[Mit der «]Zikade[» auf Egli]
05 | 09 | 2019 PraxisText & Fotos: Robin Hrovatic 0361
05 | 09 | 2019 Praxis
Text & Fotos: Robin Hrovatic 0 361

Mit der «Zikade» auf Egli

Hast Du den Eindruck, dass die Egli Deine Wobbler, Gummis und Löffel alle schon tausend Mal gesehen haben und nichts mehr zieht? Dann probiers doch mal mit einer «Zikade». Sie ist eine echte Alternative zu allen Mainstream-Ködern und lässt die kleineren Egli erst noch links liegen. Robin macht den Test.

Zuerst etwas zum Begriff Zikade: Zikaden werden wegen ihrer Laut­erzeugung auch Zirpen genannt und sind eigentlich an Pflanzen saugende Insekten. Die hier beschriebenen «Zikaden» haben mit ihnen aber nur gemeinsam, dass sie meistens ähnlich gross sind wie die Insekten und – vor allem – Vibrationen erzeugen. Die «Zikaden», die ich hier meine, werden aufgrund ihrer typischen Beschaffenheit auch Blattpilker genannt. Grundsätzlich ist ein Blattpilker ein ausgefrästes Stück einer Metallplatte, das die Form eines Fischchens hat, im vorderen unteren Teil beschwert ist und, im Gegensatz zu fast allen herkömmlichen Spinnködern, am Rücken und nicht an der Front mit der Schnur verbunden wird. Das verleiht ihr ein ganz eigenes Laufverhalten. Im Englischen hingegen ist mit «Cicada» unter den Ködern häufig derjenige gemeint, der tatsächlich das Insekt imitiert, bei meinem Test aber nicht berücksichtigt wurde.

Wie führe ich die Zikade?

Die Führung der Zikade hängt stark mit ihrem Aufbau zusammen. Die meisten haben am Rücken zwei bis vier Ösen. Wird der Clip zur Befestigung der Schnur in der vordersten Öse eingehängt, erzeugt der Köder am meisten Schwingungen, wenn er vertikal geführt wird. Das Anbringen des Clips auf der hintersten Öse hat zur Folge, dass der Blattpilker am verführerischsten schwingt, wenn er weit geworfen und horizontal in wenigen Metern Tiefe gefischt wird. Die Hersteller der Zikaden versprechen auf der Verpackung und in ihren Gebrauchsanleitungen, dass beide Führungsarten Bisse bringen. Ein Köder, der horizontal und vertikal zuverlässig Fisch bringt? Das klingt toll, denke ich mir, und mache mich auf zum ersten Test.

Vertikales Twitchen

Ich beginne mit der vertikalen Variante, lasse die Zikade zum Grund ab und staune ab dem Tempo, mit welchem der Köder in die Tiefe rauscht. Nach dem Grundkontakt beginne ich mit einfachem Einkurbeln und wundere mich, weil von Vibrationen nicht die Rede sein kann. Es fühlt sich an, als ob ich einfach ein Stück Metall ohne jegliche reizende Bewegung und Wirkung an die Oberfläche ziehe. Vertikales Einkurbeln ist also nichts. Nach dem nächsten Runterlassen beginne ich mit Twitches und – siehe da – die Zikade beginnt zu vibrieren und erzeugt mächtig Druck. Ist die Twitchbewegung aber vollendet, hören die Vibrationen gleich wieder auf und der Köder saust mit einem Tempo zum Grund, das mich stutzig macht. Egal, weiter twitchen. Die vom Tutorial werden es ja wohl wissen. Dieses Prozedere spiele ich noch zahlreiche weitere Mal durch – ohne jegliche Resonanz. Von Redaktionskollege Ruben Rod erfahre ich im Nachgang, dass er mit dieser Technik in Norwegen einige schöne Dorsche fangen konnte, am Zürichsee habe ich damit aber keinen Biss zustande gebracht.

Horizontal zum Erfolg

Weil vertikal nichts läuft, stelle ich bald auf die horizontale Variante um. Und hier zeigt sich gleich eine der Stärken, mit der sich der Blattpilker von herkömmlichen Spinnködern abhebt: Er lässt sich ausgesprochen weit und zielsicher werfen. Dies, weil sein Gewicht im Verhältnis zu seiner Oberfläche grös­ser ist, als alles mir bisher Bekannte. Seine windschlüpfrige Form tut sein Weiteres für die Wurfdistanz. Nach dem Auftreffen lasse ich den Köder zuerst wieder bis zum Grund absacken, weil ich die gesamte Wassersäule ausnutzen möchte. Während ich die Zikade gleichmässig einhole, passiert auf den ersten Metern noch nichts. Bei etwa 5 Metern Tiefe setzt, wie mit Zauberhand, auf einmal das charakteristische Schwingen mit deutlichen Vibrationen ein, wird mit zunehmender Höhe immer intensiver und flacht erst kurz vor der Wasseroberfläche und vor meinen Füs­sen wieder etwas ab. Ich merke, jede Zikade hat ihre ganz eigene Tiefe, in der sie optimal vibriert. Nach mehreren weiteren Würfen in gleicher Manier sehe ich plötzlich, wie wenige Meter vor mir ein Egli dem Blattpilker folgt, aber kurz vor dem Biss doch noch verlangsamt. Zwar kein Biss, aber sie haben reagiert. Der Bann ist gebrochen und endlich ist er da, der Glaube an den neuen Köder. Von da an geht es schnell: Das erste Egli mit Zikade fange ich noch am gleichen Morgen – und gleich ein schöneres. Ein zweites gesellt sich noch dazu – immerhin.

Üben, üben und üben

An den folgenden Fischertagen übe ich nur mit den Zikaden, probiere weitere Modelle aus, hole in verschiedenen Geschwindigkeiten ein und suche nach der jeweiligen Tiefe, in der sie optimal vibriert. Bei einer Internetrecherche treffe ich auf einen Zikaden-Artikel von Uli Beyer, in welchem er betont, wie wichtig das gleich­mäs­sige Einholen und wie bedeutsam eine weiche Rute im Umgang mit den Blattpilkern ist. Obwohl es bis anhin mit der normalen Egli-Spinnrute auch klappte, will ich den Rat befolgen und montiere die Zikaden ab jetzt nur noch an meine feinste Spinnrute mit parabolischer Aktion. Es ist dies meine Ex-Felchenrute, welche ohne die abgebrochenen 20-cm-Spitze fürs feine Spinnfischen ganz passabel einsetzbar ist. So auch fürs Zikaden-Fischen. Nach einigen Würfen zeigt sich, dass die noch weichere Rute mehr Schwingungen des Köders zulässt, auch mehr Bisse produziert und die gröbere Rute einen Teil dieser Schwingungen absorbiert hat, womit auch ein Teil der Köderwirkung verloren ging.

 Eine Gruppe Egli, die dem Reiz der Zikaden nicht widerstehen konnte. Hat man den Dreh mit der Lauftiefe und der Einholgeschwindigkeit einmal raus, ist es nicht mehr weit, bis die vor allem grösseren Egli beissen.

Eine Gruppe Egli, die dem Reiz der Zikaden nicht widerstehen konnte. Hat man den Dreh mit der Lauftiefe und der Einholgeschwindigkeit einmal raus, ist es nicht mehr weit, bis die vor allem grösseren Egli beissen.

 Dicker Rehlig an einem viel­befischten Steg: So stechen Zikaden aus der Masse der herkömmlichen Egli-Köder raus.

Dicker Rehlig an einem viel­befischten Steg: So stechen Zikaden aus der Masse der herkömmlichen Egli-Köder raus.

 Farben- und Typen-Vielfalt im Reich der Zikaden: Die verhältnismässig leichteren Modelle haben sich als etwas fängiger herausgestellt. Im ersten Licht des Tages waren die dunkleren Varianten erfolgreicher, bei vollem Tageslicht die helleren.

Farben- und Typen-Vielfalt im Reich der Zikaden: Die verhältnismässig leichteren Modelle haben sich als etwas fängiger herausgestellt. Im ersten Licht des Tages waren die dunkleren Varianten erfolgreicher, bei vollem Tageslicht die helleren.

 Farben- und Typen-Vielfalt im Reich der Zikaden: Die verhältnismässig leichteren Modelle haben sich als etwas fängiger herausgestellt. Im ersten Licht des Tages waren die dunkleren Varianten erfolgreicher, bei vollem Tageslicht die helleren.

Farben- und Typen-Vielfalt im Reich der Zikaden: Die verhältnismässig leichteren Modelle haben sich als etwas fängiger herausgestellt. Im ersten Licht des Tages waren die dunkleren Varianten erfolgreicher, bei vollem Tageslicht die helleren.

 Farben- und Typen-Vielfalt im Reich der Zikaden: Die verhältnismässig leichteren Modelle haben sich als etwas fängiger herausgestellt. Im ersten Licht des Tages waren die dunkleren Varianten erfolgreicher, bei vollem Tageslicht die helleren.

Farben- und Typen-Vielfalt im Reich der Zikaden: Die verhältnismässig leichteren Modelle haben sich als etwas fängiger herausgestellt. Im ersten Licht des Tages waren die dunkleren Varianten erfolgreicher, bei vollem Tageslicht die helleren.


Erste Sternstunde mit der Zikade

Definitiv ins Inventar der guten Egli-Köder habe ich die Zikade aufgenommen, nachdem ich meine erste Sternstunde mit ihr erleben durfte. Es ist einer jener schwierigen Tage im späten Juni, an dem über ein Dutzend Fischer am Steg sind, viele Fische zu sehen sind, aber keiner etwas Ansprechendes fängt. Bis ich es mit der Zikade versuche und als einziger ein knapp 40er-Egli fange. Die Zaungäste rundherum lassen durchblicken, dass sie diesen Köder noch nie gesehen haben. Einer gesteht, dass er zwar auch einmal so ein Ding gekauft habe, es aber bisher nur in der Köderbox hat liegen lassen. Ich vermute, dass der Fang dieses besonders schönen Egli damit zusammenhängt, dass ich mich mit dem Blattpilker vom Pulk der Mainstream-Köder abgehoben habe. Viel mehr nicht. 

Warum mit der Zikade fischen?

Hat man den Dreh mit den Tiefen, der richtigen Rute und dem gleichmässigen Einholen einmal raus, stellt die Zikade eine echte Alternative zu herkömmlichen Egli-Ködern dar. Massenfänge sind mir damit zwar nie gelungen, aber stetig Fisch gebracht haben die kleinen Vibrationskünstler allemal. Vor allem in dieser Dreiviertelstunde nach Sonnenaufgang, in der die Egli besonders aktiv an der Wasseroberfläche am Jagen sind, weshalb die beste Zeit für ihren Einsatz wohl im Herbst liegt. An stark befischten Orten können die Blattpilker ihre Wirkung besonders entfalten, weil die meisten Raubfische die vibrierenden Metallplättchen noch nie zu Gesicht bekommen haben. Hinzu kommt die überdurchschnittliche Grösse der damit gefangenen Egli, unter 20 cm waren sie nie, und die tiefe Fehlbissquote. Von den getesteten Modellen haben sich die leichteren, die auch mit weniger Zug in ihr typisches Vibrieren kommen, als fängiger herausgestellt. Aufgrund ihres verhältnismässig hohen Gewichts kommt es auch kaum zu Ausfalltagen wegen Wind, weil die kleinen Geschosse auch bei kräftigerem Wind noch zielsicher geworfen werden können. 

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