Der rote Ritter
26 | 11 | 2015 PraxisText: Lukas Bammatter 0688
26 | 11 | 2015 Praxis
Text: Lukas Bammatter 0 688

Der rote Ritter

Der Huchen ist ein beeindruckender Räuber. Er wird bis weit über einen Meter lang und bis zu 40 Kilogramm schwer. Mit seinem grossen Maul macht er Jagd auf Äschen, Barben, Nasen und Alet.

Es ist ein trüber Wintertag. Einzelne Schneeflocken taumeln vom Himmel herab. Der Fluss fliesst klar und tief. Den Sommer über war er angetrübt und die breiten Züge, Kiesbänke und Vertiefungen nur zu erahnen. Jetzt erkennt man jeden Stein am Flussgrund. In einem tiefen Pool, wo das Wasser gegen einen mächtigen Felsen drückt, kann man sogar einzelne Fische ausmachen. Einer sticht besonders hervor. Sein Körper ist torpedoförmig, wohl über einen Meter lang gestreckt. Fast regungslos steht er am Übergang zum flachen Poolauslauf. Plötzlich schiesst er los. Sein riesiges weisses Maul blitzt auf, als er scheinbar mühelos eine knapp 40 Zentimeter lange Äsche darin verschwinden lässt. Gemächlich schiebt er seinen massigen Körper zurück in den Pool, wo er – fast wie ein Geist – wieder in der dunklen Tiefe verschwindet.


Geduldiger Räuber

Der Huchen wird häufig auch als Donaulachs bezeichnet. Das liegt einerseits an der beeindruckenden Grösse, die er erreichen kann und andererseits an seinem angestammten Verbreitungsgebiet. Seine Heimat ist die Donau mit ihren Nebenflüssen. Dazu gehören unter anderem die Alpenflüsse Ammer, Enns, Iller, Inn, Isar, Lech, Loisach, Mur, Salzach, Tiroler Ache und Grosse Drau. In Slowenien findet man den Hucho hucho in den Flüssen Sava und Kupa.

In diesen sauberen, kühlen Flüssen bewohnt der Huchen die Äschen- und die obere Barbenregion. Dort hält er sich gerne in grossen Vertiefungen im Fluss auf, wo er hinter Felsen, grossen Steinen, versunkenem Holz, Brückenpfeilern, unterhalb Wehranlagen oder bei Bachmündungen ausharrt. Vor allem grosse Exemplare verteidigen ihr Revier vehement gegen kleinere Artgenossen. Die meiste Zeit steht der Huchen wie angewurzelt am Grund. Seine Fresszeiten sind kurz aber intensiv. Meist legt er sich im Auslauf seines Hauspools auf die Lauer, um dort alles zu attackieren, was in sein Gesichtsfeld schwimmt.

Die beliebtesten Beutefische des Huchens sind meist die, die am häufigsten im jeweiligen Flusssystem vertreten sind. Häufig sind dies Äschen, Alet und Barben, etwas seltener auch Nasen und Trüschen. Bis zu seinem fast vollständigen Verschwinden, stand das Flussneunauge ganz oben auf dem Speiseplan des Donaulachs. Es diente als Vorbild zur Entwicklung des populären Huchenzopfs. Früher wurde dieser Bleikopfköder sogar aus gebündelten Neunaugen hergestellt, heute verwendet man Leder und mittlerweile noch häufiger Gummi. Kapitale Huchen verschmähen auch junge Wasservögel, Mäuse und Ratten nicht.


Schnelles Wachstum

Ähnlich der Äsche laicht der Huchen im März und April. Dazu wandert er in Nebenflüsse oder den Oberlauf des Hauptflusses, wo das Weibchen die Eier im Kiessubstrat ablegt. Zwischen den Männchen finden häufig heftige Kämpfe um die Gunst der Weibchen statt.

Nach dem Verzehr des Dottersacks ernähren sich die Jungfische von Insektenlarven, Würmern, Kleinkrebsen; mit zunehmendem Alter und Grösse nur noch von Fischen. Da Huchen sehr gefrässig sind, wachsen sie schnell. Bereits nach vier Jahren erreichen sie Längen bis 80 Zentimeter. Milchner werden meist in diesem Alter geschlechtsreif, während Rogner häufig erst ab dem fünften Lebensjahr fruchtbar sind.

Wie vielen anderen Salmoniden bereitet die Zerstückelung der Fliessgewässer durch Wasserkraftwerke auch den Huchenbeständen grosse Probleme. Staudämme verunmöglichen vielerorts die Wanderungen zu den ursprünglichen Laichplätzen und erfordern eine künstlich Aufzucht sowie Besatz. Um auf seine Gefährdung aufmerksam zu machen, wurde der Huchen vom Österreichischen Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz in Übereinstimmung mit dem Österreichischen Fischereiverband zum Fisch des Jahres 2012 gewählt.

 

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