Mit der Fliege auf Fluss-Alet
14 | 07 | 2020 PraxisText & Fotos: Erich Bolli 01097
14 | 07 | 2020 Praxis
Text & Fotos: Erich Bolli 0 1097

Mit der Fliege auf Fluss-Alet

In unseren Mittellandflüssen haben es Forellen und Äschen wegen der zum Teil krass zu warmen Wassertemperaturen im Sommer schwer. Die Restbestände sollten oder müssen in den Sommermonaten zur Schonung in Ruhe gelassen werden. Es gibt für die Fischer aber eine attraktive Alternative – und zwar auch für Fliegenfischer: Der in gros­sen Beständen vorkommende, das warme Wasser gut ertragende Alet. Den kräftigen, kämpferischen Fisch mit der Fliege auf Sicht zu überlisten, ist eine echte Herausforderung.

Der Alet frisst bekanntlich fast alles, was saisonal in den Fluss hineinfällt oder hineingeworfen wird: Brotflocken, Käsebröcklein, «Chriesi», Traubenbeeren usw. Doch die ursprüngliche Nahrung besteht auch beim Alet wie bei anderen Fischarten vorwiegend aus Insekten: Der Alet nimmt Larven («Nymphen») auf dem Gewässergrund, aufsteiger (Emerger) im Mittelwasser und – etwas seltener – fertig entwickelte Fliegen (Duns) auf dem Oberflächenfilm. Diese Überlegung brachte mich auf den Gedanken, es einmal mit der Fliege auf Alet zu versuchen. Und es funktioniert! Doch beginnen wir von vorn: Zuerst müssen wir mal wissen, wo die Alet stehen.

 
Spot finden

Nach dem Frühling ziehen die Alet mit den steigenden Wassertemperaturen aus den tieferen Regionen des Flusses oft in Ufernähe. Unser Ziel ist es, im knietiefen Wasser unruhig patrouillierende Alet zu finden, die nach einem passenden Leckerbissen Ausschau halten. Am ehesten ist das in einem Hinterwasser oder an ruhigen Stellen mit geringer Strömung der Fall. Oft sonnen sich da ganze Schwärme im seichten Wasser. Für unsere Absicht, Alet mit der Fliege zu fangen, sind die Stellen, wo die Wasservögelnarren mit ihren Brotsäcken, die sie in den Fluss entleeren, um die lieben Vögel zu füttern, nicht unbedingt geeignet. Die dortigen Alet sind extrem aufs Brot fixiert, gewissermas­sen «verdorben», was die Aufnahme der natürlichen Insektennahrung betrifft. Oft würdigen diese Alet auch die schönste Trockenfliege keines Blicks, viel einfacher ist es für sie, auf die nächste Ladung Brotstücke zu warten. Besser geeignet sind eher schwer zugängliche Stellen, wo die Vögelfütterer nicht hinkommen, wir in den Wathosen hingegen schon.


Ausrüstung

Da bei den Alet mit Brocken von mehr als 2 kg zu rechnen ist, sollte die Fliegenrute über ein einigermassen robustes Rückgrat verfügen. Mit einer Rute der Schnurklasse 5 oder darüber ist man auch für einen harten Drill gut ausgerüstet. Für das Fischen mit der Trockenfliege bevorzuge ich ein knotenlos verjüngtes Vorfach, Spitze 0,18, eher 0,20 mm. Wenn die Alet nur zur Fliege aufsteigen, sie inspizieren und dann abdrehen, passt ihnen entweder die Fliege nicht oder sie haben das Vorfach entdeckt. Dann kann man es mit gebotener Behutsamkeit beim Drill auch mal mit einem feineren Vorfach 0,16 oder 0,14?mm versuchen.

 
Köderwahl

Zuerst versuche ich es mit der Trockenfliege und nehme ein Muster, das aufgrund der Beobachtung des aktuellen Schlupfs von Tagesfliegen gerade zu passen scheint. Oft bringen auch Parachutefliegen Erfolg, die ihren Thorax ins Wasser eintauchen lassen und einen Aufsteiger imitieren. Einen Versuch wert ist auch, je nach Angebot auf dem Wasser, eine Spent-Imitation. Geht an der Oberfläche gar nichts, wechsle ich das Vorfach und probiere es mit dem klassischen Nymphenfischen. Die gängigen Nymphen und Gammarus-Imitationen können da durchaus das Interesse der Alet finden.

Wenn an einem schwierigen Tag mit den gebräuchlichen Mustern des Fliegen­fischens wirklich gar nichts ausgerichtet werden kann, greife ich in der Not zu einem zugegebenermassen etwas miesen Trick: Ich wechsle die Stelle und suche diejenigen Alet auf, die von den Spaziergängern ans Brot gewöhnt wurden. Jetzt kommt meine «Brotfliege» zum Einsatz. Sie ist sehr leicht zu binden: Aus einem Haushaltschwamm wird ein Stückchen herausgeschnitten und auf einen Haken etwa Grösse 6 geklebt. Damit das Schwammstücklein, das eine Brotflocke imitieren soll, gut hält, lege ich zuvor noch eine Grundwicklung auf den Haken. Wichtig ist, dass man die Hakenspitze aus dem Schwämmchen ragen lässt, damit der Haken sofort im Fischmaul greifen kann. Die «Brotfliege» kann auf dem Wasser schwimmend oder, wenn vollgesogen, leicht eingetaucht präsentiert werden. Wenn die Farbe (möglichst Weiss!) stimmt, kann man sich auf einen Hammerbiss gefasst machen!


Anbietetechnik

Obwohl es manchmal nicht so ausschaut, wenn man einen Schwarm Alet in Ufernähe scheinbar fast zutraulich herumdümpeln sieht, sind die Fische äus­serst scheu. Also muss man sich vorsichtig an sie heranpirschen, möglichst ohne dass sie einen sehen. Sodann sollte man darauf achten, dass man die Fische nicht überwirft. Schon der Schatten der Flugschnur lässt bei ihnen die Alarmglocken läuten. Am ehesten gelingt dies mit einem Bogenwurf. Damit kann verhindert werden, dass der Fisch die Fliegenschnur vor der Fliege sieht.

Kommt der Biss, ist ein schneller Anschlag gefragt, danach aber ein geduldiger Drill, denn der Alet kämpft ausdauernd. Wenn ein Alet mal gehakt wurde, erfolgt – auf welche Weise auch immer – eine Warnung an die andern Alet, sie verduften oder sind für längere Zeit äusserst misstrauisch. Also Zeit für ein Bier oder die Suche eines neuen Spots.

 Wenn ein guter Aletspot gefunden ist, hat man noch nichts gewonnen – die Alet sind äusserst scheu und merken rasch, wenn die Sache einen Haken hat.

Wenn ein guter Aletspot gefunden ist, hat man noch nichts gewonnen – die Alet sind äusserst scheu und merken rasch, wenn die Sache einen Haken hat.

 Mit diesen Fliegenmustern klappt es meistens. Steigt nichts auf die Trockenfliege (links), probiere ich es mit Nymphen (Mitte). Wenn ich unbedingt Fisch will, kommt die «Brotfliege» (rechts) zum Einsatz.

Mit diesen Fliegenmustern klappt es meistens. Steigt nichts auf die Trockenfliege (links), probiere ich es mit Nymphen (Mitte). Wenn ich unbedingt Fisch will, kommt die «Brotfliege» (rechts) zum Einsatz.

 Genussvolles Fliegenfischen auf kräftige Alet am Hochrhein bei Neuhausen am Rheinfall.

Genussvolles Fliegenfischen auf kräftige Alet am Hochrhein bei Neuhausen am Rheinfall.

 Seine dezenten Farben und das prächtige Schuppenkleid lassen den Alet eigentlich elegant aussehen.

Seine dezenten Farben und das prächtige Schuppenkleid lassen den Alet eigentlich elegant aussehen.


Nach dem Fang

Die Verwertung der gefangenen Alet zu Fischburgern kann ich sehr empfehlen. Das Rezept wurde im «Petri-Heil» schon verschiedentlich vorgestellt (zuletzt in der Juni-Ausgabe 2020, Leserbrief «Fangmoratorium und Corona – ein Genuss», S. 68). Ich habe es schon mehrfach ausprobiert und Gästen zum Apéro serviert; die Burger haben allen ausgezeichnet geschmeckt!

 

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