Die ersten Tage auf Hecht
30 | 04 | 2018 PraxisText & Fotos: Markus von Euw 01956
30 | 04 | 2018 Praxis
Text & Fotos: Markus von Euw 0 1956

Die ersten Tage auf Hecht

Die Ruten sind gerüstet, neue Schnur und Vorfächer aufgezogen, das Boot aus dem Winterschlaf geweckt und die dicke Mütze oder der Sonnenschutz liegen bereit für den ersten Hechttrip der Saison. Aber wo und mit welchen Techniken greifen wir an?

Je nach Wassertemperatur beginnt der Hecht mit seinem Laichgeschäft mal etwas früher, mal etwas später. Die Hechtweibchen fahren ihre Aggressivität und das Fressverhalten während des Laichgeschäfts massiv nach unten und reagieren auf ihren Laichplätzen sehr verhalten auf vermeintliche Nahrung und damit auch unsere Köder. Bei den Hechten kann ziemlich klar zwischen Laichplatz und Fressplatz unterschieden werden, deshalb ist es eigentlich immer möglich, Hechte zu fangen, ohne das Liebesspiel zu stören. Der Esox bewacht auch seinen Laich nicht, wie beispielsweise der Zander. Mit etwas Glück kann man das teils aggressive Laichverhalten der Männchen untereinander um die Gunst des Weibchens aus der Ferne beobachten. Gerade nach der Laichzeit fängt man viele geschundene Hechte mit Bissverletzungen als «Souvenir» des Laichgeschäfts.


Wo findet das grosse Fressen statt?

Das kräfteraubende Laichgeschäft ist im Mai meistens vorbei und die Hechte brauchen neue Energie! Sie sind nun da, wo auch die Nahrung ist. Bei mildem Wetter erwärmen sich die flachen Uferpartien schnell und bieten Nahrung für die Futterfische. Diverse Weissfische massieren sich hier zu dieser Zeit und das Hechtbuffet ist reichhaltig gedeckt.

Häufig sind die kleineren Männchen etwas länger in den flachen Gebieten, ziehen umher, um nach Nahrung zu suchen, oder vielleicht noch verspätet ihr Herzblatt zu finden. 

Fische, die das Laichgeschäft schon abgeschlossen haben, stehen oft an Kanten, die von flacheren Gebieten ins Tiefe auslaufen. Frühe Laicher sind nun schon unterwegs in die tieferen Bereiche, wo sich Felchen und Egli aufhalten; diese Hechte stehen jetzt ganz dicht an den grossen Schwärmen und können mit wenig Aufwand Beute machen.

Hier gilt es, die Augen offen zu halten, Wassertemperaturen zu beachten und durchzuprobieren. Die Fische ziehen in Abhängigkeit vom Wetter oft schnell umher! Am besten startet man in den flachen Bereichen und arbeitet sich von da aus in die tieferen Regionen durch. Hilfreich ist natürlich ein Echolot, um damit Futterfisch, Struktur oder direkt Hecht aufzuspüren. Mit dem Boot können so die heissen Stellen effizient abgesucht werden. 


Technik im Flachwasser

Je nach Temperaturen ist in den flachen Bereichen das Kraut schon recht hoch gewachsen und man hat nur noch einen kleinen Bereich über dem Bewuchs, um effizient ohne Kraut am Köder zu fischen. Eine gute Methode, um möglichst viel Fläche abzusuchen, ist das aktive Jiggen mit einem kleinen Gummifisch am Bleikopf. Dabei wird der Gummifisch recht schnell durchgekurbelt und von Zeit zu Zeit gestoppt, um ihn auf Grund oder Kraut sinken zu lassen. Genau dieser Stopp löst oft den Biss aus! Wir imitieren hier einen flüchtenden Futterfisch, der sich entweder verstecken will oder geschwächt absinkt.

Am liebsten fische ich in den ganz flachen Bereichen mit Jerkbaits und Softjerks. Diese Köder imitieren mit ihrem stark zur Seite hin ausbrechenden Laufverhalten einen kranken Futterfisch. Im flachen Wasser ist man mit langsam sinkenden Jerks am besten bedient, man kann den Köder nach den ruckartigen Bewegungen länger stehen lassen und so trotz langsamer Führung viel Aktion auf kleinem Raum erreichen und den Köder lange im Sichtfeld des Räubers stehen lassen. Ich beginne mit «silent» Ködern, und wenn da keine Reaktionen der Hechte kommen, versuche ich es mit lauten Ködern mit Rasseln und Kugeln drin. 

Das sogenannte Shallow Rig ist generell nichts anderes als ein Gummifisch, gefischt mit sehr wenig oder sogar ohne Blei, damit man selbst bei langsamer Köderführung nahe an der Oberfläche bleibt und nicht unnötig Kraut sammelt. Mein persönlicher Favorit ist da klar der Shad am grossen Offset Haken (bis zur Grösse 13/0). Damit kann ich den Köder komplett krautfrei halten, denn die Spitze des Hakens ist im Köder versteckt und sammelt deshalb kein Kraut ein; beim Biss und Anschlag tritt der Haken aus dem Gummifisch und hakt den Hecht.

Wenn die Hechte partout nicht beissen wollen, kann eine Ködergattung den Spiess manchmal umdrehen: Der Twitchbait! Relativ schlanke Wobbler mit geringen Tauchtiefen eignen sich gut, um in der obersten Gewässerschicht ordentlich Radau zu machen. Die Twitchbaits haben einen Eigenlauf und bewegen sich schon unter leichtem Zug verführerisch mit recht schnellen Bewegungen zur Seite. Diese Köder können aber auch gezupft (getwitcht) werden und brechen dann unkontrolliert zur Seite weg aus. Der Kontrast im Bewegungsmuster zwischen vibrationsreichen Links-Rechts Bewegungen und abrupten Stopps mit Verharren an Ort und Stelle, leichtem Sinken oder Auftreiben bringt oft Bisse.

Im Flachen bewähren sich schwimmende (floating) und schwebende (suspending) Modelle.

Viel Wind bringt viel Sauerstoff ins Wasser, und das brauchen die Hechte oft, um aktiv zu werden und zu fressen. Achtet deshalb auch auf den Wind und die dadurch bewirkten Strömungen im Wasser.

Obwohl man heute nicht mehr viel von klassischen Spinnern und Blinkern hört, haben diese Köder immer ihre Berechtigung! Je nach Gewicht, Spinnerblattform oder Dicke des Blinkers gibt es fast für jede Gewässertiefe das richtige Blech! Auch die alten «Krautblinker» finden heute noch regelmässig ihre Abnehmer. Mode vergeht, aber die Evergreens bleiben!

 Dieser Frühlings-Esox konnte im bereits etwas wärmeren flachen Wasser überlistet werden.

Dieser Frühlings-Esox konnte im bereits etwas wärmeren flachen Wasser überlistet werden.

 Lethargische Hechte vom Grund sind oft mit Egeln besetzt.

Lethargische Hechte vom Grund sind oft mit Egeln besetzt.

 Die Bebleiung richtet sich nach dem beangelten Gebiet, ob mit viel Blei für das Freiwasser oder nur mit Belly Weight oder Offset Haken überm Kraut.

Die Bebleiung richtet sich nach dem beangelten Gebiet, ob mit viel Blei für das Freiwasser oder nur mit Belly Weight oder Offset Haken überm Kraut.

 Beim Vorfach gibt es keine Kompromisse, FC unter 0,80mm hat beim Hecht­angeln nichts verloren!

Beim Vorfach gibt es keine Kompromisse, FC unter 0,80mm hat beim Hecht­angeln nichts verloren!

 Spinnerblättchen oder Glasrasseln sorgen für zusätzliche Reize.

Spinnerblättchen oder Glasrasseln sorgen für zusätzliche Reize.

 Harte Typen: Ob Jerk-, Multisegment-, Crank- oder Twitchtbait – ein jeder hat sein Territorium.

Harte Typen: Ob Jerk-, Multisegment-, Crank- oder Twitchtbait – ein jeder hat sein Territorium.

 Die Freude ist riesig über den Fang dieses schönen Entenschnabels.

Die Freude ist riesig über den Fang dieses schönen Entenschnabels.


Mittlere Tiefe und Kanten

In den etwas tieferen Bereichen empfiehlt es sich auch, seine Köder eine Etage tiefer anzubieten, wobei der Hecht problemlos mehrere Meter nach oben schnellen kann, um sich den Köder zu holen. Im Frühjahr sind die Hechte aber oft noch nicht so agil, deshalb versuche ich den Köder nahe beim Hecht zu präsentieren.

Auch hier ist der mittlere Gummifisch am Bleikopf ein sehr guter und vielseitig einsetzbarer Köder! Der Gummifisch wird hierbei nahe am Grund oder Kraut geführt, um die lethargischen Hechte zu reizen.

Tieftauchende Crankbaits und Zikaden sind eine gute Waffe, wenn die Hechte etwas mehr Aktion wollen. Diese Köder lassen sich schnell führen, wobei man die Zikade schnell auf Grund sinken lassen und den Crankbait je nach Ausführung (floating, sinking, suspending) an Ort und Stelle stehen oder langsam aufsteigen lassen kann.

Der grössere Gummifisch im Mittelwasser hat eine deutlich erkennbare Silhouette und kann vom Hecht gut wahrgenommen werden. Den Köder kann man nach dem Auswerfen an straffer Schnur sinken lassen. Am besten zählt man die Sekunden bis zum Grundkontakt und findet so heraus, wieviele Sekunden der Köder braucht, um einen Meter zu sinken. So weiss man recht genau, auf welcher Tiefe der Köder läuft, und man kann so den Köder über die Kante führen und danach absinken lassen. In diesem heis­sen Bereich ziehen die Hechte oft den vertikalen Strukturen entlang, um Futterfische zu finden.


Tiefes Wasser

Im tiefen Wasser stehen normalerweise erst die grossen frühen Laicher. Da beschränke ich mich auf das Jiggen mit Gummis und verhältnismässig viel Blei und das Freiwasserangeln! Köder um die zwölf bis 18 cm, manchmal aber auch bis 30 cm eignen sich dazu bestens. Der Gummifisch oder Twister sollte sowohl beim Ankurbeln als auch beim Absinken verführerisch mit dem Schwanz spielen. Das Gewicht des Bleikopfs richtet sich nach der Ködergrösse, Form und Gewässertiefe. Voluminöse Köder mit viel Aktion brauchen etwas mehr Blei als schlanke Köder mit hochfrequentem Schwanzspiel.

Das Freiwasserangeln im Tiefenbereich ist zu dieser Jahreszeit sicherlich nicht die effizienteste Angelmethode, aber man kann dabei wahre Überraschungen erleben, selten fängt man hierbei kleine Hechte!

Beim Fischen gibt es viele zusätzliche Einflussfaktoren, deshalb ist es wichtig, flexibel zu bleiben und sich nicht auf eine Technik zu versteifen. Ich wünsche euch viel Erfolg an der Hechteröffnung und ein fettes Petri Heil!

 

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