Fischen im April
01 | 04 | 2019 Schweiz | PraxisText & Fotos: Daniel Luther 01596
01 | 04 | 2019 Schweiz | Praxis
Text & Fotos: Daniel Luther 0 1596

Fischen im April

Der April kann eine launische Diva sein. Am Morgen noch betrübt und trist, am Mittag plötzlich freundlich mild, am Abend wieder frostig kalt und abweisend. Eine stressige Achterbahnfahrt für wechselwarme Wesen. Fischen im April ist deshalb nicht zu unterschätzen.

Im April ist das Fischen vielerorts anspruchsvoll und die Pirsch auf die Beilagen ist oft einfacher und eine reizvolle Abwechslung, wenn partout nichts beissen will. Wer Wildkräutergern hat, kommt nun voll auf seine Kosten: Die jungen Blätter von Löwenzahn, Schafgarbe, Vogelmiere und Gundelrebe sind knackig zart und voller Geschmack. Im Wasser bieten nun vor allem zwei Fischarten eine interessante Fischerei. Die Felche und die Bachforelle. Die eine auf dem See, die andere in den Bächen. Wer sogar am Bach den April-Slam schafft – Forelleund Morchelan einem Tag – der darf sich auf jeden Fall etwas darauf einbilden!
 

Fischen im April – Felchen

Was sind das da für Schatten? Es ist in der Regel ein Apriltag, wenn in flachen Buchten plötzlich Felchen auftauchen und sich die silbernen Bäuche mit Larven und Flohkrebsen vollschlagen. Falls es klar genug ist, kann man ihnen dabei zusehen. Es ist ein Verhalten, das in vielen Schweizer Seen zu beobachten ist, sobald das Wasser um die zehn Grad warm wird. Für manche Coregonenfans ist das der Höhepunkt der Saison. Vollpackungen sind selten, doch dafür stehen die Chancen auf richtig grosse Fische gut. Und auf Adrenalin! Der Drill in wenigen Metern Wassertiefe ist spektakulär, weil die Fische weite Fluchten machen oder sofort an die Oberfläche kommen. Noch mehr Action an der Hegenenrute liefert höchstens eine grosse Seeforelle. Und auch das ist gar nicht so selten in dieser Konstellation. Am Vierwaldstättersee befischen Spezialisten die Felchen im April sogar mit der Trockenfliege. Diese manchmal mehrere Wochen dauernde Phase ist auch eine attraktive Möglichkeit für Uferfischer. Neben der Hegene am «Felchenfühler» funktioniert auch ein Mistwurm oder eine Made am Grund. Und genauso überraschend, wie sie aufgetaucht sind, verschwinden die Schatten auch wieder. Entweder, weil trübes Hochwasser ihre Sicht behindert, oder weil es ihnen im Flachen zu badewarm wird.
 

 Attraktion im April: Grosse Felchen in Ufernähe. © Daniel Luther

Attraktion im April: Grosse Felchen in Ufernähe. © Daniel Luther

 
Fischen im April – Bachforellen

Temperatur ist auch ein entscheidender Faktor, wenn wir uns mit der Bachforelle beschäftigen. In den schneewasserkalten Bächen und Flüssen der Voralpen wird die Frühlingsfischerei mit jedem zusätzlichen Grad interessanter. Während die Fische im März meist träge am Grund oder in ihren Verstecken ruhen und tagelang nichts fressen, geschweige denn auf einen Köder reagieren, kehrt im April ihre Lebensfreude zurück. Der Stoffwechsel kommt in Schwung, der Hunger erwacht. Wenn jetzt das Fischli nah genug am Unterstand vorbeitreibt oder der Spinner genügend nervt …

Auch Fliegenfischer dürfen auf die Bisse hoffen, wenn sie es schaffen, ihre Nymphe knapp über Grund zu servieren und die zaghaften Bisse zu erkennen. Der April ist aber fürs Fischen oft auch ein Spielverderber: In vielen Gewässern bedeutet die erste längere Wärmephase das Ende der Frühlingsfischerei. Eiskaltes Schmelzwasser dreht die biologische Uhr wieder weit zurück, manchmal monatelang.
 

Laicher – bitte in Ruhe lassen

Die Kraft der Frühlingssonne lässt die Hormone über und unter Wasser munter sprudeln. Die Liste der Fischhochzeiten im April ist entsprechend lang: Hecht, Egli, Zander, Brachsmen, Alet, Hasel, Läugel, Elritzen, Groppen und die prächtig gefärbten Äschen sind im Ausnahmezustand. Während einige Fische so leidenschaftlich fokussiert sind auf die Arterhaltung, dass sie alle fischereilichen Anstrengungen ignorieren, gibt es einige, denen zeitweise alle Sicherungen durchbrennen. Man könnte es für einen Aprilscherz halten: Brachsmen attackieren Spinner und Twister, Läugel beissen auf blanke Haken, und der sonst so misstrauische Aletstürzt sich wie ein Berserker auf den Seeforellenwobbler. Die legendäre «Beissfreude» des Zanders im Frühling dient allerdings der Verteidigung des Nachwuchses. Für einen vernünftigen Sportfischer ist es selbstverständlich, dass er diese Situation nicht kaltherzig ausnutzt. Für alle anderen gibt es halt Schonzeiten.

Apropos Schonzeiten: Bei den jüngeren Petrijünger hat man manchmal das Gefühl, dass sie ganz froh sind über die diversen Einschränkungen ihres Hobbys zu dieser Jahreszeit. Es lockt attraktiveres Jagdglück. Deshalb für einmal viel Vergnügen am Wasser und an Land …

0 Kommentare


Keine Kommentare (Kommentare erscheinen erst nach unserer Freigabe)


Schreibe einen Kommentar:

Zurück zur Übersicht

Das könnte Dich auch interessieren: