Die Grundeln sind da!
15 | 08 | 2012 SchweizText: Daniel Luther 0184
15 | 08 | 2012 Schweiz
Text: Daniel Luther 0 184

Die Grundeln sind da!

Aktuelle Untersuchungen der Universität Basel zeigen, dass sich zwei Grundelarten aus dem Schwarzen Meer bereits in erheblicher Anzahl im Basler Hochrhein tummeln. Die besorgten Wissenschaftler schlagen aktive Massnahmen gegen die Invasion vor, solange das noch möglich sei.

Nachdem bei Routineabfischungen im Basler Rhein eine Schwarzmundgrundel entdeckt wurde («Petri-Heil» berichtete), war das Interesse der Biologen an der Universität Basel geweckt.

Im Mai und Juni fingen Wissenschafler mit Reusen insgesamt 40 Kessler- und elf Schwarzmundgrundeln im Basler Rheinhafen Kleinhüningen. Der Basellandschäftler Fischereiaufseher Daniel Zopfi wies zudem die ersten Kesslergrundeln oberhalb des Kraftwerks Birsfelden nach, was Beobachtungen von Birsfischern bestätigte.


Grenzenlos & gefährlich

Schwarzmeergrundeln breiten sich mit dem Schiffsverkehr aus. Sie kleben ihren Laich von unten an Schiffsrümpfe, können sich mit ihrer Saugflosse (siehe Bild) an den Schiffsrumpf anheften und mit dem Ballastwasser mitreisen (wahrscheinlich im Larvenstadium).

Typischerweise siedeln sie sich zuerst in Hafen- und Schleusengebieten an. Via den Rhein-Main-Donau-Kanal gelangten sie schätzungsweise vor zehn Jahren in den Rhein und erobern seither alle Flussabschnitte, die ihnen zusagen.

Dabei verdrängen sie heimische Grundfischarten wie Groppe und Trüsche und entwickeln sich streckenweise zur häufigsten Fischart – mit bisher unabsehbaren ökologischen Folgen.

Tendenziell steigende Winter-Wassertemperaturen und gleichzeitig niedrigere Fliessgeschwindigkeiten (Kraftwerkseinleitungen, Stauwehre) begünstigen die Ausbreitung dieser aggressiven Allesfresser, die bis zu 25 Zentimeter lang werden und dank ihres grossen Mauls Fische und Krebse bis zur Hälfte ihrer Körperlänge bewältigen können.


Ist Gegenwehr noch möglich?

Noch scheint sich der Grundel-Bestand nicht etabliert zu haben. Die Fische sind bisher selten. Die Basler Zoologie-Professorin Dr. Patricia Holm – bekannt als Projektleiterin von «fischnetz» – schlägt deshalb eine Abwehr-Kampagne vor, die Öffentlichkeitsarbeit, Raubfisch-Besatz und den Einsatz von Laichfallen umfasst.

Zudem gebe es einen enormen Forschungsbedarf, um die aktuelle Situation zu erfassen und künftige Entwicklungen abzuschätzen. Die Gefährdung der Fischfauna im Rhein und seinen Zuflüssen wird als bedrohlich eingestuft. In diesem Zusammenhang ist die Blockade der Fischwanderwege durch die diversen Rheinkraftwerke für einmal ein Vorteil…

Jede Beobachtung von Schwarzmeer-Grundeln in Schweizer Gewässern ist zur Zeit eine wichtige Information für die Behörden. Gefangene Exemplare sollten keinesfalls zurückgesetzt, sondern getötet und eingefroren werden. Der Basler Fischereiaufseher Hans-Peter Jermann ist Anlaufstelle für alle Meldungen unter 061 639 22 32 oder hans-peter.jermann@bs.ch. Die offizielle Info-Broschüre steht hier zum Download bereit.

 

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