Faszination Bass[ – Teil 1]
24 | 11 | 2020 Praxis | ReisenText & Fotos: Peter Schenk 0928
24 | 11 | 2020 Praxis | Reisen
Text & Fotos: Peter Schenk 0 928

Faszination Bass – Teil 1

Forellenbarsche sind spektakuläre Kämpfer und neugierige Räuber. Peter Schenk zeigt Verhaltensweise und die wichtigsten Köder für die faszinierenden Bass in Südeuropa.

Wir machen eine Bierpause am Steilufer und geniessen den ruhigen See. Rechts von mir taucht plötzlich ein imposanter Schatten in geschätzten 1,5 Meter Wasser­tiefe auf und schwimmt langsam der Uferlinie entlang – ein kapitaler Bass. Ohne ihn aus den Augen zu lassen, ergreife ich möglichst unauffällig meine neben mir liegende Spinnrute. Ein sanfter Unterhandwurf befördert meinen Plastikköder zwei Meter vor die mutmassliche Zugbahn des grossen Fischs. Wir sehen den roten Schwanz des Wurms zum Grund wackeln. Dieser hat auch die Aufmerksamkeit des Barschs erregt: Pfeilschnell beschleunigt er, taucht zum Köder ab und schon läuft meine Schnur ... Der Anhieb aus meiner immer noch sitzenden Position gelingt und die Rute geht in Vollkrümmung. Ich kann den Drill zu meinen Gunsten beenden und den Schwarzbarsch per Maulgriff landen. 54 cm misst der Brocken. Und das wahrhaft Geniale am Erlebnis: Einmal mehr lief die ganze Action unmittelbar vor unseren Füssen auf Sicht ab. Spannenderes Fischen kann es für uns Spinnangler wohl kaum geben!


Faszination Bass

Bass bedeuten mir viel. Seit Jahrzehnten hege ich eine Verbindung zu diesem faszinierenden Sportfisch. Die ersten Begegnungen mit ihm hatte ich damals im anglerisch absolut jungfräulichen spanischen Ebro-Gebiet. Jahr für Jahr kehrten wir in die legendär guten Reviere zurück und lernten immer mehr über diesen Barsch und wie man ihn zielgerichtet befischt. Die Bassfischerei hat heute Millionen Anhänger. Kaum eine andere Süsswasserfischart vermag dermassen viele Fans in ihren Bann zu ziehen. In den USA ist der Bass unbestrittener Nationalfisch Nummer Eins. Eine milliardenschwere Angelgeräteindustrie beliefert den Markt mit Hightech-Produkten vom einfachen Weichplastikköder bis zum exklusiven Bassboot.

Wieso vermag diese relativ kleine Fischart dermassen zu faszinieren?  Wieso laufen Bass den Forellen, Hechten und Karpfen den Rang ab? Gründe für die Beliebtheit des Bass gibt es einige. Zum einen ist er ein Kosmopolit: Von seinem Stammgebiet der östlichen USA aus wurde er unter anderem in Europa (insbesondere in Italien, Frankreich, Spanien und Portugal), in Afrika (z. B. Marokko und Südafrika), in Asien (z. B. Japan), in vielen weiteren Bundesstaaten der USA und in der Karibik (z. B. Kuba) erfolgreich angesiedelt. Auch in der Schweiz (z.?B. in den Tessiner Seen) wurde der Bass eingesetzt. Ein gewisser Bestand konnte sich etablieren und selbstständig erhalten, obwohl die Lebensansprüche nur teilweise erfüllt werden. Bass gedeihen auch in relativ kleinen Gewässern gut und stellen nicht allzu hohe Ansprüche an die Wasserqualität. Sie kommen extrem gut mit den Bedingungen von Stauseen zurecht, und weil besonders in mediterranen und subtropischen Gefilden sehr viele dieser künstlich angelegten Gewässer zu finden sind, ist der Bass ein weitverbreiteter und häufiger Sportfisch und somit für viele Angler zugänglich. Internationale Bass-Tournaments tragen weiter zur Attraktivität dieser Fischerei bei. Des Weiteren gelingt Bassfischen auch mit recht einfacher und kostengünstiger Spinnausrüstung. Das überzeugendste Argument für seine Beliebtheit ist allerdings der wilde Charakter des Forellenbarschs. Er ist von Natur aus in hohem Mass neugierig, verspielt und mit einem unglaublichen Appetit gesegnet. Sein überproportional grosses Maul ermöglicht ihm, riesige Beute zu fressen. Es gibt kaum Kunstködertypen, die nicht attackiert würden: Wobbler, Swimbaits, Spinner, Jigs, jegliche Weichplastikköder, Fliegen und vieles mehr fangen Bass. Ein weiteres wichtiges Charaktermerkmal ist seine beeindruckende Kampfkraft und Sprungfreudigkeit. Es ist immer wieder faszinierend, einem im Drill an der Wasseroberfläche tobenden Bass zuzuschauen. Die Akrobaten geben alles!


Fischen auf Bass

Natürliche Köder wie Köderfische oder Würmer fangen Bass … Selbst der Weltrekordfisch von über 10 kg fiel auf einen lebenden Sonnenbarsch herein, was den Trophäenwert dieses Ausnahme­fischs in gewissem Masse schmälert. In der internationalen Bassangler-Society gilt nämlich: Köderfische sind ein No-go und Kunstköder sind oberstes Gebot! Und tatsächlich lassen sich Bass bestens damit fangen. Eine unglaubliche Vielfalt an Ködern können verwendet werden. Für jede erdenkliche Situation stehen spezifische Methoden zur Verfügung. Die Gesamtheit all dieser modernen Möglichkeiten ist bei weitem produktiver als Köderfisch & Co. In diesem Sinn ist der Einsatz von Naturködern beim Bassangeln von vorgestern. Uferangler fangen regelmässig Bass. Doch wirklich effizientes Forellenbarschfischen erfolgt von einem Boot aus, mit dem man die Hotspots erreicht. Die wichtigsten zwei Objekte auf einem Bassboot sind der Elektromotor und ein gutes Echolot. Der Rest ist eher für das Macho-Ego ...

 Menschenleere Landschaften, riesige Stauseen, dicke Bass: Extremadura.

Menschenleere Landschaften, riesige Stauseen, dicke Bass: Extremadura.

 Crankbaits werden gleichmässig eingekurbelt. Sie sind gute Suchköder, die in fast allen erdenklichen Farben Fische fangen.

Crankbaits werden gleichmässig eingekurbelt. Sie sind gute Suchköder, die in fast allen erdenklichen Farben Fische fangen.

 Versunkene Wälder sind Hotspots. Hier warten die Bass gut versteckt auf leichte Beute.

Versunkene Wälder sind Hotspots. Hier warten die Bass gut versteckt auf leichte Beute.

Und nun möchte ich einen Überblick der wichtigsten Techniken der Bassfischerei geben.


Crankbaits, für effizientes Suchen

Meine allerersten Forellenbarsche habe ich damals mit dem klassischen Rapala aus Balsaholz gefangen. Mittlerweile bietet der Markt eine fast unendliche Flut von wobblerartigen Ködern an. Und ständig kommen Neuentwicklungen dazu. Cranks lassen sich sehr weit und superpräzise werfen, insbesondere mit der Stationärrolle. Sie sind ideale Suchköder, da sich schnell grössere Flächen abfischen lassen. Cranks sind suboptimal, wenn viele Bäume und Wasserpflanzen vorhanden sind, da sie sehr hängeranfällig sind. Umso mehr eignen sie sich bei Felswänden, Abbrüchen, Mauerwerk und Unterwasserbergen. Crankfischen birgt trotz allem immer das Risiko, Hänger zu bekommen. Ein richtig eingesetzter Wobblerretter spart viel Geld. Es gibt Crankbaits, welche richtig gut Bass fangen. Was müssen sie erfüllen? Entscheidende Kriterien sind Tauchtiefe, Laufstabilität bei schnellem Einholen und gute Aktion. Letztlich kommt man nicht darum herum, eine Auswahl von Cranks mit verschiedenen Eigenschaften zu erwerben. Ich empfehle Qualitätsprodukte, da diese wesentlich mehr Bisse generieren. Stehen die Bass tief an den Abbrüchen, ist energisches Ankurbeln nach dem Wurf essenziell, damit der Crank rasch auf die richtige Tiefe gebracht wird. Ferner gilt: Wer die Drillinge durch beste Einzelhaken ersetzt, schont die Fische und fängt trotzdem gut.


Chatterbaits, die fängigen Radauköder

Die in den USA seit den 1990er-Jahren verwendeten Chatterbaits werden in Mitteleuropa immer noch eher unterschätzt. Vielleicht liegt es am ziemlich hohen Preis dieses Spezialköders? Eins ist klar: Er gehört zu den Topködern. Fransenkranz, Metallkopf und Haken sind ähnlich wie beim Spinnerbait. Das Besondere ist das vorgeschaltete Metallplättchen, welches dem Chatter die fängigen Vibrationen verpasst. Neu gekaufte Chatterbaits sollten mit einem Trailer aufgerüstet werden: Ein Twister, Creature oder Shad wird auf den Haken gezogen. Chatters werden in die Nähe von Strukturen geworfen und gleichmässig eingeholt. Sie sind wie Cranks gute Suchköder und eher hängeranfällig.

 Krawallbrüder: Chatterbaits vibrieren extrem und erzeugen grosse Aufmerksamkeit.

Krawallbrüder: Chatterbaits vibrieren extrem und erzeugen grosse Aufmerksamkeit.

 Mit Trailern aufgerüstete Jigs sind vor allem an hindernisreichen Stellen top.

Mit Trailern aufgerüstete Jigs sind vor allem an hindernisreichen Stellen top.

 Reiz-Vollpackung: Auch wenn er nicht natürlich aussieht, mögen Bass den  Chatterbait.

Reiz-Vollpackung: Auch wenn er nicht natürlich aussieht, mögen Bass den Chatterbait.


Rein in den Dschungel mit Jigs!

Grosse Bass beanspruchen die besten Reviere, und diese bieten gute Deckung: Tote Bäume, Wasserpflanzendickichte und markante Felsunterstände an sogenannten Points, den Kaps an Buchteingängen, sind Hotspots für dicke Micropterus. Mit den üblichen Ködern erreichen wir die Fische in diesen Hindernissen kaum. Oder wir riskieren Hänger, müssen diese lösen und alarmieren den Zielfisch – ein Dilemma. Mit den Bassjigs haben wir die perfekten Köder für die richtig schwierigen Spots zur Hand! Sie bestehen aus einem kräftigen Haken, Gewichtskopf, Fransenmantel und einem Weedguard, einer steifen Bürste, welche vor Hängern schützt. Wie bei anderen Ködern werden Jigs in verschiedensten Grössen, Gewichten, Kopfformen und Farben angeboten. Genau wie beim Chatterbait muss auch der Jig durch einen Trailer (z. B. ein Krebs oder Creature) ergänzt werden. Der Jig wird mitten im Hindernis präsentiert: Idealerweise wird ein Flipping Cast, ein Unterhandwurf, so leise und präzise wie möglich an die gewünschte Stelle ausgeführt. Kontrolliert lässt man den Jig bis zum Grund sinken, wobei die Bisse oft bereits in der Absinkphase erfolgen. Konzentration und Kontrolle sind matchentscheidend, die Bisse sind meist recht fein. Ein Stehenbleiben der Schnur, ein leichtes Ziehen oder ein Stupser bedeuten: sofort und hart anschlagen! Auch soll der Drill hart geführt werden, damit der tobende Fisch nicht in die Deckung flüchten kann. Aus dem Grund sind steifere Ruten von 25-40?g Wurfgewicht eine gute Wahl für die Jig­fischerei. Haben wir in der Absinkphase keinen Biss, arbeiten wir den Jig mit sanften Rutenbewegungen durch das Hindernis. Mit hochmodulierten Ruten spürt man jeden Ast oder Stein. Der Jig soll sich wie ein echter Krebs durchs Dickicht bewegen. Jigs können in jeder Saison und in allen Wassertiefen eingesetzt werden. Sie gehören zu den besten aller Bassköder für die Kapitalen!


Fortsetzung im Petri-Heil 1|2021

Faszination Bass | Teil 2

 

 

0 Kommentare


Keine Kommentare (Kommentare erscheinen erst nach unserer Freigabe)


Schreibe einen Kommentar:

Anzeige
Zurück zur Übersicht

Das könnte Dich auch interessieren: