Trüschenfang im Fluss
19 | 02 | 2020 PraxisText & Fotos: Ivan Valetny 0938
19 | 02 | 2020 Praxis
Text & Fotos: Ivan Valetny 0 938

Trüschenfang im Fluss

Die Trüsche gilt als klassischer Winterfisch. Jetzt ist er nicht nur in den kühlen Tiefen unserer Seen anzutreffen, sondern auch vermehrt in den Flüssen. Die Trüsche hält Laichzeit und interessiert sich auch brennend für das Laichgeschäft anderer Fischarten. 

Die Trüsche ist ein interessanter Fisch; gut zu essen und spannend zu überlisten. Bis in die grössten Tiefen unserer Gewässer kann man sie finden, wo sie sich stets unmittelbar am Boden aufhält und dort auch jagt. Und jetzt, wo das Wasser kühler ist, sind viele Trüschen aus den Seen in die umliegenden Flussmündungen gezogen, um zu laichen und im zeitigen Frühling auf Laichraubzug zu gehen. Aber bei weitem nicht alle Trüschen wechseln während der Laichzeit den Standort. So laicht ein guter Teil von ihnen im See und andersrum gibt es auch Bestände, die das ganze Jahr über in den Fliessgewässern anzutreffen sind. Der Fang von Flusstrüschen muss sich also durchwegs nicht auf die Laichzeit beschränken. 


Stellensuche am Fluss

Im See gehören Flussmündungen mit steil abfallenden Kanten zu den klassischen Angelstellen, wo fast immer Trüschen anzutreffen sind. Wenig überraschend sind auch die tieferen Stellen im Fliessgewässer die bevorzugten Standorte der Trüschen. Es muss aber nicht nur tief sein. Besonders in ausgeprägt steinigen und kiesigen Bereichen halten sie sich gerne auf. Hier haben sie ideale Versteckmöglichkeiten und können sich im Strömungsschatten aufhalten, um Energie zu sparen. Ausserdem gibt es hier ein besonders grosses Nahrungsangebot. Die Trüsche hat also ideale Bedingungen, um erfolgreich auf ihren nächtlichen Beutezug zu gehen. Ich befische deshalb bevorzugt Kehrwasser in tiefen Aussenkurven, welche einen gut ausgespülten Grund haben. Auch Kraft­werks­aus­flüsse mit Rückströmungen sind ideal. Bei guten Trüschenbeständen kann auch ein etwas tieferer Bereich in einem regel­mässig verlaufenden Flussbett schon eine gute Angelstelle sein.


Verfeinerte Montagen

Die klassische Montage beim Trüschen­fischen ist denkbar einfach: Es wird ein freilaufendes Sargblei auf die Hauptschnur aufgezogen, an den Wirbel wird ein 20 bis 40 Zentimeter langes Vorfach montiert, dessen Einzelhaken mit einem dicken Tauwurm beködert wird. Diese Montage funktioniert gut im Fluss, aber ich habe im Lauf der Zeit noch zwei weitere Montagen entwickelt, die mir die eine oder andere Trüsche mehr an den Haken bringen. Da im Kanton Solothurn zwei Anbiss-Stellen erlaubt sind, nutze ich dies auch. Oft genug stibitzen einem die Trüschen den Wurm vom Haken. Dies kann so unauffällig passieren, dass man es gar nicht bemerkt. Wenn man nun aber zwei scharfe Haken hat, steigt somit auch die Wahrscheinlichkeit, eine Trüsche beim Würmerklau zu hindern und sie zu haken. Ich binde meine Montagen übrigens durchgehend mit einer 0,23er- bis 0,30er-Schnur. Für die Seitenarme nehme ich dabei die gleiche Schnur­stärke wie bei der Hauptschnur. 

Eine der verfeinerten Montagen ist die doppelte Seitenarmmontage. Am Ende der Hauptschnur wird ein 30 bis 100 Gramm schweres Birnenblei an einem Snap eingehängt. Das Gewicht wähle ich dabei je nach Strömungsdruck, Tiefe und Wurfdistanz aus. Stets so leicht wie möglich und so schwer wie nötig, auch wenn es für Trüschen etwas schwerer sein darf. 40 Zentimeter oberhalb des Bleis kommt der erste Seitenarm mit einem genügend grossen Wurmhaken. Diesen Seitenarm binde ich möglichst kurz, nur etwa 5 bis 8 Zentimeter lang. Damit minimiert sich die Gefahr, dass sich der Haken in der Hauptschnur verfängt. Weitere 40 Zentimeter weiter oben folgt ein gleicher Seitenarm. Ans obere Ende montiere ich einen Knotenlosverbinder, mit dem ich die geflochtene Hauptschnur mit der Montage verbinde. So kann man die Montage einfach vorbereiten und bei einem Abriss eine schon vorbereitete Montage schneller anbringen.

Eine weitere, gut funktionierende Montage ist eine Mischung aus dem Klassiker und der Seitenarmmontage. Hier fange ich oben an. 40 Zentimeter unterhalb des Knotenlosverbinders folgt auch hier ein Seitenarm von 5 bis 8?cm Länge mit einem Einzelhaken. Danach folgen 50?cm Vorfach, auf denen ein möglichst langer Anti-Tangle-Boom frei beweglich aufgezogen wird, an welchem das Gewicht eingehängt wird. Dieser wird mit einer Leuchtperle oder Gummiperle abgebremst, hinter der ein genügend grosser Wirbel montiert wird. Nach dem Wirbel folgt ein 20 cm langes Vorfach mit einem weiteren fix angebundenen Einzelhaken. Will man ein längeres Vorfach verwenden, sollte man den Seitenarm entsprechend weiter oben montieren, damit es keine Verhedderungen zwischen den zwei Haken gibt. Mit dem gros­sen Anti-Tangle-Boom sieht die Montage ziemlich auffällig aus, aber die Trüsche stört das nicht, im Gegenteil. Die grünen Anti-Tangle-Booms haben teils sogar leuch­tende Abschlusskappen, welche Trüschen anlocken sollen. Ich selber habe viel mit Leuchtperlen an den hiesigen Gewässern rumexperimentiert, konnte aber keinen signifikanten Unterschied in der Bissfrequenz feststellen. Man kann sie verwenden, aber es ist nicht notwendig.


Knapp über Grund

Bei der Köderwahl kommt fast ausschliesslich der Tauwurm zum Zug. Klassisch wird ein ganzer Tauwurm verwendet, der sich stärker und länger bewegt als ein halbierter. Ich bevorzuge aber halbierte Tauwürmer. Bei diesen entweicht mehr Aroma aus dem Wurm und man hat weniger Fehlbisse, weil ein kleineres Stück des Wurms vom Haken absteht.

Trüschen sind zwar keine guten Schwimmer, trotzdem müssen die Würmer nicht zwingend auf dem Grund liegen, im Gegenteil: Ich habe mehr Bisse auf Köder, welche knapp über Grund angeboten werden. Deshalb verwende ich auch die vorgestellten Montagen mit Seitenarmen. Wenn man vom Ufer aus angelt, geht die Schnur ja nicht senkrecht, sondern in einem flachen Winkel zum Grund. Deshalb muss man sich keine Sorgen machen, dass man seine Köder zu weit über Boden präsentiert würde. Auch vermute ich, dass die Trüschen den so präsentierten Köder besser finden können. Die Trüschen suchen ihre Nahrung ja primär über den Geschmackssinn und die Barteln. Einige gefangene Trüschen mit weis­sen Augen, also blinde Exemplare, bestätigen mir diese Vermutung. Im Übrigen bemerkt man bei der Verwendung von kurzen Seitenarmen wegen des direkteren Kontakts auch mehr Bisse.

 Zwei Flusstrüschen haben auf halben Tauwurm gebissen.

Zwei Flusstrüschen haben auf halben Tauwurm gebissen.

 Zum Trüschenfischen braucht man nicht viele Kleinteile.

Zum Trüschenfischen braucht man nicht viele Kleinteile.

 Knicklichthalter – Entspannter ist es, einen visuellen und einen akustischen Bissanzeiger zu haben.

Knicklichthalter – Entspannter ist es, einen visuellen und einen akustischen Bissanzeiger zu haben.


Ausrüstung

Am Fluss braucht man meistens eine nicht so grosse Wurfdistanz wie am See, man hat dafür aber den Strömungsdruck. Es gehen daher auch günstigere Teleskop­ruten mit genügend Rückgrat. Die Ruten müssen also nichts Besonderes sein, nur genügend Wurfgewicht sollten sie haben. Klassisch verwendet man Feederruten, um auch die feinsten Bisse anzuzeigen. Ich bin aber dazu übergegangen, Spinnruten zu benutzen.

Ich stelle meine zwei Ruten in ein Dreibein von Seapoint, welches ursprünglich zum Meeresangeln gedacht ist und bei dem jedes Bein einzeln verstellbar ist. So kann ich meine Ruten überall aufstellen. Ich positioniere sie stets möglichst steil, dann bemerkt man die Bisse besser und reduziert den Strömungsdruck. An die Spitzen montiere ich Glöckchen, die einen inte­grierten Kanal für das Knicklicht haben. Es ist entspannter, einen akustischen und zugleich visuellen Bissanzeiger zu haben. So kann man den Blick auch mal schweifen lassen und muss nicht durchgehend auf die Spitzen schauen, um die Bisse mitzubekommen.

Sind übrigens beide Rutenspitzen nebeneinander, kann man einfacher beobachten. Dazu ein Klappstuhl, in den man sich gemütlich platzieren kann. 

Ein winterlicher Ausflug auf Fluss­trüschen kann sich allein schon dadurch lohnen, weil es zu dieser Jahreszeit weniger Petrijünger versuchen. Auch können immer wieder Trüschen mit einer stattlichen Grösse gefangen werden. Meistens muss man nicht weit auswerfen, kann viele Stellen ausprobieren und ist oft mehr für sich, als an den bekannten Uferspots am See. In diesem Sinn wünsche ich Dir erfolgreiche Winternächte am Fluss!                             


Bandwürmer

Leider ist es fast die Regel, dass die Trüschen mit Hechtbandwürmern befallen sind. Diese erkennt man unter anderem an der grossen Leber. Weisst sie weisse Punkte auf, dann sind es eingekapselte Bandwürmer. Wenn man so eine Kapsel beim Filetieren öffnet, kann man einen juvenilen Bandwurm freilegen. Deshalb ist es wichtig, die Trüsche immer gut durchzubraten. Diese Einkapselungen können auch an anderen Stellen des Fischs auftreten.

 Bandwürmer

Bandwürmer

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