Im Visier
21 | 03 | 2014 Diverses 01116
21 | 03 | 2014 Diverses
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Im Visier

Der Tagliamento ist einer der letzten intakten Alpenflüsse. Beispielhaft für ein funktionierendes Ökosystem, dient er unzähligen internationalen Biologen und Wasserforschern als Freiluftlaber. Diese einzigartige Flusslandschaft wird nun durch die Elektrizitätswirtschaft und fragwürdige Hochwasserschutzmassnahmen bedroht.
 
Am Mauriapass, unweit der italienisch-österreichischen Grenze entspringend, fliesst der Tagliamento weitgehend frei der Adria entgegen. Auf seiner 170 Kilometer langen Reise nimmt er unzählige Seitengewässer auf und transportiert riesige Mengen Geschiebe. Auf den rund 60 Kilometern des Mittellaufs beansprucht der Tagliamento beeindruckende 150 Quadratkilometer Fläche und soll von der Raumstation ISS mit blossem Auge sichtbar sein.An keinem anderen Ort in den Alpen lassen sich die dynamischen Prozesse eines Flusses so gut beobachten und nachvollziehen wie am Tagliamento. Wissenschaftler aus der ganzen Welt besuchen die Region, um diese komplexe Flusslandschaft zu erforschen. Die daraus resultierenden Erkenntnisse dienen unter anderem als Grundlage für die so wichtigen Renaturierungsarbeiten an anderen Gewässersystemen. 

Trotz seiner Einzigartigkeit und dem unschätzbaren Wert dieses Flusses gibt es Pläne, die seine Wildheit zähmen und seine Natürlichkeit zerstören wollen. Die Elektrizitätswerke beabsichtigen in fast allen Zuflüssen die Wassernutzung zur Energiegewinnung zu vergrössern und im Mittelteil ist eine Schnellstrasse mit Brücken geplant. Ein weiteres Problem sind die zunehmenden Verbauungen der Seitengewässer. Dadurch verschiebt sich die Hochwassergefahr in die tieferliegenden Gebiete. Dieser Bedrohung soll dann mit drei grossen Rückhaltebecken entgegengewirkt werden. Mit diesen Plänen steht die Provinzregierung des Friaul im Widerspruch zur Wasser-Rahmenrichtlinie der EU, zu Natura 2000, einem Netz von Schutzgebieten innerhalb der EU und zur Alpenkonvention. Dies gefährdet auch das Vorhaben die Region Tagliamento zu einem UNESCO-Biosphährenreservat zu machen.Die Bewohner der Gegend befürchten zurecht die Zerstörung ihrer Heimat und den Ausfall von Einnahmen aus dem Ökotourismus. 

Experten der Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (eawag) bezweifeln ausserdem, dass Massnahmen dieser Art die bedrohten Städte in Küstennähe schützen könnten. Vielmehr würden dadurch wertvolle Auenlandschaften verschwinden, die selber als Hochwasserschutz funktionieren.

 

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