Ultra-light auf Forellen
12 | 05 | 2021 PraxisText & Fotos: Ronny Camenisch 0880
12 | 05 | 2021 Praxis
Text & Fotos: Ronny Camenisch 0 880

Ultra-light auf Forellen

Kleinste Löffel und Spinn-Jigs, die man auch mit der Fliegenrute fischen könnte, sorgen am Forellengewässer immer mehr für Aufsehen. Wie diese Mikro-Köder mit wenigen Gramm Gewicht gefischt werden und welches Gerät man dazu braucht, erklärt Ronny Camenisch.

Mein Fischerkollege Patrick Riedi ist ein Typ, der gerne neue Dinge ausprobiert. Er hat einen etwas speziellen Köder für die Ultra-Light-Fischerei entdeckt. Als wir mal nach der Arbeit bei einem Bier zusammensassen, erzählte er mir, wie er mit Microspoons die schönsten Saiblinge überlisten könne. Dies kam mir von der Hechtfischerei bekannt vor, wo grosse Hechtstreamer an der leichten Spinnrute bestens funktionieren. So schlug ich Patrick vor: «Ich binde Dir einen Wooly-Bugger auf einen Microjig. Dann hast Du einen Jig-Streamer, den Du mit der UL-Rute perfekt werfen kannst, und zudem hast Du mit der feinen Rutenspitze stets guten Kontakt zum Miniköder.» Gesagt, getan – einige Tage später kam dann auch schon das erste Bild von Patrick mit einer schönen Forelle.


Praxistest bestanden

Wir beschliessen, zusammen einen Trip ans Wasser zu machen; ich begleite ihn an einem eher kalten Tag an einen Forellen­see. Wir verwenden Stucki UL-Ruten mit einem Wurfgewicht von 0,5 bis 7 Gramm. Unsere leichten 1000er-Rollen sind bespult mit geflochtenen Schnüren im Durchmesser 0,06 mm und 0,08 mm.

Als erstes achten wir auf den Wind; bei dieser Fischerei muss man sich eine Bucht aussuchen, die nicht zu starkem «anlandigen» Wind ausgesetzt ist, sonst hat man Mühe beim Auswerfen des Köders. Als die passende Stelle gefunden ist, wird der erste Köder ausgewählt. Die Farbe des Köders hat natürlich auch bei dieser Fischerei einen grossen Einfluss, daher sollte man Köder in mehreren Farben dabeihaben. Patrick hat in seiner Box Köder in natürlichen sowie ziemlich auffälligen Farben verstaut. Er startet mit einem gelb-grünen Jig-Streamer. Diesen wirft er aus und lässt ihn eine kurze Zeit absinken. Danach jigt er den Köder sehr langsam und ganz sachte möglichst über dem Grund ein. Er ist der Überzeugung, dass die Salmoniden bei einem zu schnell geführten Köder rasch misstrauisch würden und kein Interesse mehr hätten.

Es geht nicht lange und wir können den ersten Nachläufer beobachten. Kurze Zeit später der erste Anfasser und dann hängt auch schon die erste Forelle. Anschliessend wird es für einige Zeit ruhig; Patrick wechselt die Farbe und versucht es in der nächsten Bucht, doch irgendwie will auf den pink-farbigen Streamer nichts einsteigen. Also zurück zum gelb-grünen Jig. Das Pulsieren des Marabu-Schwänzchens sieht doch recht cool aus – die Forellen sehen es auch so, denn jetzt geht die Post ab! Wiederholt steigen sie auf diesen sehr langsam gezupften Köder ein, können dem sensationell aussehenden Spiel des Marabufeder-Schwänzchens, das mit Tinsel gepaart ist, nicht widerstehen.

 Patrick Riedi fängt seine Forellen mit einem drei Gramm schweren Streamer-Jig.

Patrick Riedi fängt seine Forellen mit einem drei Gramm schweren Streamer-Jig.

 Das wilde Köderspiel bei langsamer Köderführung verführt die Forellen auch an schwierigen Tagen zum Biss.

Das wilde Köderspiel bei langsamer Köderführung verführt die Forellen auch an schwierigen Tagen zum Biss.

 Bereits  eine kleine Köderbox bietet genug Platz für eine grosse Auswahl an Micro-Ködern.

Bereits eine kleine Köderbox bietet genug Platz für eine grosse Auswahl an Micro-Ködern.

 Extraweite Würfe sind mit UL-Ködern nicht möglich. Mit gut abgestimmtem Gerät kommt man trotzdem auf genug Distanz.

Extraweite Würfe sind mit UL-Ködern nicht möglich. Mit gut abgestimmtem Gerät kommt man trotzdem auf genug Distanz.


Ausrüstung

Falls Du Lust auf diese Fischerei hast, lässt Du Dich zur Materialbeschaffung am besten bei Deinem Fischereiartikelhändler beraten. Für UL-Köder wie diese Jigs oder Microspoons mit 2 g bis 3 g Gewicht sollte zwingend das passende und richtige Material beschafft werden. Grundsätzlich sollte das Material für diese Fischerei möglichst fein gewählt werden.

Der vermutlich wichtigste Faktor ist die Rute. Nicht jede der vielen UL-Ruten im Angebot ist für die ambitionierte UL- Fischerei geeignet. Es empfiehlt sich, die Rute in die Hand zu nehmen und zu testen, wie sie sich anfühlt. Bei den Ruten sind zum einen die Ringabstände und Ringdimensionen von Bedeutung, die Schnur muss optimal durch die Ringe gleiten können und sollte möglichst wenig Widerstand haben. Zum anderen ist die Aktion der Rute für die Wurfweite entscheidend, sie sollte exakt auf die zu fischenden Köder abgestimmt werden. Wer mehrheitlich mit einem Wobbler fischt, wählt eine andere Rute als derjenige, der ausschliesslich mit Microjigs fischt.

Die Rolle sollte unbedingt eine abgeschrägte Abwurfkante haben und muss auf alle Fälle mit einer geflochtenen Schnur im Durchmesser von 0,06 mm bis 0,10 mm bespult werden.

Bei dieser feinen Fischerei empfiehlt es sich, mit einem Verbindungsknoten zu arbeiten. Ich persönlich bevorzuge den Blutknoten, welcher aus meiner Sicht die perfekte Verbindung von geflochtener Schnur aufs monofile Vorfach darstellt. Bei der UL-Fischerei sollten wir jedes zusätzliche Gewicht wie Wirbel wenn immer möglich vermeiden.

Als Vorfach kommt bei mir ausschliesslich Fluorocarbon zum Einsatz. Man hört immer wieder, dass Fluorocarbon im Wasser nahezu unsichtbar sei, dies ist natürlich ein Vorteil, aber für mich ist viel wichtiger, dass meine Vorfächer sehr robust gegen Abrieb sind. Ich fische gerne über steinigem Untergrund und deshalb ist Abrieb immer ein Thema. Den Durchmesser meines Vorfachs passe ich den Fischen in den Gewässern an. Das bedeutet, dass ich an einem Bach mit Fischen, die im Durchschnitt kleiner als 40 cm sind, ein Vorfach von 0,20 mm verwende. An einem See, wo auch mal ein kapitaler Salmonide beissen kann, wähle ich Fluorocarbon im Durchmesser von 0,26 mm. Ich bin gerne auf der sicheren Seite bei der Wahl der Vorfachdicke, denn nichts ist ärgerlicher als ein Vorfach, das im Drill abreisst.

Bei der Verbindung vom Vorfach zum Köder montiere ich immer einen Snap. Diesen wähle ich natürlich möglichst dünndrahtig und klein. Die Köder am Jig und Wobbler rotieren im Normalfall nicht um die eigene Achse, aus diesem Grund müssen wir keinen Wirbel einbauen, um den Drall abzufangen.

Die meisten UL-Spoons sind mit Einzelhaken bestückt, das aus dem einfachen Grund, weil sie deutlich leichter sind als ein normaler Drilling. So wird der Lauf der sehr leichten Spoons nicht durch das Gewicht des Drillingshaken beeinträchtigt.


Was ist UL-Fischerei?

Spinnfischerei auf Forellen hat eine grosse Tradition, sie wird seit eh und je praktiziert. Auf Forellen wurde in den Anfängen mit eher schweren handgefertigten Blechködern wie zum Beispiel Löffeln und Spinnern gefischt. Das Fischereimaterial hat seither einen enormen Wandel durchgemacht und es ist fast nicht zu glauben, was heutzutage in den Shops alles angeboten wird.

Der aktuelle Trend bei der Spinnfischerei auf Forellen und Egli zielt auf die UL-Fischerei hin. Das ist die Fischerei mit Ultra-light-Ködern, die nicht zu einer speziellen Kategorie gehören, sondern einfach sehr leicht sind. Es ist nirgends festgelegt, bis zu welchem Gewicht ein Köder zu der UL-Familie gehört. Ich persönlich bin der Meinung, alles unter 5 g Gesamtgewicht gehört in die Kategorie UL-Fischerei. Diese ist in Asien und den USA schon länger ein Thema. Bei uns in der Schweiz sorgt sie seit ein paar Jahren nun auch für Gesprächsstoff. Zuerst wurde das UL-Fischen bei der Eglifischerei eingesetzt, darauf schwappte sie auch auf die Forellenfischerei über. Mittlerweile ist diese Technik bei den Forellenfischern nicht mehr wegzudenken. So haben natürlich auch die grossen Marken ihr Sortiment angepasst und spezielle Produkte für diese erfolgversprechende Fischerei entwickelt und im eigenen Programm aufgenommen.

Als erstes hat sie sich an den Forellenseen wie zum Beispiel Wägitalersee, Melchseefrutt oder Lungernsee durchgesetzt. Anschliessend haben viele Fischer gemerkt, dass diese Technik auch an Bächen, Flüssen und Bergseen funktioniert. So wurde die UL-Fischerei bei den modernen Spinnfischern immer beliebter: ein packendes Erlebnis, wenn das sehr leichte Gerät durch­gebogen wird!


  

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