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| 10 | 06 | 2026 | Praxis | |
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Sidy Ouattara sucht vor und nach der Laichzeit gezielt nach grossen Flachwasser-Hechten. Wie sie sich vor und nach dem Laichgeschäft im Flachen am besten überlisten lassen, verrät er hier.
Während der wärmeren Jahreszeit widme ich den Grossteil meiner Zeit den Egli. Wenn unsere gestreiften Freunde jedoch noch zu tief stehen, um gefangen zu werden, befinden sich die Hechte oft bereits im Flachen. Was steckt dahinter, dass der Hecht Jahr für Jahr in die Untiefen oder Ufernähe zieht? Warum verhält er sich in dieser Zeit so? Diese Phase – etwa von Februar bis spätestens Juni – nutze ich gezielt, um mein Glück auf Hecht in den Flachwasserzonen unserer grossen Voralpenseen zu versuchen.
In den Köpfen vieler Schweizer Fischer ist noch immer verankert, dass erfolgreiches Hechtfischen vor allem mit Gummifischen an der Kante stattfindet. Auch ich habe früher viel Zeit damit verbracht – meist in der Hoffnung auf den Ausnahmefisch, sprich: die Nadel im Heuhaufen.
Natürlich werden auch an der Kante grosse Hechte gefangen. Doch wenn man bedenkt, wie viele grosse Fische sich zu bestimmten Zeiten vorwiegend im Flachen aufhalten, wird schnell klar: Das Potenzial dieser Zonen ist dann enorm. Das bedeutet nicht, dass sie dort einfacher zu fangen sind – aber das zu befischende Wasservolumen ist dann deutlich kleiner als in der restlichen Zeit des Jahres. Bilder und Videos aus Skandinavien zeigen regelmässig solche grossen Hechte aus flachen Stellen. Was viele nicht wissen: Das funktioniert bei uns genauso!
In unseren grossen Voralpenseen finden sich oft bereits ab Februar – noch vor der Schonzeit – erste Hechte in den Übergangsbereichen zwischen krautigem Flachwasser und steil abfallenden Kanten ein. In der Fischzucht spricht man häufig von etwa 8 Grad Wassertemperatur als Auslöser für das Laichgeschäft vieler Fischarten. Natürlich ist das kein fixer Wert: Region, Gewässertyp und Fischbestände spielen eine Rolle. Zudem laichen nicht alle Tiere gleichzeitig – Zeitfenster von vier bis sechs Wochen sind durchaus üblich und werden durch den Klimawandel eher noch ausgeweitet. Die Schonzeiten vieler Gewässer könnte man daher infrage stellen und überdenken.
Während des eigentlichen Laichgeschäfts stellen Hechte die Nahrungsaufnahme weitgehend ein. Das bedeutet für uns: Die Phase davor – der sogenannte Prespawn – ist oft besonders interessant. Die Fische sind hungrig und nehmen viel Nahrung auf, um Energie für die Fortpflanzung zu gewinnen. Auch kurz nach dem Laichen müssen die Fische rasch wieder Energie aufbauen und zu Kräften kommen. Mit steigender Wassertemperatur kehren auch die Beutefische in die flachen Zonen zurück. Gleichzeitig halten sich nach ihrem Laichgeschäft auch noch Milchner im Flachen auf – alles willkommene Beute für die ausgeschossenen grossen Hechtdamen.
Vor der Laich- beziehungsweise Schonzeit setze ich bevorzugt auf mittelgrosse bis grössere Köder mit eher ruhigem, monotonem Laufverhalten. Die Farben wähle ich natürlich: grünlich, bräunlich oder leicht golden. Oft gilt in dieser Phase: weniger ist mehr. Nach dem Laichgeschäft wird es dynamischer. Die steigenden Temperaturen machen die Hechte aktiver. Aggressiv geführte Jerkbaits, die von links nach rechts ausbrechen, sind dann oft eine sichere Wahl. Auch druckvolle Köder wie Spinnerbaits oder Chatterbaits, die sich gut im Kraut fischen lassen, bringen Erfolg. Wenn ich Gummifische einsetze, greife ich weiterhin bevorzugt zu natürlichen, grünen Dekoren.
In meiner Tacklebox befinden sich hauptsächlich Köder zwischen 16 und 24 Zentimetern. Dabei fallen meine Jerkbaits tendenziell etwas kleiner aus als die Gummis. Farblich setze ich auf Braun, Grün, Gold und Motoroil – alles für mich bewährte Klassiker im Flachwasser. Natürlich gilt auch hier: Jedes Gewässer ist anders, und Deine eigenen Erfahrungen zählen am meisten.
Aus meinem Arsenal kommen hauptsächlich zwei Combos zum Einsatz. Für schwerere und langsam geführte Köder verwende ich eine kräftige Combo mit einer Megabass Destroyer Casino (bis 168?g Wurfgewicht) und einer Daiwa Ryoga, bespult mit 0,24er-Geflechtschnur. Diese Kombi hat für mich die nötige Power für grosse Fische.
Für leichtere und bewegtere Techniken setze ich auf eine leichtere Combo mit einer 90-g-Rute von Abu Garcia, kombiniert mit einer Shimano Calcutta Conquest. Hier reicht mir eine 0,20er- bis 0,22er-Geflochtene als Hauptschnur aus.
Beim Vorfach setze ich konsequent auf 1 mm Fluorocarbon. Alles darunter ist aus meiner Sicht nicht zuverlässig hechtsicher. Ich habe selbst erlebt, wie auch 0,8er- oder 0,9er-Vorfächer überraschend schnell durchgebissen werden können.
Bedecktes Wetter ist beim Hechtfischen oft von Vorteil. Besonders spannend wird es bei wechselnden Lichtverhältnissen, etwa dann, wenn Wolken durchziehen. Der Hecht ist ein Lauerjäger und will nicht erkannt werden. Bei solchen Lichtwechseln verschmilzt er förmlich mit dem Kraut. An Tagen mit häufigen Wechseln zwischen Sonne und Wolken entstehen oft mehrere Beissphasen. Die Fische reagieren sensibel auf diese Veränderungen. Es lohnt sich, auf die Lichtverhältnisse und Bewölkung zu achten und herauszufinden, ob die eigenen Fänge mit solchen Momenten zusammenfallen. Wenn keine ausgeprägten Lichtwechsel stattfinden, konzentriere ich mich besonders auf die Dämmerungsphasen am Morgen und Abend.
Kaum etwas reizt Raubfische so stark wie harte, kurze Impulse in die lockere Schnur. Fische nehmen über ihr Seitenlinienorgan feinste Druck- und Bewegungsreize wahr – beim Hecht ist dies besonders ausgeprägt. Gezielte Schläge in die lose Schnur erzeugen starke Reize, die oft Aggressionsbisse auslösen. Gerade bei unentschlossenen Fischen kann das den Unterschied machen. Ich habe diese Technik längst in meine Routine integriert und konnte damit schon viele Extrafische überlisten.
Das Fischen im Flachwasser ist selten ein Selbstläufer. Umso wichtiger ist es, konzentriert zu bleiben und konsequent weiterzufischen. Viele Würfe, wenig Ablenkung – der Biss kann jederzeit kommen. Hechte folgen Ködern auch oft mehrmals, bevor sie zupacken. Manchmal braucht es einfach mehrere Versuche – deshalb: bis zum letzten Wurf daran glauben.
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