«Gründlich» gefischt mit Spinnerbait
12 | 08 | 2016 PraxisText: Stefan Tiedemann 0283
12 | 08 | 2016 Praxis
Text: Stefan Tiedemann 0 283

«Gründlich» gefischt mit Spinnerbait

Wer das Potenzial eines Spinnerbaits ausreizen will, sollte ihn nicht nur oberflächennah und im flachen Wasser führen. Das Slow Rolling bezeichnet eine Technik, bei der man mit ihm den Grund in Zeitlupe abklopft – äusserst erfolgreich, wie Stefan Tiedemann zeigt.

Spinnerbaits sind super Raubfischköder, obwohl sie nicht wirklich Imitationscharakter haben. Wenn man sich Wobbler, Fliege und Co. anschaut, sieht man sofort, dass mit ihnen natürliche Nahrung imitiert wird. Ein dem Spinnerbait ähnelndes Lebewesen sucht man in der Natur vergeblich. Am Drahtgestell sind mehrere Spinnerblätter und ein Jigkopf angebracht, der in der Regel auch noch einen Rock (engl. Skirt) trägt. Am ehesten ähnelt ein Spinnerbait wohl einem Fischschwarm, der von einem Räuber verfolgt wird.


Tief am Hindernis

Aufgrund ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten sind Spinnerbaits sehr beliebt. In der Regel werden sie flach geführt, aber sie können auch anders. Die Slow-Rolling-Technik ist für das Angeln im tiefen Wasser zwischen 3 und 8 Metern gedacht. Hier gibt es jegliche Art von Struktur, zum Beispiel Holz, Steine, Kraut usw. Das Wichtigste beim Slow Rolling ist, den Köder tief zu führen und damit ständig Kontakt zum Hindernis zu halten. Dafür kommen spezielle Spinnerbaits zum Einsatz. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie zwischen 14 und 28 Gramm (½ bis 1 oz.) schwer sind. Sie besitzen schmale Weiden- bzw. Colorado-Spinnerblätter. So erzeugen sie nicht so viel Auftrieb und erleichtern es, mit dem Köder in Bodennähe zu bleiben.

Nach dem Auswerfen wartet man, bis der Spinnerbait den Grund erreicht hat. Danach folgt ein kleiner Ruck mit der Rute, um die Blätter in Rotation zu versetzen. Anschliessend wird der Köder kontinuierlich und so langsam wie möglich eingeholt. Dafür ist es natürlich wichtig, dass die Spinnerblätter sofort anlaufen und bei geringstem Zug arbeiten. Weiterhin sollte regelmässig der Boden zu spüren sein. Sobald der Köder nicht mehr rotiert, sollten Sie unverzüglich anschlagen. Bei den meistens Bissen ist es nämlich so, dass die Räuber die vermeintlich leichte Beute einfach nur festhalten. Auf Bisse, bei denen einem die Rute fast aus der Hand gerissen wird, wartet man bei dieser Technik vergebens.


Zufällig entdeckt

Slow Rolling kann sogar viele Fische auf engstem Raum bringen. Vor einem Jahr bin ich zufällig darauf gekommen. Mit der Baitcaster und einem Spinnerbait habe ich mich verworfen und eine entsprechende Schnur-Perücke produziert. Dabei ist der Köder bis auf den Grund gesunken. Und es kam, wie es kommen musste: Nach ein paar Kurbel-umdrehungen konnte ich einen Hecht aus gut sechs Meter Tiefe herausholen. Das hatte mich zum Nachdenken gebracht, und ich versuchte immer öfter so zu fischen. Anfangs holte ich den Spinnerbait wie einen Gummifisch mit Sprüngen über den Grund ein. Das funktionierte leider nicht, weil die Spinnerblätter so nicht wirklich arbeiten konnten. Es musste also wieder ein steter Zug her – mit der Bedingung, dass der Köder auch in der Tiefe bleibt. Daher verwendete ich schwerere Köder und schlankere

Blattformen. Die Tiefe konnte ich leicht kontrollieren, weil ich regelmässigen Astkontakt hatte. Das Gestrüpp lag auf dem Gewässerboden, und dort lauerten – wie sich später herausstellte – schöne Fische. Wenn man den Köder jedoch regelmässig auf den Grund sinken lässt, passiert es schnell, dass dieser umkippt und sich dann im Gestrüpp verhakt. Daher lieber kontinuierlich einholen.

Später ging ich mit einem Freund an einem See fischen, der ähnliche Strukturen aufwies. Laut Echolot gab es vereinzelte Äste und ein wenig Kraut. Ausserdem war eine leichte Erhebung zu erkennen. Mein Kollege fischte mit dem Texas-Rig, ich hingegen beschloss, mit meinem Spinnerbait anzugreifen. Nach einer halben Stunde stand es bereits 4:0 für das Stück Draht mit den Spinnerblättern. Nachdem ich dann ein Spinnerbait an meinen Freund abtreten musste, gab es an dem Spot noch ein 7:3. Meine Erklärung für dieses Ergebnis war die extrem langsame Führung des Köders.

Es ist eine Geduldsfrage, so langsam zu fischen. Das Ausfischen eines Wurfs kann mitunter mehrere Minuten dauern. Das hängt mit der Tiefe zusammen, in der gefischt wird. Weiterhin ist einer der wichtigsten Faktoren die regelmässige Bodenberührung, weil danach die meisten Bisse erfolgen. Anfangs ist es schwer, dieses langsame Tempo für längere Zeit beizubehalten. Aber wenn sich die ersten Erfolge einstellen, gewinnt man Vertrauen.


Ein wenig Tuning

Wer keinen passenden Spinnerbait zur Hand hat, kann seine herkömmlichen Modelle mit einem kleinen Tuning tiefwassertauglich machen. Meine Lieblingsmethode ist dabei die Verwendung eines Dropshot-Bleis. Einfach die Öse ein wenig aufbiegen, und es kann losgehen. Gleichzeitig hat man den Vorteil, die Gewichte schnell wechseln und sich den Gegebenheiten anpassen zu können. Die Spinnerblätter lassen sich mit einer Zange oder manchmal auch einfach mit den Händen ein wenig verformen, was zu einem schnelleren Anlaufen führt.

Man kann sich seine Spinnerbaits auch komplett selber bauen. Die Firma YAD bietet zum Beispiel eine Art Spinnerbait-Arm an, in den man einfach seinen Gummifisch einklinken kann. So kann man nicht nur das Gewicht über den Jigkopf variieren, sondern auch verschiedenste Trailer (Köder) ausprobieren. Mir gefällt die Variante mit normalem Gummifisch und Spinnerbait-Arm mittlerweile am besten. Heute fische ich fast nur noch so. In Kombination mit dem «Bottom Knocker» von Gamakatsu kann man auch in Hindernissen jiggen – ohne Angst haben zu müssen, dass man den Köder sofort verliert. Jiggen ist aber meistens gar nicht nötig, denn es hat sich schon öfter gezeigt, dass das kontinuierliche Einholen mit gelegentlichen Twitches viel erfolgreicher ist. Egli stört es auch nicht, wenn der Köder dabei einmal einen Meter vom Boden entfernt ist. Es ist sogar die perfekte Methode, um das Gewässer schnell nach aktiven Fischen abzusuchen. Da ich den Trailer um die zehn Zentimeter wähle, interessieren sich auch die grösseren Egli dafür. Trotzdem bekomme ich auch Bisse von kleineren Exemplaren, die oftmals nur die Spinnerblätter attackieren. Das bringt mir zwar keinen Fisch, aber das Wissen um einen guten Spot. Denn wo die Kleinen sind, sind auch die Grossen nicht weit.

 

 Stefan Tiedemann fing diesen tollen Egli auf einen tief geführten Spinnnerbait.

Stefan Tiedemann fing diesen tollen Egli auf einen tief geführten Spinnnerbait.

 Mit einem eingehängten Dropshot-Blei lassen sich auch leichte Spinnerbaits am Grund führen.

Mit einem eingehängten Dropshot-Blei lassen sich auch leichte Spinnerbaits am Grund führen.

 Der Autor zieht seine Spinnerbaits dicht über den Gewässergrund. Die Hechte stehen drauf.

Der Autor zieht seine Spinnerbaits dicht über den Gewässergrund. Die Hechte stehen drauf.

 Zwei Spinnerbaits von Illex: Oben der leichte Spinnerbait «Super Eruption» und unten der «Slow Roll ¾ oz», der aufgrund des höheren Gewichts perfekt zum Slow Rolling geeignet ist.

Zwei Spinnerbaits von Illex: Oben der leichte Spinnerbait «Super Eruption» und unten der «Slow Roll ¾ oz», der aufgrund des höheren Gewichts perfekt zum Slow Rolling geeignet ist.

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