7 Karpfenfischer-Sünden
11 | 08 | 2017 PraxisText & Fotos: Jürgen Proske 0232
11 | 08 | 2017 Praxis
Text & Fotos: Jürgen Proske 0 232

7 Karpfenfischer-Sünden

Modernes Karpfenfischen ist kein Hexenwerk. Wer sich auf ein paar grundlegende Dinge konzentriert, wird früher oder später seinen Zielfisch fangen. Jürgen Proske nennt sieben Fehler, die man auf keinen Fall begehen sollte.

Das moderne Karpfenfischen ist für viele Fischer ein Buch mit sieben Siegeln. Bei der Flut an Informationen aus dem Internet und aus Magazinen verlieren vor allem Neueinsteiger schnell den Überblick. Häufig sind die vielen Tipps und Kniffe sogar widersprüchlich und verwirren mehr, als dass sie helfen. Dabei ist der Fang eines Rüsslers gar nicht so schwer. Wenn wir die grössten Fehler des Karpfenfischens vermeiden, sind wir dem Erfolg schon ein grosses Stück näher.


Stumpfe Haken

Viele Fischer zerbrechen sich den Kopf über ihre Montagen. Sie basteln und experimentieren und vergessen dabei doch das Wichtigste: Die Selbsthak-Montage funktioniert nur mit einem absolut scharfen Haken einwandfrei. Die Schärfe des Hakens ist für mich das wichtigste Kriterium meiner Montagen. Alles andere wie Vorfachlänge, Hakenform oder Bleigewicht kommt später. Sie sollten Ihre Haken jedoch nicht nur vor dem Fischen überprüfen. Vergessen Sie bitte auch nie, die Schärfe der Haken während des Fischens zu kontrollieren. Muscheln, Steine und andere Unterwasserhindernisse mindern die Schärfe des Hakens. Deshalb gilt: Vor jedem Wurf unbedingt ganz genau anschauen. Im Zweifelsfall rate ich dringend dazu, den Haken auszutauschen. Vom Nachschärfen halte ich nicht viel, denn dafür benötigt man eine Menge Feingefühl und Gründlichkeit, um dies einwandfrei hinzukriegen. Das ist nichts für mich – erst recht nicht am Wasser. Ich wechsle den Haken lieber direkt aus und verwende ein neues, bereits vorbereitetes Vorfach.


Mangelnde Flexibilität

Ich wage die Behauptung, dass viele Karpfenfischer zu faul am Wasser sind. Sie stecken zwar viel Zeit und Geld in die Vorbereitung ihres Angeltrips und fahren oft lange Strecken mit dem Auto, um sündhaft teure Köder ins Wasser zu werfen. Am Gewässer sind sie dann jedoch nur auf ihren angelegten Futterplatz fixiert und vergessen alles andere um sie herum. Wenn das Zelt steht, erscheint ohnehin alles zu spät. Da können die Fische am anderen Ufer des Sees noch so aufreizend springen – ein Platzwechsel kommt für diese Fischer häufig nicht in Frage. Denn dazu war schliesslich das Futter zu teuer, und ausserdem steht schon das schicke Zwei-Mann-Zelt auf seinem Platz.

Ich versuche am Wasser immer so flexibel wie möglich zu bleiben. Und dazu zählt für mich auch eine Reduzierung der Ausrüstung auf ein Minimum. Nur so bin ich in der Lage, schnell und flexibel auf das aktuelle Verhalten der Fische zu reagieren. Ich bin mir auch nicht zu schade, den Angelplatz zwei oder drei Mal am Tag zu wechseln, wenn es die Bedingungen erfordern. Natürlich ist das Ganze auch immer eine Gratwanderung und man muss aufpassen, nicht in blinden Aktionismus zu verfallen. Steckt jedoch ein wohldurchdachter Plan hinter meinen Handlungen, halte ich diese Art des Fischens für wesentlich produktiver als das sture Ausharren auf einem offensichtlich unproduktiven Platz.


Wesentliches vernachlässigen

Ich kenne einige Fischer, die in der Lage sind, ganze Katalogseiten renommierter Angelfirmen auswendig aufzusagen. Sie verbringen Tage mit der Auswahl ihres Geräts, rennen jedem Trend hinterher und benötigen immer das neuste (und vermeintlich) beste Material. Am Wasser wird das schwere und teure Rod Pod als Statussymbol in einer aufwendigen Prozedur mühsam errichtet. Die frisch geputzten Ruten werden akkurat ausgerichtet und abgelegt. Das Rig wurde in tagelanger Heimarbeit mühsam gebunden und

landet dann schliesslich doch auf einem völlig unproduktiven Fangplatz. Auf den Punkt gebracht: Viele Fischer verbringen zu viel Zeit mit Unwichtigem. Und sie vergessen dabei das Wesentliche: Den Aufenthaltsort der Fische zu lokalisieren, vernünftige Köder und zweckmässiges Angelgerät zu verwenden. Dazu zählen für mich insbesondere abriebfeste Schnüre und Vorfachmaterialien. Wer Spass an «Tackle-Fetischismus» hat, der soll diesen ruhig ausleben. Mehr Fische wird er aber dadurch nicht fangen!


Zuviel Futter

Futter ist Macht – zu viel Futter macht viel kaputt! Wenn zu Beginn des Frühlings die ersten warmen Sonnenstrahlen die Fischer aus ihrem Winterlager locken, sind viele von ihnen häufig übermotiviert. Auch wenn es über Wasser schon nach Frühling riecht – unter der Wasseroberfläche herrscht häufig noch Winter. Und da sind grosse Futtermengen völlig fehl am Platz. Ein einzelner Neon-Pop-Up, gerne mit ein paar Pellets oder Boilies beigefüttert, ist da die bessere Wahl, als unbedarft etliche Kilogramm Futter ins Wasser zu katapultieren. Mit steigender Wassertemperatur darf man die Futtermenge erhöhen – ohne dabei den Fischbestand, die Gewässergrösse und das Futter der Mitfischer ausser Acht zu lassen. Grosse Futtermengen können zu spektakulären Fängen führen. Zur falschen Zeit oder in falschen Händen macht man damit aber häufig mehr kaputt.

 Die Selbsthak-Montage funktioniert nur mit absolut scharfen Haken.

Die Selbsthak-Montage funktioniert nur mit absolut scharfen Haken.

 Nur wer mit wenig Gepäck unterwegs ist, kann am Wasser schnell und flexibel reagieren.

Nur wer mit wenig Gepäck unterwegs ist, kann am Wasser schnell und flexibel reagieren.

 Bei der Gerätewahl sollte man sich auf Wesentliches konzentrieren.

Bei der Gerätewahl sollte man sich auf Wesentliches konzentrieren.

 Kleinere Futtermengen verbessern – nicht nur im Frühling – die Fangaussichten.

Kleinere Futtermengen verbessern – nicht nur im Frühling – die Fangaussichten.

 Bei diesem Karpfenfang war die Montage sauber am Rand eines Krautfelds abgelegt.

Bei diesem Karpfenfang war die Montage sauber am Rand eines Krautfelds abgelegt.

 Wer unter solchen Bedingungen am Wasser ausharrt, hat sich den Erfolg redlich verdient.

Wer unter solchen Bedingungen am Wasser ausharrt, hat sich den Erfolg redlich verdient.

 Wer ein paar grundlegende Dinge beachtet, wird mit gewichtigen Karpfenfängen belohnt.

Wer ein paar grundlegende Dinge beachtet, wird mit gewichtigen Karpfenfängen belohnt.


Ungenaue Würfe

Beim Karpfenfischen benutze ich nur selten ein Boot. In mehr als 90 Prozent der Fälle werfe ich die Köder vom Ufer aus. Und hierbei ist für mich das Ankommen des Bleis am Gewässergrund ein immens wichtiger Punkt. Dieses «Andocken» am Grund verrät mir viel über die Lage meines Köders und die Beschaffenheit des Gewässergrunds. Und es beeinflusst meine Zuversicht in den Fischertag in gravierendem Mass. Gerade in Gewässern mit hohem Krautaufkommen, Algen oder ähnlichen Hindernissen ist eine «saubere» Ablage am Gewässergrund fangentscheidend. Natürlich kann auch ein mitten im Kraut steckender Köder gelegentlich einen Fisch fangen. Eine solche Situation ist für mich aber völlig indiskutabel. Daher versuche ich, während des Auswerfens immer die Kontrolle über mein Blei zu behalten. Zum einen meine ich damit ein visuelles Begleiten der Montage während des Wurfs. Oft kann man hierbei gut erkennen, ob die Montage verwicklungsfrei ausgeworfen wurde. Zum anderen aber auch den Moment des Aufprallens an der Wasseroberfläche. Um den Kontakt hierbei nicht zu verlieren, lasse ich das Blei an erhobener Rute und straffer Schnur absinken. Erwartungsfroh warte ich auf diesen einen Moment: das Ankommen des Bleis am Gewässerboden. Mit etwas Erfahrung lässt sich erfühlen, wie und auf welchem Untergrund unsere Montage liegt.


Grosse Zweifel

Wer zweifelt, hat schon verloren. Ich bin davon überzeugt, dass jeder erfolgreiche Karpfenfischer über eine gehörige Portion Selbstbewusstsein verfügt. Nichts ist schlimmer als ein an allem zweifelnder, unsicherer Fischer. Dauerhaftes Ein- und Auswerfen und sinnloser Köder- und Montagenwechsel sind die Folgen. Dadurch entsteht viel Unruhe am Fangplatz. Und das mögen Karpfen gar nicht. Von daher verzichte ich gerade an neuen oder dünn besetzen Gewässern auf unnötige Experimente. Bei meinen Montagen greife ich auf Altbewährtes zurück. Ultrakomplizierte Montagen sind an keinem Gewässer der Welt notwendig. 


Mangelnde Leidensfähigkeit

Es ist die wichtigste Eigenschaft des Karpfenfischers: Er muss leidensfähig sein – sei es beim Ausharren unter unwirtlichen Bedingungen am Wasser, beim schweisstreibenden Anmarsch zum weit entfernten Angelplatz oder beim Einpacken am frühen Morgen vor der Arbeit nach einer kurzen Nacht. All das kostet Kraft, wird aber auf Dauer belohnt. Ich könnte jede Menge Beispiele aufzeigen, bei denen Leidensfähigkeit zum Erfolg beigetragen hat. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch ein bequemer Fischer wird mit entsprechend hohem Zeitaufwand seine Fische fangen.

Ich bin aber davon überzeugt, dass ein Fischer, der mehr Mühen auf sich nimmt und mehr Einsatz zeigt als andere, langfristig erfolgreicher sein wird. «Je mehr du gibst, desto mehr bekommst du.» Während ich bei der Futterfrage dieses Sprichwort nur bedingt stehen lassen würde, gilt es hier vorbehaltlos. Doch bei allem Ehrgeiz, der uns gepackt hat, sollten wir immer bedenken: Fischen ist nur ein Hobby, nicht mehr und nicht weniger. Ich habe viele Fischer gesehen, die bei der Jagd nach Karpfen die grösste aller Sünden begangen haben: Sie haben ihren Spass und die Freude am Fischen verloren!

 

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