Jetzt tauts – Ab an die Bergseen
09 | 07 | 2018 Schweiz | PraxisText: Andrin Krähenbühl | Fotos: Andrin Krähenbühl, Nicola Sperlich 01641
09 | 07 | 2018 Schweiz | Praxis
Text: Andrin Krähenbühl | Fotos: Andrin Krähenbühl, Nicola Sperlich 0 1641

Jetzt tauts – Ab an die Bergseen

Ab Ende Juni sind die meisten Bergseen aufgetaut oder zumindest wieder teilweise eisfrei und somit befischbar. Dieser Artikel soll aufzeigen, wie man nach der Winterpause mit aktiven Strategien Erfolg haben kann. Dabei gehen wir auf die drei häufigsten Bergseebewohner ein.

Für viele Fischer ist die Bergseefischerei der Inbegriff der Sommerfischerei. Was gibt es Schöneres, als bei strahlendem Sonnenschein vor der schönen Bergkulisse und im glasklaren Wasser den Fischen nachzustellen? Neben der altbewährten Naturköder­fischerei gibt es heute eine Vielzahl von attraktiven Kunstködern, die richtig eingesetzt auch im Bergsee äusserst fängig sind. Die Spinnfischerei am Bergsee ist aktiv und spannend, zudem kommt es im Gegensatz zur Naturköderfischerei fast nicht vor, dass ein untermassiger Fisch zu tief schluckt und nicht mehr unbeschadet befreit werden kann. Um aktiv erfolgreich zu sein, ist es allerdings unerlässlich, dass man seinen Zielfisch und das Gewässer kennt und das Vorgehen und das Gerät anpasst. In diesem Artikel arbeiten wir uns deshalb strategisch von den höheren Wasserschichten in die Tiefe vor.


Regenbogenforelle

 Eine silberblanke Regenbogenforelle hat sich den gezupften Wobbler geschnappt und einen guten Drill geliefert!

Eine silberblanke Regenbogenforelle hat sich den gezupften Wobbler geschnappt und einen guten Drill geliefert!

Fangen wir mit den typisch hoch im Wasser stehenden Regenbogenforellen an. In der obersten Wasserschicht bis etwa drei Meter Tiefe sind sie aktiv unterwegs und häufig im ganzen See zu finden, was aber nicht heisst, dass sie deshalb einfach zu fangen sind. Die Suche und die Köderwahl sind dabei das A und O. Oft sind weite Würfe nötig, um auch das Freiwasser abzudecken. Dazu eignen sich Wurflöffel wie der Abu Toby, Mozzi und ähnliche Modelle in Ausführungen von sieben bis 20 Gramm. Ebenfalls gut funktionieren schwere, aber schlanke Wobbler um fünf bis sieben Zentimeter Länge, die mit kurz eingelegten Pausen flach laufend durchs Wasser gezupft werden. Im klaren Wasser bevorzuge ich suspending (schwebende) Modelle in natürlichen Farben. Bei der Farbwahl kann man aber durchaus experimentieren. Nicht an jedem Tag sind dieselben Farben erfolgreich. Tendenziell wählt man bei sonnigem Wetter bedeckte Farben und bei bewölktem Wetter auffälligere Dekore. Sind an einer Stelle häufiger Regenbogenforellen präsent, lohnt sich manchmal auch ein Versuch mit kleinen Gummifischen am leichten Bleikopf, die ebenfalls flach mit kurzen, aber kontrollierten Absinkphasen geführt werden. Auch der altbewährte Mepps bringt immer mal wieder einen Fisch.


Kanadische «Seeforelle» / Namaycush

 Dieser schön gezeichnete Namaycush liess sich mit einem weissen Gummifisch überlisten, den er in der Absinkphase gepackt hatte.

Dieser schön gezeichnete Namaycush liess sich mit einem weissen Gummifisch überlisten, den er in der Absinkphase gepackt hatte.

Die «Kanadier», wie die kanadischen Seeforellen häufig genannt werden, sind der Zielfisch vieler Bergseefischer; sicherlich auch, weil sie stattliche Grössen bis über einen Meter erreichen können. Je nach Gewässerbeschaffenheit können die Namaycush sowohl mit Wobblern als auch mit Gummifischen gefangen werden. In flacheren Regionen werden die Twitchbaits (frei übersetzt «Zupfköder») mit schnellen Schlägen aus dem Handgelenk gefischt. Auch hier ist wieder wichtig, dass regelmässig kurze Pausen eingelegt werden. Nicht selten erfolgt genau dann der Biss. Bei der Führung sind der Kreativität sonst (fast) keine Grenzen gesetzt. 

Mit Gummifischen am gewöhnlichen Bleikopf, am Bleikopfsystem oder auch am Cheburashka-Rig (mit losem Bleikopf) lassen sich die Räuber in tieferen Regionen suchen und befischen. Ködergrössen von fünf bis zehn Zentimeter sind meistens die richtige Wahl. Wer es gezielt auf Grossfische abgesehen hat, kann auch noch grössere Köder einsetzen. Bewährte Modelle sind schlanke Gummi­fische wie der Keitech Easy Shiner kombiniert mit fünf bis zwölf Gramm Blei, je nach Ködermasse, Tiefe und Windverhältnissen. Bei den Farben ist wieder probieren angesagt. Häufig beginnt man mal mit Schockfarben und wechselt, wenn sich der Erfolg nicht einstellen will. Bei der Führung ist es entscheidend, dass man den Gummi immer wieder an gespannter Schnur zum Grund sinken lässt. Fast immer folgt in genau diesem Moment der Biss, den es mit einem schnellen Anhieb zu quittieren gilt!


Seesaibling

 Spinnfischen vor der wunderschönen Bergkulisse. Trotzdem muss man aufmerksam bleiben, wenn man keinen Biss verpassen möchte.

Spinnfischen vor der wunderschönen Bergkulisse. Trotzdem muss man aufmerksam bleiben, wenn man keinen Biss verpassen möchte.

Die Seesaiblinge sind am schwierigsten mit Kunstköder zu fangen. Man findet sie an steilen Kanten und häufig in grossen Tiefen. Bacheinläufe geben manchmal einen guten Anhaltspunkt, um die häufig wunderschön gefärbten Schwarmfische zu finden. Da diese Fische nicht die grösste Gaumenspalte haben, ist man normalerweise mit kleineren Ködern besser beraten. Schlanke Gummifische zwischen vier und sieben Zentimeter passen jedoch meistens. Mit recht grossen Bleiköpfen von sieben bis 20 Gramm wird dann der Grund abgesucht. Grelle Köderfarben wie Gelb, Weiss, Chartreuse oder Orange können den ersehnten Biss der neugierigen Saiblinge bringen. Aber auch hier gilt es: Probieren geht über Studieren. Wichtig ist bei den Saiblingen wirklich der Grundkontakt. Köderverluste kommen dabei natürlich vor. Vorsorglich hilft ein etwas dickeres Vorfach, um leichte Hänger wieder zu lösen. Im Drill sollte man nicht übertrieben schnell einholen, da der schnelle Druckwechsel beim Einholen für untermassige
Fische den Tod bedeuten kann. Wichtig ist nur, dass die Schnur immer auf Spannung bleibt. 


Das richtige Material

Damit wir auch zum erfolgreichen Drill kommen, muss wie immer das Material passen. Zum Spinnfischen am Bergsee eignen sich Ruten um 2,40-2,60 Meter Länge mit Wurfgewichten von ungefähr fünf bis 20 Gramm. Während für Wobbler, Löffel und Spinner die Rute auch etwas federn darf, sind straffe und schnelle Gerten wichtig für die Köderführung bei den Gummis. Nur so können Grundkontakte erkannt, schnelle Zupfer umgesetzt und schnelle Anhiebe durchgebracht werden. Die Rolle sollte solide, aber nicht zu schwer sein. Modelle wie die Shimano Stradic 2500 eignen sich gut. Die Schnur ist beim Hardbaitfischen weniger wichtig, beim Softbaitfischen lohnt sich die Investition in eine gute Geflochtene. Vorfachstärken zwischen 0,20-0,30mm sind die richtige Wahl, je nach zu erwartender Fischgrösse und Wassertrübung. Darunter sollte man nicht gehen, sonst riskiert man eines Tages den Meterkanadier zu verlieren!

 Ein spiegelglatter See produziert manchmal wunderschöne Kulissen. Ein wenig Beobachten schadet häufig nicht, um die Fische zu finden. Ansonsten muss man manchmal Strecke machen.

Ein spiegelglatter See produziert manchmal wunderschöne Kulissen. Ein wenig Beobachten schadet häufig nicht, um die Fische zu finden. Ansonsten muss man manchmal Strecke machen.

 Schönstes Bergseewetter lädt zum Träumen ein. Wo verstecken sich heute wohl die Fische?

Schönstes Bergseewetter lädt zum Träumen ein. Wo verstecken sich heute wohl die Fische?

 Spinnfischen vor der wunderschönen Bergkulisse. Trotzdem muss man aufmerksam bleiben, wenn man keinen Biss verpassen möchte.

Spinnfischen vor der wunderschönen Bergkulisse. Trotzdem muss man aufmerksam bleiben, wenn man keinen Biss verpassen möchte.

 Eine Auswahl an fängigen Bergseewobblern. Wichtig sind dabei sowohl der abwechslungsreiche Lauf als auch ein gewisses Gewicht, um auf Wurfweite zu kommen. Natürlich ist auch eine gute Schnur unabdingbar für weite Würfe.

Eine Auswahl an fängigen Bergseewobblern. Wichtig sind dabei sowohl der abwechslungsreiche Lauf als auch ein gewisses Gewicht, um auf Wurfweite zu kommen. Natürlich ist auch eine gute Schnur unabdingbar für weite Würfe.

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