Fischereiverein Werdenberg [| Top-Verein mit Gewässerperlen]
08 | 10 | 2021 SchweizText & Fotos: Nils Anderson 0282
08 | 10 | 2021 Schweiz
Text & Fotos: Nils Anderson 0 282

Fischereiverein Werdenberg | Top-Verein mit Gewässerperlen

Der Fischereiverein Werden­berg gehört zu den grösseren Vereinen der Schweiz und die Vorstandsarbeit ist beinahe ein vollamtlicher Job. Doch der grosse Aufwand lohnt sich. Die erfolgreichen Renaturierungen am Werdenberger Binnen­kanal mit seinen Zuflüssen sind zahlreich und den Fischen geht es gut.


Das St.Galler Rheintal ist geprägt vom Verkehr, von dichter Industrie und intensiver Landwirtschaft. Auf der Grenze zu Liechtenstein fliesst der mächtige, aber fischarme Rhein in grauen Tönen und die St. Galler Alpen senken sich hier abrupt ins Flache. Der Werdenberger Binnenkanal und seine Zuflüsse sind alle vom Fischereiverein Werdenberg gepachtet. Die erfolgreichen Aufwertungen sind das Resultat von langer und beharrlicher Arbeit, durchgesetzt gegen manche Widerstände.


Breiter Nutzen von Revitalisierungen

Christian Schwendener, Beauftragter für Gewässerschutz und Aufzuchtanlage des Vereins ist ein gewiefter Stratege, wenn es darum geht, mit den Behörden und dem Kanton ein Revitalisierungsprojekt anzugehen: «Die zuständigen Verantwortlichen bei Revitalisierungen müssen klar vor Augen haben, wer alles davon profitiert. Es sind bei weitem nicht nur ein paar Fischer und Vogelfreunde und deren Lieblingstiere. In erster Linie wird mit einer Revitalisierung ein Naherholungsgebiet massiv aufgewertet. Und daran haben breite Teile der Bevölkerung einen ganz konkreten Nutzen.» Als anschauliches Beispiel dient die neu aufgewertete Strecke einige hundert Meter unterhalb des Vereinslokals. Die revitalisierten Auen wurden nicht nur von der Tierwelt, sondern auch von den Menschen sofort angenommen; man sieht Feuerstellen, neue Trampelpfade seien schnell entstanden. Das bringt zwar auch einige Nachteile mit sich, aber lieber ein stark frequentiertes Stück «Wildnis» als ein monotoner Gewässerlauf. Und klar ist auch, dass die Fische vom Strukturenreichtum profitieren: «Jetzt sieht man sie zwar nicht, aber der Bestand an jungen Äschen ist erfreulich.» Im ganzen Einzugsgebiet des WBK, wie der Werdenberger Binnenkanal hier kurzerhand genannt wird, zählt man über ein Dutzend Fischarten.

 Regula Jost und Christian Schwendener sind zu Recht stolz auf ihre Vereinsgewässer.

Regula Jost und Christian Schwendener sind zu Recht stolz auf ihre Vereinsgewässer.


Viele erfolgreiche Projekte

Zusammen mit der Präsidentin Regula Jost zeigt mir Schwendener die zahlreichen Abschnitte, die in den letzten Jahren aufgewertet wurden. Wir besichtigen kleine Zubringerbäche wie den Grabserbach, die einst hart verbaut waren und jetzt wieder munter und abwechslungsreich zur Heimat der Fische geworden sind, oder dann die etwas grössere Wetti, die sich im ausgeweiteten Bett durch die Werdenberger Wohnsiedlungen schlängelt und in welcher ab und zu auch ein Hecht vom Werdenbergersee anzutreffen sei. Nächster Halt ist die Simmi, die langsam von Gams her Richtung WBK fliesst und deren unterster Abschnitt kürzlich revitalisiert wurde. Wir schauen von einer Brücke auf mehr als ein Dutzend Alet, die gemächlich in der Strömung stehen: «Hier fühlt er sich richtig wohl. Vorher hatte es hier kaum Fische. Für die Bachforelle ist es im Talboden fast überall zu warm geworden. Und es fliesst auch zu wenig Wasser. Noch vor zwanzig Jahren war der Wasserstand des WBK rund 15 Zentimeter höher. Und weniger Wasser bringt immer auch eine höhere Konzentration an Schadstoffen, höhere Temperaturen, weniger Bewegung am Gewässerboden.» Weiter oben in den Bächen, die vom Werdenberg-Massiv ins Tal führen, sieht es dann schnell besser aus mit den Bachforellen. Und dass sich die Forellen auch künftig wieder in der Ebene halten können, wenn die Uferbepflanzung der neu aufgewerteten Abschnitte ihren Wuchs entfaltet hat, will man hier zumindest mal nicht ausschliessen.

 Der Unterlauf der Simmi ist umfangreich revitalisiert und von den Fischen sofort angenommen worden.

Der Unterlauf der Simmi ist umfangreich revitalisiert und von den Fischen sofort angenommen worden.


Fingerspitzengefühl für die Verwaltung

Dass überhaupt so viele Abschnitte wieder eine potenzielle Heimat für die Fische bieten, ist bekanntermassen keine Selbstverständlichkeit. Schwendener war schon dutzende Male an Sitzungen mit dem Kanton, den Gemeinden und den Baufirmen. «Ja, langsam kennt man sich. Und dann wird einem zugehört, weil sie wissen, dass der Schwendener auch eine Ahnung hat, von dem, was er sagt.» Und er ergänzt: «Man darf schon fordern, schliesslich gibt oder gäbe es ja auch einen gesetzlichen Rahmen, der die Behörden zu solchen Arbeiten verpflichten würde. Und dann braucht es gesunden Menschenverstand, Beharrlichkeit und Lob für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Und man muss auch gut informiert sein, was wo gerade in Planung ist. Wenn sie eh schon eine Baustelle haben, ist es einfacher, da gleich noch eine Aufwertung miteinzubringen.» Widerstand gibt es natürlich auch. Da sind zum einen immer wieder Hochwasserschutzbedenken, die es zu relativieren gilt und vor allem halt der Widerstand der Landwirte. Diese wollen entschädigt werden und hätten in der Tendenz auch Angst, dass man ihnen am liebsten gleich die ganze Hand nehmen würde, sobald sie einen Finger geben, vermutet Schwendener.

 Revitalisierte Strecke des Werdenberger Binnenkanals: Wer denkt hier noch an einen Kanal?

Revitalisierte Strecke des Werdenberger Binnenkanals: Wer denkt hier noch an einen Kanal?


Aber nicht nur gegen aussen ist es eine grosse Arbeit. «Wer fischen will, muss bereit sein, dafür zu arbeiten. So machen wir eine Gewässerputzete, und wer Gastmitglied werden will, verpflichtet sich 3 Jahre lang zwei Arbeitseinsätze pro Jahr zu leisten», erklärt mir Regula Jost, die den Verein seit 2013 führt. Nebst dem grossen Vereinslokal gibt es auch die Fischzucht, die viel Arbeit verlangt; die Aufzucht der jungen Äschen ist aufwendig und braucht viel Erfahrung. Und daneben ist die Vorstandsarbeit ganz allgemein ziemlich umfangreich: «In einer Position wie der unseren darf man seinen Arbeitsaufwand nicht aufrechnen wollen. Ohne Idealismus und Prinzipien würde man sowas nicht lange machen», sagt Regula Jost dazu.

 Kleine Willkommensdoublette: Die erste Äsche liess nicht lange auf sich warten ...

Kleine Willkommensdoublette: Die erste Äsche liess nicht lange auf sich warten ...

 ... und ein paar Würfe später vergriff sich auch die erste Regenbogenforelle an meinem Köder.

... und ein paar Würfe später vergriff sich auch die erste Regenbogenforelle an meinem Köder.


Äschenfischen am Kanal

Nach dem Abschied im Klubhaus schaue ich wie immer noch kurz ins Wasser, und siehe da: Eine schöne Äsche steigt wie zum Gruss direkt unter der Brücke. So ist es nicht verwunderlich, dass ich auf einen zweiten Besuch vorbeikomme, diesmal mit der Fliegenrute. Ich besuche den Abschnitt oberhalb Salez, für diesen Abschnitt sind Tageskarten für CHF 45.– erhältlich. Hier wird der WBK seinem Namen vollumfänglich gerecht. Es ist ein monotoner Kanal inmitten grosser Maisfelder und frisch abgeernteter Äcker, die mit gigantischen Traktoren bewirtschaftet werden. Doch ein flüchtiger Blick ins Gewässer zeigt mir, dass hier sehr wohl Fische zuhause sind: Sofort sehe ich den Ring einer ersten steigenden Äsche und wie ich dem Gewässer stromabwärts folge, sehe ich immer mal wieder Aktivitäten, die meine Vorfreude wachsen lassen. Trotz wenig Beschattung wird der Kanal durch die vielen Grundwasseraufstösse offensichtlich nicht allzu warm, so dass sich die temperaturempfindlichen Äschen nach wie vor wohl fühlen. Es ist ein warmer Tag, die Sonne scheint und ich habe die Wathose montiert. Das Watfischen ist hier nicht erlaubt, doch um einen Fisch waidgerecht zu landen, muss man kurz ins Wasser. Fürs Fischen steht man an der steilen Böschung, was nicht ganz einfach ist. Im klaren Wasser sieht man immer wieder Unterwasservegetation, dazwischen Kies und grössere Steine und der Kanal bietet immer wieder Rinnen und unterschiedliche Strömungsverhältnisse. Die Ringe der steigenden Fische deuten auf eine Aktivitätsphase hin und tatsächlich gelingt mir in der ersten halben Stunde der Fang zweier Äschen und zweier prächtig gefärbter Regenbogenforellen. Die Äschen sind zwar unter dem Schonmass von 40 Zentimetern, doch es wäre ehrlich gesagt auch verwegen, zu meinen, man könne hier als Novize eben mal schnell ein, zwei massige Äschen an einem sonnigen Nachmittag landen.

 Immer eine gute Wahl an einem unbekannten Gewässer: Eine Kombi aus Wurm- und schnell sinkender Nymphe.

Immer eine gute Wahl an einem unbekannten Gewässer: Eine Kombi aus Wurm- und schnell sinkender Nymphe.

 Der erste Blick trügt: Die Strömungsvariabilität des Werdenberger Binnenkanals ist recht ausgeprägt und der Fischbestand ist gut.

Der erste Blick trügt: Die Strömungsvariabilität des Werdenberger Binnenkanals ist recht ausgeprägt und der Fischbestand ist gut.


Ich bin mit meinem Auftakt ganz zufrieden; offensichtlich funktioniert meine Materialwahl. Ich fische eine 5er-Rute mit einem 2,5 Meter langen Vorfach mit 17er-Fluoro-Tippet bis zur oberen Nymphe, gefolgt von 20 Zentimeter 0,14er zur unteren Wurm-Nymphe. Im weiteren Verlauf des Nachmittags verpasse ich noch den einen und anderen Biss, kann auch eine etwas grössere Äsche beobachten, wie sie aufgeregt meinen Nymphen entgegenschwimmt und sie ganz kurz testet und augenblicklich wieder ausspuckt. Es war ein schönes Kennenlernen; ich werde bestimmt wieder einmal beim Verein für eine Tageskarte anklopfen.


Fischer-Info

Nebst dem Werdenberger Binnenkanal steht der Voralpsee für Tageskartenbezüger zur Verfügung.
Der Tageskartenverkauf beginnt erst wieder am 15. Mai 2022.

Weitere Infos unter: fv-werdenberg.ch

 

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