Zihlkanal [– Fischen zwischen Bieler- und Neuenburgersee]
06 | 11 | 2019 Schweiz | PraxisText & Fotos: Ivan Valetny 0420
06 | 11 | 2019 Schweiz | Praxis
Text & Fotos: Ivan Valetny 0 420

Zihlkanal – Fischen zwischen Bieler- und Neuenburgersee

Der Zihlkanal liegt in schöner Landschaft am Jurasüdfuss mit Blick auf den Mont Chasseral. Dieses interessante Gewässer weist einige Besonderheiten auf und bietet dem versierten Fischer viele Möglichkeiten.

Der Zihlkanal ist ein im Jahr 1891 fertiggestelltes künstliches Gewässer. Teilweise blieb das alte Flussbett der Zihl erhalten, die seit jeher die Verbindung von Neuenburgersee und Bielersee bildet. Der Kanal ist knapp neun Kilometer lang, durchschnittlich 80 Meter breit und fast durchgehend gleichbleibend sechs Meter tief. Normalerweise fliesst das Wasser in Richtung Bielersee. Aber bei Hochwasser kann es auch in Richtung Neuenburgersee fliessen. Die Strömung ist dabei meistens gering. Auf Egli, Hecht und Wels ist der Zihlkanal immer einen Versuch wert. 


Gute Egli-Jagdplätze

Egli halten sich vor allem in Bereichen mit Struktur auf. Sie mögen die Gebiete um Kanaleinläufe oder Altarme. Hier kommt stets etwas neues Wasser rein und viele Kleinfische halten sich in diesen Flachwasserzonen auf. Zudem variieren hier die Kanten, was den Egli gute Jagdplätze bringt. An diesen Stellen rauben sie gerne in der Dämmerung. Dann schlägt die Stunde des Jigs. Meistens kommen die Bisse nah am Grund, weil sich die kleinen Fischchen oft zwischen den Steinen oder aber in grossen Schwärmen an der Oberfläche aufhalten. Ein aggressiv gejigter Gummifisch legt hier in den Morgen- oder Abendstunden den einen oder anderen Egli auf die Schuppen. 

Die einzigen tieferen Stellen des Zihlkanals befinden sich bei den Industriegebieten, wo regelmässig die grossen Kiesschiffe rangieren. Dabei wird oft Kies verschüttet, das regelmässig wieder herausgeholt werden muss, damit die Fahrrinne befahrbar bleibt. Durch diese Arbeiten ist der Grund nicht so regelmässig wie sonst im Kanal. Zudem mögen die Barschartigen steinigen Grund sowieso und halten sich doer gerne auf. Auch Brücken sind immer gut für Egli; an sonnigen Tagen lohnen sich ein paar Würfe in deren Schatten.  


Futterkrebse

Der Zihlkanal ist ein Paradies für Krebse. Leider sind es fast nur noch Signalkrebse und einige Kamberkrebse, die einheimischen Arten wurden verdrängt. Für die Egli bieten auch die eingewanderten Krebse eine lohnende Beute, vor allem die ganz kleinen werden gerne «weggeputzt». Deshalb funktionieren auch Krebsimitate am Carolina- oder Texas-Rig gut. Die Egli streifen tagsüber durch den Kanal und obwohl sie dann oft nicht in Jagdlaune sind, folgen sie einem Krebschen in der Hoffnung auf leichte Beute gerne. Deshalb kann ich den Versuch mit dem Carolina-Rig nur empfehlen. Ich fange hier auch tagsüber recht schöne Egli, man hat zwar nicht sehr viele Bisse und muss die Fische immer wieder suchen, aber grössere Exemplare über 30 cm beis­sen doch immer wieder auf diese langsame Montage.


Überall auf Hecht

Hechte kann man im ganzen Kanal finden und fangen. Da der Kanal nicht sehr tief und die Uferzone oftmals verkrautet ist, lohnen sich möglichst weite Würfe. Fürs Hechtfischen beliebt sind auch die Industriegebiete. Dort halten sich viele Futterfische auf und man muss sich nicht gross mit viel Kraut herumschlagen. Als Köder empfehlen sich im ganzen Kanal mittlere Gummifische am leichten Jigkopf bis maximal 20 Gramm. So kann man bei entsprechend zügiger Führung viel Strecke machen.


Mit Wobbler und Löffel

An den meisten Stellen muss man kurz vor dem Ufer einholen, um keinen Hänger zu riskieren. Viele Hechte sitzen aber genau hier, am unteren Ende der Kante und beissen gerne auf den allerletzten Metern vor unseren Füssen. Deswegen ist auch der Versuch mit einem Wobbler von 10 cm Länge empfehlenswert. So kann man ebenso die letzten Meter gut befischen. Ein Klassiker, welcher immer mehr in Vergessenheit gerät, ist der Löffel. Also kein Spinner, der sich um die eigene Achse dreht, sondern ein hin und her taumelnder Blechlöffel. Diesen Köder kann man weit auswerfen, man kann ihn auch langsam führen und durch die Einholgeschwindigkeit die Lauftiefe bestimmen. Ausserdem kann man ihn auch kurz absinken lassen, dann taumelt er zur Seite hin weg, was oft mit einem Biss belohnt wird. Im Zihlkanal verwende ich gerne solche Löffel um die 20 bis 30 Gramm Gewicht. Diese sind ideal für ein ruhiges, nicht zu tiefes Gewässer, wo die Hechte in der ganzen Länge des Wurfes beissen können.

 Das Carolina-Rig funktioniert im Zihlkanal am besten von Juli bis September.

Das Carolina-Rig funktioniert im Zihlkanal am besten von Juli bis September.

 Am Zihlkanal gibt es zwei Industriegebiete, welche die Fische magisch anziehen.

Am Zihlkanal gibt es zwei Industriegebiete, welche die Fische magisch anziehen.

 Im Herbst wimmelt es an vielen Stellen nur so von Kleinfischen, die Räuber stehen nicht weit.

Im Herbst wimmelt es an vielen Stellen nur so von Kleinfischen, die Räuber stehen nicht weit.

 Grosse Hechte gibt es seit eh und je im Zihlkanal. Mit diesem 115 cm langen Prachtsexemplar erschien Thomas Schwab 2004 in unserer Rubrik «Kapitale Fänge». – Foto: Archiv

Grosse Hechte gibt es seit eh und je im Zihlkanal. Mit diesem 115 cm langen Prachtsexemplar erschien Thomas Schwab 2004 in unserer Rubrik «Kapitale Fänge». – Foto: Archiv


Mit Damenstrumpf auf Wels

Zu guter Letzt ist der Zihlkanal auch für Welse bekannt, es werden hier viele kleinere Exemplare gefangen. Man hört aber immer wieder auch von grossen Tieren, die an den Haken gehen. Da der Kanal meistens wenig Strömung aufweist, kann man auch leichte Montagen verwenden. Aufpassen muss man nur, wenn viel Treibgut in Form von grossen Krautfetzen durch den Kanal schwimmt. Gegen dieses Ärgernis hilft auch das schwerste Gewicht nichts, man muss einholen und das Kraut entfernen. Es empfiehlt sich grundsätzlich, beim Welsangeln nicht zu weit auszuwerfen, da doch regelmässig Schiffe durch den Kanal fahren, die in der Nacht wenig Rücksicht auf Setzangler nehmen können.

Die meisten Welsfischer verwenden hier fleischige Köder wie Cervelat oder Innereien wie Herz oder Leber. Wer einen möglichst grossen Wels fangen möchte, dem empfehle ich einen mit Leberstücken gefüllten Damenstrumpf. Diese faustgrosse Kugel lockt die Welse über grosse Distanzen zum Köder und hält bei guter Anköderung den ganzen Abend am Haken. Tunkt man den Köder zusätzlich noch in Blut, entfaltet sich eine noch stärkere Geruchsspur im Wasser. 

 

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