[Was läuft im] Juni
01 | 06 | 2020 Schweiz | PraxisText & Fotos: Daniel Luther 0108
01 | 06 | 2020 Schweiz | Praxis
Text & Fotos: Daniel Luther 0 108

Was läuft im Juni

 
Fischerferien

Für so einen makellosen Himmel musste man bis vor kurzem noch weit fliegen ;-). Keine Kondensstreifen, die das Blau durchkreuzen. Noch vor wenigen Monaten schien so etwas undenkbar. Dasselbe gilt für die Fischerferienplanung.  Keine Übersee-Flüge? No way! Alaska, Neuseeland, die Kapverden oder Kola sind plötzlich in unerreichbarer Ferne. Besonders schmerzhaft ist das für jene Kollegen, die ihre Leidenschaft nur noch im Ausland ausleben können. In «unberührter» Natur und mit «intakten» Fischbeständen. Das ist verständlich, wenn man auch sonst viel um die Ohren hat und Fischen primär als Erholung betrachtet. Aber es ist, um es undiplomatisch zu formulieren, egoistisch und weit weg von nachhaltig. Ein Fischreichtum, der zu einer weiten Reise inspiriert, ist heutzutage nirgendwo ein selbstverständliches Konsumgut, sondern beruht auf einem gemeinsamen Effort. Besonders dort, wo Nutzungsansprüche aufeinanderprallen. Jeder Kollege, der sich frustriert von der Schweizer Fischerei «wegflüchtet», ist ein Verlust und führt ironischerweise dazu, dass die Gründe dafür, lieber im Ausland zu fischen, noch verständlicher werden.  Dieses aussergewöhnliche Jahr bietet die Chance, die Schweiz fischereilich neu für sich zu entdecken. 


Bartel-Grand-Slam

In der Langeweile des Corona-Lockdowns wurden am Wasser und im Home-Office abenteuerliche Ideen geboren. Zum Beispiel Experimente mit Trockenfliegen-Grössen von Nr. 24 bis Nr. 1 oder eine Degustation mit Felchenfilets aus allen Zürcher Seen.

Eine echte Herausforderung ist der Bartel-Grand-Slam. Jetzt im Juni könnte man ihn tatsächlich schaffen. Schleien und Karpfen haben die Frühjahrsträgheit abgeschüttelt und lassen sich in Teichen, Seen und langsamen Fliessstrecken mit diversen Methoden und Ködern überlisten. Das gilt ebenso für die Barbe. Ob Käsewürfel auf Grund oder Goldkopfnymphe auf Sicht, es gibt viele aufregende Arten für ein Rendez-vous mit den schnauzbärtigen Schönheiten.

Nur wer genau hinschaut, erkennt die Bartel am Kinn der Trüsche. Sie kann damit auch in trübem Wasser und tiefer Dunkelheit Fressbares am Grund aufspüren. Wo Zuflüsse den See eintrüben, hat man im Sommer oft die besten Chancen auf eine Begegnung. Ideale Köder für diese Bedingungen ist ein lebhaftes Wurmbündel. Damit hat man in mehr und mehr Schweizer Gewässern auch Chancen auf einen Wels. Er ist dank sechs sensorgespickten Schmeck- und Tastantennen der Bartelkönig in diesem Fünfblatt. Man fängt ihn jetzt gemütlich beim Setzen oder aktiv mit Spinner, Wobbler oder Gummifisch. Wer fängt die fünf Bartlis, bevor das nächste «Petri-Heil» erscheint?


Hochsaison

Der Juni bietet in unseren Breiten die maximale Fülle an fischereilichen Möglichkeiten. Die Tage sind extralang, das Spektrum der Möglichkeiten ultraweit. Wer will, kann praktisch rund um die Uhr fischen, bis er erschöpft ins selige Petri-Koma gleitet. Die Wassertemperaturen in den meisten Gewässern steigen in den idealen Bereich, das Futterangebot ist üppig, die Fische sind fit und lebenshungrig. Ob Spinn-, Zapfen-, Schlepp-, Fliegen- oder Freiangelfischer – die Unterwasserwelt liegt uns in den nächsten Wochen quasi zu Füssen. Fast alles ist jetzt möglich, man muss es nur ausprobieren.

Auf unternehmungslustige und einfallsreiche Angler warten neue Wege, die sie mit ihren eigenen Meilensteinen pflastern können: Kolossale Brachsmen auf Carolina-Rig, Zander mit Streamer oder überhaupt der erste Fang mit der Fliegenrute, der erste Rapfen, der kapitale Namaycush in der ersten eisfreien Bucht des auftauenden Bergsees. Wer wagt, hat was zu erzählen.

 Bartel-Grand-Slam

Bartel-Grand-Slam

 Hochsaison

Hochsaison

 Weisheit am Wegrand

Weisheit am Wegrand


Weisheit am Wegrand

Es spriesst und blüht wie eh und je. Tröstlich in diesen sehr speziellen Zeiten, und irgendwie auch irritierend. Als wäre es der Welt gleichgültig, was jetzt gerade passiert. Und natürlich ist es das. Sie hat schon so einiges erlebt. Sauriergebrüll und Atompilze. Wir hingegen sind froh, wenn wir an Vertrautem festhalten können. Die Natur bietet beruhigende Normalität im menschgemachten Chaos. Ein Glück, wenn man sich jetzt beim Fischen erholen kann und Halt findet an kleinen Dingen.

Wenn am Walensee der Holunder blüht, ist erfahrungsgemäss ein guter Zeitpunkt, um es vom Ufer aus mit dem Wobbler auf Egli zu probieren. Zugleich neigt sich die beste Zeit für Seeforellen ihrem Ende zu. Eines schönen Junitags verschwinden sie so plötzlich, wie sie aufgetaucht sind, wieder in die Tiefe. Für Gärtner und Landwirte zeigen die weissen Holderblüten den Beginn des Frühsommers an. 

Wer aufmerksam beobachtet, entdeckt auf dem Weg ans Wasser viele weitere Zeichen. Wenn sich die Zauneidechsen oder Ringelnattern beim Sonnenbad zeigen, darf man auf einen schönen Eintagsfliegenschlupf hoffen. Kriech- und Kerbtiere schätzen bedeckten Himmel, hohe Luftfeuchtigkeit und wenig Wind.

 

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