Isel & Tauernbach – Meisterliches Fliegenfischen
01 | 09 | 2018 ReisenText & Fotos: Nils Anderson 090
01 | 09 | 2018 Reisen
Text & Fotos: Nils Anderson 0 90

Isel & Tauernbach – Meisterliches Fliegenfischen

Das Revier des Hotel Rauter in Matrei darf sich zu den besten Österreichs zählen. Hier findet man eine natürliche Fischpopulation in einem paradiesischen Lebensraum, was eine anspruchsvolle, erfolgversprechende Fischerei ermöglicht.

Es ist ein langer Weg nach Matrei, und umso erstaunter sind wir, als wir in der Tiefgarage des Hotels ein Auto mit Luxemburger Kennzeichen sehen. Das wären dann 800 Kilometer Anfahrt fürs Fliegenfischen, das will etwas heissen. Nun, die Luxemburger sind wiederkehrende Gäste im Hotel Rauter und zählen zur überwiegenden Mehrheit. Knapp 90 Prozent der Gäste verbringen hier quasi Jahr für Jahr ihre Fischerferien. Und die Dichte an Fliegenfischerinnen ist weit überdurchschnittlich – sicherlich ein interessantes Zeichen. Auch eine weitere Zahl muss erwähnt werden: Die Fünf. Das ist nämlich die Anzahl Gänge, die das in der Halbpension inbegriffene allabendliche Nachtessen umfasst. Wobei wir auch schon bei den flankierenden Annehmlichkeiten der Fischerei in Matrei wären. 


Küche & Weinkeller

Die Hotel-Küche besticht durch modern interpretierte österreichische Deftigkeit. Hier kann man üppig genies­sen und trotzdem am Schluss ein angenehm ausgewogenes Gefühl haben. Wer sich tagsüber auf das mitgegebene Lunchpaket und einen guten Start vom Frühstücksbuffet beschränkt, hat nachher genau die richtige Portion Hunger, um mit dem 5-Gänger den Abendausklang anzugehen.

Die Nähe zum Fischer merkt man übrigens auch der Weinkarte an. Eine schöne Auswahl an weissen Burgundern (die perfekt zum gefangenen Fisch passen) ergänzen das reich staffierte Angebot an hiesigen Weinen, in welchem es quer durchs Preisspektrum eine intelligente, vom Chef persönlich mit Weitsicht zusammengestellte Auswahl gibt. Die Hotelphilosophie des Rauter – und das ist das Wohltuende an einem Familienbetrieb –orientiert sich nicht an gesuchten Trends. Hier ist ein Team am Werk, das präzise, aufmerksam und ausgesucht freundlich ist. Geführt wird das Rauter nun in der zehnten Generation von Michael Obwexer. Mit ihm kann man alt werden und am Abend auch mal ein Glas Wein trinken. 


Alpiner Charakter

Doch zurück zum Fischereilichen. Das weitläufige Revier, das sich vom kleinen Gebirgsbach bis hin zum schnell fliessenden Gebirgsfluss erstreckt, bietet zahlreiche Möglichkeiten und ist in verschiedene Abschnitte unterschiedlichen Charakters unterteilt. Dabei achtet Obwexer auf eine durchdachte Aufteilung der Fischereikarten – die Fischer werden gut verteilt. Wer für fünf Tage bucht, kann in etwa das ganze Revier kennenlernen.

Die Bachforellen, die in erfreulicher Zahl vorkommen, kennen ihre Stube seit früher Kindheit an. Zum einen funktioniert die Naturverlaichung sehr gut und zum anderen beschränkt sich der Besatz auf Sömmerlinge und Brütlinge von lokalen Elterntieren. Bei den Regenbogenforellen und Saiblingen gibt es gar keinen Besatz. Im oberen Abschnitt des Tauernbachs konnte sich der gute Saiblingsbestand «weiss Gott wie» etablieren. Zudem verzichtet das Hotel Rauter gänzlich auf «Trophy-Besatz», und der ist auch gar nicht nötig, denn die Fische wachsen gut ab. Das fischereiliche Potenzial von Isel und Tauernbach erklärt sich aus der weitgehenden Naturbelassenheit der Oberläufe. Das weitreichende Naturschutzgebiet sorgt für unbelastetes Wasser, was sich in einem unglaublich hohen Futterangebot niederschlägt. Mehrere Dutzend Arten von Fliegen dürften es sein, die hier für einen Schlupf nach dem anderen sorgen. In den stillen Kehren sind die Steine teilweise mit Köcherfliegenlarven übersät. 


Goldener Äschenherbst

Für die meisten Besucher spielt die Isel-Äsche im Herbst zweifelsohne die Hauptrolle. Besonders im unteren Teil des Reviers, und damit unterhalb von 1000 Meter gelegen, gedeiht sie sehr gut. Wenn die äusseren Bedingungen stimmen, steigen die Äschen und sind mit der Trockenfliege zu überlisten; für viele Fischer zu Recht das Nonplusultra. Die Äsche kommt nur bis zum Dorf Matrei vor, weiter stromaufwärts dominieren die Forellen und im alpinen Oberlauf des Tauernbachs schliesslich die Saiblinge. 

Äschen, Saiblinge und prächtige Forellen wecken natürlich auch Begehrlichkeiten. Solchen wird hier mit strikten Regeln vorgebeugt. So darf man weder waten noch mit dem Streamer fischen. Man darf überdies keine Widerhaken verwenden und maximal einen Fisch pro Tag entnehmen.


Wiederkehrende Besucher

Beim Nachtessen wird einem schnell klar: Es hat viele gute Fischer hier. Doch obwohl wir uns in einem der besten Fischreviere der Alpen befinden, kann man trotzdem oder gerade deswegen auch mal ziemlich Lehrgeld bezahlen. Dank dem guten Futterangebot sind die Fische wählerisch und es kommt schnell vor, dass sie ein ganz kleines Toleranzfenster haben und unsere Fliegen links liegen lassen. Hat man aber das passende Muster für die vorherrschenden Bedingungen gefunden, ist einem ein fischereiliches Eldorado auf sicher. Und so kommt es auch an unserem zweiten Angeltag. Nachdem wir die Nymphen ein paar Mal gewechselt haben, kommt plötzlich der erste Biss auf den neu montierten Springer. Von da an gelingt es mir beinahe an jedem vermuteten Standort, einen Kontakt herzustellen. Wenn die Forellen den Köder sehen, ehe sie den Fischer zu Gesicht bekommen, kann man sich mal für mal auf einen spannenden Kampf einstellen.

Nach sieben Stunden am Wasser stehe ich an einem Lauf, den ich mir bis zuletzt bewusst aufgespart habe. Ich fische die Nymphen hier fast direkt unter der Rutenspitze, Czech Nymphing gewissermassen, die Schnur bleibt stehen – Anhieb! Es klopft, ich sehe die Flanke im angetrübten Wasser aufblitzen, der Fisch zieht und zieht und will nicht hochkommen, zieht in die Strömung hinaus … Noch während ich diese Zeilen schreibe, merke ich, dass ich über diesen verlorenen Kampf nicht hinweg bin. Rauter, Matrei, Isel, seid gewiss: Ich komme wieder!

 Das reiche Futterangebot in Isel und Tauernbach sorgt für wohlgenährte – und wählerische – Fische.

Das reiche Futterangebot in Isel und Tauernbach sorgt für wohlgenährte – und wählerische – Fische.

 Die Isel-Forellen sind für viele Fischer Grund genug, um Jahr für Jahr nach Matrei zu kommen.

Die Isel-Forellen sind für viele Fischer Grund genug, um Jahr für Jahr nach Matrei zu kommen.

 Diese wilde Regenbogenforelle darf in die Küche.

Diese wilde Regenbogenforelle darf in die Küche.

 Mit dem Chef am Wasser: Wenn sich Zeit findet, fischt auch Hotel-Direktor Michael Obwexer (l.) an «seinem» Gewässer.

Mit dem Chef am Wasser: Wenn sich Zeit findet, fischt auch Hotel-Direktor Michael Obwexer (l.) an «seinem» Gewässer.

 Pinke Nymphen sollten in der Fliegenbox nicht fehlen.

Pinke Nymphen sollten in der Fliegenbox nicht fehlen.

 Im Ost-Tirol muss man die Augen keineswegs immer nur aufs Wasser gerichtet haben.

Im Ost-Tirol muss man die Augen keineswegs immer nur aufs Wasser gerichtet haben.


Fischer-Info

Fischwasser: 
Grosse und Kleine Isel, Tauernbach (insgesamt 35 km)

Fischbestand:
Bachforelle, Äsche, Regenbogen­forelle, Saibling (Oberlauf des Tauernbach)

Saison:
Mitte April bis Ende Mai, Anfang September bis Ende Oktober

Fischereitechnisches:
Ausschliesslich Fliegenfischen mit Schwimmschnur.
Keine Streamer, kein Waten.
Ein Fisch pro Tag darf in der Hotelküche abgegeben werden.

Kosten:
Angebot «Äschenfischen» (7 Übernachtungen, 6 Tage Fischereilizenz, Vollpension) ab 877 Euro

 

Mehr Informationen und Reservation:

Hotel Rauter
Rauterplatz 3
9971 Matrei in Osttirol
Tirol / Österreich
Tel.: +43 4875 6611
Fax: +43 4875 6613
info@hotel-rauter.at
www.hotel-rauter.at

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