Was läuft im Februar
31 | 01 | 2019 Schweiz | PraxisText & Fotos: Daniel Luther 0542
31 | 01 | 2019 Schweiz | Praxis
Text & Fotos: Daniel Luther 0 542

Was läuft im Februar

Nach dem Winterdunkel wird es nun wieder rasch heller, und sonst macht man ein schönes Feuer! Ernsthafte Ausreden zum Drinnenbleiben gibt es für passionierte Petrijünger nicht – ausser vielleicht hoch oben in den verschneiten Alpentälern.


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Mit dem Februar endet der Winter. Nach Lichtmess am 2. Februar werden die Tage spürbar länger. Bis zum Ende des Monats um fast anderthalb Stunden. Die Natur reagiert. Viele der Zeichen sind unauffällig. Unverkennbar ist hingegen, wenn Haseln und Schneeglöckchen blühen. Für Förster, Gärtner und Winzer beginnt damit der Vorfrühling. Unter dem Wasserspiegel herrscht hingegen noch Winter. Die Temperaturen verharren auf ihrem Minimum oft bis weit in den März hinein. Das bedeutet aber keineswegs Winterschlaf. Die Trüschen treffen sich zu ihrer wilden Hochzeit, der Nachwuchs der Herbstlaicher schlüpft, und Kaltwasserfische wie Forellen und Saiblinge geniessen die Freiheit, die ihnen das wunderbar kühle Wasser schenkt. Sie nutzen sie mit Jagdausflügen an die Oberfläche und in Ufernähe, wann immer sich dort Fressbares tummelt.


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Besonders gilt das für die See­forellen. Während sie einen gros­sen Teil des Jahrs in der Tiefe unserer Seen verbringen und sich nur mit enormem technischem Aufwand fangen lassen (Tiefsee- und Downrigger-Schleppen), sind Winter und Frühling die ideale Zeit, um die wunderschönen Räuber auch vom Ufer aus zu fangen. Erfahrungsgemäss ziehen sich die Forellen zurück in tiefere Schichten, sobald die Oberflächentemperaturen 13 bis 15 Grad definitiv überschreiten. Seeforellen sind in der Regel umsichtige Jäger. Sie nutzen Dämmerlicht, Trübungen oder bewegtes Wasser (Wind, Wellen, Strömung), um sich an ihre Beute heranzupirschen und gleichzeitig keine lebensgefährlichen Risiken einzugehen. Wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, kann deshalb sein silbernes Wunder erleben! Darauf hoffen viele Berner Kollegen vor der Eröffnung am 1. Februar am Brienzer- und Thunersee. An keinem anderen Schweizer Gewässer hat die Uferfischerei auf Seeforellen so viel Tradition, so viele «Follower». 

 Dein Traum ist eine Seeforelle mit Spinn- oder Fliegenrute? Jetzt beginnt die heisse Zeit!

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Seeforellen spielen auch in den ersten Flusseröffnungen des Jahres am 1. Februar eine tragende Rolle. Ob Reuss, Limmat, Linthkanal oder Rhein, in all diesen Revieren hoffen die Petrijünger auf ein Rendez-vous mit einem gros­sen schimmernden Silbertorpedo. Zur Kategorie Traumfisch gehören auch die wandernden Regenbogenforellen aus dem Bodensee, die spätestens seit den 1990er-Jahren für Fischerfieber an den Ufern des Alpenrheins sorgen. In den letzten Jahren leider mit starken Schwankungen. Doch die Aussicht auf eines dieser blitzblanken Naturwunder (die kapitalsten sind über 80 Zentimeter lang!) wird auch dieses Jahr wieder Petrijünger zu irrwitzigen «Überstunden» am Wasser verführen, die in der Regel nicht belohnt werden. Aber wenn, dann eben …


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Realistischer und erfolgreicher sind die Jünger der Nymphen­hegene. Zu dieser Jahreszeit bilden die Felchen gut auf dem Echolot erkennbare Schwärme am Grund der Seen. Das kann durchaus auch 40 Meter und mehr bedeuten. Die Felchen fressen hier Zuckmückenlarven, Schlammröhrenwürmer, Insektenlarven und Planktonkrebschen wie Wasserflöhe und Hüpferlinge. Stimmen Grösse und Farbe der Nymphen und vor allem ihre Bewegung, dann sind üppige Fänge möglich. Im Gegensatz zu Egli oder Trüschen, die sich ab und zu an den Nymphen vergreifen und mit Glubschaugen und tödlichen inneren Verletzungen an der Oberfläche auftauchen, bereitet den Felchen der erhebliche Tiefenunterschied weniger Probleme. Sie besitzen nämlich einen Gang zwischen Schwimmblase und Darm, über den das sich stark ausdehnende Gas entweichen kann. Erfahrene Felchenfischer kennen die typischen «Blööterli» beim Drillen. Es ist dennoch vernünftig und fair, Felchen aus grösseren Tiefen geduldig und sanft zu drillen. 


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Der Februar ist die ideale Zeit für ein Feuer. Keinerlei Brandgefahr und maximaler Lustgewinn! Ein Feuer wärmt, es lässt sich kulinarisch nutzen, und es sieht wunderbar authentisch aus auf Social Media-Fotos. Das tönt ironisch, und das ist es natürlich auch. Feuer ist viel mehr als Lifestyle-Deko. Unser «Spiel» mit dem Feuer ist viel älter als die Schrift, vielleicht sogar älter als die Sprache. Wir Menschen wären ohne Feuer nicht, was wir heute sind. Spätestens, wenn es dunkel wird, fasziniert uns das Flackern der Flammen wie unsere Vorfahren vor einer Million Jahren. Ein Feuer beim Fischen schliesst den Kreis zu unseren Ahnen, und unsere Gefühle beim lustvollen Stochern in der Glut sind wohl noch dieselben wie damals, als eine mondlose Nacht auf der Erde noch tiefschwarz war.

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