Was läuft im Juni?
01 | 06 | 2019 Schweiz | PraxisText & Fotos: Daniel Luther 0664
01 | 06 | 2019 Schweiz | Praxis
Text & Fotos: Daniel Luther 0 664

Was läuft im Juni?

Die Sommersonnenwende steht bevor. Der längste Tag des Jahres war für unsere Vorfahren der wichtigste Festtag des Jahres. Sie feierten die unerschöpfliche Fruchtbarkeit des Planeten, die Grosszügigkeit von Mutter Natur, die uns ernährt, ja sogar verwöhnt - wenn wir uns würdig erweisen. Das klingt nach dem perfekten Fischerfest! Feiern wir am Wasser, geniessen wir den hoffentlich reichen Segen und erweisen wir uns als würdig.

 

Flussfischen

Die Flüsse erwachen. Am Grund wühlen, wuseln und wachsen unzählige Kleinlebewesen. Dasselbe im Gewirr der Wasserpflanzen: Insektenlarven, Krebse, Würmer, Egel und Schnecken «à discretion». Abertausende von frisch geschlüpften Jungfischen drängen sich zu dunklen Wolken und verwandeln das Wasser in eine Proteinsuppe. Die Natur tischt im Juni ein üppiges Buffett auf und die Fische feiern das Leben. Der Alet erntet sogar Früchte wie Kirschen, Mirabellen und Brombeeren. Flussräuber wie Forellen, Egli, Rapfen und Welse schlagen sich die Bäuche voll. Bei einem intensiven Schlupf pflücken selbst Hechte Maifliegen von der Oberfläche und der üppig wimmelnde Fischnachwuchs weckt sogar bei «Friedfischen» wie Karpfen und Barben den Jagdinstinkt. Es ist der perfekte Zeitpunkt, um kapitale Barben mit Gummifischli oder Streamer zu fangen. Oder mit Frolic am Haar - wie im Bild.
 

Freiwasser

In der Regel erwärmt sich das Wasser rasch, sobald die Sonne einige Tage lang hoch vom Himmel brennt. Kälteliebende Arten wie Felchen, Saiblinge und Seeforellen wandern dann ab in die Tiefen des offenen Sees. Grosse Hechte und Zander folgen ihnen. Das Hecht- und Zanderschleppen im Freiwasser und das pelagische Fischen auf Felchen und Saiblinge sind nun erfolgreiche Methoden. In manchen Jahren ziehen auch grosse Schwärme von Egli, Rotaugen, Läugel (Lauben) und sogar Elritzen ins Freiwasser. Was sie dort suchen, ist unterschiedlich: Manchmal sind es üppige Plankton­blüten, manchmal einfach ihren Frieden vom Rummel am Ufer …
 

Bergsee

Sie sind magisch, die ersten Tage am Bergsee. Manchmal liegt noch Schnee am Ufer und Eisschollen treiben auf dem Wasser. So muss es in der Arktis aussehen.

In den Alpenkantonen warten Hunderte von Bergseen auf einen Besuch. Die allermeisten gehen im Juni auf. Das Aufgehen ist auch wörtlich zu verstehen. Bei Seen oberhalb 1500 Meter ü. M. muss in der Regel ein dicker Deckel aus Eis und Schnee wegschmelzen, bevor gefischt werden kann. Je nach Wetterlage kann das den Saisonstart deutlich verzögern. Eine seriöse Planung lohnt sich. Jedes Jahr hört man Geschichten von Petrijüngern, die nach langem, anstrengendem Aufstieg entgeistert erkennen, dass das Gewicht ihrer Bienenmade nicht reichen wird, um die Eisdecke zu zertrümmern!
 

Engadin

Das Engadin gehört zu den attraktivsten Fischerdestinationen der Schweiz. Das Tal des jungen Inn mit den bildschönen Seen und wilden Seitentälern ist ein Abenteuerspielplatz für Salmonidenfans. Im Juni ist die Vielfalt der Möglichkeiten beeindruckend: In den Talseen des Oberengadins fischt man mit der Hegene oder beim Schleppen mit dem Ruderboot auf Seesaiblinge. Ein Fall für geduldige Spezialisten sind die mächtigen Namaycush, die 1959 besetzt wurden und sich seither natürlich fortpflanzen. Den felsigen Ufern entlang kann man mit Fliegen- oder Spinnrute auf Bach- und Seeforellen pirschen. Eine Besonderheit sind die kapitalen Äschen, die die Seen durchstreifen und oft auf Ameisen, Käfer und Heuschrecken aus sind. Der Engadiner Inn, der zwischen Maloja und Martina mehr als 80 Kilometer abwechslungsreiche Strecken bietet, gehört zu den produktivsten Forellen- und Äschenflüssen unseres Landes. 

 Flussfischen

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 Freiwasser

Freiwasser

 Bergsee

Bergsee

 Engadin

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