Bielersee-Strategien für Egli
18 | 09 | 2017 Schweiz | PraxisText & Fotos: Nils Anderson 01948
18 | 09 | 2017 Schweiz | Praxis
Text & Fotos: Nils Anderson 0 1948

Bielersee-Strategien für Egli

Der Bielersee hat nicht nur einen guten Fischbestand, sondern auch gute Fischer. Ivan Valetny zeigte «Petri-Heil»-Redaktor Nils Anderson, wie er die Bielersee-Egli zuverlässig ins Boot bringt.

Wir ankern an einer Kante ganz am Südwest-Ende des Sees. Der See steigt hier langsam von 20 Metern bis auf zehn Meter an. Es folgen eine deutliche Kante und ein ausgedehnter Uferbereich, der ab etwa sechs Meter Tiefe mit Pflanzen bewachsen ist. Im Bereich der Kante und über den tieferen Krautbänken tummeln sich die Kleinfische in grossen Schwärmen, die mit kleineren und mittleren Egli durchsetzt sind. Grössere Exemplare sind selten um diese Jahreszeit und kommen nur vereinzelt aus der Weite des Sees für Streifzüge vorbei. Aber Exemplare bis 25 Zentimeter sind während des ganzen Sommers in diesem Bereich anzutreffen. Die Kleinfische sind in relativ strukturarmen Seen wie dem Bielersee nicht standortgebunden und die Kanten erstrecken sich über mehrere hundert Meter. Allerdings gibt es eine einfache Methode sie zu finden: «Einfach schauen, wo die Möwen sitzen», erklärt Ivan Valetny. Ein paar Gruppen von Möwen dümpeln in unmittelbarer Nähe der Schwärme und warten darauf, dass unter ihnen die Jagd losgeht, denn wenn die Egli die Futterfische an die Wasseroberfläche treiben, schlägt auch die Stunde der Raubmöwen.


Egli aus der Strikezone heraus locken

Wir fischen zuerst mit dem Gummifisch am Jigkopf. Dazu zieht Ivan seine selbst produzierten Schaufelschwanz-Gummifische in 7 Zentimeter Länge auf den Spitzkopf-Jig.
Nach dem Auswerfen lässt man ein paar Sekunden absinken, um das Gummifischchen dann mit (wirklich!) schnellen Schlägen nach oben zu führen. Die Schläge erfolgen aus dem Handgelenk, dabei wird die Rute rasant mehrmals von der 10 in die 11 Uhr Position geführt. Dazu werden drei bis vier Meter Schnur eingezogen (vier bis sieben Kurbelumdrehungen), gefolgt von einer wirklich kurzen Pause, in welcher das Fischchen nicht mehr als einen Meter absinken sollte.
Dass man so die Jigs nur kurz in der eigentlichen Strikezone führt, ist kein grösseres Problem. Folgen ein paar Egli der vermeintlichen Beute, ist der Zweck schon erreicht, denn kein Kunstköder allein erreicht die Lockwirkung, die ein Trupp wildgewordener Artgenossen auf die Egli auslösen kann. Diese Strategie ist im Sommer der DropShot-Präsentation direkt vor den Egli meistens überlegen.


Alternative Carolina Rig

«Am besten fängt man die Egli im See dort, wo man am besten fischen kann.» Mit dieser vermeintlich einfachen Regel sind vor allem die krautarmen Gewässerabschnitte gemeint, die es zuerst mal zu finden gilt. Besonders bei grundnahen Ködertechniken ist der gewählte Untergrund der wesentlichste Erfolgsfaktor. Das ist sicher auch mit ein Grund, dass das Carolina Rig vor allem im Frühling erfolgreich ist, wenn die Vegetation noch nicht so ausgebildet ist. Doch auch im Sommer kann das Gummifischchen am Carolina Rig eine hocheffektive Waffe sein. Am 60 Zentimeter langen Vorfach hüpft es dem Blei hinterher. Ivan wählt hier Tungsten-Bulletbleie von 10 bis 20 Gramm und die Glasperlen dürfen auch mal «abartig teure» Swarovski-Kristalle sein. «Das Klicken ist eben ein bisschen anders. Aber wie bei so vielem ist vor allem entscheidend, dass man daran glaubt», sagt Valetny.  Mit dem Carolina Rig können die Köder auch in einer Tiefe von acht bis zwölf Meter exakt am Grund geführt werden. Matchentscheidend ist dabei eine wirklich dünne Geflochtene. Ivan setzt auf die Berkley Nanofil in der 0,10er-Ausführung. Eine in Fischerkreisen stark polarisierende Schnur. «Ich kenne viele Fischer, die mit dieser Schnur gar nichts anfangen können. Aber ich fische mittlerweile fast nur noch mit ihr.» Die Köder werden beim Carolina Rig oft vollständig eingesogen. Leider nicht nur vom Egli, sondern auch von den Hechten. Deswegen darf hier auch das Vorfach ein bisschen dicker sein als beim Jig-Fischen, Ivan nimmt dafür ein möglichst weiches 27er-Fluorocarbon.


Auf die Details kommt es an

Starke Vorfachschnur, scharfe Haken, gute Bleie und Wirbel, solche Sachen sind entscheidend. Die Hauptschnur kann kaum dünn genug sein, und damit empfiehlt sich automatisch eine hochwertige Rolle mit einer richtig eingestellten Bremse. Auch bei den Rutenmodellen merkt man deutliche Unterschiede und längst nicht jede Rute eignet sich für die Jigkopf- und Carolina Rig-Fischerei. Hier ist die genau richtige Mischung aus Sensibilität und Reaktionsschnelle gefragt, entsprechend schnell landet man bei den High-End-Ruten. Ivan hat ein ansehnliches Arsenal an perfekt abgestimmten Egli-Ruten.
Die sich nach vorne verjüngenden Jigköpfe stellt Ivan selbst her. Er giesst sie in drei, fünf, sieben und neun Gramm-Ausführungen. Im Sommer kommen vor allem die fünf Gramm schweren Köpfe zum Einsatz, da ein schnelles, variables Köderspiel wichtiger ist als ein Extra an Wurfweite oder Lauftiefe.
Beim schnellen Jiggen ist die Farbwahl nicht sehr entscheidend. Blau, Braun und natürlich Grün in verschiedenen Abstufungen und Ausführungen sind immer eine gute Wahl. Die Grösse ist da entscheidender als Farbe und Form. Im Sommer liegt man mit fünf Zentimeter-Ausführungen meistens richtig. Nach ein paar Attacken ist die Oberfläche der meisten Gummifische stark aufgeraut, und so verändert sich auch die Lichtbrechung des Köders, ohne dass dies, selbst bei klarem Wasser, die Egli abschrecken würde.

 Wer einen Eglischwarm bei Sonnenuntergang gefunden hat, kann sich auf eine gute Fischerei freuen.

Wer einen Eglischwarm bei Sonnenuntergang gefunden hat, kann sich auf eine gute Fischerei freuen.

 Ob mit Pintail oder kleinem Schaufelschwanz: Die von Ivan Valetny selbst fabrizierten grünen Gummifische «ziehen» am Bielersee.

Ob mit Pintail oder kleinem Schaufelschwanz: Die von Ivan Valetny selbst fabrizierten grünen Gummifische «ziehen» am Bielersee.

 Egli um die 25 Zentimeter sind eine gute Sommerdurchschnittsgrösse.

Egli um die 25 Zentimeter sind eine gute Sommerdurchschnittsgrösse.

 Auch an schwierigen Tagen liegt eine solche Ausbeute durchaus drin.

Auch an schwierigen Tagen liegt eine solche Ausbeute durchaus drin.


Auf der Nordwestseite der St. Petersinsel

Es ist heiss und drückend am zweitgrössten Jurarand-See. Obwohl Montag ist, sieht man zahlreiche Boote auf dem Gewässer. «Am Wochenende will man hier nicht fischen, es sind einfach viel zu viele Boote da und wegen des intensiven Verkehrs beissen die Egli auch schlechter», meint Ivan und ergänzt: «Zum Eglifang sind Wind und Wetter immer gut und hier ganz besonders, da es weniger Boote hat. Ansonsten natürlich die Randstunden. Die Hitze jedoch schlägt den Egli in den meisten Fällen auf den Magen. Aber es gibt auch Ausnahmen und man kann die Egli wider alle Regeln mitten im Hochsommer mittags bei Windstille fangen.»
Als sich die Sonne hinter dem Jura zu senken beginnt, erwacht die Aktivität der Egli. Wir fischen auf der Nordwestseite der St. Petersinsel, ein weitläufiges Gebiet mit gleichmässigem Grund  langsam abfallend bis auf etwa zwölf Meter. Es ist in solchen Momenten von Vorteil, mehrere Spots zu kennen, denn auch in einem guten Egli-Gewässer wie dem Bielersee sind die Egli nicht überall zu finden. So heisst es ausprobieren und schnelle Platzwechsel vorzunehmen. An den von uns angefahrenen Spots sind nur wenige Kleinfische vorhanden, entsprechend sind die Egli breiter verteilt und stehen vor allem auch näher am Grund.  Jetzt ist das Carolina Rig den allermeisten anderen Ködern überlegen. Hat man seinen Egli-Schwarm gefunden, kann bis tief in die Dunkelheit hinein gefangen werden.


Ivan Valetny

Der 25-jährige Grenchner gibt seine Tricks und Kniffe gerne weiter. Auf seinem Youtube-Kanal finden sich Montage-Anleitungen und Fischer­videos vom Bielersee.
Neben dem Fischen auf dem Bielersee und dem Erstellen von Youtube-Filmen ist das Produzieren von Kunstködern eine weitere Leidenschaft von Ivan. Auf der Seite www.ivy-baits.ch können seine Köder bestellt werden.

 

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