Schleppen mit dem Unterwasser-Hund
03 | 02 | 2023 PraxisText & Fotos: Nils Anderson 05424
03 | 02 | 2023 Praxis
Text & Fotos: Nils Anderson 0 5424

Schleppen mit dem Unterwasser-Hund

Eine immer beliebtere Technik macht bei den Schlepp­fischern auf Schweizer Gewässern die Runde: das Fischen mit dem Unterwasser-Hund. Wir haben uns die Sache bei Tüftler Sacha Maggi genauer angeschaut.


Ich bin mit Sacha Maggi am 2. Januar auf dem Zürichsee, seinem Heimgewässer, unterwegs. Das Echolot lässt schnell eine interessante Tiefe ausmachen: Wo wir auch hinfahren, stets ist das Muster dasselbe. Überall zeigt es Fische in etwa 15 bis 25 Metern Wassertiefe an: Weissfische, Felchen, Egli, Hechte und eben auch Seeforellen haben sich vermutlich alle auf ein und derselben Tiefe versammelt. Perfekte Bedingungen also für das Schleiken mit dem Unterwasser-Hund. 


Horizontal in der Tiefe

Das Prinzip ist einfach und raffiniert: An einer schwenkbaren (wichtig!) Tiefseerolle wird der Unterwasser-Hund montiert, dann analog dem klassischen Schleppen mit dem Hund in Abständen von etwa sechs Metern die mit Köder bestückten Zügel montiert und schliesslich alles mit einem 4 bis 5 Kilo schweren Blei auf die gewünschte Tiefe gebracht. Der Hund, und damit auch alle Köder, laufen schliesslich auf der Tiefe des Bleis in einer schön horizontalen Linie.

 Mit dem Unterwasser-Hund können an der Tiefsee-Schleike mehrere Köder auf gleicher Tiefe angeboten werden.

Mit dem Unterwasser-Hund können an der Tiefsee-Schleike mehrere Köder auf gleicher Tiefe angeboten werden.

Am Tag der Seeforellen-Eröffnung fahren die meisten Fischer ein ganzes Spektrum an Tiefen ab, und dies mit gutem Grund. Noch weiss man nicht, in welcher Höhe die Bisse anzutreffen sind und so bebleit man die Zügel beim Obwasser-Hund unterschiedlich mit Gewichten zwischen zehn und 200 Gramm. So hofft man, dass mindestens einer der Löffel oder Spangen in der genau richtigen Tiefe unterwegs ist. Wie wichtig die Tiefe ist, lässt sich auch aus den Chatverläufen und Telefonaten am Eröffnungstag ermessen. Wer einen Fang vermeldet, erwähnt nebst der Köderfarbe stets auch, ob der Fisch «obenuse» oder eben «dunne» gebissen hat. Lässt sich hier ein Muster erkennen, passt man die Köderbebleiung der entsprechenden Tiefe an. 

In dieser ersten Phase weisen der klassische Oberwasserhund oder die Ruten mit Sideplaner durchaus Vorteile gegenüber dem Unterwasser-Hund auf. Doch sobald sich auf dem Echolot oder durch Fangmeldungen anderer ein Muster erkennen lässt, spielt der Unterwasser-Hund all seine Vorteile aus. Und um die Tiefe umzustellen, beispielsweise von 20 auf fünf Meter, muss man nichts weiter tun, als an der Tiefseerolle zu drehen, und schon hat man seine Köder in der vermuteten heissen Zone.

 Tüftler und FKZ-Präsident Sacha Maggi ist ein erfahrener und erfolgreicher Seeforellen-Fischer.

Tüftler und FKZ-Präsident Sacha Maggi ist ein erfahrener und erfolgreicher Seeforellen-Fischer.


Vorteile bei dichtem Schiffsverkehr

Wer viel am Schleppen ist, weiss, wie lange es dauert, bis alle Köder endlich im Wasser sind. Durch die langen Zügel, die jeweils mit Gewichten versehen werden müssen, kann es bis zu einer halben Stunde dauern, bis alles stimmt. Da beim Unterwasser-Hund keine zusätzlichen Gewichte nötig sind, können auch die Zügel kürzer ausfallen, bei Maggi sind die Hechtzügel sieben Meter lang und die Forellenzügel zwölf Meter. So wie alle Schlepp­fischer, kontrolliert auch Maggi den Lauf des Köders direkt beim Boot, dann folgt der nächste und so weiter. In dieser Zeit schert der Hund an der Oberfläche immer weiter aus. Sobald dann alle Zügel und schliesslich das Blei montiert ist, welches direkt unterhalb der Rolle beim Boot nebenherläuft, verschwindet auch der Hund in der Tiefe. Am Schluss wird die Signalglocke in die Schnur gespannt und es kann losgehen.

Doch nebst dem Faktor Zeit sprechen zwei weitere Vorteile in der Handhabung für den Unterwasser-Hund. So fällt das lästige Aufsammeln von Treibgut, welches an Sideplanern, Gewichten oder im schlechtesten Fall am Köder hängen bleibt, völlig weg. Zudem, und dies dürfte als Faktor von Jahr zu Jahr eine grössere Rolle spielen, fischt es sich im Sommer oder auf vielfrequentierten Seen mit dem Unterwasser-Hund viel entspanner und gefahrloser. Wer beispielsweise oft im Sommer am Schleiken ist, kann von den ungewünschten Begegnungen mit Ruderern und Stand-Up-Paddlern ein leidiges Lied singen. Mit dem Unterwasser-Hund hingegen kann man entspannt eine Breite von je 40 Metern auf dem Zürichsee abfächern, ohne Gefahr zu laufen, einen kreuzenden Segler, Ruderer oder anderen Seebenutzer zu tangieren.

 Der neuste Grossfang dieses Jahres mit dem Unterwasserhund ist diese 78er aus dem Zürichsee.

Der neuste Grossfang dieses Jahres mit dem Unterwasserhund ist diese 78er aus dem Zürichsee.


Viele Gewässer – viele Zielfische

Wer bereits mit der Fischerei mit Tiefseerolle vertraut ist, weiss es: Kompliziertere Regelungen lassen sich in der Schweiz für keine andere Fischerei finden. Wo und wann und ob man überhaupt damit fischen darf, ist von See zu See unterschiedlich. So ist es beispielsweise im Züri-Obersee von Januar bis Mai überhaupt nicht möglich und im Züri-Untersee erst unterhalb der Linie Wädenswil-Männedorf. Doch Maggi weiss von Fischern auf fast allen grösseren Gewässern, die mit dem Unterwasser-Hund fahren. Und sie fangen auch: Nebst der Seeforelle und dem Saibling, die klassischerweise mit der Tiefseemontage befischt werden, befischt Maggi auch erfolgreich Hechte. In den Tessiner Seen gelang ihm damit auch bereits mehrfach der Fang grosser Zander im Freiwasser und auch die Welse vom Bodensee vergreifen sich regel­mässig an einem geschleppten Köder.

 Sacha Maggis Unterwasser-Hund lässt sich beidseitig einsetzen.

Sacha Maggis Unterwasser-Hund lässt sich beidseitig einsetzen.


Die Details haben es in sich

Beim legendären Zugersee-Fischer «Pfuri», mit dem Maggi eine langjährige Freundschaft verbindet, lernte er das Konzept des Unterwasser-Hundes kennen. «Pfuri» fischt seinen eigenen Unterwasser-Hund schon geraume Zeit und Maggi begann irgendwann ebenfalls an einem Unterwasser-Hund zu experimentieren. Sein Hund ist das Resultat von langem Tüfteln und Pröbeln, bis irgendwann die richtige Materialdicke und Grösse ermittelt werden konnte, die dafür sorgt, dass der Hund von sich aus weder an Tiefe noch an Höhe gewinnt, sondern einfach schön auf der gewünschten Tiefe bleibt. Hergestellt aus Plexiglas und Dyneemaschnur hat der Perfektionist Maggi sein Produkt nun so weit gebracht, dass er damit in Serie gehen konnte. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten und nur unwesentlich länger dauerte es, bis eine fast bis ins allerkleinste Detail identische Kopie von einem Konkurrenten auf den Markt gebracht wurde. 

 Die gelbe Fahne unter  dem Schlepp-Signal ist das inoffizielle Zeichen, dass das Boot mit Unterwasser-Hunden unterwegs ist.

Die gelbe Fahne unter dem Schlepp-Signal ist das inoffizielle Zeichen, dass das Boot mit Unterwasser-Hunden unterwegs ist.


Fanggarantie gibt es keine

Wir sind an diesem 2. Januar über fünf Stunden auf dem See unterwegs, der linke Hund läuft auf 15 und der rechte auf 20 Metern Tiefe. In der jungen Saison hat Maggi noch keine Forelle fangen können. Zwar gab es Bisse, doch kleben geblieben sind sie nicht. Das liegt weniger am Unterwasser-Hund oder den angebotenen Ködern, sondern in erster Linie leider am Bestand und an den Bedingungen des Zürichsees. Als wir auf Höhe Thalwil an die Goldküste wechseln, hören wir das erste Mal den hellen Klang der Glocke. Ein kurzes Schellen und dann wieder Ruhe. «Das war vermutlich ein Hecht», meint Maggi. «Beim Biss einer Forelle läutet die Glocke schon anders.» Das Bleigewicht hängt Maggi übrigens an eine feine Bauschnur. 

 Hechte sind häufiger Beifang beim Seeforellen-Fischen. Im Sommer fischt Maggi gezielt und mit grossen Ködern auf Meister Esox.

Hechte sind häufiger Beifang beim Seeforellen-Fischen. Im Sommer fischt Maggi gezielt und mit grossen Ködern auf Meister Esox.

Es folgt nochmals ein einmaliges Schellen, doch auch dieser wohl kleinere Hecht bleibt nicht hängen. Dann plötzlich auf der anderen Seite «Dingdingdingding!». So tönt es also, wenn eine Forelle beisst. Doch wie beim Schleppfischen halt üblich: Einen Anhieb kann man nicht setzen und muss darauf hoffen, dass der Haken gefasst und der Fisch irgendwie hängen bleibt. «Ich weiss nicht, woran es liegt. Die Fische sind zwar da, aber sie beissen zu zaghaft.» Nun, das wird sich früher oder später bestimmt ändern …

 

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