Schleppfischen mit Ruten [| Teil 3]
07 | 02 | 2022 PraxisText: Ruben Rod 03357
07 | 02 | 2022 Praxis
Text: Ruben Rod 0 3357

Schleppfischen mit Ruten | Teil 3

Im ersten und zweiten Teil dieser Serie haben wir Euch das Zubehör und die Technik zur Ruten­schlepp­fischerei vorgestellt. Im dritten und letzten Teil dieser Praxisreihe geht es darum, was Ihr schliesslich am Ende Eurer Schleppschnüre präsentiert. Angesichts der immensen Produkte­vielfalt beschränken wir uns auf wesentliche Informationen zu Ködertypen und einige Kniffe zu deren Präsentation.

> Schleppfischen mit Ruten | Teil 1
> Schleppfischen mit Ruten | Teil 2


I
n der riesigen Ködervielfalt liegt ein Pluspunkt des Schleppfischens: Die allermeisten Köder lassen sich grundsätzlich auch schleppen. So kann man eine grosse Bandbreite unterschiedlicher Fischverführer parallel anbieten und systematisch herausfinden, welche davon gerade besonders überzeugend sind. Am Seeforellen-Eröffnungstag etwa ziehen knallige Sachen oft besser als später in der Saison. Je mehr Köder die Fische gesehen haben, desto dezenter wird gewählt. Auch beim Hechtschleppen gilt es, ein Gleichgewicht zwischen Auffälligkeit und Natürlichkeit zu finden. Je nach Licht- und Wetter­ver­hältnissen passt man die Köderauswahl an, und generell gilt: Je klarer das Wasser und ruhiger der See, desto natürlicher. Aber auf ganzjährig klaren Seen können auch auffällige Köder den Unterschied ausmachen. Gelb, Chartreuse und Pink erweisen sich immer wieder als Reizfarben. Zu berücksichtigen ist auch das Spiel der verwendeten Köder. Hat man das gewünschte Tempo eingestellt, sollte man beim Ausbringen die Köder neben dem Boot im Wasser laufen lassen und deren Aktion erstmal beobachten, ehe man sie für Stunden und viele hundert Meter durch das Wasser zieht. 

Die Köderwahl beim Schleppfischen ist alles andere als trivial, denn auf einen «abgeschleppten» Fisch kommt in der Regel ein Vielfaches an nicht überlisteten Räubern, die dem Köder nur gefolgt sind oder ihn ignoriert haben. Wir haben für Euch eine Auswahl von Erfolgsködern getroffen und zu verschiedenen Ködertypen zusammengestellt. 


Geschleppt ist nicht geworfen

Zwischen der aktiv geführten Rute beim Spinnfischen und der Schleppfischerei gibt es wesentliche Unterschiede. Das führt dazu, dass für Schlepp- und Spinnköder unterschiedliche Regeln gelten. Geschleppte Köder werden gleichmässig durch das Wasser gezogen und die Aktion der Rute an der Hand fehlt. Der Köder muss von alleine ein Spiel entwickeln, das auch bei einer gleichmässigen Geschwindigkeit Räuber zum Anbiss verleitet. Und wenn es geschieht, fehlt der kräftige Anhieb mit der angeschlagenen Rute. Der Fisch muss sich also allein durch das geschleppte Tempo aufhängen, eine passende Anbringung der möglichst scharfen Haken ist also mitentscheidend. 

Da ist auch noch der Faktor Zeit: Ein Schleppköder kann von einem Verfolger über längere Strecken in aller Ruhe und von allen Seiten in Augenschein genommen werden. Vorfächer, Einhängerclips, der (fehlende) Geruch, Schnurgeräusche im Wasser oder ein unerkannter Faktor X führen oft dazu, dass schliesslich der Biss ausbleibt. Es gibt auch einige Probleme, die in der Spinnfischerei kaum eine Rolle spielen, wie etwa das Auflesen von Wasserpflanzen an den Ködern oder massiver Schnurdrall durch einen um die eigene Achse rotierenden Köder. Auch Hänger sind problematischer und als Schleppfischer mit vielen Ködern muss man gut abwägen, wie hart am Grund oder an Strukturen gefischt werden kann. All das sind vermutlich Gründe dafür, weshalb die Bissfrequenz «pro Meter Köder im Wasser» beim Schleppfischen tiefer ausfällt als bei geworfenen und von Hand eingeholten Spinnködern. Aber das macht die Schleppfischerei mit den zahlreichen Anbissstellen und der um ein Vielfaches längeren Verweildauer der Köder in potenziellen Fangzonen mehr als wett.


Perlmuttspangen

 © Daniel Luther

© Daniel Luther

Beim Schleppfischen auf Seeforellen gelten die einzigartigen Perlmuttspangen zu Recht als «Königinnen der Schlepplöffel». Viele Seeforellenschlepper schwören auf die Schmuckstücke aus Muschelschalen. Eine Spange sendet natürliche Lichtreflexe aus und bewegt sich im Wasser lebhaft und abwechslungsreich. Eine gute Spange zu finden, ist allerdings nicht einfach, da jedes Stück ein Unikat ist und sich im Wasser anders verhält. Da ist vom perfekten Modell bis zum kompletten Flop alles möglich; auf den ersten Blick sichtbar ist es nicht. Wer eine umfangreiche Auswahl an Spangen bei sich hat, hat jedoch für jede Bedingung einen potenziellen Top-Köder mit dabei. Fängige Spangen zeigen ihr bestes Spiel oft auch nur in einem engen Tempobereich. Um herauszufinden, welche von ihnen wirklich fängig sind, braucht es viel Zeit und eine gezielte Strategie (siehe Ausgabe 12/2020). Hat man schliesslich eine fängige Spange gefunden, sollte man nichts mehr an ihr verändern; weder Einhänger noch Haken sollten durch ein anderes Modell ersetzt werden. 

Gute Perlmuttspangen werden überwiegend von Fischern selbst hergestellt.

 

Vorteile

 

Nachteile

+ lebhaftes Spiel mit Unregelmässigkeiten hoher Preis
+ natürliche Farben in unbegrenzten Abstu­fungen (jede Spange ist ein Unikat) unberechenbarer Lauf und damit stark variierende Fängigkeit
+ sehr leicht und geringer Schleppwiderstand individuelles und enges Tempofenster für ideales Spiel
+ magische Anziehung insbesondere auf Seeforellen nicht modifizierbar (Perlmutt unflexibel)

 


Schlepplöffel

 © Daniel Luther

© Daniel Luther

Blechlöffel haben da vor allem für Einsteiger einen immens grossen Vorteil: Die seit vielen Jahren serien­mäs­sig produzierten Löffel fangen Fische, sonst gäbe es sie nicht mehr. Aber fast alle Blechklassiker kommen mit einem Drilling ausgestattet in den Handel. Da hierzulande fast überall ein Widerhakenverbot für Drillinge gilt, sollte dieser gegen einen Einzelhaken mit erlaubtem Widerhaken ersetzt werden. Dies beeinflusst wiederum den Lauf des Löffels. Bei Bedarf kann man Blechlöffel auch mit Fingern oder Zange auf Kurs bringen. Das sollte man allerdings nur mit ausreichend Erfahrung tun, um einen bereits erprobten Lauf nicht zu «verschlimmbessern». Es gibt auch Modelle mit Perlmutt-Folie, welche das zuverlässige Köderspiel des Serienprodukts mit dem reizvollen Schimmer des Naturprodukts kombinieren. Man kann Löffel auch selbst mit Folien oder Farben individualisieren. Schwerere Wurflöffel, die eigentlich zum Spinnfischen gedacht sind, haben auch beim Schleppen ihre Berechtigung. Gute Modelle laufen in einem weiten Tempobereich und sind vielseitig einsetzbar. Bei viel Wind und Wellen und bei all jenen, die rudernd schleppen (müssen), sind sie der Köder der Wahl, insbesondere wenn es auf Hecht geht. 

Einige bekannte Marken: Stuckilöffel, Mozzi, Toby, Effzett, Indilure, Luhr Jensen, Salmopearl, Kuusamo.

 

 

Vorteile

 

Nachteile

+ lebhaftes Spiel mit Unregelmässigkeiten bei konstantem Tempo in der Regel mit Haken verkauft, die man ersetzen oder ändern muss
+ Lauf zuverlässiger und berechenbarer als bei Perlmuttspangen Flexibilität kann zum Nachteil werden, wenn sich ein fängiger Löffel unbemerkt verformt (z. B. beim Drill)
+ modifizierbar durch Biegen je nach Qualität ist Rost ein Problem

 


Köderfischsysteme

 © Peter Schenk

© Peter Schenk

 © Peter Schenk

© Peter Schenk

 © Peter Schenk

© Peter Schenk

Ein frischer Köderfisch auf einem gut laufenden System ist in vielen Situationen eine gute Wahl, erst recht bei grossen und erfahrenen Raubfischen in stark befischten Gewässern. Besonders wenn das Wasser klar und kühl ist, erfolgen mehr Bisse als auf Kunstköder. Der Vorteil ist, neben der Echtheit, natürlich auch der Geruch. Wenn ein Räuber folgt, zieht der Köderfisch eine verführerische Duftspur hinter sich her. Je nach kantonaler Vorschrift können dafür Lauben, Rotaugen, Alet, Egli und sogar Felchen verwendet werden. Damit ein toter Fisch sich auch natürlich bewegt, gilt es, die Totenstarre an der Montage zu verhindern. Bei frischen Köderfischen kann man sie einen Moment liegen lassen und dann die Starre durch Hin- und Herbiegen wieder lösen. Oder man friert sie ein, denn aufgetaute Fische sind auch locker. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass das Einfrieren den Fangerfolg nicht gefährdet und dank der flexiblen Verfügbarkeit grosse Vorteile bringt. Man kann sich besser auf die Schlepprunde vorbereiten und muss keine kostbare Zeit mit dem vorgängigen Fang von Köderfischen verbringen. Einige Puristen halten aufgetaute Köder für zweitklassig und bevorzugen fangfrische Fische, während andere bereits geschleppte Köfis am System sogar mehrmals inklusive Montage wieder einfrieren und auftauen. Das ist natürlich auch vom Zustand des Köderfischs abhängig. Kleine Egli mit ihrem robusten Schuppenkleid halten besonders lange. Schlussendlich ist das wohl eher Geschmackssache des Fischers, denn gefangen wird mit beidem. Wer die Möglichkeit hat, vor jeder Ausfahrt noch schnell ein paar frische Köderfische zu fangen, darf sich so oder so glücklich schätzen, denn die meisten Schleppfischer sind auf angelegte Vorräte angewiesen. Es gibt auch Möglichkeiten, um die Haltbarkeit durch Salzen zu verlängern oder durch Impfen mit Duftstoffen den Reizfaktor noch etwas zu erhöhen. Insbesondere grössere Köderfische ab 25 cm müssen oft angepasst werden, damit sie gut laufen und sich nicht um die eigene Achse drehen. Entscheidend ist dabei das Durchstechen oder Entfernen der Luftblase.

Einige bekannte Köfi-Systeme:  Wikam, Xavi, Köfimaz, Donzette, Stocker, Lip Scull, Eigenbausysteme.

 

 

Vorteile

 

Nachteile

+ «Echter als echt geht nicht» gute Montage relativ anspruchsvoll
+ Faktor Geruch (Spur) und Konsistenz überzeugt misstrauische Fische Haltbarkeit begrenzt und nicht immer (einfach) verfügbar
+ Köderfische sind im Vergleich zu Gummis kosten- und umweltschonend ersetzbar verändern ihre Festigkeit im Wasser (werden weich) und können abrutschen



Wobbler

 © Daniel Luther

© Daniel Luther

Mit ihren lebensechten Bewegungen unterschiedlicher Art, der enormen Vielfalt und ungleichen Lauftiefen lassen sie sich vielseitig einsetzen. Von ultra-natürlich bis mega-auffällig lassen sich passende Modelle anbieten, um träge Zander zu provozieren oder scheue Seeforellen zu überzeugen. Die Schwimmtiefe dieses Ködertyps lässt sich durch die unterschiedlichen Formen und Tauchschaufeln auch ohne Bebleiung variieren. Mit ausgeprägten Tiefläufern, wie dem Deep Tail Dancer von Rapala, lassen sich Zonen von acht und mehr Metern Tiefe erreichen; doch die meisten Wobbler erreichen ohne Zusatzgewicht zwischen einem halben und vier Metern. Insbesondere für das minimalistische Schleppen mit Spinnruten ohne Sideplaner und weiteren Schleppeinrichtungen ist dieser Ködertyp besonders attraktiv. Wird eine geschleppte Rute in der Hand gehalten, lassen sich auch Twitchbaits animieren und deren Stärken nutzen. Denn durch das monotone Tempo beim Schleppen überzeugen viele Wobbler nicht. Es ist kein Zufall, dass Schleppfischer andere Vorlieben haben als Spinnfischer und für seltsam oder schwerfällig anmutende Produkte wie den Zalt, Turus Ukko oder Tomic-Wobbler schwärmen. All diese Modelle zeichnen sich auch bei einem gleichmässigen Zug durch ein attraktives Spiel mit Unregelmässigkeiten aus. Jedoch gilt für sämtliche geschleppten Modelle, dass sie einen stabilen Lauf haben und eine solide Verarbeitung aufweisen müssen. Bei Produkten ungenügender Qualität kann es passieren, dass eingeschraubte Ösen oder geleimte Tauchschaufeln mitsamt Befestigung abbrechen. 

Einige bekannte Marken:  Rapala, Duo, Ilex, Lucky Craft und viele weitere. 

 

 

Vorteile

 

Nachteile

+ lebensechte, zuver­lässige Aktion kein Geruch
+ robust, geht nicht nach wenigen Bissen kaputt störende Geräusche (viele Wobbler sind zu laut)
    teilweise teuer
    meistens sehr monotones Laufverhalten beim Schleppen



Geschleppte Gummis

Naturgetreue Gummi-Nachbildungen machen besonders den Hechten das Leben zunehmend schwer und es gibt sie in so grossen Ausführungen, mit denen aktives Spinnfischen faktisch unmöglich ist. Diese «weichen Riesen» verfügen über ein besonders attraktives Schwimmverhalten und verdrängen beim Fischen viel mehr Wasser als andere Kunstköder. Shads oder Swimbaits ohne Tauchlippe sehen aus wie grosse Fische und haben meist neben einem Schaufelschwanz noch eine Körperform, die beim Einholen zusätzlich flankt. Hechtexperten schätzen dieses «Kippeln» und legen daher bei der Köderwahl ihr Augenmerk auf solche, die nicht nur mit dem Schwänzchen wackeln, sondern mit dem ganzen Körper arbeiten, wie etwa die grossen Gummifische aus der «3D»-Serie von Savage Gear. Bekannt sind auch Mischformen von Wobbler und Gummis wie etwa die Castaic Wobbler oder «Mike the Pike» von Westin. Besonders unter den Hecht- und Zanderfischern gibt es einen starken Trend zu diesen Ködertypen, aber warum nicht mal einen Gummifisch auf Seeforellen versuchen? Gummis können auch erfolgreich an Köderfischsystemen eingesetzt werden und natürlich lassen sie sich auch an klassischen Jigköpfen schleppen.

Einige bekannte Marken:  Savage Gear 3D-Serie, Castaic, Cormoran Bullit, Trendex Magnum, Abu Garcia Sand Eel.

 

 

Vorteile

 

Nachteile

+ lebensechte Optik und Aktion gehen relativ rasch kaputt durch scharfe Zähne
+ sehr grosse Modelle verfügbar bei Verlust wird viel Plastik im Gewässer hinterlassen
+ hohe Fängigkeit, insbesondere auf grosse Hechte  teilweise intensiver (Plastik)-Geruch und problematische Inhaltsstoffe (Weichmacher)

 

Es gibt über diese Ködertypen hinaus noch viele weitere Köder und Systeme wie etwa das bewährte Schleppen des mit Maden gespickten «Käferlilöffel» auf Egli, die Kombination von Spinner und Köderfischen («Löffelbutz»), die Twin­lures aus echten Fischen oder exotische Köder wie den «Tasmanian Devil» aus Neuseeland. Auch die Schleppfischerei auf Saiblinge mit Konvoisystemen ist ein ganzes Thema für sich (siehe «Petri-Heil» 9/2020). Über die Köder hinaus gibt es auch noch etliche Hilfsmittel und Tricks wie etwa Locksysteme mit Flasher, Spinner oder «Plastikfahnen», Anti-Treibgut- und Krautsammler, Antidrall-Systeme oder das in den USA praktizierte «Leadcore Trolling» mit Bleischnüren. Details, auf die es besonders bei der Seeforellenfischerei ankommt, sind im Artikel von Ronny Camenisch im «Petri-Heil» 1/2020 beschrieben. Ein riesiger Spielplatz zum Entdecken, Tüfteln und Ausprobieren eröffnet sich bei der Fischerei vom fahrenden Boot aus. Spätestens mit dem ersten kapitalen Fisch ist man schliesslich vom Schleppvirus infiziert. Achtung: Suchtgefahr! 


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