Gotthard [– Fischen im Herzen der Schweiz]
18 | 06 | 2026 SchweizText: Nick Hagenbuch 0449
18 | 06 | 2026 Schweiz
Text: Nick Hagenbuch 0 449

Gotthard – Fischen im Herzen der Schweiz

Der Gotthardpass ist der wohl bekannteste Alpenpass und weit mehr als «nur» eine Strasse. Seine Geschichte und seine internationale Strahlkraft sind einzigartig – genauso wie die Fischerei, die die Gotthard-Region bereithält!


Zugegeben: Als Kind dachte ich immer, der Gotthardpass gehört zum Kanton Uri. Erst, als mich die Fischerei in dieser Region zu interessieren begann, stellte ich fest, dass man hierzu ein Tessiner Patent benötigt. Schon immer haben mich Alpenpässe fasziniert und ganz besonders der Gotthardpass. Meine Mutter hat mir und meinen Brüdern beim Überqueren des 2106 Meter über Meer liegenden Passes stets Sagen rund um den Pass erzählt, die sie als Urnerin­ natürlich ausschmücken konnte wie keine andere: Vom Teufel und Geissböcken, von unbändigen Muni und Kälbern mit goldenem Fell war die Rede – einfach «sagenhafter­» Stoff.

 

Rantasten an den Pass

Fischereilich habe ich mich von der Urner Seite her an den Pass rangetastet. Erst habe ich die Region rund um Andermatt befischt, dann hat es mir die Furkareuss mit ihren schönen Forellen angetan und schliesslich wurde ich auf die Gotthardreuss oberhalb Hospental aufmerksam. Die Fischerei in diesem Bergbach ist sehr schön und vielfältig. Mal fliesst der Fluss durch enge Schluchten und ist fast nicht zu erreichen. Weiter oben schlängelt er sich der Passstrasse entlang und ist gut zugänglich. Fische sind fast überall zu finden, auch wenn diese meist zu klein für die Pfanne sind. Nebst Bachforellen schwimmen auch noch einige Saiblinge in der Gotthardreuss umher – der wohl farbenprächtigste Fang meiner «Karriere» stammt aus diesem Gewässer.

 Picasso hätte diesen Saibling aus der Gotthardreuss nicht schöner zeichnen können.

Picasso hätte diesen Saibling aus der Gotthardreuss nicht schöner zeichnen können.


Dutzende Möglichkeiten

Nach etwa zwei Kilometern, bevor man den Gotthardpass von Norden her kommend erreicht, ist die Grenze zum Tessin. Folglich braucht man also ein Tessiner Patent, um an den vielen Gewässern rund um den Pass fischen zu dürfen. Und während das Lösen eines Patents bei meinem ersten Ausflug vor einigen Jahren äusserst mühsam war – ich musste damals runter nach Airolo, um ein Patent auf dem Gemeindebüro zu kaufen – geht dies heute dank Online-Patentverkauf Gott sei Dank einfacher.

Rund um den Pass hat es Dutzende kleine Seelein, und in fast allen schwimmen Fische: Bachforellen, Saiblinge und Regenbogenforellen gibt es hier zu fangen. Die kleinen Fische sind oft äusserst gierig und versuchen, sich in der kurzen Sommersaison den Bauch möglichst vollzuschlagen. Die grös­seren Exemplare sind da schon deutlich vorsichtiger. Hat man von den Seelein rund um den Pass genug, warten in näherer Umgebung zwei grosse Stauseen zum Fischen: Sowohl im Lago della Sella als auch im Lago di Lucendro werden immer wieder kapitale Namaycush gefangen. 

 

Wie wärs mit der 5-Seen-Wanderung?

Wer vom Fischen immer noch nicht genug hat oder einfach seine Wanderlust stillen will, dem sei die 5-Seen-Wanderung wärmstens empfohlen. Vom Gotthardpass gehts runter zum Lago di Lucendro. Am Fuss der imposanten Staumauer beginnt der Aufstieg. Die rund vierstündige Wanderung führt vorbei am Lago d’Orsino, an den Laghi d’Orsirora und an den Laghi della Valletta. In allen Seelein schwimmen Forellen und die Aussicht auf das Gotthardmassiv ist äusserst eindrücklich. Zwar war bei meinem Besuch der Fangerfolg äusserst bescheiden, doch wenn ich in all den Fischerjahren eins gelernt habe, dann dies, dass ein schlechter Tag noch lange nichts über den Fischbestand eines Gewässers aussagt.

 Diese gesunde Regenbogenforelle war der einzige Fang, den ich auf der 5-Seen-Wanderung verbuchen konnte. Doch das will nichts heissen …

Diese gesunde Regenbogenforelle war der einzige Fang, den ich auf der 5-Seen-Wanderung verbuchen konnte. Doch das will nichts heissen …


Das war erst der Anfang …

Während man auf und um den Gotthardplatz problemlos zwei Wochen Ferien verbringen könnte­, – ein Stellplatz für Wohnmobile ist auf dem Pass übrigens vorhanden – hat man aber erst an der Oberfläche zu kratzen begonnen. Den Pass runter in Richtung Süden erreicht man zuerst Airolo und wenig später dann Piotta, den Startpunkt zum nächsten Tessin-Highlight: Mit der Standseilbahn oder dem Auto geht es hoch zum Lago Ritom, dem wohl bekanntesten Tessiner Stausee für kapitale Forellen. Jedes Jahr ziehen die Einheimischen hier um die Eröffnungstage Namaycush-Saiblinge nur knapp unter der Metermarke an Land. Und als wäre dies nicht Aussicht genug, warten in der näheren Umgebung gleich nochmals eine Handvoll Bergsee-Perlen darauf, um befischt zu werden. Diese zu entdecken, überlasse ich aber den Leserinnen und Lesern selbst. Enttäuscht wird man auf keinen Fall! 

 

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