[Einsteiger –] Die erste Forelle mit der Fliegenrute
29 | 07 | 2022 PraxisText & Fotos: Daniela und Mauro Misteli 0347
29 | 07 | 2022 Praxis
Text & Fotos: Daniela und Mauro Misteli 0 347

Einsteiger – Die erste Forelle mit der Fliegenrute

Neugierig aufs Fliegen­fischen? Wir erklären Dir hier die wichtigsten Grund­lagen, um mit der Fliegen­rute im Fliess­gewässer oder am Bergsee Deine erste Forelle zu fangen.


In der Schweiz gibt es eine Vielzahl an Gewässern, die sich wunderbar für das Fliegenfischen eignen. Die Auswahl ist gross. Der Zugang zu Bächen, Flüssen und Bergseen ist in fast allen Regionen gegeben. Am Bergsee sind vielversprechende Stellen auch vom Ufer aus gut mit der Fliegenrute befischbar. Als Anfänger sollte man darauf achten, Stellen zu wählen, die genügend Platz für den Rückwurf bieten. Ein zugewachsener Bach oder ein Steilufer im Rücken lassen schnell Frust aufkommen. Starker Wind kann auch den geübten Fliegenfischer aus der Ruhe bringen; starte also Deine ersten Versuche bei möglichst ruhigem Wetter.


Köder | Fliege muss es sein

Unter dem Begriff «Fliegen» werden alle Köder zum Fliegenfischen bezeichnet, egal ob ein 20 cm langer Streamer oder eine kleine Trockenfliege. Das Angebot ist ebenso gross wie die Meinungen dazu, wann welche Fliege zum Einsatz kommt. Wir versuchen Dir hier eine kleine Übersicht zu den verschiedenen Kategorien zu bieten.

Trockenfliege       Als Trockenfliege werden Muster bezeichnet, die Insekten auf der Wasseroberfläche nachahmen. Sie kommen zum Einsatz, wenn Fische steigen und/oder eine grosse Insektenaktivität beobachtet wird. Ein Fliegenfett hilft, die Fliege an der Wasseroberfläche zu halten.

Nassfliege | Nymphe       Unter Nassfliegen und Nymphen versteht man Muster, die unter der Wasseroberfläche angeboten werden. Diese können beispielsweise Insekten im Nymphenstadium, die noch im Gewässer leben, oder bereits abgestorbene Fluginsekten imitieren. Nymphen sind in der Regel mit einem Goldkopf aus Messing oder Tungsten (Wolfram) beschwert.

Streamer       Unter diesem Begriff werden eher grössere Fliegen, die aktiv geführt werden, zusammengefasst. Wir imitieren so kleine Fische, grosse Insekten oder sogar Krebse – also alles Grössere, was sich unter der Wasseroberfläche bewegt.
Grosse oder beschwerte Fliegenmuster, also Streamer oder Goldkopfnymphen, sind schwieriger zu werfen. Für den Anfang eigenen sich deshalb Trocken- und Nassfliegen. Gerade in den gegenwärtigen Sommermonaten stehen die Erfolgschancen damit gut. Häufig beginnen die Forellen in den Abendstunden, regelmässig nach Insekten zu steigen, das kann Deine Chance sein. Mit der Trockenfliege auf Sicht einen Fisch zu fangen, ist unvergesslich.

Tipp       Achte darauf, dass Du beim Kauf Deiner Fliegen die eine oder andere gut sichtbare Trockenfliege auswählst. Im Fliessgewässer kannst Du unscheinbare Muster schnell aus den Augen verlieren. Im Fachhandel bekommst du sicherlich gute Hinweise für Deine Fliegenwahl.


Rolle | nicht überbewerten

 © Michael - stock.adobe.com

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Wähle Deine Rolle passend zu Rute und Schnur. Du drillst meist über die Schnur, die Du in der Hand hältst; die Rolle ist somit nicht mehr als ein Schnurbehältnis. Deshalb eignen sich auch preiswerte Rollen gut für den Einstieg. Bei der Lachs- oder Hechtfischerei sieht das schon wieder ganz anders aus.


Fliegenschnur | nicht unterbewerten

Die Auswahl an guten Fliegenschnüren ist mittlerweile riesig und für jede erdenkliche Situation gibt es entsprechende Spezialschnüre. Für den Einstieg benötigst Du eine Schwimmschnur passend zu der Schnurklasse Deiner Rute. Hast Du also eine Rute der Schnurklasse #5 gekauft, sollte die Schnur mit WF5F angeschrieben sein. Diese Bezeichnung steht für Weight Forward (Keulenschnur) – Schnurklasse #5 – schwimmend (floating). Da beim Fliegenwurf die Schnur zusammen mit der Rute die zentrale «Rolle» einnimmt, lohnt es sich, bei der Schnur das gesparte «Rollen-Geld» zu investieren, und nicht die billigste Schnur zu kaufen.


Rute | Schnurklasse 4 bis 6

Wer nur am Bach fischen will, ist mit einer Schnurklasse 4 bestens bedient. Am Bergsee, wo man oft mit etwas Wind rechnen kann, eignet sich eine Schnurklasse 6 deutlich besser. In vielen Kreisen gilt deshalb die Schnurklasse #5 als perfektes Allroundgerät für Einsteiger. Die Standardlänge der Fliegenruten liegt bei 8,6 bis 9 Fuss, das sind 260 bis 275 cm. Am kleinen Bach darf die Rute kürzer sein, entsprechende Modelle in 7 oder 8 Fuss bieten sich hier an. Ansonsten macht man mit der Standardlänge von 9’ nichts falsch.


Backing | Verbindung zwischen Rolle und Schnur

Da eine Standard-Fliegenschnur normalerweise 27 Meter misst, spulen wir noch 50-100 Meter Backing auf unsere Rolle. Dieses Backing ist mit einer dicken geflochtenen Schnur zu vergleichen und dient bei kapitalen Fischen als Notreserve. Die Grössenangaben bei den Fliegenrollen beziehen sich immer auf Schnur und Backing, somit wäre Deine Rolle ohne Backing halb leer.


Vorfach | Verbindung zwischen Schnur und Köder

 © lightpoet - stock.adobe.com

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Das Vorfach ist die Verbindung zwischen der Fliegenschnur und dem Köder. Diese Nylon-Vorfächer sind konisch verjüngt, das heisst beim hinteren Teil, welcher mit der Fliegenschnur verbunden ist, ist der Durchmesser deutlich dicker als nach vorne zum Köder. Diese Verjüngung dient dazu, dass sich das Vorfach während des Wurfs sauber abrollt und im idealen Fall gestreckt auf der Wasseroberfläche landet. Auch hier ist die Standardlänge 9?Fuss, also die gleiche Länge wie die Rute. Für kürzere Ruten oder die Bachfischerei mit beengten Platzverhältnissen sind auch da kürzere Ausführungen empfehlenswert. Der Spitzendurchmesser dieser Fliegenvorfächer kann stark variieren; üblich für die Forellenfischerei sind Spitzen mit einem Durchmesser von 0,12 bis 0,20 mm. Ein Vorfach mit 0,16 mm oder 0,18 mm Spitze kann für den Anfang universell einsetzbar sein. Daran kann man seine Fliegen direkt anknüpfen. Noch zwei Tipps: Kauf Dir noch Vorfachspulen im gewünschten Durchmesser, um die verjüngten Vorfächer wieder zu verlängern, sie werden nach jedem neuen An­knüpfen und/oder Abreissen kürzer und somit schnell dicker. Zudem empfiehlt sich das Einknüpfen eines sogenannten Pitzenbauerrings im vorderen Drittel des Vorfachs. Bei einem Hänger reisst dann jeweils nur die dünne Spitze.


Ausrüstung | Was Du sonst noch brauchst

Zieh eine Brille an! Da Du den Köder durch die Luft fliegen lässt, kann es wortwörtlich ins Auge gehen. Ebenfalls hilft die Polbrille, um Deine potenzielle Beute zu entdecken. Weiter bieten sich Hüftstiefel oder Wathosen an, damit Du flexibel bleibst. Oft können so Stellen erreicht werden, die trockenen Fusses nicht befischbar sind. Ebenfalls ein Muss ist ein Watfeumer. Dieser verfügt über eine Magnethalterung und einen Gummizug und lässt sich bequem am Rucksack oder am Gürtel der Wathose fixieren. So ist er bei Bedarf schnell zur Hand. Auch die Anschaffung einer kleinen, leichten Schere lohnt sich. Die kann man mittels Clip an der Jacke oder der Wathose befestigen und sie erleichtert das Zuschneiden des Vorfachs und das Fliegenwechseln enorm.

 

Fliegenwerfen | Lass Dich nicht abschrecken

Der Fliegenwurf ist nicht ganz einfach zu erlernen, er ist aber auch keine so grosse Hexerei, wie oft behauptet. Ein Wurfkurs bietet sich an, aber auch ein Kumpel oder intensives Selbststudium kann Dir bei den ersten Schritten helfen. Und denk daran: Um einen Fisch mit der Fliege zu fangen, brauchst Du nicht 20 Meter weit zu werfen. Pirsch Dich vorsichtig an und verhalte Dich ruhig, so kann es auch direkt vor Deinen Füssen klappen. Falls Du Spass an der Fliegenfischerei findest und sie regelmässig ausübst, fällt Dir das Werfen automatisch immer leichter.

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