[Was läuft im] Juli [&] August
01 | 07 | 2020 Schweiz | PraxisText & Fotos: Daniel Luther 099
01 | 07 | 2020 Schweiz | Praxis
Text & Fotos: Daniel Luther 0 99

Was läuft im Juli & August

 
Sommerfischen daheim

Die Karte der Schweiz ist blau gesprenkelt von 79 grossen Seen. Als gross gilt den Geografen alles über 500 Hektar Fläche. Darunter sind «Beteiligungen» an zwei mächtigen «Binnenmeeren», die zu den grössten Seen Mitteleuropas gehören. Wer genauer hinschaut, entdeckt unzählige weitere blaue Punkte: Kleinseen mit einer Fläche zwischen 0,5 und 500 Hektar. Und natürlich hat sie jemand gezählt:
Es sind genau 6668. Genug Wasser, um fast zwanzig Jahre lang jeden Tag einen neuen See zu sehen. Wer es gern bewegter mag, hat als Zugabe rund 65?000 Kilometer Flüsse und Bäche zur Auswahl. Leider sind deutlich mehr als die Hälfte davon ziemlich beeinträchtigt vom «Fortschritt» in unserem Land, doch man findet darunter auch noch naturbelassene Perlen. Manche sind ironischerweise den zahlungskräftigen «Fortschrittmachern» vorbehalten, aber erfreulich viele auch im demokratischen Patentsystem zugänglich mit ein wenig Recherche, Gespür und Fitness. Weit mehr Wasser, als selbst der unternehmungslustigste Petrijünger in mehreren Lebzeiten auf Instagram posten könnte. Geschweige denn befischen und geniessen. 


Ab in die Alpen!

In vielen Teilen der Welt gelten die Alpen als Traum­destination und Sehnsuchtsort. Ein Paradies vor der Haustür! Das ist ein Privileg, das viele von uns wohl zu wenig bewusst schätzen und nutzen. Dieses Jahr bietet die Chance zur Wiederentdeckung. Statt Übersee – über die Waldgrenze in der Schweiz! Die Kulisse ist unbestreitbar Weltklasse. Das wussten schon Luis Trenker oder die Macher von James Bond. Gut, stellenweise trübt eine Hochspannungsleitung das wildromantische Bild.
Schon ein paar hundert Meter weg vom Parkplatz oder Sesseli-Lift wird die Landschaft ursprünglich wild und der Kopf langsam frei für das ersehnte Abenteuer. Selbst unheilbare Kapitalenjäger können glücklich werden in den Alpen. In den Tiefen vieler Bergseen und Stauhaltungen jagen riesige Forellen und Namaycush. Die kapitalsten Bachforellen unserer Breiten findet man in grossen Bergbächen wie dem Inn, der Mur oder der Salzach. Zufall? Nein, auch Traumfische wie der Huchen und die Marmorata lieben das kalte Wasser und die Wildheit der Alpenflüsse.


Sbirolino-Saison

Es ist noch gar nicht so lange her, da war das italienische Weitwurfgeschoss aus Plexiglas auch auf der Alpennordseite grosse Mode – zumindest in den Magazinen und Katalogen. Mittlerweile ist die Welle der Begeisterung wieder abgeebbt. Zu Unrecht. Mit dieser genial wandelbaren Beschwerung lassen sich viele fängige Dinge anstellen. Besonders für die Bergsee-Fischerei ist der Sbiro perfekt. In Kombination mit kleinen Nymphen oder Nassfliegen ist ein langsam sinkendes Modell oft das Geheimrezept für heikle Forellen und Saiblinge, die sich weit draussen sicher fühlen. An manchen Tagen bringt eine Heuschrecke an einer schwimmenden Sbiro-Version die heikle «Schöne» an den Haken. Oder man präsentiert eine tote Elritze auf Grund für Namaycush. In diesem Szenario ist der leichtere Sbiro weniger hänger­ge­fährdet als das plumpe Blei, das sich allzu oft in den Steinen verkeilt. Oder man bringt kleine Löffeli, Nullerspinner und Miniwobbler auf Weite, oder halt die Bienenmade, wenn einem sonst nichts einfällt …

 Ab in die Alpen!

Ab in die Alpen!

 Sbirolino-Saison

Sbirolino-Saison

 Weissfischzeit

Weissfischzeit


Weissfischzeit

Mit gegen 40 Arten sind die Cypriniden die artenreichste Fischfamilie in Schweizer Gewässern. Diese Vielfalt bereichert vor allem die Sommerfischerei mit reizvollen Facetten, denn die meisten Mitglieder dieser Familie lieben Sonne und Wärme. Jene mit silbernem oder zumindest glänzendem Schuppenkleid nennt man landläufig Weissfische, was häufig einen abschätzigen Beiklang hat. Das ist politisch unkorrekt und fischereilich ein Fehler. Drei Beispiele: Die Rotfeder kommt in zahlreichen Teichen und Seen vor und wird über 40 Zentimeter lang. Sie mit einer Trockenfliege oder Schwimmbrot zwischen Schilf und Seerosen zu überlisten, ist pures Vergnügen. Für den Rapfen – Abkürzung für Raketenkarpfen – lohnt sich ein Fischerreisli an den Hochrhein zwischen Basel und Rheinfelden. Kein anderer Raubfisch reagiert so aggressiv auf Oberflächenköder und beisst so spektakulär. Die Laube ist nicht ganz so gross und wild, dafür umso zahlreicher und oft kinderleicht zu fangen. Rezept: Ein feines Zäpfli, ein mäulchengerechter Köder auf Haken 12 oder 14 und gute Reflexe. Ausgenommen, geschuppt und ganz gebraten oder frittiert ist so ein Teller Läugel ein kulinarischer Höhenflug und der wunderbare Abschluss eines Sommertags am See.

 

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