Ein Fisch für die Ewigkeit
02 | 05 | 2018 PraxisText & Fotos: André Suter 01011
02 | 05 | 2018 Praxis
Text & Fotos: André Suter 0 1011

Ein Fisch für die Ewigkeit

Jahrelang hat man darauf gehofft – und nun endlich ist er da: Der «Fang des Lebens». Schade nur, hat man in der ganzen Euphorie das Fangfoto verhunzt. Mit den folgenden Fototipps hast du auch nach Jahren noch grosse Freude an deinem schönen Fang.

Bist du ein begeisterter Hobbyfotograf und deine Freunde bewundern immer wieder von neuem deine Fotokunstwerke? Dann ist dieser Artikel vermutlich nichts für dich. Wir wollen hier nämlich nicht tief in die Fototechnik eintauchen, sondern einfache Grundregeln aufzeigen, mit denen du auch mit einer einfachen Kamera wie z.B. einem Smartphone attraktive Fangfotos hinbekommen solltest.

Bei unseren Tipps gehen wir davon aus, dass du den Fisch tierschutzkonform getötet hast, er also nicht mehr zurück ins Wasser soll. Möchtest du den Fisch aus ökologischen Gründen wieder zurücksetzen, solltest du – ebenfalls aus ökologischen Gründen – auf ein Fangfoto verzichten. Profis stehen für solche «lebendige» Fotos zu zweit am Wasser. Während der eine den Fisch drillt, rattert beim anderen die Kamera.


1. Hintergrund 

Wichtig ist ein ruhiger Hintergrund, der möglichst wenig vom eigentlichen Objekt der Begierde ablenkt. Fischerladen, Ortsschild aber auch die hauseigene Küche sind äusserst ungünstige Kulissen für ein gelungenes Fangfoto. Am besten kommt jeder Fisch dort zur Geltung, wo er herkommt: am Wasser. Aber auch dort solltest du immer den Hintergrund im Sucher gut beobachten: Boote, Abfallkübel, verbaute Ufer und vieles mehr können dir später beim Anblick deines Fangfotos die Laune verderben. Wähle den Winkel so, dass beide, Fisch und Fänger, rundherum von Hintergrund umgeben sind (beachte dabei auch Tipp 3: Gegenlicht).

Kommst du trotz allem erst zu Hause dazu, ein Fangfoto zu schiessen, achte auch da auf einen möglichst monotonen Hintergrund. Eine weisse Haus- oder Zimmerwand hebt Fänger und Fisch hervor, während ein Bild vor einem bunten Duschvorhang oder aufgehängten Kinderzeichnungen eher für amüsierte Kommentare sorgen wird.


2. Bleib sauber

Beim Fischen kommt es schnell vor, dass die Linse verschmutzt ist. Beim Fotografieren im grellen Sonnenlicht sieht man das auf dem Display noch nicht, aber zu Hause musst du dann feststellen, dass die Bilder schwammig aussehen. Prüfe vor dem Fang die Linse und reibe sie gegebenenfalls mit einem trockenen, fusselfreien Tuch sauber. Keinesfalls mit den Fingern den Staub wegzuwischen versuchen, du machst es so nur schlimmer!


3. Gegenlicht

Viele Foto-Laien glauben zu wissen, dass man nicht gegen das Licht fotografieren sollte. Ja, stimmt… aber eben auch doch nicht so richtig.

Fotografiere ich im Gegenlicht, so passt die Kameraautomatik in der Regel die Belichtung dem Hintergrund an – und das Hauptmotiv wird zu einer schwarzen Silhouette abgedunkelt. Auch das hat seinen Reiz! Gerade während malerischer Morgen- und Abendstimmungen bekommst du so wirklich schöne Fotos. Trotzdem solltest du auch ein Bild ohne Gegenlicht machen, damit der Fisch in seiner ganzen Schuppenpracht bewundert werden kann.

Wo wir grade bei extremen Lichtbedingungen sind: Steht die Sonne tief, ist die Gefahr auch grösser, dass störende Schatten sich über Fänger und Fisch ausbreiten. Solche Schatten können genauso störend sein, wie wenn man das Objekt anschneidet. Achte deshalb auch auf den Schattenwurf!

Oft steht der Fänger auf Fangbildern im Schatten eines Baums, während im Hintergrund die Sonne auf den See scheint. Egal, woher das Sonnenlicht kommt, der Effekt ist ähnlich wie bei der Gegenlicht-Fotografie: Hintergrund optimal abgebildet, Hauptmotiv dunkel. Wie lässt sich dies verhindern? Entweder der Foto-Hintergrund befindet sich ebenfalls im Schatten, oder aber der Fänger tritt mit seinem Fisch ins Sonnenlicht. Der Hintergrund sollte nie stärker beleuchtet sein als das Hauptmotiv!


4. Mehr ist mehr

Kameras wie auch Smartphones haben heutzutage meist ausreichend Speicherplatz. Wenn du also deinen «besonderen» Fisch in den Händen hältst, lasse die Speicherkarte rauchen und mache richtig viele Fotos! Nach dem Verzehr des Fangs feststellen zu müssen, dass das einzige Foto, das gemacht wurde, unscharf oder falsch belichtet ist, kann einem die Freude am Fang im Nachhinein doch etwas schmälern. Und schliesslich sind überzählige Bilder schnell gelöscht.


5. Es werde Licht

Deine Kamera hält das durch die Linse eintretende Licht auf einem Sensor fest. Ist kein Licht vorhanden, kann die Kamera auch nichts festhalten. Hast du spät in der Nacht einen Fisch gelandet, sitzst du mit deinem Fang sprichwörtlich im Dunkeln. Die internen Blitze und Ledlichter heutiger Kameras sind aber definitiv nur eine Notlösung, und es gibt vieles, das dagegen spricht, diese zu verwenden: Durch die Lichtquelle direkt neben der Linse entstehen unnatürliche Schatten, der Fänger wird geblendet, die metallisch glänzenden Schuppen übersteuern das Bild, und und und… Vorschlag: Mache trotzdem Bilder mit dem Blitz, nimm den Fisch aber nach Hause und mache am nächsten Tag schönere Bilder unter besseren Lichtbedingungen.


6. Richtig halten

Es braucht etwas Übung, einen Fisch richtig in die Kamera zu halten. Achte vor allem darauf, dass du mit deinen Händen möglichst wenig Fisch verdeckst. Ausserdem kannst du deinen Fang noch etwas imposanter wirken lassen, wenn du ihn weiter von dir weghältst (siehe Beispiel). Die meisten einfacheren Kameras, wie sie beispielsweise in Smartphones zum Einsatz kommen, haben Weitwinkellinsen, die diesen Vergrösserungseffekt verstärken. 


7. Messen nicht vergessen

Zum Schluss solltest du natürlich noch Beweis-Fotos mit Massband nicht vergessen. Für unsere Rubrik «Kapitale Fänge» ist dies von grossem Vorteil. Und: Es kann auch sonst immer mal wieder Zweifler geben, die einem den Fangerfolg nicht glauben mögen. Gut, wenn man dann ein Foto mit Massband vorweisen kann, das zweifelsfrei die Fischlänge beweist. Fotografiere dafür Fisch und daneben gelegtes Massband möglichst verzugsfrei direkt von oben und breite die Schwanzflosse natürlich aus.


8. No Shitstorm

Schnell kommt man auf ausgefallene Fotoideen und möchte für ein paar Lacher im Netz sorgen: Zwei Gummistiefel im Mund eines grossen Wels beispielsweise sehen täuschend echt nach einer neuen Art von «Lebend­köder aus» – und viele können sich nicht mehr halten vor Lachen. Knipsen, das Bild auf Social Media stellen und… Shitstorm kassieren.

Nicht nur Tierschützer können mit solchen Witzbildern erfahrungsgemäss nicht viel anfangen, sondern auch viele Fischer sind für solche «Gägs» nicht zu haben. Wir wollen hier sicher nicht schulmeistern und Verbote erlassen, aber wir bitten dich zu bedenken, bevor du deine Fangfotos veröffentlichst: Behält der Fisch auf deinem Bild seine Würde als Lebewesen? So kannst du dir manchen «Hass»-Kommentar ersparen.

 

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