Fish happens
19 | 02 | 2021 DiversesText: Ruben Rod 11099
19 | 02 | 2021 Diverses
Text: Ruben Rod 1 1099

Fish happens

«Petri-Heil» stellt hier Situationen am und auf dem Wasser mit einem Augenzwinkern vor. Vielleicht findest Du Dich oder Deine Kollegen (zumindest teilweise) auch darin wieder.


Schneidertag

«Es war trotzdem schön auf dem See», sage ich daheim mal wieder. Trotzdem? Ja: Ich habe nichts vorzuweisen, mir ist kein Fisch gelungen. Nicht mal einer, den ich aus ökologischen Gründen wieder habe schwimmen lassen. «Gell Papi, du hast auch Freude beim Fischen, wenn du nichts fängst?», fragt mich meine Tochter mit treuherzigem Blick. «Ja klar, es war ganz toll!», erwidere ich pflichtbewusst. Schliesslich hatte ich mich einen ganzen Tag von der Familie abgeseilt und hatte Zeit für mich. Mein Schatz durchschaut mich und zuckt mit den Schultern. «Schön, bist du wieder da», so ihr Kommentar. Obwohl ich dagegen ankämpfe, habe ich auf einmal ziemlich miese Laune. So ein Scheisstag aber auch. Einen Tag lang an der frischen Luft, Bewegung und Natur hin oder her. Eigentlich bin ich zum Fischen rausgegangen, und dazu gehört auch das Fische Fangen. Wenn mir das echt völlig wurscht wäre, könnte ich genauso gut wandern gehen. Wenn das so weitergeht, sollte ich mir das wirklich überlegen. Dann wüsste ich von vorneherein, dass ich keinen Fisch anfasse. Auf einmal habe ich Angstschweiss im Nacken. Ich will doch nicht etwa das schönste Hobby der Welt an den Nagel hängen? «Mal nichts zu fangen, gehört halt einfach dazu», rede ich mir ein und versuche meinen angeschlagenen Sportsgeist wieder aufzubauen. Aber beim nächsten Mal besuche ich wohl ein Forellenpuff.


Die Sache mit dem Kiemenschnitt

Vom Gesetz her ein klarer Fall: Zur Entnahme bestimmte Fische werden durch Schlag auf den Kopf betäubt und getötet. Fische die grösser als 22 cm sind, müssen entblutet werden. Am Wasser wird das recht unterschiedlich ausgelegt. Der eine Fischerkollege pflegt die Felchen unmittelbar nach der Landung zu schächten und seine Fische zappeln noch gefühlte Ewigkeiten in der blutigen Kühlbox. Kommt mir nicht ganz koscher vor, auch wenn die Beute schliesslich korrekt ausgeblutet und tot daliegt. Ein anderer Kollege beschränkt sich auf den Schlag auf den Kopf, damit er zum Schluss Erinnerungsfotos von möglichst ästhetischen Fischen machen kann. Gelegentlich gibt er sich noch die Mühe, den versteckten Schnitt unter den Kiemendeckeln zu machen. «Eigentlich sind sie ja sowieso sofort tot», ist er überzeugt. Oder die Egli sind endlich in Beisslaune. Wir brechen ihnen ruckzuck das Genick und legen sie rasch hin, um gleich den nächsten Wurf machen zu können. Um den Eintrag in die Statistik und die korrekte Tötung durch Kiemenschnitt oder Ausnehmen wollen wir uns nachher kümmern. Und wenn jetzt grad eine Fischereikontrolle auftaucht? «Einen Schnitt mit dem Messer zu machen, ist eigentlich nicht so schwer!», geht mir durch den Kopf. Aber ich setze den nächsten Egli stattdessen zurück ins Wasser. Die Sache mit dem Freilassen geht einfacher als das mit dem Kiemenschnitt. Und eine Frage zum Thema geistert mir immer noch im Kopf herum: Was macht eigentlich der Berufsfischer mit seinem Fang?


Wozu der ganze Kram?

Auf geht es ans Wasser! Von vornherein ist klar, dass ich nicht mit leeren Händen zurückkommen werde. Schliesslich habe ich eine Handvoll Ruten, die Fischertasche mit allerlei Zubehör und noch eine Köderbox zu schleppen. Am Ende des gelungenen Fischertages geht es ein bisschen schwerer heim, ist es doch gelungen, eine gute Mahlzeit zu überlisten. Aber womit habe ich eigentlich die ganze Zeit gefischt? Wenn ich es mir genau überlege, waren bloss meine Lieblingsrute und zwei Köder meines Vertrauens im Einsatz. Und das eigentlich auch nur, weil einer abgerissen ist. Der Tag wäre nicht anders gelaufen, hätte ich nur diese eine Rute und die zwei Gummis dabeigehabt. Ich nehme mir vor, nächstes Mal möglichst unbeschwert ans Wasser zu gehen und auf den restlichen Kram zu verzichten. Als ich mein Fischzeug schliesslich auf das Wesentliche beschränken will, passiert es: Das Kopfkino geht los. Was, wenn ausgerechnet diesmal die grosse Jagd an der Oberfläche stattfindet und ich endlich den ersehnten Biss mit dem Oberflächenköder erleben könnte? Oder wenn an der Schilfkante der grosse Meterhecht vom letzten Jahr steht, den ich mit dem teuren handgemachten Jerkbait auf Sicht durch meine Polbrille anwerfen könnte? Oder sollte ich neben der schweren Hechtrute doch nicht auch die ultrafeine Dropshot-Rute mitnehmen, falls die Egli zickig sind? Ich kann mich nicht entscheiden und packe schliesslich für alle Eventualitäten ein. Manchmal ist weniger doch nicht mehr – und ich fische die eine Rute
und den Lieblingsköder entspannter, wenn ich den ganzen Rest auch dabeihabe.


Warum sie nicht beissen

Sie beissen nicht. Nichts ist zu machen. Vergeblich werden Stellen und Köder gewechselt, ohne dass sich daran etwas ändert. Ratlosigkeit macht sich breit. Was ist bloss mit den Fischen los?! Unter den Fischerkollegen kursieren verschiedene Theorien. Mal ist die Bise schuld, dann wieder der Föhn. Oder der Luftdruck schlägt ihnen auf den Magen, ob fallend oder steigend. Und dann gibt es ja noch die Mondphasen. Und was ist mit den Wassertemperaturen? Die Sprungschicht könnte sich verschoben haben und das Wasser ist ohnehin viel zu warm für diese Jahreszeit. «Schon gehört vom neuen Plankton und den asiatischen Muscheln?», meint James. «Nein, darum gehts nicht», widerspricht Kollege Samuel und weist auf den Nährstoffmangel und die Pestizide im See hin. «Kein Wunder sind die Fische weg, die haben ja nichts mehr zu fressen hier!». Wenn man mal begonnen hat mit der Suche nach den Gründen, fallen einem plötzlich auch die Schwimmer der Berufsfischer wieder auf. Diese Netze sind sicher neu, da hat man doch noch nie welche gesehen! Als ob das nicht genug wäre, fliegt auch noch eine Schar Kormorane über das Wasser.

Und plötzlich ist der Spuk vorbei und die Ruten krümmen sich wieder. Was sind wir doch für gute Fischer mit dem richtigen Riecher! – klopfen wir uns auf die Schultern. Aber warum beissen sie denn eigentlich? Wenn es gut läuft, machen wir uns darüber keine Gedanken.


Fortsetzung folgt ...

 

1 Kommentare


Bernd Taller

23 | 03 | 2021

Sehr schön zu lesen, macht nachdenklich. Ich bin auch immer in Gefahr zu viel an Ruten und Spinnködern mitzuschleppen. Dabei ist weniger doch oft mehr! Ich freue mich auf die Fortsetzung.


Schreibe einen Kommentar:

Anzeige
Anzeige
Zurück zur Übersicht

Das könnte Dich auch interessieren: