Eiskalte Jagd auf dicke Egli
11 | 01 | 2019 PraxisText & Fotos: Christopher Görg 01839
11 | 01 | 2019 Praxis
Text & Fotos: Christopher Görg 0 1839

Eiskalte Jagd auf dicke Egli

Statt im Winter in den warmen vier Wänden zu sitzen, zieht es Christopher Görg auch bei Minusgraden raus ans Wasser. Der Raubfisch-Spezi verrät seine Erfolgsstrategien beim Eglifischen an grossen Seen.

Draussen ist es ungemütlich. Seit einigen Tagen befindet sich das Quecksilber des Thermometers im Minusbereich. Während die kleinen Gewässer bereits von einer dünnen Eisschicht versiegelt sind, hat sich auf den grossen Naturseen bisher nur wenig Rand-Eis gebildet. Hier ist das Fischen trotz der Kälte weiterhin möglich. Viele Fischer lassen sich jedoch von den Witterungsbedingungen abschrecken und bleiben lieber zu Hause. Dabei kann es sich auch jetzt lohnen, ans Wasser zu gehen. Vor allem auf grosse Egli kann man auch im tiefsten Winter gut fischen.
 

Grosse Herausforderung

Der Vorteil von grösseren Seen ist, dass oft ein guter Bestand an stattlichen Egli vorhanden ist. Nachteilig ist jedoch, dass die enorme Wasserfläche den Fischen zahlreiche Aufenthaltsmöglichkeiten bietet, was die Suche nach guten Plätzen schwierig gestaltet. Vor allem im Winter, wenn sich die Fische an wenigen Stellen des Gewässers geballt auf kleiner Fläche versammeln, ist das Finden dieser Standorte eine grosse Herausforderung. Selbst wenn in den warmen Monaten an einem Gewässer gute Fangergebnisse erzielt wurden, scheint jetzt auf den ersten Blick das Gewässer wie fischleer zu sein. Doch wenn einige Dinge beachtet werden und Ausdauer bewiesen wird, sind auf den zweiten Blick doch einige hungrige Egli im kalten Wasser zu finden.
 

Vom Ufer ohne Hilfsmittel

Das Uferfischen auf Egli im Winter gehört sicher zu den schwierigen Disziplinen. Der Fischer kann an einem Grossgewässer zu Fuss nicht alle Hotspots erreichen und muss auf technische Hilfsmittel wie ein Echolot verzichten. Ausserdem ist der Wechsel zwischen den verschiedenen Stellen mühevoll und kostet oft wertvolle Zeit. Um eine realistische Chance auf den Fang von Winteregli zu haben, sollten keine unbekannten Gewässer aufgesucht werden. Die Wahrscheinlichkeit, im Winter an einem grossen unbekannten See vom Ufer aus Plätze zu finden, an denen sich die Egli aufhalten, ist gering. Die bedeutend bessere Wahl ist, an einem bekannten Gewässer zu fischen. Tiefe Bereiche und sonstige Hotspots in Ufernähe sind hier schon bekannt.

Es können gleich gezielt potenzielle Fangplätze wie steil abfallende Scharkanten, Rinnen, Plateaus oder ähnliche Bodenstrukturen aufgesucht werden. An diesen Plätzen halten sich meist auch ein paar gestreifte Stachelflosser auf.
 

 Wer die Hotspots kennt, fängt im Winter schöne Egli.

Wer die Hotspots kennt, fängt im Winter schöne Egli.

 Das Echolot zeigt es an: Diese Kante ist sicher gut für einen gestreiften Räuber, denn zahlreiche Futterfische halten sich hier auf.

Das Echolot zeigt es an: Diese Kante ist sicher gut für einen gestreiften Räuber, denn zahlreiche Futterfische halten sich hier auf.

 Beim Vertikalfischen wird der Köder direkt neben dem Boot geführt. In den Wintermonaten empfiehlt sich eine langsame Köderpräsentation.

Beim Vertikalfischen wird der Köder direkt neben dem Boot geführt. In den Wintermonaten empfiehlt sich eine langsame Köderpräsentation.

 
Futterfische finden

Fast schon ein Garant für den Aufenthalt von Egli sind grosse Futterfischschwärme. In den Abendstunden kommt es des Öfteren vor, dass sich sogar bei Minusgraden die Weissfische an der Wasseroberfläche zeigen. Aber auch fischfressende Wasservögel, wie Haubentaucher oder zufällig gehakte Kleinfische weisen auf eine Futterfisch­Ansammlung hin. Weitere erfolgversprechende Stellen sind Plätze, an denen Spaziergänger die Wasservögel regelmässig mit Brot füttern. Ist dieser Spot tief genug, locken die zum Grund sinkenden Brotflocken meist auch die Weissfische an. Das wiederum veranlasst die Egli, sich ebenfalls an diesem Platz einzufinden.

Bleiben an einem Platz die Bisse aus, ist es wichtig, nicht zu lange an diesem Spot zu verweilen. Sind nämlich aktive Egli anwesend, lassen auch die Bisse meist nicht lange auf sich warten.

Die bessere Variante ist es, in kurzer Zeit mehrere Spots aufzusuchen, um die Egli ausfindig zu machen. Sollten an einem ehemals guten Platz vorerst die Bisse ausbleiben, kann es sich lohnen, diesen ein paar Stunden später nochmals aufzusuchen. Manchmal sind die Egli dann anwesend und bissig.
 

Gejiggte Gummis vom Ufer

Gejiggte Gummifische eignen sich am besten, um Winteregli vom Ufer aus zu befischen. Das Gewicht des Jigkopfs lässt weite Würfe zu. Gerade beim Fischen vom Ufer aus kann eine grosse Wurfdistanz wichtig sein. Auch lässt sich mit einem gejiggten Gummifisch – im Vergleich zu Dropshot- oder Carolina-Rig – in kurzer Zeit eine relativ grosse Wasserfläche abfischen.

Im Winter, wenn die Fische aufgrund der geringen Wassertemperatur lethargisch sind, darf die Absinkphase des Köders nicht zu schnell sein. Nach dem Auswerfen soll der Gummifisch in kurzer Zeit den Gewässergrund erreichen, beim Jiggen aber nicht sofort zu Boden stürzen. Es muss ein wenig experimentiert werden, um für die verschiedenen Tiefen das passende Bleigewicht zu finden.
 

Moderne Technik im Boot

Ein Boot bietet dem Fischer nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, was die Platzwahl und die Köderpräsentation betrifft. Durch die Verwendung eines Echolots können potenzielle Fangplätze schnell erkannt werden. Ein GPS-Gerät oder eine gesetzte Markierboje sorgen dafür, dass man gute Spots auch an unübersichtlichen Gewässern schnell wiederfinden kann. Natürlich ist auch die Benutzung eines Boots kein Garant für den Fangerfolg. Auch hier müssen mühevoll Plätze gesucht werden, an denen auch tatsächlich Egli anzutreffen sind.

Um aktive Egli zu finden, kommt auch beim Bootsfischen ein Gummifisch ans Ende der Schnur. Der Einsatz und die Führung unterscheiden sich nicht vom Uferfischen. Scharkanten sollten jedoch immer so befischt werden, dass der Gummiköder die Kante nach unten absucht. Leichte Zupfer mit der Rute reichen aus, um den Gummifisch die Kante hinunterschwimmen zu lassen. Wenn an einer Stelle nach den ersten Bissen weitere Egli-Aktivitäten ausbleiben, lohnt es sich, die Methode zu ändern.
 

 Steganlagen sind im Winter immer einen Versuch wert.

Steganlagen sind im Winter immer einen Versuch wert.

 Christopher Görg hat sich fürs Durchhalten in der Kälte eine dicke (Egli-) Belohnung abgeholt.

Christopher Görg hat sich fürs Durchhalten in der Kälte eine dicke (Egli-) Belohnung abgeholt.

 
Vertikal zum Egli

Das Vertikalfischen bringt oft noch weitere Egli an den Haken, die den gejiggten Köder vorher ignoriert haben. Der Köderlauf unterscheidet sich insofern vom normalen Jiggen, als der Köder vertikal viel langsamer bewegt werden kann. Durch regelmässiges und kontrolliertes Heben und Senken der Rute macht auch der Köder unter Wasser diese Bewegungen. Der Gummi kann auch einfach für ein paar Sekunden über dem Gewässergrund in der Schwebe gehalten werden.

Als Köder können genau dieselben Gummis verwendet werden wie auch beim Werfen. Nur das Bleigewicht des Jigkopfs kann etwas höher ausfallen. So ist eine kontrollierte Führung vom leicht treibenden Boot besser möglich.

Egal ob vom Boot oder vom Ufer – das Winterfischen an einem Grossgewässer hat einen ganz besonderen Charme. Oft ist man sogar der einzige Fischer am See. Nicht selten dauert es mehrere Stunden, bis der erste Eglibiss erfolgt. Doch kommt nach einem kurzen Drill ein dicker Gestreifter an die Wasseroberfläche, lässt das extreme Glücksgefühl die vorherigen Strapazen einfach vergessen.

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