Erfolgreich auf Seeforellen vom Ufer
27 | 03 | 2019 PraxisText & Fotos: Daniel Luther 01553
27 | 03 | 2019 Praxis
Text & Fotos: Daniel Luther 0 1553

Erfolgreich auf Seeforellen vom Ufer

Suchen, finden & verführen

Auch in unserer dicht besiedelten und durch­strukturierten Schweiz gibt es noch Abenteuer. Zu ihnen gehört die Jagd auf die wilde Königin unserer grossen Seen. Uferfischen auf See­forellen ist eine Achter­bahnfahrt der Gefühle, Frust und Er­lösung, Zen und Action. Unverpassbar!

Die wärmenden Strahlen der Aprilsonne haben den Schwarm an die Oberfläche gelockt. Hunderte von fingerlangen Fischchen ziehen langsam dem Ufer entlang und steigen eifrig nach Zuckmücken und kleinen Eintagsfliegen. Die Ringe und Spritzer der Läugel und Schwalen sind unübersehbar. Dieses auffällige Treiben weckt auch das Interesse von Beobachtern unter dem Wasserspiegel. Ein Trupp Seeforellen entdeckt auf seiner ruhelosen Patrouille am Fuss des steilen Geröllhangs das Blitzen und Funkeln. Sie nähern sich ihren ahnungslosen Opfern in einem weiten Bogen und nutzen dabei geschickt die veralgten Felsen als Deckung. Plötzlich löst sich einer der dunklen Schatten vom Seegrund, beschleunigt blitzschnell und knallt mit voller Wucht mitten ins Gewimmel. Die Seeforelle schnappt nach allem, was sich bewegt und schlägt wild mit ihrer Schwanzflosse um sich. Wer in diesem Moment auf den See hinausschaut, sieht silberne Leiber, die panisch aus dem Wasser springen und einen rauschenden Schwall, als der breite Rücken der Angreiferin die Oberfläche durchbricht. Ein halbes Dutzend Lauben taumeln betäubt und verletzt in die Tiefe. Die dunklen Blitze kehren zurück und ernten die Früchte ihres Terrors.
  

Die Methode

Mit solchen Visualisierungen versuche ich während der vielen Stunden, in denen sich nichts und niemand für meinen Köder interessiert, konzentriert zu bleiben. Und seit einigen Jahren helfen mir diese Bilder auch dabei, die nötige Geduld zu entwickeln für die fängigste Methode, mit der man vom Ufer aus Seeforellen suchen, finden und verführen kann. Sie nutzt das Jagdverhalten der Seeforelle konsequent aus. 

Die Methode ist nicht beschränkt auf einen speziellen Köder oder eine einzigartige Montage. Sie funktioniert mit verschiedenen Ködertypen und rund um die Saison. Ich nenne sie den «Flatterfall». 
 

Der Schlüsselreiz

Mir ist nach langen mageren Jahren als Uferfischer klar geworden, dass ich Köder und Techniken finden musste, die sich deutlich unterscheiden von dem, was die Schleppfischer den Forellen in zehnfacher Ausführung servieren. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass sie dieses Menü mehr als einmal gesehen haben und gelangweilt oder gar misstrauisch sind. Also keine Löffel und keine Fischli am System, oder dann ganz anders präsentiert. Als Uferfischer muss man seine wenigen Vorteile nutzen. Das sind: Unauffälligkeit am Wasser und vor allem attraktive Führung. 

Mit dieser Logik setzte ich auf Spinner, Twister, Gummifische, auf Streamer, Nymphen und Trockenfliegen. Dann kamen die japanischen Zauberwobbler, und ich war so fasziniert von ihrer Aktion und den unendlichen Möglichkeiten, dass ich fantasierte, die Uferfischerei würde bald das Schleiken überflügeln. Noch ist es nicht soweit, aber …

Mit all den fängigen neuen Führungs­stilen, die japanische High-Tech-Köderschmieden mit ihren innovativen Designs ermöglichten, kam auch einer zu uns, der die Uferfischerei auf Seeforellen revolutioniert hat. Ich meine damit den «Wandering Fall», der den Wander von Lucky Craft zur heute nicht mehr ganz so geheimen Geheimwaffe machte. Dieser Wobbler ohne Tauchschaufel sinkt perfekt horizontal ab und flattert dabei aufreizend. Bereits ein sanftes Twitchen lässt ihn ausbrechen. Mit etwas Rhythmusgefühl kann man ihn auch mühelos durchs Wasser «walken». Anfangs war ich überfordert mit all den Optionen und Finessen. Ich konzentrierte mich zu sehr aufs kunstvolle Führen und nutzte dabei die attraktivste Eigenschaft des Wander zu wenig konsequent.
 

Die perfekte Show

Der Wander liefert nämlich die perfekte Seeforellen-Show, wenn man ihn einfach machen lässt. Sein flatterndes, taumelndes Nahtodschauspiel ist einer der wirkungsvollsten Trigger überhaupt, um eine Räuberattacke zu provozieren. Die eigentliche Kunst besteht darin, dem Köder geduldig die Bühne für seine Schauspielkunst zu bieten. Und dann bereit zu sein, wenn das Zielpublikum auf die Darbietung hereinfällt und begeistert zupackt.

Bis zu dieser Erkenntnis habe ich etwas lange gebraucht, aber immerhin ist es noch vor der Pensionierung gelungen.

Als Bonus zur ziemlich tödlichen Präsentation bringt der Wander weitere wichtige Vorteile für die Seeforellen-Pirsch: 

  • Der schaufellose, aerodynamische Köder lässt sich weit werfen.
  • Mit der nötigen Geduld kann man Tiefen bis zu zehn Meter effektiv absuchen. 
  • Die fängigste Führung ist einfach und weit weniger anstrengend als aktives Twitchen oder pausenloses schnelles Einkurbeln. Das bedeutet mehr Ausdauer und Konzentration, also mehr Zeit, in der unser Köder im Wasser ist und dabei etwas Fängiges tut!
     
 Fängig, wenn man ihnen ihren Lauf lässt (v. l.): Storm So Run Sinking Pencil 80, Lucky Craft Wander 95, Smith Cherry Blood 90, Illex Water Monitor 95, Storm Flutter Stick 100. © Daniel Luther

Fängig, wenn man ihnen ihren Lauf lässt (v. l.): Storm So Run Sinking Pencil 80, Lucky Craft Wander 95, Smith Cherry Blood 90, Illex Water Monitor 95, Storm Flutter Stick 100. © Daniel Luther

 Was Meer­forellen erregt, funktioniert auch im See: Falkfish Spöket, SavageGear Horny Herring, Smith Troutin Surger, Westin SeaTrout. © Daniel Luther

Was Meer­forellen erregt, funktioniert auch im See: Falkfish Spöket, SavageGear Horny Herring, Smith Troutin Surger, Westin SeaTrout. © Daniel Luther

 Fängige Flatterer: Torpedo Nr. 0, Indilure Toby 12 Gramm, Snaps 20 Gramm, Perlmutt Toby 18 Gramm, Fat Brown Alder Spoon (April, April!). © Daniel Luther

Fängige Flatterer: Torpedo Nr. 0, Indilure Toby 12 Gramm, Snaps 20 Gramm, Perlmutt Toby 18 Gramm, Fat Brown Alder Spoon (April, April!). © Daniel Luther

 
Köder mit Schauspieltalent

Sobald mir der Schlüsselreiz des «Flatterfalls» bewusst war, begann ich diese Eigen­schaft auch in anderen Ködern zu erkennen. 

Stickbaits     Der LC Wander in natürlichen Seeforellenfarben ist leider eine Rarität geworden. Glücklicherweise gibt es mittlerweile eine Handvoll gleichwertige Kopien. 
Seiji Kato, der geniale Erfinder des Wander, hat uns mit dem Illex Water Monitor und dem Storm Flutter Stick zwei weitere Köder geschenkt, die den «Wandering Fall» perfekt beherrschen. Ein anderes Modell, das in dieser Liga der Stickbaits oder Sinking Pencils mitspielen darf, ist der Smith Cherry Blood. 

Küstenwobbler     Diese Kunstköder nutzen die Erfahrung, dass Meerforellen und viele andere Meeresräuber eine Schwäche haben für Sandaale, die bei Gefahr zum Grund flattern und sich eingraben. 
Ein sehr populäres Modell ist der Falkfish Spöket. In meinen Augen die überzeugendste Version dieses Designs ist der Horny Herring von SavageGear.
Der Troutin Surger der japanischen Firma Smith gehört auch in diese Kategorie. Er liefert eine artistische Flatternummer, wie sie nur die japanischen Tüftler hinkriegen.

Löffelblinker     Zu den traditionell erfolgreichsten Seeforellenködern an Schweizer Seen gehören der Mozzi, der Torpedo und der Toby. Nach meiner «Erleuchtung» war mir klarer, weshalb. Ein Faktor sind die guten Wurfeigenschaften, der zweite ihr attraktives Verhalten beim Absinken. Sie flattern alle wunderbar, wenn man sie lässt. Die perfekte Kombination von Reichweite und fängigem Flatterfall bietet der Gladsax Snaps, ein schwedischer Meerforellenköder.
 

 Ein «Sonntagsfisch» des Autors. Beim siebten Wurf nach dem Fotografieren der Köder gefangen. Realistischerweise braucht es eher 700 Würfe. © Annalea Luther

Ein «Sonntagsfisch» des Autors. Beim siebten Wurf nach dem Fotografieren der Köder gefangen. Realistischerweise braucht es eher 700 Würfe. © Annalea Luther

«Als Uferfischer muss man seine wenigen Vorteile nutzen. Das sind Unauffälligkeit und vor allem attraktive Führung.»
Daniel Luther

 
Führungsqualitäten

Geduld und Vertrauen. Das sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren für diese Technik.

Im Detail sieht das etwa so aus: Ich werfe so weit wie möglich aus, straffe den Schnurbogen, um leichten Kontakt herzustellen und lasse den Köder sinken. Und sinken. Und sinken. Um ein Gefühl zu entwickeln für die Tiefe, zähle ich mit. Manchmal bis 100. Dann bin ich mit dem Wander auf etwa zehn Meter unten, mit dem Snaps mehr als doppelt so tief. 

Nun beschleunige ich den Köder mit einer oder zwei Kurbelumdrehungen, die Rute bewege ich dabei kaum. Die Rutenspitze bleibt etwa auf Augenhöhe, damit ich die Schnur im Blick behalte. Wieder lasse ich den Köder eins, zwei…, zehn, elf fallen. Die fängigen Zahlenkombinationen gilt es jeden Tag herauszufinden. Je länger der Köder sinkend und flatternd unterwegs ist, desto besser.

Und wenn jetzt jemand an das Faulenzen mit Gummifischen denkt: Das ist selbstverständlich auch mein Ausgangspunkt. Mit dem Unterschied, dass der Köder kaum einmal den Grund berührt. Doch das Erfolgsprinzip der kontrollierten Absinkphase ist auch hier entscheidend. Der Unterschied: Der Schlüsselreiz ist nicht der Moment, wo der Köder scheinbar in ein Versteck am Grund flüchtet, und die Attacken auf den Köder sind viel heftiger als beim Zanderfischen. Kein zaghaftes Toc, sondern Whammmmm!
  

Das passende Gerät

Die Rute sollte lang genug sein für eine befriedigende Wurfweite, so leicht, dass man damit stundenlang fischen kann und so straff, dass ein Anhieb auch auf 50 Meter Distanz sitzt. Mein Favorit sind semiparabolische Ruten von 240 bis 270 Zentimeter Länge mit Wurfgewichten von 20 bis 50 Gramm. Dazu passt eine hochwertige 2000er-Rolle, die rund läuft und geflochtene Schnur gleichmässig verlegt. 

Ich verwende 0,12er-Fireline oder Spiderwire, weil ich damit weit werfen kann. Für eine perfekte Fallphase wäre 0,20er- oder 0,25er-Schnur wahrscheinlich noch besser. Mit einem zwei bis drei Meter langen 0,30er-Vorfach aus transparentem Nylon wie Glardon-Stucki-Fighter oder DAM Tectan erreiche ich dennoch einen leicht abgebremsten, harmonischen Fall und habe beruhigende Reserven für den Drill einer grossen, wilden Forelle. 
 

 Umso intensiver die Freude, wenn es gelingt ... © Daniel Luther

Umso intensiver die Freude, wenn es gelingt ... © Daniel Luther

«Ein, zwei schöne Fische pro Saison sind in unserem Land auch für erfah­rene Ufer­fischer ein Grund zur Zufriedenheit.»
Daniel Luther

 
Gedanken über das Uferfischen

Die Gewissheit, mit einer effektiven Methode zu fischen, ist wertvoll, doch realistischerweise sind es die natürlichen Rahmenbedingungen, die unser Fangglück definieren. In Teilen Skandinaviens, Nordamerikas oder Nordasiens kann ein geschickter Petrijünger jeden Tag Dutzende schöner Forellen fangen, bei uns ist das selbst an perfekten Tagen nicht mehr möglich. Seeforellen sind selten. Selbst in einem «guten» See leben pro Hektar maximal ein, zwei Fische im fangfähigen Alter. Wer die Fangstatistiken (www.fischerei­statistik.ch) studiert, stellt fest, dass in den meisten Schweizer Seen weniger als tausend Seeforellen pro Jahr von Sportfischern gefangen werden. Der grösste Teil davon beim Schleppfischen.

Fazit: Ein, zwei schöne Fische pro Saison sind in unserem Land auch für erfahrene Uferfischer ein Grund zur Zufriedenheit.

Ich möchte ehrlich sein: Es braucht an neun von zehn Tagen viel Ausdauer, um Glück zu haben. So etwas wie eine Fanggarantie gibt es bei dieser Fischerei nicht. Eine Garantie für intensive Fischertage schon.

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