf die Schönheit wieder in den Weiten des Sees verschwinden.

 Schlanke Twitchbaits wie dieser 12 cm lange Wobbler (hier der Duo Tideminnow) sind meine bewährten Seeforellenköder.

Schlanke Twitchbaits wie dieser 12 cm lange Wobbler (hier der Duo Tideminnow) sind meine bewährten Seeforellenköder.

 Yeesss! Nach tagelangem Werfen liegt eine wunderschöne Seeforelle im Schnee. Geduld und Hartnäckigkeit haben sich ausgezahlt.

Yeesss! Nach tagelangem Werfen liegt eine wunderschöne Seeforelle im Schnee. Geduld und Hartnäckigkeit haben sich ausgezahlt.


Köderwahl

Und nun noch etwas über meine Köder, obwohl das unter Seeforellenfischern ein kontrovers diskutiertes Thema ist: Ich fische gerne mit schlanken Twitchbaits von 10 bis 15 cm, die sich weit werfen und variabel führen lassen. Man sollte sich von grösseren Ködern nicht abschrecken lassen, die Seeforellen tun das auch nicht. Grössere Köder haben eine grössere Silhouette und fallen somit in den Weiten des offenen Wassers besser auf. Dies ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil. 

Jedes Jahr werden auch viele Fische mit schlanken Stickbaits ohne Tauchschaufel überlistet. Diese haben eine verführerische Absinkphase, in der häufig auch der Biss erfolgt.

Was man auch immer in der Box haben sollte, sind einige Blechlöffel. Schwere Wurflöffel (meiner Erfahrung nach mindestens 18 g) sind altbewährte Köder, denen schon so manche Seeforelle zum Opfer gefallen ist.

Bei den Ködern ist aber grundsätzlich Experimentierfreude gefragt. Jeder Fischer hat andere Favoriten. Somit wird man nicht darum herumkommen, einfach mal ans Wasser zu gehen und auszuprobieren. Dies macht übrigens mit ein paar Kollegen und einem guten warmen Mittagessen und vielleicht noch einem heissen Glühwein am Ufer des Sees noch mehr Freude als alleine. Ich wünsche allen viel Spass und Geduld!

 

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