Äschensterben im Doubs
01 | 07 | 2022 SchweizText: Nils Anderson | zvg 22025
01 | 07 | 2022 Schweiz
Text: Nils Anderson | zvg 2 2025

Äschensterben im Doubs

Seit Mai 2022 werden im Doubs immer wieder tote und verendende Äschen gesichtet. Die Gründe dafür sind unklar.

Seit Mai 2022 wurden im Doubs immer wieder vereinzelt grosse tote Äschen gesehen. Leser David Hoda berichtet: «Als wir im Wasser standen und fischten, wurden wir von verendenden Äschen überrascht, welche auf dem Rücken treibend bewegungslos und nur noch mit den Kiemen stossend den Fluss hinuntertrieben, dem Tod entgegen. Wir haben über zehn tote Äschen mit (wahrscheinlich) Pilzbefall im Wasser gesehen und ungefähr 50% der noch lebenden gesehenen Fische hatten auch einen Befall (hauptächlich im Mund und Kopfbereich)!
Die Hitze setzte den Fischen bereits zu, aber den unbekannten weiteren Gründen und Ursachen sollte nachgegangen werden!»


Faktor Hitze

Der tiefe Wasserstand und die hohen Temperaturen von teils bis 25 Grad sind für die Äsche bereits kritisch. Dass solche Temperaturen so früh im Jahr erreicht wurden, war bisher höchst ungewöhnlich. In Kombination mit der anstrengenden Laichzeit der Äsche im Mai dürften in der Folge die Äschen stark gestresst und geschwächt sein, was einen Befall mit Parasiten oder Pilzen natürlich begünstigt.

Quelle: Bafu


Keine flächendeckende Katastrophe

Der Schweizerische Fischereiverband SFV ist der Sache nachgegangen und gibt – zumindest teilweise – eine Entwarnung. Eine flächendeckende Verbreitung des Pilzes und ein damit einhergehendes grösseres Äschensterben konnte bis jetzt glücklicherweise nicht bestätigt werden. Auch die verantwortlichen Behörden im Kanton Jura sehen dieses Fischsterben als nicht vergleichbar mit dem grossen Äschensterben im Jahr 2011, zudem sei Besserung in Sicht.

 Viele der befallenen Äschen haben schreckliche Wucherungen, dies vor allem im Mundbereich. © David Hoda

Viele der befallenen Äschen haben schreckliche Wucherungen, dies vor allem im Mundbereich. © David Hoda


Faktor Fischer

Ist der Befall mal da, kann man sowieso nicht viel dagegen tun. Einzig wir Fischer können unseren Einfluss so gut es geht minimieren und – sofern wir am Doubs überhaupt fischen –  dies so sorgfältig wie möglich tun: Wer im Doubs fischt, sollte sein Watzeug anschliessend mindestens gut trocknen oder desinfiszieren um eine Ausbreitung nach Möglichkeit zu minimieren. Zudem sollte man so fischen, dass ein Beifang der (geschützten) Äschen weitgehend ausgeschlossen ist. Und wer im Doubs beim Forellen- oder Barbenfischen trotzdem eine Äsche hakt, sollte diese nicht feumern, sondern noch im Wasser vom Haken befreien.

 Gemäss Leser David Hoda zeigten sich im Abschnitt zwischen der Landesgrenze und Soubey besonders viele befallene Äschen. © David Hoda

Gemäss Leser David Hoda zeigten sich im Abschnitt zwischen der Landesgrenze und Soubey besonders viele befallene Äschen. © David Hoda

2 Kommentare


Dr. Uwe Koop

10 | 07 | 2022

Wichtig ist eine Renaturierung der Gewässer mit sehr tiefen Kolken. Wasserfläche nicht vergrößern, sondern schmal und tief. Kaltes Wasser ist dichter als warmes und sammelt sich in den tiefen Stellen, so dass die Äschen dort übersommern kann. Und weniger Nährstoffe, so dass der Gewässergrund nicht flächig mit Algen überwuchert und Kontakt zum Interstitial und Quelleintritte vorhanden bleiben


Max Fausch

14 | 07 | 2022

Ich weiss nicht ob an meinen Überlegungen etwas Wahrheit verborgen sein könnte. Vor 25 Jahren hatten wir eine Sommersaison unseren Wohnwagen in Saignelégier stationiert. Jedesmal wenn wir dorthin gefahren sind, haben überall an den Bachbeeten wilde Mülldeponien gebrannt. Was hat man bei der Stilllegung derer damit gemacht? Ich vermute nicht allzu viel, wahrscheinlich überwachsen lassen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass bei etwelchen Gewitter oder zwischenzeitlich etwas höherem Wasserstand irgendwelche Schadstoffe vom Wasser aufgelöst werden.


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