Erntezeit für Gross-Egli
08 | 10 | 2020 PraxisText: André Pawlitzki 0279
08 | 10 | 2020 Praxis
Text: André Pawlitzki 0 279

Erntezeit für Gross-Egli

Grosse Egli lassen sich vor allem im Spätherbst hervorragend fangen! Egli-Spezialist André Pawlitzki verrät seine drei erfolgreichsten Methoden.

Wenn die Temperaturen im Herbst kräftig fallen, kommt die Zeit der Gross-Egli. Das sind für mich Fische über 40 Zentimeter – eine tolle Grösse. Mit den sinkenden Temperaturen zerstreuen sich auch die dichten Eglischwärme, die bis Ende September in Ufernähe gestanden und dort im Schutze von ins Wasser gefallenen Bäumen, Stegen oder Seerosen nach Nahrung gesucht haben. Die Fische stehen jetzt deutlich tiefer. Ausserdem beissen jetzt nicht mehr unbedingt die vorwitzigen Halbstarken bis 25 Zentimeter, sondern man bekommt nun eher Kontakt mit Gross-Egli, obwohl die Bissfrequenz allgemein abnimmt. Grosse Egli fängt man allerdings nur, wenn man mehrere Angeltechniken beherrscht.

 
Wobbler mit Bauch helfen, die Egli zu finden

Meist beginne ich das Spinnangeln mit Crankbaits. Das sind Wobbler mit einem bauchigen Körperbau, die je nach Stellung der Tauchschaufel in unterschiedlichen Tiefen laufen – die perfekten Suchköder. Meist beginne ich im Spätherbst mit Modellen, die laut Hersteller eine Tauchtiefe von 2,5 bis 3,5 Metern haben. Je kälter es wird, desto tiefer sollten die Wobbler beim Einholen tauchen. Je grösser die Tauchschaufel der Köder, desto tiefer taucht der Crank. 

Das Schöne an diesen Ködern: Man muss sie nur auswerfen und dann einfach wieder einkurbeln. Oft bringt das schon die ersehnten Eglibisse. Erfahrenere Angler bieten einen Crankbait aber auch im Stop & Go-Rhythmus an: Sie ziehen ihn an und lassen ihn dann wieder aufsteigen, denn die meisten Crankbaits sind «Floater», also schwimmende Modelle. Diese aufsteigende Bewegung verführt so manchen Egli zum Zupacken. Eine weitere Möglichkeit, Crankbaits fängig anzubieten, sind Tempowechsel. Man beschleunigt den Köder und führt ihn dann wieder langsamer. Gerade zu Herbstanfang knallen die Dick-Egli mit Bravour auf den beschleunigten Crank. Das Angeln mit den bauchigen Ködern eignet sich auch hervorragend, um die Egli zu suchen, weil man mit diesem Köder eine grosse Wasserfläche in relativ kurzer Zeit abfischen kann – sowohl vom Boot als auch vom Ufer.


Zentimetergenau fischen mit der Dropshot-Montage 

Habe ich die Egli gefunden, wechsle ich häufig auf die Dropshot-Montage, um einen Spot genau auszufischen. Die Wahl des Bleigewichts richtet sich nach der Wassertiefe, aber auch nach der Drift des Bootes, denn im Spätherbst bläst der Wind manchmal recht kräftig. Bei ruhigem Wetter komme ich mit einem Sieben-Gramm-Blei bis zehn Meter Tiefe aus, bei starker Drift darf es ruhig dreimal so schwer sein. Den Dropshot-Haken binde ich meist 50 bis 70 Zentimeter über dem Blei auf das FC-Vorfach. Dieses hat eine Stärke von 0,25 oder 0,28 Millimeter. Das reicht aus, um auch den grössten Egli auszudrillen. Im Gegensatz zu Fischern, die die Montage auf einem Platz stehen lassen und dann den Köder mit der Rutenspitze in Bewegung versetzen, schleife ich, falls erlaubt, den Dropshot-Köder langsam über den Grund und suche so nach beisswilligen Stachelrittern. Die Bisse kommen meist sehr kräftig und sind deutlich über die feine Spitze der Dropshot-Rute zu spüren. 

 Auch der Seitenzweig fängt. Dieser Egli nahm den Gummiwurm an der Dropshot-Montage mit Seitenzweig.

Auch der Seitenzweig fängt. Dieser Egli nahm den Gummiwurm an der Dropshot-Montage mit Seitenzweig.

 Lockende Wolken – Indem das schlanke Dropshot-Blei am Boden schleift, werden kleine Staubwolken aufgewirbelt. Diese lenken die Aufmerksamkeit der Räuber auf den Köder darüber.

Lockende Wolken – Indem das schlanke Dropshot-Blei am Boden schleift, werden kleine Staubwolken aufgewirbelt. Diese lenken die Aufmerksamkeit der Räuber auf den Köder darüber.

 Dezember-Egli, gefangen mit Wormstick am Carolina-Rig. Da ist die Kälte schnell vergessen.

Dezember-Egli, gefangen mit Wormstick am Carolina-Rig. Da ist die Kälte schnell vergessen.


Wurm und Fischchen sollte man nicht vergessen 

In manchen Seen fangen nun Fischchen-Imitationen aus Weichplastik, in anderen ist man mit einem Tauwurm am Dropshot-Haken erfolgreich. Welchen der beiden Köder die Fische in Deinem Gewässer bevorzugen, musst Du ausprobieren. Kommt es zu Fehlbissen beim Wurm, muss man diesen vielleicht um die Hälfte kürzen. Wo erlaubt, kann man auch zwei Haken übereinander ins Vorfach binden und einen Wurm und ein Fischchen anbieten. So erfährt man schnell, auf welchen Köder die Stachelritter stehen. Dann kann man beide Haken mit dem Erfolgsköder bestücken. 

 
Lange Absinkphasen am Carolina-Rig nutzen

Je kälter das Wasser wird, desto zickiger werden die Egli. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt befische ich die grossen Egli gerne mit dem Carolina-­Rig und einem Worm­stick. Der Köder am Offset­Haken sinkt am zirka 40 Zentimeter langen Vorfach nun hinter dem Bullet-Blei ganz langsam zu Boden und wird von den Egli ohne Zögern eingesaugt. Je länger das Vorfach ist, desto langsamer sinkt zwar der Köder, aber man spürt den Biss auch schlechter. Das kann dazu führen, dass man die Rute anhebt und ein Fisch am Haken hängt. Je kürzer das Vorfach ist, desto besser sind die Bisse zu spüren, allerdings sinkt dann der Köder nicht mehr so schön langsam ab. Hier muss man also einen Mittelweg zwischen guter Bissanzeige und optimaler Fängigkeit finden. 

 
Nur dezente Gummis überzeugen vorsichtige Egli!

Als Köder bevorzuge ich wie gesagt Gummiwürmer, aber auch Fischchen ohne Schaufelschwanz. Diese würden zu viele Vibrationen im Wasser erzeugen, die die Egli als unnatürlich empfinden. Deshalb fangen nun Gummifische mit Gabel- oder Nadelschwanz – sogenannte No­-Action-Shads. Die Führung der Gummis besteht in leichten Schlägen aus dem Handgelenk mit der Rute. Danach erfolgt eine Pause von zehn Sekunden, in der die Gummifische absinken können, beziehungsweise die Egli den Köder nehmen können. Die meisten Bisse kommen in der Absinkphase. Allerdings habe ich auch schon Egli gefangen, die den auf dem Boden liegenden unbewegten Gummi genommen hatten. Eine zu schnelle Köderführung ist bei kaltem Wasser allerdings Gift! Nur dezent geführte Gummifische fangen.

 

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