[Was läuft im] Juni
01 | 06 | 2018 Schweiz | PraxisText & Fotos: Daniel Luther 02558
01 | 06 | 2018 Schweiz | Praxis
Text & Fotos: Daniel Luther 0 2558

Was läuft im Juni

Klarer Fall! Die längsten Tage des Jahres sind derart lang, dass wir alle fischereilichen Möglichkeiten voll auskosten können. Eine möglicherweise etwas einseitige Betrachtung, aber der Juni ist für den vielseitig interessierten Petrijünger ein Spielplatz mit schier unbegrenzten Möglichkeiten.


1

Endlich! Licht und Wärme entfalten ihre volle Wirkung. An den Gewässern des Mittellands und der Voralpen erreicht das Wasser bei halbwegs zivilisiertem Wetter Temperaturen von 15 bis 18 Grad – zumindest in den oberen Schichten. Nun passieren viele Dinge, die das Fischen entscheidend beeinflussen. Seeforellen und Felchen ziehen sich aus der Uferzone zurück in kühlere Zonen. Die erwachsenen Hechte wandern endgültig ins Freiwasser. Für wärmeliebende Fische sind 18 Grad eine magische Marke. Wird sie erreicht, feiern Welse, Karpfen, Brachsmen und Schleien Hochzeit – ebenso Exoten wie Rapfen, Schwarzbarsch oder Sonnenbarsch.


2

Auch an Land spriesst, blüht und flattert es allenthalben. Erdbeeren und Johannisbeeren werden reif sowie einer der wenigen Köder, für den Petrijünger auf eine Leiter steigen oder zum Obst- und Gemüsehändler gehen: Es ist Chriesizeit. Für manche Kollegen ist die Aletfischerei mit dem Chriesi ein Höhepunkt ihrer Saison. Die Technik ist simpel, die Action dafür oft umso heftiger. Ein unauffälliger, fest gestellter Zapfen, der das Gewicht der Kirsche trägt (etwa 15 Gramm), reicht. Am besten verwendet man einen feindrähtigen Einzelhaken (Nr. 4 oder 2) mit weitem Bogen. Idealerweise lässt man die Montage mit der Strömung oder dem Wind treiben. Die grösste Herausforderung ist das Anködern. Es gehört zu den Klischees der Angelliteratur, dass man Alet nur dort mit dem Chriesi fängt, wo Kirschbäume übers Wasser ragen und quasi natürlich anfüttern. Doch die sonst so schlauen Cypriniden stürzen sich erfahrungsgemäss auch dort gierig auf die süsse Versuchung, wo weit und breit kein entsprechender Baum in Sicht ist. Also nicht nur im Zugersee...


3

Noch nicht ganz so lebensfroh geht es an den Bergseen zu. Je nach Wetter- und Höhenlage schafft es selbst die intensive Junisonne nicht, das Eis komplett wegzuschmelzen. Diese Übergangszeit, wenn sich die ersten Lücken auftun im luftdichten Deckel, der den Lebensraum monatelang in trübes Dämmerlicht gehüllt hat, bietet eine besondere Chance. Für einige Tage ist der Namaycush in bester Beisslaune. Mit Vorliebe patrouilliert er entlang der Eiskante oder lauert in ihrem Schatten. Wenn jetzt etwas Appetitliches vorbeitaumelt oder in die Tiefe flattert, verlieren auch kapitale Haudegen ihre Nerven, die sonst das ganze Jahr alle unsere Fangbemühungen durchschauen.

Zurück ins Tal. Dieselbe Schneeschmelze macht das Fischen in vielen Fliessgewässern zur Lotterie. Einerseits kann die Trübung perfekt sein, um misstrauische Räuber zu überlisten, anderseits besteht immer das Risiko, dass ein Schwall kaltes Wasser jegliche Beissfreude abwürgt. Doch Spekulieren bringt nichts. Nur wer ans Wasser geht und probiert, sammelt Erfahrungen und fängt etwas. In den Ausflüssen grosser Seen wie Hochrhein, Mittelland-Aare, Reuss und Limmat ist die Situation oft deutlich entspannter, weil sich in den riesigen Wasserkörpern die Temperaturen ausgleichen und die Trübstoffe absetzen. Das bedeutet aussichtsreiches Fischen auf Forellen, Äschen, Barben, Alet, Egli und Hecht – im Basler Rhein auch auf Rapfen. 


5

Und zu guter Letzt noch ein vertraulicher Hinweis: Unser Schutzpatron Petrus kennt sich in unserem Kalender nicht so gut aus. Ein Beispiel? In der Schweiz schlüpfen die Maifliegen oft erst im Juni. Wer dieses leider selten gewordene Naturphänomen am Wasser erleben darf und darauf vorbereitet ist, kann allerdings Sternstunden erleben. Petri Heil!  

 Auch wenn es der Name anders vermuten lässt; die Maifliege kommt hierzulande vor allem im Juni vor.

Auch wenn es der Name anders vermuten lässt; die Maifliege kommt hierzulande vor allem im Juni vor.

 Wenn jetzt etwas Appetitliches vorbeitaumelt, verlieren auch kapitale Haudegen ihre Nerven.

Wenn jetzt etwas Appetitliches vorbeitaumelt, verlieren auch kapitale Haudegen ihre Nerven.

 Es muss nicht immer Raubfisch sein! Schleien und ihre Verwandten bieten ebenfalls eine spannende und zuweilen sehr anspruchsvolle Fischerei.

Es muss nicht immer Raubfisch sein! Schleien und ihre Verwandten bieten ebenfalls eine spannende und zuweilen sehr anspruchsvolle Fischerei.

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