Der Sonnenbarsch
01 | 11 | 2021 PraxisText & Fotos: Robin Melliger 01129
01 | 11 | 2021 Praxis
Text & Fotos: Robin Melliger 0 1129

Der Sonnenbarsch

Mittlerweile dürfte dieser farbenprächtige Fisch den meisten Fischern bekannt sein. Ursprünglich aus Aquarien eingesetzt, ist der Sonnenbarsch mittlerweile in vielen stehenden Gewässern der Schweiz anzutreffen. «Petri-Heil» erklärt Dir die Lebensweise und den Fang unseres «Amerikaners».


Der Gemeine Sonnenbarsch oder auch Kürbiskernbarsch genannt, ist ein besonders bunter Vertreter der Sonnenbarsche. Sein Körper weist eine bläulich-grünliche Marmorierung auf, der Brustbereich ist leuchtend orange gefärbt. Die Männchen präsentieren während der Laichzeit ein ausgeprägt schillerndes Hochzeitskleid mit leuchtend bläulichen Farben. Ebenfalls erkennt man männliche Vertreter der Art durch die kleine Beule am Kopf. Weibchen und Jungtiere dagegen sind blasser gefärbt. Ein spezielles Merkmal dieser Fische ist die sogenannte «Ohrenklappe», eine rundliche Verlängerung der Kiemendeckel, welche als «falsches Auge» bekannt ist und einen rötlich-orangen Punkt aufweist. Verbreitet ist diese physische Abwehrstrategie bei manchen Fischarten der Weltmeere. Der Nutzen dieses Punktes ist, den Abstand der Augen visuell zu vergrössern, um damit Raubfische und Konkurrenten einzuschüchtern. Ich konnte bereits mehrere Male beobachten, wie dadurch deutlich grössere Fische wie Schleien oder Egli verscheucht wurden.

 Farbenfroh und neugierig: Der Sonnenbarsch kann mit einfachen Mitteln gefangen werden.

Farbenfroh und neugierig: Der Sonnenbarsch kann mit einfachen Mitteln gefangen werden.


Pfannenfisch

Der Sonnenbarsch kommt ursprünglich aus Nordamerika und wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts als Aquarien- und Teichfisch in die Schweiz eingeführt. In den Vereinigten Staaten wird er zu den «Panfish» gerechnet, da er klein genug ist, um in eine gewöhnliche Bratpfanne zu passen. In der IGFA-Rekordliste ist ein Exemplar mit 680 Gramm aus dem US-Bundesstaat New York der aktuelle Spitzenreiter. Als Speisefisch wird er in Amerika auch in Restaurants angeboten. Sie werden meistens als ganze Fische oder Filets mit einem Backteig oder einer gewürzten Panade frittiert. Richtig zubereitet schmecken die Fische wirklich gut, dies kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.

 Unscheinbares Zuhause: Spalten und Höhlen in groben Uferverbauungen werden vom Sonnenbarsch bevorzugt.

Unscheinbares Zuhause: Spalten und Höhlen in groben Uferverbauungen werden vom Sonnenbarsch bevorzugt.


Ideal für Einsteiger

Der Sonnenbarsch ist ein ausgezeichneter Einsteigerfisch, um Neulinge auf den Geschmack des Fischens kommen zu lassen. Das liegt zum einen an seinem bevorzugten Standort, fast immer in unmittelbarer Ufernähe: Wo das Ufer mit grossen Blocksteinen befestigt ist, sind die kleinen Barschartigen in den Spalten und Vertiefungen anzutreffen. Man muss also nicht gross auswerfen können, es reicht oft, den Köder einfach zwischen den Steinen zu platzieren. Der aggressive und territoriale kleine Barsch nimmt es mit der Ködergrösse und Präsentation nicht so genau. Fast alles wird entweder als Eindringling oder als Futter betrachtet und entsprechend angegangen. Wenn er keinen Hunger verspürt, fasst er den Eindringling mit dem Mund und spuckt ihn ausserhalb seiner «Wohnung» wieder aus. Weder dicke Schnüre noch allzu grosse Haken halten ihn von einer Attacke ab. Dies ist ein weiterer Grund, weshalb er in den USA unter Fischern sehr beliebt ist. Bei uns lassen sich diese Fische am besten mit kleinen Fleischmaden am Einzelhaken fangen. Als Gewicht verwende ich kleine Klemmbleie, die ich dem Haken 20 cm vorschalte. Jetzt lasse ich die Made zwischen grosse Steine sinken. Durch leichtes Anzupfen wird der Köder noch interessanter. Folgt kein Biss, suche ich mir die nächste Spalte aus. Habe ich ein «Nest» gefunden, versuche ich es dort mehrmals: Oft wohnen mehrere Exemplare zusammen. Sonnenbarsche haben meist keine ausgeprägte Beisszeit und sind fast den ganzen Tag über zu fangen. Kapitale Sonnenbarsche sollen Grössen von bis zu 30 cm erreichen, die meisten sind jedoch zwischen 5 und 15 cm gross und sehr hochrückig, was sie zu starken Gegnern am leichten Gerät macht.


Einmal drin, bleibt er

Es konnte noch nicht bewiesen werden, dass der Sonnenbarsch bei uns einheimische Fische verdrängt oder ihre Zahl nachhaltig vermindern würde. Dies, obwohl er als Laichräuber gilt. Auch sind Populationsdichten wie in nordamerikanischen Gewässern hier noch nicht dokumentiert. Was aber bestätigt ist: Wenn er einmal ein Gewässer besiedelt hat, bringt man ihn nicht mehr raus. Er gilt daher zurecht als invasive Art und es gibt eine generelle Entnahmepflicht, was auch angesichts der Verwertbarkeit in der Küche sinnvoll ist.

 

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