Felchen-Fangverbot im Bodensee!
22 | 06 | 2023 SchweizText: Hansjörg Dietiker 75423
22 | 06 | 2023 Schweiz
Text: Hansjörg Dietiker 7 5423

Felchen-Fangverbot im Bodensee!

Die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) beschloss (einstimmig!), dass ab 1.1.2024 keine Felchen mehr gefangen werden dürfen. Weder von Beruf- noch von Sportfischern.


In der IBKF-Konferenz hat jeder Bodensee-Anrainer (Bayern, Baden-Württemberg, Thurgau, St. Gallen, Vorarlberg) einen Sitz hat; es muss einstimmig entschieden werden. 

Alarmierende Zahlen lagen an der Tagung  vom 21. Juni in Ittigen vor: Nur noch 21 Tonnen Felchen haben die 64 Berufsfischer 2022 im Boden-Obersee erbeutet. Über 80 Prozent weniger als im Vorjahr, als noch 107 Tonnen in die Netze gingen. Vor 20 Jahren waren es noch über 800 Tonnen.

Die Ursachen seien in der explosionsartigen Ausbreitung von Stichling und Quagga-Muschel sowie die Auswirkungen des Klimawandels zu suchen. Zudem leide der Fischbestand auch unter dem weiter zunehmenden Kormoran-Frass.

Während des vorläufig auf drei Jahre festgelegten Fangverbots soll nun versucht werden, den hohen Stichlingbestand abzufischen. Zudem sollen Besatzfische im kommenden Frühling später eingesetzt werden, wenn sie grösser sind und nicht mehr von Stichlingen gefressen werden können.

Hingegen erlaubt die IBKF zusätzliche Netztypen, mit denen die Berufsfischer vermehrt  Rotaugen, Barsche, Hechte und Welse fangen können. 

Auch soll die Fischartenzusammensetzung im Bodensee wegen des schnellen Wandels des Seeökosystems nun regelmässig untersucht werden.

Fischer opponieren

Angler und Berufsfischer sind natürlich nicht erfreut über das Fangverbot. Es müsste viel mehr gegen den Kormoran unternommen werden, ist der Tenor.

In Fischerkreisen ist man sich einig, dass das notwendige Phosphat im Nährstoffkreislauf der Felchen fehlt, wodurch diese langsamer wachsen. Das Phosphat wird in zu hohen Dosen in den Kläranlagen entfernt. Diese übertriebene und sehr teure «Reinigung» müsste man überdenken, anstatt Fangverbote auszusprechen, meint ein Berufsfischer dazu.


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57% | Nein


 Im Bodensee dürfen für drei Jahre keine Felchen mehr gefangen werden! Wie konnte es soweit kommen mit dem Brotfisch der Berufsfischer?

Im Bodensee dürfen für drei Jahre keine Felchen mehr gefangen werden! Wie konnte es soweit kommen mit dem Brotfisch der Berufsfischer?

7 Kommentare


Pikehunter

22 | 06 | 2023

Der Vergleich Berufs und Sportfischer wäre hier im Kontext ebenfalls interessant.
Ein komplettes Verbot für den Sport/Hobbyfischer finde ich nicht ganz korrekt.
Eine Fangzahlbeschränkung hätte doch bei den Sportfischern gereicht 5 Felchen pro Monat und Person allenfalls ? Dies ist ja vielleicht ja sogar ein schonender Fang mit Einzelhaken für die Forschung…


Mark Schlecht

22 | 06 | 2023

Unglaublich auf ein schlechtes Fangjahr so einen Aufstand zu machen. Besser Livescope Nutzer anfragen und diese fragen wo die Fische sind. Die Fische sind evt nur irgend wo anders aufzufinden. Und die Doku hatte im Fernsehen ja gedeutet dass es super toll war für die Biodiversität dass es so warm war. Es kommen gute Nährstoffe in die Tiefe weil dass Wasser so warm war…. Viele Biologen und nur ein Fangverbot ist das Fazit. Beschämend. Gruss Mark.


Thorsten

23 | 06 | 2023

Wenn man den Lebensraum nicht verändert, wird sich bei den Felchen auch nichts verändern. Einfach nur verbieten funktioniert wie ein Gefrierschrank ... macht vorhandenes länger haltbar, aber es vergammelt nach Jahren doch.


Christian Iten

23 | 06 | 2023

Sicher fehlt es an nährstoff jedoch hab ich in den letzten jahren viele felchen gefangen teils mehr als vor 10 jahren aber alles grosse ! Im allgemeinen wird weniger gefangen. früher gabs eindeutig mehr kleine! Ich denke mehr geschüzte gebiete , längere schonzeiten und vor allem grössere maschen bei den netzen wär die richtige lösung auf längere zeit. (im jan.gabs kein laich)dafür hab ich märz-april viel laich gesehen wo keine schonzeit mehr ist! Vielleicht muss man da was ändern? Das thema mit den stichlingen ist schon alt .wir haben schon vor 2 jahren bewiesen dass viele egli voll mit stichlingen waren.auch da grössere maschenweite mehr grosse egli weniger stichlinge so einfach wäre es(sogar einheimisch gelöst)! jedoch kämpfen berufsfischer gegen grössere maschenweite und mindest grösse. schütz die sportfischer denn sie bezahlen das meiste im verhältnis und fischen am wenigsten kg. sie schützen den see und machen kein buisness damit . Wir wollen dass es unserem see noch lange gut geht!


Alexander Vonach

24 | 06 | 2023

Eine Fangbegrenzung für Sportfischer, die eh nur geringe Stückzahlen entnehmen wäre ja noch nachvollziehbar gewesen. Z.B. hätte man die gefangenen Felchen in einem Zusatzblatt direkt nach dem Fang eintragen könnenund bei 10 Stück pro Monat wäre das Kontingent für diesen Monat erfüllt gewesen...aber ein 3-jähriges Entnahmeverbot??? Bei den Netzfischern ist es nachvollziehbar, eine Fischart mal komplett einem Moratorium zu unterziehen, sind es doch gerade die Netzfischer die in den letzten Jahren und Jahrzehnten den Bestand regelrecht pulverisiert haben. Aber auch der Kormoran und das übertriebene Ausfällen von Phosphat trägt zur Fischarmut bei....


Reto Schnider

05 | 07 | 2023

Leider wird ein grosses Problem am Bodensee konsequent ausgeblendet, neben verminderten Nährstoffen im See und neben den natürlichen Einflüssen wie Quaggamuschel, Stichling und Kormoran ist der grösste Schädling der Berufsfischer mit Maschenweiten mit denen jahrelang juvenile Felchen aus dem See gefischt wurden. Zudem ist auch die Anzahl der Netze Jahr für Jahr pro Berufsfischer gestiegen. Das Argument war immer, dass die Netze jener die den Beruf des Fischers an den Nagel gehängt haben auf die verbleibenden Fischer verteilt wurden. So hat der Befischungsdruck nie abgenommen und der See war ständig überfischt. Leider wird das Muratorium nur den einen Effekt haben, dass der Druck auf Forelle, Hecht und Barsch steigen wird und auch diese Arten überfischt werden. Die Felchen welche nachwachsen und nach den 3 Jahren wird der Berufsfischer sie nach in kürzester Zeit wieder aus dem See gefischt haben ... ohne eine Reduktion der Netzfläche ist und bleibt der Berufsfischer der grösste Schaden an unserem schönen See.


Federer Christ

25 | 07 | 2023

Nur wenn die Netzfischerei erhebliche reduziert wird haben die Fische noch eine Chance.


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