[Was läuft im] Januar
31 | 12 | 2018 Schweiz | PraxisText & Fotos: Daniel Luther 0897
31 | 12 | 2018 Schweiz | Praxis
Text & Fotos: Daniel Luther 0 897

Was läuft im Januar

An manchen dieser düsteren, kalten Tage fragt man sich, ob das mit dem Winterschlaf nicht doch eine vernünftige Idee von Mutter Natur ist. Doch dann blinzelt die Sonne durch die Wolken, und im See spiegelt sich das Weiss der frisch verschneiten Berge. Das zu verschlafen wäre unverzeihliche Verschwendung!


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Es gibt Januartage, da hat man das Gefühl, dass Petrus eine Pause als Patron braucht und seine Jünger nicht fürsorglich am Wasser begleiten mag. Doch auch an solchen Tagen kann man sich innig seiner Leidenschaft widmen: Beim Rollenölen, Ködersortieren oder Fliegenbinden, beim Surfen, beim Lesen oder beim Nachdenken. So ein Januar­gedanke ist beispielsweise: Wieso sind einige Fischarten fit und ge­fräs­sig bei vier Grad und andere scheinbar im Koma?


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Kälte ist grundsätzlich lebensfeindlich, denn sie verlangsamt alle biologischen und chemischen Prozesse. Darum gibt es Tiefkühler. Aber was genau bewirkt das Fehlen von Wärme? Stark vereinfacht: Es behindert die Funktionsfähigkeit aller Enzyme, die den Stoffwechsel der Fische bestimmen, und es behindert den lebenswichtigen Stoffaustausch zwischen den Zellen, deren Hülle von Fetten gebildet wird. Wie beweglich Fette sind, hängt von der Temperatur ab. Öl ist im Kühlschrank noch flüssig, Butter wird dagegen fest. Fisch­arten, die in kaltem Wasser leben, entwickelten deshalb Enzymvarianten, die auch bei niedrigen Temperaturen noch zuverlässig funktionieren, und ihre Zellhüllen bestehen aus Fetten, die auch knapp über null Grad noch geschmeidig bleiben. Doch sobald das Wasser zu warm wird, erweist sich das als Nachteil. Es gibt Fischarten, die einen erstaunlich weiten Temperaturbereich «ertragen» wie das Egli oder die Elritze. Kaltwasserspezialisten sind hingegen unflexibel und entsprechend verletzlich.


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Zu dieser Gruppe gehören Forellen und Äschen. Sie geraten in unseren Breiten unter Druck durch die Klimaerwärmung. Mit jedem halben Grad mehr steigt der Stress und schwindet ihr Lebensraum. Ein lehrreiches Beispiel für die Folgen einer solchen Entwicklung sind die arktischen Arten, die mit der letzten Eiszeit bis in unsere Breiten vordrangen. Seit dem Ende der Eiszeit vor etwa 15?000 Jahren müssen sie sich arrangieren. Seesaiblinge und Trüschen haben sich zurückgezogen in die kühlen Tiefen der grossen Seen und ihrer Zuflüsse. Ihr Lebenszyklus hat sich dadurch massiv verändert. Sie werden rascher geschlechtsreif und bleiben dafür kleiner. Wie Forellen und Äschen auf die viel kurzfristigeren Veränderungen reagieren werden, ist heute unmöglich vorherzusehen.


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Irgendwie unzeitgemäss wirkt da die wachsende Begeisterung für das Eisfischen in der Schweiz.  Aber es gibt sie. Diese attraktive Fischerei mit Vorbildern im hohen Norden beschränkt sich auf wenige Gewässer. Sie zieht allerdings Jahr für Jahr mehr Besucher an. Natürlicherweise würden in den Alpen Hunderte von Seen die Möglichkeit für diese Art der Fischerei bieten, doch in der Regel stehen die Vorschriften im Weg. Eine Anregung für Leser(innen) mit Einfluss: Wo immer man bisher eine unbürokratische Lösung gefunden hat (Berner Oberland, Melchsee-Frutt, Engadin), ermöglichen die Petrijünger Wertschöpfung in der Region ausserhalb der Hochsaison. Das klingt nach win, win & win, oder?


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Genug Gedankenspiele aus der warmen Stube. Ab ans Wasser! Auch im Januar kann man Fische fangen, und das nicht nur durchs Eisloch. An vielen Seen beginnt die Wintersaison auf Felchen, die Trüschen sind unterwegs zu ihren Laichplätzen und abkühlende Wasser verleiten die Seeforellen dazu, auch an der Oberfläche und in Ufernähe zu jagen. Zu den klassischen Petri-Winterfreuden gehört auch das Flussfischen auf Hecht, und wer partout keine Rute in die Hand nehmen mag: Bei einem Spaziergang am Bach kann man die Läufe und Gumpen studieren und minus Eis und Schnee von der nächsten Saison träumen …

 Wenn im Januar die Felchen beissen, ist man mit sich und der Fischerei schnell im Reinen.

Wenn im Januar die Felchen beissen, ist man mit sich und der Fischerei schnell im Reinen.

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