Ein Tag auf Winterfelchen
22 | 02 | 2021 Praxis | VideoText & Fotos: Ivan Valetny 11625
22 | 02 | 2021 Praxis | Video
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Ein Tag auf Winterfelchen

Seit dem 1. Januar ist die Felchensaison im Kanton Bern eröffnet, und die Felchen beissen auch, während viele andere Fischarten nur schwer zu fangen sind. In diesem Bericht nimmt Dich «Petri-Heil» an einem winterlichen Tag auf den Bielersee mit.

Nachdem das Wetter im Januar eine Woche lang schlecht war und ich zudem umziehen musste, wollte ich mal wieder ans Wasser. Ich mache mich an einem Vormittag auf den Weg zum Bielersee. Das Wetter ist schön, der Wind weht nur schwach. Als ich bei meinem Boot ankomme, muss ich leider feststellen, dass die Blache durch den Schnee eingedrückt wurde. Zum Glück habe ich ein Alu-Boot, so sind die Gestänge nur verbogen und die Halterungen nicht ausgerissen. Anders bei meinem Bootsnachbarn, der ein GFK-Boot hat. Er repariert gerade seine Halterungen mit Glasfasern und Harz. Wir halten einen Schwatz, während ich mein Boot abdecke und mit der Lenzpumpe leere. Nach diesem holprigen Start in den Angeltag läuft der Motor dann reibungslos an, das Echolot ist eingeschaltet und auf 15 bis 30 m gezoomt, nun kann es losgehen!


Abseits vom Pulk

Ich fahre aus dem Hafen und mache eine langsame Kurve durch den Pulk, der sich direkt vor dem Hafen versammelt hat. Ich habe heute vor, ein Video zu drehen, deshalb begebe ich mich selber auf die Suche nach vielversprechenden Stellen. Wenn man sich die Mühe nicht machen will, kann man einfach im Pulk ankern und fischen. Das läuft meistens so am Bielersee; der Wohlfühlabstand beträgt ungefähr 20 m zu den anderen Booten, es wird schliesslich nicht ausgeworfen. Heute zähle ich etwas mehr als 20 Boote vor dem Hafen, es waren schon mehr dieses Jahr. Ich fahre weiter westwärts in langsamem und gleichmässigem Tempo, schräg zum Tiefenverlauf. Von 15 auf 30 m und wieder auf 15 m. Heute stelle ich nach einigen Bahnen fest, dass die meisten Echolotsignale zwischen 25 und 30 m anzutreffen sind. So entscheide ich mich auf 27 m zu ankern. Dann kann ich gut mit 30 m fixem Tiefenbereich und Zoomfunktion fischen. Nun nehme ich meine 1,85 m lange Spinn­rute bis 4 g Wurfgewicht und montiere eine meiner 1,80 m langen selbstgebundenen Hegenen. Im Winter funktioniert Rot und Schwarz in Kombinationen am besten. Violetttöne sind meistens erst später im Jahr fängig. Heute entscheide ich mich als erstes für eine rot/schwarze Hegene. Ein schwarzes gebundenes Köpfchen mit einem roten Körper, auf welchem eine Rippung aus Silberfaden gebunden ist. Drei Haken sind krumm, zwei sind gerade, jeweils ungefähr in 12er-Grösse. Das Muster der Nymphen bleibt gleich, nur die Form variiert. Nach einigen Minuten beisst die erste Felche des Tages, eine 27er, der Start ist geglückt. Das Schonmass am Bielersee beträgt 25 cm und die maximale Tagesfangzahl 25 Stück. Die Felchen sind meistens knapp 30 cm lang, über 30?cm fängt man eher wenige Exemplare.


Auf die Führung kommt es an

Beim Felchenfischen mit der Hegene übe ich nur das Heben aktiv aus, wir sagen dazu auch Ziehen. Nach einem Zug lasse ich die Hegene wieder an lockerer Schnur runterfallen. Je tiefer man fischt, desto langsamer sinkt sie. Beim Heben ist es meiner Erfahrung nach das Wichtigste, kontinuierlich zu heben. Ich konnte es auf dem Echolot schon oft beobachten: Kaum wackelt man ein wenig und wird so etwas langsamer, sieht man, wie der Fisch wieder abdreht. Wenn man Mühe hat, gleichmässig zu ziehen, kann man es schneller versuchen, so wird man etwas kontinuierlicher. Im Winter hat man aber meist mit dem andauernden, langsamen Heben Erfolg. Später im Jahr stehen die Felchen oft auf ein etwas zügigeres Heben. Am heutigen Winter­tag ist wieder das ganz langsame Heben in Grundnähe angesagt. Zwischenzeitlich hat eine Untermassige angebissen. Vorsichtig mit nassen Händen löse ich sie und schon schwimmt sie wieder. Felchen ertragen den Druckausgleich besser als andere Fischarten, weil sie einen Gang zwischen Luftblase und Darm haben. Durch das Entleeren der Luftblase können sie schneller wieder in die Tiefe schwimmen, weil sie dadurch weniger Auftrieb haben. Einige Zeit später folgt eine weitere massige Felche. Sie hat genau in dem Moment auf die unterste krumme Nymphe gebissen, als ich mit dem Heben begonnen habe.


Stellenwechsel

Da schon über eine halbe Stunde lang nichts mehr gebissen hat, wechsle ich die Stelle. Oft ist es so, dass die Felchen umherziehen und man in regelmässigen Intervallen immer wieder ein, zwei Fische fängt. Wenn ich an einem Platz aber längere Zeit nichts fange, wechsle ich lieber wieder, in der Hoffnung auf mehr Glück an einem neuen Platz. Mittlerweile hat sich die Wolkendecke zugezogen und der Wind frischt etwas auf. Ich bin froh, dass ich einen Thermoanzug angezogen habe. Er ist zwar nicht wasserdicht, dafür aber schön warm. Als Schuhe trage ich ganz normale Wanderschuhe mit zwei Paar Socken. Als ich mir Gedanken mache, mir besser gefütterte Schuhe zu kaufen, beisst wieder eine Felche an, die das Mass hat, eine zweite folgt prompt darauf. Jetzt beisst auch eine 29er, die schönste dieses Tages. Die ultraleichte Spinnrute pariert wunderbar die feinen Kopfschläge und Fluchten.

 Nach tagelangem Schneefall kann das Boot schon mal so aussehen.

Nach tagelangem Schneefall kann das Boot schon mal so aussehen.

 Bei andauerndem Niederschlag immer auf Treibholz achten.

Bei andauerndem Niederschlag immer auf Treibholz achten.

 Bielerseefelchen sind nicht die grössten, aber man kann auch im Winter einige an den Haken zaubern.

Bielerseefelchen sind nicht die grössten, aber man kann auch im Winter einige an den Haken zaubern.

 Rot/schwarze Farbkombinationen funktionieren im Winter oft am besten.

Rot/schwarze Farbkombinationen funktionieren im Winter oft am besten.

 Violett ist im Winter oft etwas weniger gut, mit viel Schwarz aber auch eine fängige Variante.

Violett ist im Winter oft etwas weniger gut, mit viel Schwarz aber auch eine fängige Variante.

 Schöne Winterfelchen auf die langsam gehobene Hegene.

Schöne Winterfelchen auf die langsam gehobene Hegene.


Ein Tag geht zu Ende

Etwas später beisst wieder was, aber diesmal ist es etwas Kleineres, und zwar ein Egli. Natürlich schaut bei 27 m Fangtiefe die Schwimmblase raus, somit entnehme ich es. Da ich mittlerweile schon 6 Felchen behändigen durfte, reicht mir die Ausbeute für den heutigen Tag. Das Egli ist zwar massig, aber ich entscheide mich es den Möwen zu geben, welche schon längere Zeit um mein Boot kreisen. Es ist erstaunlich wie eine Möwe im Flug den Fisch wendet und sofort runterschlucken kann. Die Natur auf dem Wasser ist etwas ganz Besonderes.

Die meisten Felchen haben heute auf die zweitunterste Nymphe gebissen, meistens kurz nachdem ich anfing zu ziehen. Eine mit schwarzem Kopf und rotem Körper auf einem geraden 12er-Haken gebunden. Nur zwei Nymphen an der Hegene sind so gebunden, haben aber am meisten Fische gebracht. Ich werde mir auf jeden Fall eine Hegene binden, an der 5 solche Nymphen mit geraden Haken montiert sind. Beim Fischen probiere ich gerne immer wieder etwas aus und ziehe Rückschlüsse.

Ich habe früher im Winter ganz kurze Hegenen von 1,20 m gefischt, damit aber nicht mehr Erfolg gehabt als mit einer 1,80 m langen. Da meine Felchenrute 1,85 m lang ist, verwende ich mittlerweile im Sommer und Winter nur noch 1,80?m lange Gamben. Ich hoffe Du findest auch mal Zeit, die winterliche Kulisse auf einem Schweizer See beim Felchenfischen zu geniessen.

 

1 Kommentare


22 | 02 | 2021

Naja, das zurücksetzen der Fische könnte noch verbessert werden....


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