Das juckt den Egli
07 | 10 | 2015 PraxisText: Martin Wehrle 0174
07 | 10 | 2015 Praxis
Text: Martin Wehrle 0 174

Das juckt den Egli

Auch im Zeitalter der modernen Vertikalköder zählen kleine Pilker noch immer zu den Topködern zum Eglifischen. Besonders während der kälteren Jahreszeit spielt der Jucker seine Trümpfe aus. Martin Wehrle erklärt seinen Einsatz.

Im Herbst fahre ich oft mit zwei montierten Egliruten aufs Wasser: eine mit Dropshot-Gummis, eine mit Jucker. Ich kann Ihnen versichern: Meist schlägt sich der Jucker im Vergleich tapfer. An vielen Tagen ist er überlegen.

Ein Jucker ist das, was Sie durch die Köderführung aus ihm machen. Sicher fängt man Egli, indem man die Rute beim Vertikalfischen hebt und senkt. Aber oft sind es kleine Fische, die Stückzahl ist mickrig, und einige Egli sind auch noch von aussen gehakt. Was können Sie tun, um einen Jucker mit mehr Erfolg anzubieten? Ich möchte Ihnen drei Führungstechniken fürs Eglifischen vorstellen.


Bisse beim Absinken

Die erste Technik nenne ich «Zitterpartie». Ich lasse den Jucker bis auf den Grund sinken, hebe ihn ein winziges Stück an und lasse ihn dann ein Stück nach oben sausen, indem ich meinen Arm mit einer Zitterbewegung anhebe. Nun verharrt der kleine Pilker etwa eine Sekunde, ehe ich ihn wieder fallen lasse. Achtung: Behalten Sie beim Absinken immer die Schnur im Auge. Wenn das Ablaufen stoppt, ehe der Köder den Grund erreicht haben kann, gibt es nur eine Erklärung: Biss! Und eine Antwort: Anhieb!

Meine zweite Lieblingstechnik ist der «tote Mann». Man muss einen Jucker nicht zwangsläufig «jucken», man kann ihn auch zehn Zentimeter über dem Grund verharren lassen, genau wie einen Dropshot-Köder. Die Schaukelbewegungen des Bootes reichen aus, um ihn für Egli interessant zu machen. Gewöhnlich warte ich einige Sekunden, ehe ich den Jucker ein Stück anhebe und wieder verharren lasse.

Die Vorteile: Erstens kann ich alle Wasserschichten bis zur Oberfläche absuchen, nicht nur den Grund wie beim klassischen Jucken. Zweitens beissen auf den trägen Pilker vor allem grössere Egli – denn das Verharren macht den Jucker unverdächtig und lässt die Grossen ihre Vorsicht ablegen.

Beobachten Sie mal natürliche Fischchen: Sie sind nicht ständig in Bewegung, sondern bleiben oft auf der Stelle stehen. Und warum sollten die Raubfische eine bewegte Beute anfallen, wenn eine verharrende doch ein viel leichteres Ziel abgibt? Diese Erkenntnis sollten Sie bei der Führung Ihres Juckers nutzen.

 

Garnierter Drilling

Der «tote Mann» funktioniert im Herbst noch besser, wenn Sie den Drilling Ihres Juckers mit einem Wurm oder mit drei Maden garnieren. Dann reizt der Köder zusätzlich durch den natürlichen Geruch. Ausserdem sorgen Maden und Würmer für Eigenbewegung, indem sie sich kringeln.

Meine dritte Lieblingstechnik: der gejiggte Jucker. Diese Methode funktioniert vor allem, wenn die Egli nach Kleinfischen jagen. Dabei werfe ich den Jucker aus, zum Beispiel mitten in einen raubenden Eglischwarm, und hole ihn ähnlich wie einen Jig ein: Ich kurble, lasse ihn ein Stück sinken, kurble wieder, lasse sinken usw. Dieses aktive Fischen mit schlanken, silbernen Juckern ist effektiv, wenn die Räuber gerade hinter einer schlanken, silbernen Beute her sind, zum Beispiel kleinen Schwalen oder Läugel.

Aber warum für diese Fischerei nicht gleich einen Wobbler nehmen? Weil man mit dem Jucker flexibler ist. Zum Beispiel kann ich ihn, wenn die Räuber sich wieder in die Tiefen zurückziehen, beliebig absinken lassen. Dagegen gibt es nur wenige leichte Egli-Wobbler, mit denen ich sowohl dicht unter der Oberfläche als auch in acht Metern Tiefe fischen kann.

Ich bevorzuge Pilker von der Länge des typischen Beutefischs: im Hochsommer kleiner (vier bis sechs Zentimeter), im Herbst grösser (sechs bis zehn Zentimeter). Blaue und silberne Jucker sind mit Abstand am fängigsten – gerade im klaren Wasser. Ein rotes «Auge» am Drilling bringt in manchen Situationen zusätzliche Fische.


Wenn Hechte sich vergreifen

Das Gewicht der Jucker liegt zwischen 8 und 25 Gramm – je tiefer das Gewässer und je stärker die Drift ist, desto schwerer sollte der Köder ausfallen, vor allem dann, wenn Sie am Grund fischen wollen. Wenn ein Boot in Bewegung ist, fällt es manchmal schwer, den Köder am Grund zu halten.

Am liebsten biete ich meinen Jucker an einer 0,08er-Geflechtschnur an und schalte ihm ein Fluorocarbon-Vorfach von mindestens 0,25 Millimeter vor. Warum so dick? Weil es die Egli nicht im Geringsten stört – und meine Fangchancen erhöht, wenn sich ein Hecht am Jucker vergreift. Das kommt häufig vor, weil die Eglischwärme immer auch Hechte anlocken. Je langsamer Sie den Jucker führen, desto grösser die Chance auf einen Hecht.

Wenn Sie mich nach einem Geheimtipp fragen, um Ihren Jucker noch fängiger zu machen, um ihn mit einer anderen Methode zu kombinieren, dann fällt mir zweierlei ein. Möglichkeit Nummer eins: Entfernen Sie den Drilling Ihres Juckers und knoten Sie ein 15 Zentimeter langes Schnurstück mit Einzelhaken Nr. 6 an. Auf diesen Einzelhaken ziehen Sie einen Mistwurm, sodass er wie ein Twister schwänzelt oder ein Madenbündel. Diese Kombination aus Kunst- und Naturköder ist extrem fängig – gerade dann, wenn Sie den Jucker auswerfen und immer wieder absinken und für einige Sekunden am Grund verharren lassen. Das Glitzern des Juckers lockt die Egli an – und der Naturköder verführt sie zum Biss, gerade auch die grossen Egli.

Die zweite gelungene Kombination: Schalten Sie über Ihren Jucker eine Fischli-Hegene. So können Sie mehrere Wasserschichten absuchen und mit etwas Glück auch mehrere Egli fangen. Holen Sie, wenn ein Egli gebissen hat, Ihre Montage nicht zu schnell ein, sondern lassen Sie sich Zeit. Oft folgen futterneidische Artgenossen dem gehakten Egli und schnappen einen Köder am Seitenarm. Oder den Jucker. Je nachdem, was noch frei ist …

 

 Jucker sind fängige Köder für die herbstliche Fischerei auf tiefstehende Egli.

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 Kunst trifft Natur: Mit je einer Made am Drilling wird der Jucker noch fängiger, vor allem bei langsamer Führung.

Kunst trifft Natur: Mit je einer Made am Drilling wird der Jucker noch fängiger, vor allem bei langsamer Führung.

 Grosse Egli lieben eine langsame Juckerführung. Wer den Jucker immer wieder verharren lässt, darf mit Kapitalen rechnen.

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 Fangen mit mehreren Armen: Wer oberhalb des Juckers kleine Gummifischchen an Seitenarmen schaltet, erhöht seine Fangchancen. Manchmal beissen mehrere Fische auf einen Schlag.

Fangen mit mehreren Armen: Wer oberhalb des Juckers kleine Gummifischchen an Seitenarmen schaltet, erhöht seine Fangchancen. Manchmal beissen mehrere Fische auf einen Schlag.

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