Frühlings-Egli
29 | 04 | 2019 PraxisText & Fotos: Ivan Valetny 0637
29 | 04 | 2019 Praxis
Text & Fotos: Ivan Valetny 0 637

Frühlings-Egli

Der Frühling ist eine interessante Zeit, um auf Egli zu fischen. Die Laichzeit ist vorbei und jetzt sind auch die stattlichen Exemplare hungrig und ufernah unterwegs. Zudem gestaltet sich die Fischerei einfacher, da das Kraut noch nicht so hochgeschossen ist wie im Sommer. 
 

 
Viktor, Bryan und ich haben uns zu einer kleinen Tour am Nordufer des Bielersees verabredet. Um genauer zu sein, machen wir das Ufer von La Neuveville unsicher. Es ist ein sonniger Mittag und die Wassertemperatur ist schon seit knapp zwei Wochen um die 12 °C. Es hat viele Mücken in der Luft, zwar ein gutes Zeichen für die Unterwasserwelt, aber beim konzentrierten Fischen hinderlich.
 

Stelle um Stelle abklappern

Wir fischen jede Stelle ab, wo wir das Wasser erreichen können. Schon bald eröffnet Viktor mit einem stattlichen Egli auf einen kleinen, braunroten Gummifisch am Carolina-Rig. Die Anspannung beim Landen des Eglis mit deutlich über 30 cm ist bei uns allen spürbar. Nach diesem ersten Erfolg sind wir motiviert und auch deutlich ruhiger geworden. Wir werfen konsequent in jede mögliche Richtung und fischen mal auf zwei Meter, aber auch bis in Tiefen von zwölf Metern. Genau vorhersagen, wo Bisse kommen, kann man um diese Jahreszeit schlichtweg nicht. Und schliesslich gilt ja immer: Nur ein Köder im Wasser kann die Fische überhaupt finden und fangen.

Wir gehen einige Meter weiter, um es an der nächsten Stelle zu versuchen. Da wir unterschiedlich fischen, macht es auch Sinn, die Plätze zwischendurch auszutauschen.  

 Ein kleiner Gummifisch am Carolina-Rig ist ein erfolgreicher Köder für Frühlingsegli.

Ein kleiner Gummifisch am Carolina-Rig ist ein erfolgreicher Köder für Frühlingsegli.

In zehn Meter Tiefe spüre ich direkt beim Ankurbeln einen massiven Widerstand in der Rute. Der Fisch hat quasi auf voller Wurfdistanz gebissen. Da heisst es vorsichtig drillen. Der Fisch nimmt tatsächlich zwei Mal einige Meter Schnur. Viktor ist schon mit vollem Körpereinsatz dabei, den Fisch unter dem Geländer zu feumern. Der Egli hat den Köder voll inhaliert. Ein stattliches Exemplar ist nun auch auf meinem Konto. Jetzt fehlt noch Bryan. Keine Minute später hat auch er eine krumme Rute. Wieder ein schönes Exemplar! Die ersten Fische haben auf unterschiedlichen Carolina-Rig-Varianten gebissen. Mal mit kleinen braunen
Ködern von 5 cm Länge, mal mit 80 cm langem Vorfach, mal auf dunkelgrünem 7 cm Slittail-Gummifisch am 15 Gramm-Carolina-Blei mit 50 cm Vorfachlänge sowie auch auf hellbraunem Gummi an der Seitenarm-Montage (siehe «Petri-Heil» 7/8 2018). 

Nun haben wir alle erfolgreich eröffnet und versuchen es natürlich noch etwas weiter. Nach einer Weile habe ich einen Fehlbiss im Flachwasser. Ich lasse den Köder nochmals absinken und kurble erneut, mache eine lange Pause von einigen Sekunden und da spüre ich erneut ein Tock. Anschlag, und der Fisch hängt!

Nach einem kurzen, aber kämpferischen Drill ist auch dieser Stachelritter gelandet. Nun gehen wir zufrieden auf den Heimweg; alle Egli, die wir gefangen haben, waren um die 35 cm, da kann man sich wirklich nicht beschweren!
 

Wassertemperatur & Laichzeit

Die Egli laichen zwischen März und April, wenn die Wassertemperatur zwischen 7 und 8 °C beträgt. In dieser Zeit haben die Egli, insbesondere die Weibchen, eine Beisshemmung und zudem lassen wir sie in dieser Phase auch aus Prinzip in Ruhe. Bei uns am Bielersee ist für mich die Wassertemperatur ein wichtiger Indikator für die Eglifischerei. Ist die Wassertemperatur auf 12 °C geklettert, fange ich die Egli regelmässig und man kann davon ausgehen, dass sie ihr Laichgeschäft abgeschlossen haben.  

Als erstes sind die grössten Egli am Laichen, erst Wochen später sind dann auch die kleineren Egli im Flachwasser anzutreffen. Man fängt also zuerst eher weniger Exemplare, dafür aber umso grös­sere. Das macht die Fischerei auf Frühlingsegli umso schwieriger, gleichzeitig aber doch lohnenswert. Da man nur wenige Bisse an einem Tag hat, muss man einige Zeit investieren, um den Dreh rauszubekommen.

Nicht an jeder Stelle sind Egli überhaupt anzutreffen, und wenn doch, dann sind es meistens nur wenige. Gezielte Eglifänge verzeichne ich, je nach Jahr, frühestens ab April. Jetzt im Mai kann ich schon zuverlässiger damit rechnen.

 Die Rute krumm und ein Lächeln auf den Lippen.

Die Rute krumm und ein Lächeln auf den Lippen.

 Das erste Egli unserer Tour ist erfolgreich gelandet.

Das erste Egli unserer Tour ist erfolgreich gelandet.

 Die Stichlinge breiten sich auch am Bielersee aus.

Die Stichlinge breiten sich auch am Bielersee aus.

 Diese Ausbeute darf sich sehen lassen.

Diese Ausbeute darf sich sehen lassen.

Ob ein Egli abgelaicht hat, erkennt man am Bauch. Wenn man bei einem Weibchen leichten Druck auf den Bauch ausübt und er weich ist, haben sie abgelaicht. Die Männchen produzieren auch nach dem Laichgeschäft noch eine Weile Milch in ihren Gonaden, welche beim Druck auf den Bauch austritt. Deshalb kann man nur bei den Weibchen eindeutig bestimmen, ob sie mit dem Laichgeschäft durch sind.

Wenn man die Egli entnimmt und sie ausnimmt, dann den Eiersack aufschneidet und er klein, dunkelrosa und frei von gelben Eiern ist, kann man sich absolut sicher sein. Dies habe ich für diese Reportage auch getan, um es zu veranschaulichen.

Dabei habe ich auch festgestellt, dass die Egli Stichlinge im Magen hatten. Was ungewöhnlich ist, da diese Fischart im Bielersee früher kaum vorhanden war. Ab diesem Jahr sind sie überall anzutreffen. Das könnte zu einer Plage werden, wie an anderen Gewässern auch in der Schweiz. Somit ist aber auch der Mythos, dass kein Fisch Stichlinge frisst, einmal mehr widerlegt.

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