Huchen-Fakten
21 | 02 | 2018 PraxisText & Fotos: Rasmus Ovesen 0973
21 | 02 | 2018 Praxis
Text & Fotos: Rasmus Ovesen 0 973

Huchen-Fakten

Nur wenige Fischarten bieten beim Fischen so viel Spannung wie der Huchen. Rasmus Ovesen hat Jure Ramovz in Slowenien besucht und sich von dem lokalen Huchen-Guide erklären lassen, worauf es beim Fang des Donaulachses ankommt.

Huchenfischen ist eine echte Herausforderung für jeden Fischer – eine, die man nur mit einer gewaltigen Portion Sturheit und Entschlossenheit meistert. Der Slowene Jure Ramovz hat ausreichend davon. Der ruhige, humorvolle und nette Guide gilt schon zu Lebzeiten als Huchenfischer-Legende. Er hat mehr und grössere Huchen gefangen als die meisten anderen. Wenn man ihn am Wasser erlebt, erkennt man seine besondere Gabe, die Huchen zu lokalisieren, anzuwerfen und zum Biss zu verführen.

Der Huchen gilt, wie die Meerforelle, als Fisch der tausend Würfe. Allerdings kann man ihn auch als den Fisch des einen perfekten Wurfs bezeichnen. Das betont Jure immer wieder. Bei jedem seiner Würfe überlässt er nichts dem Zufall. Jure weiss, dass es nicht allein ausreicht Zeit zu investieren um Huchen zu fangen. Vielmehr muss man die Bedingungen am Wasser, die Fressgewohnheiten der Huchen, ihre Einstände und sogar die einzelnen Strudel und Verwirbelungen des Flusses kennen, wenn man einen Huchen an den Haken bekommen will. Mit viel Glück kann man vereinzelt Fische fangen. Aber wenn man regelmässig Erfolg haben will, braucht man einen festen Plan und genaue Gewässerkenntnis.


Keine Kompromisse

Vertrauen und Konzentration sind die Schlüsselfaktoren beim Huchenfischen, doch auch die Ausrüstung muss stimmen. Auf Huchen braucht man robustes Gerät. Jure verwendet eine Rolle mit einer kräftigen Bremse, die auch bei tiefsten Temperaturen nicht vereist. Ausserdem fischt er mit einer relativ langen Rute, mit der er den Köder kontrolliert einholen kann. Sie muss kräftig genug sein, um den Fisch auch in Flussabschnitten mit starker Strömung und grossen Steinen kontrollieren und ermüden zu können. Weil Huchen sehr harte und knochige Mäuler haben, kann schon das Setzen des Hakens zur Herausforderung werden. Weiche Ruten haben beim Huchenfischen nichts zu suchen.

Der Biss selbst ist oft brachial. Der Huchen schnappt sich den Köder und hält ihn fest. Manchmal spürt man aber auch nur einen ganz kleinen Zupfer. Deshalb ist es wichtig, direkten Kontakt zum Köder zu halten und beim kleinsten Zupfer kräftig anzuschlagen. Geflochtene Schnüre sind nicht nur sehr tragkräftig, sie erlauben auch einen einmaligen Köderkontakt. Dennoch greift Jure lieber zu tragkräftigem 0,45er-Monofil bei Hochwasser und trübem Wasser und zu 0,40er-Geflecht bei niedrigem, klarem Wasser.


Köder in die Tiefe

Die Fische stehen zu 90 Prozent am Grund. Nur zu ihren Fresszeiten kommen sie auch ins Flache. Und meistens verfolgen sie einen Köder nicht über eine grössere Strecke. Daher muss die Köderpräsentation äusserst genau sein und am Grund erfolgen. Es mag zwar nervig sein, einen Hänger nach dem anderen zu haben, zeigt aber auch, dass man in der richtigen Tiefe fischt. Häufig stehen die Huchen in zwei bis fünf Meter tiefem Wasser, manchmal noch tiefer. Um sie dort zu erreichen, setzt Jure auf grosse Köder.

Der Huchen ist ein Räuber mit enormem Appetit – ein Allesfresser, der Forellen, Äschen, Renken, Neunaugen aber auch Wasserratten und andere kleine Nager nicht verachtet. Er ist nicht sehr selektiv, dafür aber vorsichtig und misstrauisch. Der Schlüssel zum Erfolg ist, den Köder direkt in der Fresszone des Huchens anzubieten. Wenn der Fisch den Köder einige Male ausserhalb der Fresszone vorbeiziehen sieht, wird er ihn verachten, auch wenn er danach direkt vor seiner Nase langgezogen wird. Deshalb muss schon der erste Wurf sitzen. Das ist auch der Grund, warum Jure nie viel Zeit an einem Platz verbringt und häufig die Stelle wechselt. Wenn er dann doch mal etwas länger an einer Stelle verharrt, tauscht er seine Köder nach jedem vierten Wurf aus.

Beim Fischen wirft Jure leicht stromauf, lässt den Köder absinken und beginnt dann mit dem Einholen. Der Köder setzt dabei immer wieder am Grund auf. Vor allem, wenn das Wasser sehr klar ist, wirft er weit und nähert sich dem Fisch von stromab. Leises Pirschen ist extrem wichtig, wenn man Huchen fangen will. Da der Befischungsdruck an einigen Huchenflüssen hoch ist, reagieren die Fische manchmal misstrauisch auf Unruhe am Ufer.

Obwohl der Haken am Bleikopf nach oben weist, bekommt man viele Hänger. Allerdings lassen sich Gummifische am Bleikopf am einfachsten in der richtigen Tiefe anbieten. Wobbler sind extrem erfolgreich, lassen sich aber schwerer in der richtigen Tiefe führen. Führt man sie zu tief, hängt man sofort fest, führt man sie zu hoch, reagieren die Huchen nicht.

Wer mit Wobblern auf Huchen fischt, braucht eine gute Gewässerkenntnis. Jure setzt Wobbler meist nur an Flussstrecken mit Kiesboden und gleichmässiger Strömung ein. Er wirft den Wobbler leicht stromauf vors gegenüberliegende Ufer und hält die Schnur solange unter Spannung bis der Wobbler die richtige Fangtiefe erreicht hat. Der Wobbler schwingt dann in der Strömung herum und Jure korrigiert durch Anheben oder Absenken der Rutenspitze seine Lauftiefe.

 Die Huchenpirsch im kalten Fluss ist nicht ganz ungefährlich. Jeder Schritt ist vorsichtig zu setzen, um nicht im Wasser zu landen. Der erste Wurf muss sitzen – tut sich nach wenigen Würfen nichts, wechselt Jure den Köder oder geht gleich an den nächsten Platz.

Die Huchenpirsch im kalten Fluss ist nicht ganz ungefährlich. Jeder Schritt ist vorsichtig zu setzen, um nicht im Wasser zu landen. Der erste Wurf muss sitzen – tut sich nach wenigen Würfen nichts, wechselt Jure den Köder oder geht gleich an den nächsten Platz.

 Mit einem Gummifisch liess sich dieser 110 Zentimeter lange Huchen überlisten.

Mit einem Gummifisch liess sich dieser 110 Zentimeter lange Huchen überlisten.

 Jure Ramovz empfiehlt die dunkleren Stunden für den Huchenfang, dann gehen die Räuber auf Beutezug. Wenn das Wasser nicht zu klar ist, kann man sie aber auch tagsüber fangen.

Jure Ramovz empfiehlt die dunkleren Stunden für den Huchenfang, dann gehen die Räuber auf Beutezug. Wenn das Wasser nicht zu klar ist, kann man sie aber auch tagsüber fangen.

 Die Morgen- und Abendstunden mit wenig Licht sind die besten Zeiten zum Huchenfang.

Die Morgen- und Abendstunden mit wenig Licht sind die besten Zeiten zum Huchenfang.


Mondphasen beachten

Doch wann sollte man auf Huchen fischen? Jure geht einfach immer ans Wasser, wenn es die Wetterbedingungen zulassen. Er verlässt sich auch oft auf seine Intuition. Besonders die Zeiten von Voll- und Neumond sind vielversprechend. Auch ein steigender Wasserstand kann gute Fänge bringen, bevor das Wasser zu trübe wird. Die Huchen reagieren auf solche Veränderungen mit gesteigerter Beisslust, ehe das Wasser so trübe ist, dass sie ihre Beute nicht mehr sehen können. Allerdings lassen sich manchmal, vor allem kapitale Huchen, auch bei Hochwasser fangen.

Wetterveränderungen bringen bisweilen die Fische zum Fressen, können aber ebenso einen gegenteiligen Effekt haben. Während ein erhöhter Luftdruck und steigende Temperaturen die Fische aktiver werden lassen, sorgen fallender Luftdruck und sinkende Temperaturen oft für geschlossene Huchenmäuler.


Nicht zu hart, nicht zu weich

Hat man einen Huchen am Haken, gilt es, im Drill die richtige Balance zwischen Geduld und Druck zu finden. Der Huchen ist ein unglaublich starker Kämpfer. Drillt man ihn zu wenig stark, stellt er sich in die Strömung und verschwindet flussab, oder er zerreisst die Schnur bei seiner Flucht an Felsen und scharfen Steinen. Baut man dagegen zu grossen Druck auf, kann es passieren, dass der Drill mit einem aufgebogenen Haken endet. Der Ausgang des Drills ist so lange offen, bis der Huchen im Feumer liegt und schliesslich gelandet ist.

 

0 Kommentare


Keine Kommentare (Kommentare erscheinen erst nach unserer Freigabe)


Schreibe einen Kommentar:

Anzeige
Anzeige
Zurück zur Übersicht

Das könnte Dich auch interessieren: