Bezaubert vom Burgäschisee
18 | 06 | 2014 SchweizText: Daniel Luther 01551
18 | 06 | 2014 Schweiz
Text: Daniel Luther 0 1551

Bezaubert vom Burgäschisee

Nein, Äschen findet man nicht im grössten Solothurner See, und auch eine Burg ist weit und breit nicht in Sicht. Aber für unternehmungslustige Raubfischfans ist dieses Privatgewässer ein lohnender Tipp.

Wir wählen das grösste der 15 Mietboote, die in Äschi am sandigen Ufer auf Fischer warten. Kim von Arx, der mich zu diesem Fischertag eingeladen hat, steckt die Ruder ein und fährt mich in der Morgendämmerung auf den kleinen See hinaus. Feine Nebelfetzen tanzen über das blanke Wasser. Am Himmel grasen in aller Seelenruhe weisse Schäfchenwolken, die ersten rosa Sonnenstrahlen auf den wolligen Bäuchen. Frösche quaken im Schilf und Vögel flattern in den Zweigen der grossen Eichen und Silberweiden.

Um uns herum ist der Tagesanbruch erfüllt vom Platschen und Spritzen grosser Weissfische. Karpfen, Schleien und Brachsmen scheinen das erste Licht freudig zu begrüssen. Davon lässt sich Kim – trotz seiner jugendlichen 17 Jahre – nicht aus der Ruhe bringen. Er kennt den See schon überraschend gut und er weiss: Die Hechte, die Egli und Welse sind hier heimliche Gesellen. Wilde Jagden an der Oberfläche sind rar. Das hat vor allem mit der überraschenden Tiefe des 20 Hektar grossen Moränensees zu tun.


Ein Relikt der Eiszeit

Als sich der Rhonegletscher vor 12 000 Jahren in sein gebirgiges Reduit zurückzog, hinterliess er hier im flachen Schwemmland der Aare ein grosses tiefes Loch, das sich rasch mit Wasser füllte. Bis zu dreissig Meter tief ist der Burgäschisee und unten am kühlen Grund spielt sich oft mehr ab, als in den dicht bewachsenen Uferzonen, zumindest in Bezug auf grosse Raubfische. Und die sind es, die Kim und seine Kollegen regelmässig an den See locken.

Der Gymnasiast aus Lohn-Ammannsegg ergänzt: «Aber auch wenn ich nichts fange, ist es einfach schön hier zu sein. Am Äschi kann man so geile Stimmungen erleben!» Sagts und die ersten Sonnenstrahlen ergies­sen sich über die hohen Baumwipfel. Die Dunstschwaden leuchten auf und zerflies­sen in Gold und Himmelblau. Das warme Morgenlicht lässt den Uferwald und die ausladenden Seerosen-Teppiche in allen Grüntönen schimmern und all das verdoppelt sich auch noch in einem regungslosen Spiegel. Andächtig lassen wir den Blick über den fast kreisrunden See schweifen. Wir sind allein auf weiter Flur. Ein kleines Wunder, dass es solche Momente im dicht besiedelten Mittelland noch zu erleben gibt.


Paradies für Spinnfischer

Die fast vier Kilometer Naturufer mit ihren versunkenen oder überhängenden Bäumen, die alten Holzstege, die dichten Schilfgürtel und Seerosenbeete: sie alle riechen intensiv nach Raubfisch. Allerdings sind nicht alle Methoden geeignet in diesem Hängermekka.

Kim fischt gern mit Soft-Jerks am Offset-Haken. Er liefert mir eine kurze Demonstration: Den 12 Zentimeter langen DAM Power Skater wirft er unbeschwert ins dichteste Seerosen-Dickicht. Dann zupft er ihn über die Blätter, lässt ihn in kleine Lücken abtauchen und wartet gespannt auf einen der spektakulären Hechtbisse, wenn das Wasser plötzlich explodiert und sich der Räuber mit dem Köder im Maul auf den dicken grünen Blättern wälzt. Die Vorführung ohne auch nur einen Hänger überzeugt mich, aber leider sind an diesem Tag kaum beisswillige Räuber in Ufernähe.


Kanten suchen

Darauf hat mich Kim bereits vorbereitet. Nun rudert er das Boot zielstrebig zu jener steilen Kante, von der er mir schon ein paar Mal mit Begeisterung erzählte. Dort am Fuss des steilen Unterwasserabhangs hat er sie schon mehrmals gefunden und gefangen, die schönen Hechte, die viele Solothurner und Berner Fischer an den Äschisee locken.

Da kein Lüftchen geht, ist der Anker überflüssig. Kim hängt einen 14 Gramm schweren Erie-Jigkopf in den feinen Karabiner seines Stahlvorfachs und bestückt ihn mit einem rot-gelben Kopyto Shad – sein bevorzugter Gummifisch.

Kim überwirft die Kante – der Grund fällt hier rasch von drei auf neun Meter ab und lässt den Köder an gespannter geflochtener Schnur absinken. Er weiss, der erste Biss kommt oft vor dem ersten Grundkontakt. Nun kurbelt er betont langsam zwei Mal, die Rute verharrt in der Horizontalen. Kims Konzentration gilt allein der Schnur. Das Tock des aufprallenden Köders spürt er mit dem Zeigefinger, den Schnurbogen hat er fest im Auge. Er kurbelt zwei Mal, der Köder steigt und fällt. Tock. Er kurbelt wieder, der Köder steigt und fällt. Jede Abweichung von diesem Rhythmus wird mit einem Anhieb quittiert.

Mit dieser Technik hat Kim schon erfolgreiche Fischertage erlebt mit Hechten bis zur magischen Metergrenze, die am Burgäschisee nicht so oft erreicht wird wie beispielsweise am Bieler- oder Neuenburgersee. Auch die Egli sind selten grösser als 35, 40 Zentimeter, dafür vom trüben Moorwasser intensiv gefärbt. Zu Kims Bedauern sind sie mit Kunstködern, beispielsweise mit kleinen Tieftauch-Wobblern, nur zeitweise gut zu fangen. Ein grosser lebhafter Wurm am Grund ist meist nicht zu schlagen. Während mir Kim seine Eglitricks von Aare und Murtensee verrät (vielleicht ein andermal mehr…), erhebt sich wie zum Gruss eine kleine dunkle Schwanzflosse an einem langen, massigen Schwanz aus dem See und verschwindet wieder mit einem lauten Klatschen. «Der hat minimum zwei Meter!», ruft Kim und so lateinisch ist das nicht…

Der Welsbestand im Burgäschisee ist nicht gross, aber es hausen einige respektable Brocken in den Tiefen des Sees. Das warme Oberflächenwasser lässt sie erfolgreich laichen, wie übrigens auch die Sonnenbarsche, die das Ufer in dichten Schwärmen besiedeln.


Die besten Monate

Als die Sonne höher in den nun wolkenlosen Himmel steigt, wird es rasch heiss auf dem windstillen See. Ausser zwei untermässigen Hechten und einem etwas grösseren Aussteiger hat Kim trotz konzentrierter Fischerei über mehrere Stunden keinen Erfolg und das ist nicht das erste Mal so. Noch gestern fing er mehrere Fische über 70 Zentimeter und verlor einen ganz Grossen, heute passt es nicht. Der Burgäschisee ist launisch, Schneidertage sind immer möglich. Und trotzdem zieht es Kim und viele seiner Solothurner Kollegen regelmässig hierher: «Weil es so superschön ist, weil die Boote gut und günstig sind und weil man eben immer die Chance auf einen guten Fisch hat.»

Als schönste Zeit empfiehlt Kim Juni, September und besonders Oktober.

Im Hochsommer wird der See bei schönem Wetter intensiv genutzt von Badenden und Ausflugsgästen. Dann kann man nur am frühen Morgen ungestört fischen. Sobald die ersten kühlen Nächte dicken Tau auf den Wiesen hinterlassen, ist man auch tagsüber «unter Fischern». Die bevorstehende Winterzeit lässt die Raubfische oft aktiver werden als im warmen Sommerwasser, das an der Oberfläche manchmal 26 Grad erreicht.


Privates Fischereirecht

Die Fischereirechte des grössten Solothurner Sees gehören dem Burgseeverein Burgäschi. Er unterhält auch die zwölf Fischerstege rund um den See, dessen Ufer sonst nur an wenigen Stellen zugänglich ist. Es wird viel auf Karpfen gefischt. Der Bestand ist exzellent und wächst gut im nährstoffreichen See. Das gilt auch für Schleien, Brachsmen, Rotfedern, Alet und Rotaugen, die dem Zapfen- und Grundfischer mit Naturködern viel Abwechslung bieten. Das Setzen mit lebendem und totem Köderfisch ist verboten, also wird viel mit Wurm gefischt. Damit werden Welse, Egli und sogar Hechte gefangen. Die Möglichkeiten zum klassischen Spinnfischen mit Löffel, Spinner oder Wobbler sind am besten im Mai. Das Fischen im starken Uferbewuchs verlangt angepasste Techniken wie das geschilderte Softjerking sowie Spinnerbaits oder Streamer mit Krautschutzhaken. Auch mit dem Popper und anderen Oberflächenködern ergeben sich Chancen. Für einfallsreiche Spinnfischer bietet der Burgäschisee eine bildschöne Bühne.


Fischen im Burgäschisee

Die Saison dauert vom 15. Mai bis am 31. Oktober. Folgende Patente sind erhältlich: Saisonkarte für Bootsfischerei: Fr. 120.–, für Uferfischerei Fr. 50.–. Tageskarte Fr. 20.–, Jugendsaisonkarte (bis und mit 16 Jahre, nur Uferfischerei) Fr. 10.–. Bedingung für die Saisonkarten ist ein gültiger SaNa-Ausweis.

Die einzige Patentausgabestelle ist der Volg-Laden in Äschi, (Tel. 062/ 961 88 33) mit den folgenden Öffnungszeiten: An Werktagen 7.00 bis 12.15 sowie 14.00 bis 18.30 Uhr,am Samstag von 7.30 bis 17 Uhr.

Ruderboote können von Patentinhabern zu einem Spezialpreis gemietet werden. Eine Reservation ist nicht möglich.

Mehr Information unter www.burg­äschi­see.ch

 

 Die Spinnfischerei von den zwölf offiziellen Fischerstegen ist wegen des üppigen Pflanzenbewuchses nicht ganz einfach und reizt gerade darum so manchen der Burgäschi-Fans.

Die Spinnfischerei von den zwölf offiziellen Fischerstegen ist wegen des üppigen Pflanzenbewuchses nicht ganz einfach und reizt gerade darum so manchen der Burgäschi-Fans.

 Eine Morgenstimmung, wie man sie als Fischer mit offenen Augen am Burgäschisee in vielen reizvollen Facetten erleben kann.

Eine Morgenstimmung, wie man sie als Fischer mit offenen Augen am Burgäschisee in vielen reizvollen Facetten erleben kann.

 Kim von Arx fängt die schöneren Hechte oft über sandigem oder kiesigem Grund in Tiefen von bis zu zwanzig Meter. Sein Lieblingsköder dafür sind Bleikopfjigs mit auffälligen Weich­plastik­ködern.

Kim von Arx fängt die schöneren Hechte oft über sandigem oder kiesigem Grund in Tiefen von bis zu zwanzig Meter. Sein Lieblingsköder dafür sind Bleikopfjigs mit auffälligen Weich­plastik­ködern.

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