Zu Besuch bei Bundesrat Rösti
06 | 11 | 2023 SchweizInterview: Nils Anderson & Hansjörg Dietiker | Fotos: André Suter 11515
06 | 11 | 2023 Schweiz
Interview: Nils Anderson & Hansjörg Dietiker | Fotos: André Suter 1 1515

Zu Besuch bei Bundesrat Rösti

Roberto Zanetti ist nicht nur SFV-Präsident, sondern auch abtretender Ständerat, und er hat «Petri-Heil» zu einem Gespräch mit Bundesrat Albert Rösti, dem «obersten Fischer der Nation», verholfen. Ein Gespräch über Fische, Herkunft, Restwasser und komplizierte Politik. Und ein schönes Lehrstück von gegen­seitiger Achtung über die Parteigrenzen­ hinweg.


Roberto Zanetti: Mit dem Berner Oberländer habe ich ein paar Gemeinsamkeiten. Unter anderem ein Herz für Hornkühe, Viehschauen und natürlich Fische.

Albert Rösti: Ja, auf Dich bin ich das erste Mal aufmerksam geworden, als ich Deinen Vorstoss zu den Viehschauen sah. Da dachte ich mir, das muss ein besonderer Parlamentarier sein.

Roberto Zanetti: Wer sich im Berner Oberland für Viehschauen einsetzt, hat die Herzen der Leute erobert. Ich wäre dort, obwohl SPler, wohl gewählt worden (lacht).

Albert Rösti: Viehschauen gehen über alles. Früher sagte man, dass ein guter Viehschauexperte etwa den Stellenwert eines Regierungsrats habe. Aber es geht ja jetzt um die Fische. Zuerst einmal merci, dass wir dieses Gespräch machen dürfen. Es freut mich, dass ich als Bundesrat so mit Euch Fischern einen Austausch haben kann.

 Diesen beiden Politikern haben wir die Sicherung der Restwassermengen in unseren Fliessgewässern zu verdanken.

Diesen beiden Politikern haben wir die Sicherung der Restwassermengen in unseren Fliessgewässern zu verdanken.

«Petri-Heil»: Ja, der Dank ist ganz unsererseits! Sie sind im «Petri-Heil» ja auch ein paar Mal lobend erwähnt worden.

Roberto Zanetti: Da erkläre ich gerne, weshalb dem so ist. Wir sassen zusammen am «Runder Tisch Wasserkraft», den die damalige Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga eingesetzt hat. Albert Rösti als Nationalrat und Präsident des Wasserwirtschaftsverbands, also von denen, die Wasserkraftwerke bauen und möglichst viel Wasser turbinieren wollen, und ich als Fischerei-Präsident, der möglichst viel Wasser den Fischen erhalten will. Und wir konnten uns dort zu einem Kompromiss zusammenraufen, der von allen­ ­Teilnehmern unterschrieben wurde.
Dann kam letztes Jahr die Angst um die Versorgungs­sicherheit. Und dabei ist ein Player nach dem anderen ausgestiegen und hat sich doch für die Turbinierung von möglichst viel Wasser überzeugen lassen. Nicht so Albert Rösti. Er ist bei seinem Wort geblieben. Und so ein Politikerehrenwort braucht Mut und ist leider nicht weit verbreitet. Und dann wurde Albert Bundesrat und Energieminister und hat auch dort sein Wort gehalten für das Restwasser. Das hat mich sehr beeindruckt. 

Albert Rösti: Das gilt ebenso umgekehrt. Auch Roberto hat sein Wort gehalten. Um das Gesetz durchzubringen, brauchte ich diesen Kompromiss. Ich weiss, welche politische Kraft die Fischer haben; bei einem Referendum wäre es schwierig geworden. Jetzt habe ich mehr Energie, als wenn das Restwasser unverhältnismässig reduziert  worden wäre.
Wer die Notwendigkeit des Kompromisses versteht, macht in der Schweizer Politik vieles richtig und hat auch Erfolg. Und Roberto Zanetti hat das ganz und gar verinnerlicht. Es ist ein schönes politisches Beispiel für die gegenseitige Wertschätzung.

Roberto Zanetti: Ein Bauernbub vergisst seine Herkunft nicht. Und er hat eine natürliche Sensibilität für die Natur und die Tiere. So, jetzt fällts dann auf, wenn wir uns gegenseitig zu fest loben (alle lachen).

 

«Petri-Heil»: Wenn wir da grad anschliessen dürfen: Herr Bundesrat, was ist Ihr Verhältnis zu den Fischen und damit auch zu den Fischern?

Albert Rösti: Also ich habe nie selbst gefischt – wie Roberto ja offenbar auch nicht. Aber ich habe immer wieder mit Fischern zu tun gehabt. In Kandersteg ist eine kantonale Fischzuchtanlage und als ich in der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern tätig war, hatte man das Gonadenproblem mit den Felchen im Thunersee, da hatte man ja Angst, dass sie verschwinden. Hat sich das inzwischen entschärft?

 

«Petri-Heil»: Ja, das hat sich glücklicherweise erledigt.

Albert Rösti: In meiner Tätigkeit habe ich immer wieder Probleme und Differenzen zwischen der Landwirtschaft und Fischern gespürt. Da hat man ständig die Kompromisse gesucht.
Auch im Wasserwirtschaftsverband hatte ich Berührungspunkte. Ebenso dieser Verband kann die Fischerinteressen nicht einfach ignorieren. In meiner beruflichen Laufbahn habe ich immer wieder mit den Fischern zu tun gehabt. Und ich werde vom Fischerverein Dürrenast stets noch eingeladen. 
Doch das Wichtigste ist das Gewässerschutzgesetz, das auf der Fischerinitiative «Lebendiges Wasser» basiert. Da dürft Ihr Fischer stolz sein, Ihr seid beeindruckend referendumsfähig. Interessant finde ich, dass Ihr politisch nicht eindeutig zu verorten seid. So staunte ich, dass auch viele bürgerliche Politiker den Fischern nahestehen. Sie unterstützten uns in der Restwasserfrage – als Wirtschaftsvertreter. Schön, dass es so ist! 

 Albert Rösti:  vom Bauernbub  aus Kandersteg  zum Bundesrat.  Als Vorsteher des Eidgenösischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) somit auch oberster politischer Fischer der Schweiz.

Albert Rösti: vom Bauernbub aus Kandersteg zum Bundesrat. Als Vorsteher des Eidgenösischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) somit auch oberster politischer Fischer der Schweiz.

«Doch das Wichtigste ist das Gewässerschutzgesetz, das auf der Fischerinitiative ‹Lebendiges Wasser› basiert. Da dürft Ihr Fischer stolz sein, zwar ein kleiner Verband, aber beeindruckend referendumsfähig.»
Bundesrat Albert Rösti


Roberto Zanetti: Wenn sich Parlamentarier und Bundes­räte ihrer Rolle bewusst sind und auch eine Distanz dazu haben, liegt halt mal ein Konflikt drin. Ein Energieminister kann sich eben nicht primär um die Äsche oder die Bachforelle kümmern, sondern muss die Energieversorgung dieses Landes sicherstellen. 

 

«Petri-Heil»: Vor 20 Jahren hatte man verglichen mit heute paradiesische Verhältnisse. Und seither geht es mit den Forellen- und Äschenbeständen überall abwärts. Viele Fische sind auf der Roten Liste; jedes Jahr wird es schwieriger mit den Erträgen. Und etwas mehr Erträge bedeuten für viele Fischer grossen Arbeitseinsatz für die Lebensraumaufwertungen und den Unterhalt der Gewässer. Es wird immer enger. Was kann oder könnte die Politik gegen diese Abwärtsspirale machen?

Albert Rösti: Die räumliche Konkurrenz ist enorm, das ist klar. Und ja, es sind viele Fische auf der Roten Liste. Aber wirklich ausgestorben sind nur wenige Fischarten in den letzten 20 Jahren. Da wird auch gerne etwas dramatisiert. 
Aber natürlich ist die Ökologie unter Druck, das ist unbestritten. Und wir haben durch das Gewässerschutzgesetz klare Aufgaben, aber ein gewisses Vollzugsdefizit. Das werden wir nächstes Jahr angehen müssen, auch wenn es nicht ganz einfach ist. Dafür haben wir eine Milliarde Franken zur Verfügung, und der Wille ist da, etwas für die Natur zu tun, nur kostet es womöglich am Schluss mehr. Zunächst soll nun dieses Geld eingesetzt werden.  

 

«Petri-Heil»: Und was ist mit der Biodiversität?

Albert Rösti: Auch hier ist die Frage: Welche Möglichkeiten gibt es, um den Verlust durch Ausgleichsmassnahmen wieder reinzuholen? 
Wir haben bereits viele Flächen, sie müssen aber besser vernetzt werden, und dafür sind die Gewässerläufe prädestiniert. Im Moment läuft die Diskussion, ob man einen Gegenvorschlag zur Biodiversitätsinitiative macht. Der Bauernverband will nicht, der Ständerat auch nicht. Aber vielleicht ändert sich das ja noch.

Roberto Zanetti: Ja, vielleicht. Das ist eben häufig noch so: Der Fischereiverband zieht in die gleiche Richtung wie der Bundesrat, aber das Parlament will dann doch nicht. 

Albert Rösti: Das ist auch beim Restwasser so. Im Idealfall haben wir in zehn Jahren genug Strom, damit bei Konzessionierungen das Restwasser kein Problem darstellen wird. Doch wenn wir dann immer noch ein Versorgungsproblem haben, müssen wir uns bewusst sein, dass diese Frage nochmals verhandelt wird.
Bei der Biodiversität sind die Landgebiete gut aufgestellt, ich erwarte aber auch, dass in den Städten mehr für die Natur unternommen wird. Eine versiegelte Fläche ist für die Biodiversität unwiederbringlich verloren.

 Roberto Zanetti: Präsident des Schweizerischen Fischerei-Verbands (SFV). Abtretender Ständerat Kanton Solothurn.

Roberto Zanetti: Präsident des Schweizerischen Fischerei-Verbands (SFV). Abtretender Ständerat Kanton Solothurn.

«In einer Zeit, in der die Energiepreise steigen, einen Bachforellenauf- oder -abstieg gegen die Strom­produktion ausspielen zu wollen, ist heikel.»
Roberto Zanetti, Präsident Schweizerischer Fischerei-Verband


Roberto Zanetti:
Wir haben ein gutes Gewässerschutz­gesetz, aber mit dem Vollzug sind wir im Hintertreffen und es braucht mehr Geld. In einer Zeit, in der die Energiepreise steigen, einen Bachforellenauf- oder -abstieg gegen die Stromproduktion ausspielen zu wollen, ist heikel. Und das ist immer die Zwickmühle, in der die Politik steckt. Wenn dadurch die teure und knappe Energie eventuell noch teurer und knapper wird, wird es politisch einfach schwierig.

 

«Petri-Heil»: Wir sind hocherfreut, dass der oberste Fischer des Landes sich Zeit für unsere Anliegen genommen hat. Vielen Dank, Herr Bundesrat!

 «Petri-Heil» trifft in Bundesbern auf Verständnis für die Anliegen der Fische und Fischer. Im Gespräch Nils Anderson, Hansjörg Dietiker, Roberto Zanetti, Bundesrat Albert Rösti (v. l. n. r.).

«Petri-Heil» trifft in Bundesbern auf Verständnis für die Anliegen der Fische und Fischer. Im Gespräch Nils Anderson, Hansjörg Dietiker, Roberto Zanetti, Bundesrat Albert Rösti (v. l. n. r.).

1 Kommentare


Eduard Huber

27 | 11 | 2023

Hier wird nun also Herr Rösti in den Himmel gelobt......... Ich kann mich gut daran Erinnern dass es hier auf Petri Heil ein oder zwei Beiträge gab, sogar ein Video mit Herrn Rösti und einem Interview! Da wollte Er auf jeden Fall kein Geld für die Fische locker machen! Den genauen Wortlaut weiss ich nicht mehr, aber es tönte ungefähr so: Für die paar Fischschwänze geben wir nicht so viel Geld aus! Es ging dabei um die Turbinen der Wasserkraftwerke. Es gäbe da eine möglichkeit die Fische um zu leiten aber NEIN dafür gibts kein Geld, lieber für andere Sachen! Ausserdem hat Herr Rösti die Konsessionen für die Kraftwerke im Jahr 2018 glaube ich war das , ohne irgendeine Bedinung durchgewunken.......... Auf jeden Fall werde ich das Kantonale Patent im nächsten Jahr nicht mehr Lösen! Die Saane, die Simme und die Kander sind ja mehr oder weniger Tot! Petri Heil


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