Unterwegs am Lungerersee
07 | 11 | 2018 SchweizText & Fotos: Nils Anderson | Markus von Euw 12565
07 | 11 | 2018 Schweiz
Text & Fotos: Nils Anderson | Markus von Euw 1 2565

Unterwegs am Lungerersee

Der Lungerersee hat sich in den letzten Jahren zu einem top Regenbogenforellen-Gewässer entwickelt, was nicht nur die Fischer, sondern auch die heimischen Hechte freut. Die «Petri-Heil»-Mitarbeiter Markus von Euw und Nils Anderson haben sich auf die Suche nach den Lungerersee-Hechten gemacht.

Guide Dani Odermatt ist ein Vollblutfischer, er empfängt uns voller Tatendrang. Wir haben uns schliesslich auch eine nicht ganz einfache Aufgabe gesetzt: Den Hechtfang im Lungerersee. Dass die hier ansässigen Hechte nicht ganz einfach zu fangen sind, liegt auf der Hand. Zum einen verfügen sie über ein beachtliches Futterangebot und zum andern ist dieses Futterangebot in der gesamten Wassersäule verteilt, was an diesem eher strukturarmen Gewässer mit grösstenteils sehr steil abfallendem Ufer die Suche nach dem Zielfisch zur Herausforderung macht.


Zweigeteilter See

Der Lungerersee hat eine bewegte Geschichte. Beim ursprünglichen Natursee wurde im Jahr 1836 nach mühevoller Arbeit über 46 Jahre ein 420 Meter langer Stollen fertiggestellt, mit dessen Hilfe der See zwecks Landegewinnung 18 Meter abgesenkt wurde. 1926 wurde der Stausee wieder auf das heutige Niveau angehoben und zur Stromgewinnung genutzt. Er erscheint wie eine Kreuzung von Sihlsee und Walensee. Auf 670 Meter gelegen sind die unteren zwei Drittel, wie der Walensee, von beinahe senkrecht abfallenden Uferpartien geprägt. Der See ist hier verbreitet 50 Meter tief, einzig etwas oberhalb der Kaiserstuhl-Bucht gibt es eine nennenswerte Landzunge. Der glasklare See verfügt auch im Sommer über ein optimales Tiefenwasser mit 4 Grad und einem guten Sauerstoffgehalt. Die Forellen stehen in der warmen Jahreszeit beinah in der gesamten Wassersäule. Im See dürfte es sicher auch Trüschen haben, und zwar nicht zu knapp, doch Dani weiss nicht von vielen Fängen zu berichten. Fährt man in den oberen Seeteil, ändert sich das Bild. Auf dem Echolot sieht man Felchen- und Eglischwärme, der Seegrund verläuft relativ eben und wird immer flacher. Gegen die Lungern-seitigen Ufer zu hat es besonders im Sommer ausgedehnte Krautfelder. Das erinnert wiederum stark an den Sihlsee.


Böse Bissspuren

Zum «Aufwärmen» beginnen wir den Tag mit den leichten Spinnruten und Forellenködern in der Kaiserstuhl-Bucht. Nachdem wir feststellen, dass sich die Forellen zwar zahlreich auf dem Echolot zeigen, aber nicht in nennenswerter Beisslaune sind, montieren wir das grobe Geschütz. Mit den Rutenhunden und richtig grossen Ködern ab 25 Zentimeter aufwärts «pflügen» wir dem oberen Seeteil zu. Felchen-Imitate in Blau-Weiss und natürlich Regenbogenforellen-Imitate in ordentlicher Portionengrösse schleppen wir mit etwa 3,5 Stundenkilometern. Im Übergangsbereich der beiden Seeteile rupft es zum ersten Mal die Schnur aus dem Rutenhund, doch der Fisch bleibt nicht hängen. Wenig später steigt auf der Zusatzschlaufe im gleichen Gebiet eine 40er-Regenbögler auf den flachlaufenden Illex-Wobbler ein. Als wir den Fisch in den Händen halten, ist das Erstaunen gross: A n der Bauchseite klaffen zwei frische, tiefe Wunden, die nur von einem grösseren Hecht kommen können.


Profiteure der Besatzwirtschaft

Dass der See nicht nur grosse Hechte beherbergt, sondern sich diese auch fangen lassen, zeigt ein Blick zurück in die kapitalen Fänge dieses Sommers. Am 6. Juni fing Stefan Gsteiger einen kapitalen Hecht von 32 Pfund und 126 Zentimeter. In jenen Tagen gingen im Lungerersee gleich einige grosse Hechte an die Leine. Da sich der tiefe See relativ langsam erwärmt, findet das Laichgeschäft der Hechte erst in der zweiten Maihälfte statt. Zu dieser Zeit verfügt der See auch nicht über eine nennenswerte Bodenvegetation, weshalb die Hechte im losen Moos laichen. Dabei sind sie so nah am Ufer anzutreffen, dass man sie teils anfassen kann, wie Willy Walker, Vize-Präsident der Lungerersee AG zu erzählen weiss. Direkt nach dem Laichgeschäft sind die Grosshechte dann besonders aktiv und lassen sich gezielt fangen. Dass es den Hechten sehr gut geht, zeigt der Umstand, dass Gsteigers Hechtdame direkt nach dem anstrengenden Laichgeschäft immer noch 16 Kilo auf die Waage brachte.


Herbstfisch Regenbogenforelle

Auch wenn wir noch drei weitere Bisse verzeichnen, können wir keinen Hecht im Netz begrüssen. Den Nachmittag lassen wir daher noch mit dem Fischen auf die Regenbogenforellen ausklingen. Wir erwischen eine gute Viertelstunde, in welcher wir vier Fische in der Kaiserstuhl-Bucht fangen. Danach ist es «wie abgestellt». Zwar fange man bei diesen Lichtverhältnissen noch gut mit der Bienenmade, doch mit aktiv geführten Kunstködern sei jetzt nichts mehr zu machen, weiss Dani Odermatt. Während quasi in der ganzen «Restschweiz» die Forellengewässer das Saisonende bereits hinter sich haben, ist die Fischerei auf die Lungerersee-Forellen noch bis zur Schonzeit am 1. Dezember eine interessante und erfolgreiche Sache. Der grosse Tag im Jahr ist am Lungerersee dann die Saisoneröffnung am 26. Dezember. Bis zu 500 Fischer treffen sich schon in aller Herrgottsfrühe. Die zahlreichen Stirnlampen um den See sehen wie eine Kunstinstallation aus, und die Nummernschilder auf den Parkplätzen sind ein Sammelsurium aus allen Kantonen, weiss Willy Walker. Ab 8 Uhr öffnet dann im Parterre des Fischerladens das Beizli, wo man sich trifft und aufwärmt.

 Wetter und Wind wechseln schnell am Lungerersee. Guide Dani Odermatt (l.) und Markus von Euw sind guter Dinge, dass die Bedingungen passen werden.

Wetter und Wind wechseln schnell am Lungerersee. Guide Dani Odermatt (l.) und Markus von Euw sind guter Dinge, dass die Bedingungen passen werden.

 Fischreicher Lungerersee. Das Echolot zeigt fast überall Fische an. Diese Sicheln dürften Felchen sein, die im oberen Seeteil immer wieder anzutreffen sind.

Fischreicher Lungerersee. Das Echolot zeigt fast überall Fische an. Diese Sicheln dürften Felchen sein, die im oberen Seeteil immer wieder anzutreffen sind.

 Diese Regenbogenforelle biss auf den geschleppten Wobbler in Blau-Silber, und dies trotz bösen Bissverletzungen.

Diese Regenbogenforelle biss auf den geschleppten Wobbler in Blau-Silber, und dies trotz bösen Bissverletzungen.

 Tiefe Biss­spuren: ein halbherziger Angriff eines Hechts hinterlässt böse Ver­letzungen.

Tiefe Biss­spuren: ein halbherziger Angriff eines Hechts hinterlässt böse Ver­letzungen.

 Jede Forelle muss gefeumert werden. Entsprechend ist das Mitführen eines Feumers obligatorisch.

Jede Forelle muss gefeumert werden. Entsprechend ist das Mitführen eines Feumers obligatorisch.

 Ab dem frühen Mittag wechselten wir die Köder und setzten auf die mutmassliche Leibspeise der Hechte: Regenbogenforellen.

Ab dem frühen Mittag wechselten wir die Köder und setzten auf die mutmassliche Leibspeise der Hechte: Regenbogenforellen.

 Mit dem «Duckfoot» am vorgeschalteten Tropfenblei brachte «Vonso» den ersten Fisch des Tages ins Boot.

Mit dem «Duckfoot» am vorgeschalteten Tropfenblei brachte «Vonso» den ersten Fisch des Tages ins Boot.

 Stefan Gsteigers Prachtsfisch, den er am 6. Juni dieses Jahres fing, ist der grösste je im Lungerersee gefangene Hecht.

Stefan Gsteigers Prachtsfisch, den er am 6. Juni dieses Jahres fing, ist der grösste je im Lungerersee gefangene Hecht.


Eine Erfolgsgeschichte

Im Jahr 2006 fasste man den Beschluss, die fischereiliche Bewirtschaftung zu intensivieren und auch touristisch nutzbar zu machen. Da sich in Obwalden die Leute kennen und die eingesetzte Kommission eine gute Arbeit machte, wurde die Eigenbewirtschaftung des Lungerersees nach vier Jahren Tatsache. In dieser Zeit ging eine Gesetzesänderung vonstatten, eine AG wurde gegründet, und auch wenn es durchaus kritische Stimmen gab, setzte sich die Idee durch. Tourismus, Fischereiverein und Gemeinde zogen am gleichen Strick, es wurde Willy Walker als «Verwaltungsrat Fischerei» der neu gegründeten Lungerersee AG eingesetzt und am 1. Januar 2011 konnte man termingerecht starten. Seither steigen die Zahlen auf eindrückliche Art und Weise: Waren es im Startjahr noch 4318 verkaufte Tageskarten, so waren es 2013 bereits 12?469 Tagespatente. Im 2017 dann 18?718 Tageskarten und 860 Jahrespatente, beides ziemliche Spitzenwerte schweizweit. Mittlerweile werden jährlich 34 Tonnen Forellen eingesetzt und pro Tagespatent durchschnittlich 2,5 Fische gefangen. 

So viele Fischer und so viele Fische, das hinterlässt leider auch Spuren. Zweimal pro Woche müssen die Verantwortlichen rund um den See aufräumen. Allzu viele Fischer finden es nicht nötig, die Silchreste, das Wurmdösli, die Bierflaschen usw. wieder mitzunehmen. 

Viele Fischer bedeutet auch viel Aufklärungsarbeit. Willy Walker geht selbst gerne auf Kontrollgang, er will die Fischer spüren, den Austausch schätzt er. Rund 230 Kon­trollgänge werden pro Jahr gemacht, die Leute sollen zum korrekten Fischen angehalten werden und das scheint auch bestens zu funktionieren: Gerade einmal 18 Widerhandlungen mussten 2017 beanstandet werden.

Unter dem Strich ist man mit den Fischern sehr zufrieden. Und so hat man hier auch den Dienstleistungsgedanken verinnerlicht, was hierzulande nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist. Darum ist Willy Walker auch stolz auf das Personal: «Unsere Mitarbeiter machen wirklich einen tollen Job!»


Fischer-Info

LUNGERERSEE AG
Bürglenstrasse 14
6078 Bürglen OW
www.fischerparadies.ch
info@fischerparadies.ch
041 678 01 01

 

1 Kommentare


René

20 | 07 | 2021

Mich würde es sehr interessieren wieviele Fische 2020 eingesetzt wurden


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