Neue Berner Oberländer Fischart entdeckt
21 | 11 | 2018 SchweizArtikel: eawag 0217
21 | 11 | 2018 Schweiz
Artikel: eawag 0 217

Neue Berner Oberländer Fischart entdeckt

Im Thuner- und Brienzersee haben Biologen der Eawag und der Universität Bern eine neue Fischart entdeckt und sie provisorisch «Balchen 2» getauft. Sie unterscheidet sich morphologisch, ökologisch und genetisch klar von den fünf bisher bekannten Felchen-Arten des Thunersees.

Die aus ökologischer wie auch fischereiwirtschaftlicher Sicht für die Alpenrandseen bedeutenden Felchen sind auch entsprechend relevant für die Forschung. Eine Gruppe um den Evolutions- und Fischbiologen Ole Seehausen untersucht am Wasserforschungsinstitut Eawag und an der Universität Bern die Felchenvielfalt der Schweiz im Rahmen langjähriger Projekte. In der Folge zum «Projet Lac» hat die Doktorandin Carmela Dönz das Erbgut von 2000 Felchen sowie auch historische Berichte untersucht. Das Resultat war die Entdeckung, dass es im Thuner- und Brienzersee eine weitere Felchenart gibt, die im Erbgut, Körperbau und Laichverhalten zwar gewisse Ähnlichkeiten mit den bekannten «Balchen» und «Felchen» zeigt, sich aber denoch klar von beiden unterscheidet. Die vorläufig «Balchen 2» genannte Art wird derzeit wissenschaftlich beschrieben und die Taxonomie der Berner Oberländer Felchen entsprechend aufgearbeitet.

Somit gehört der Thunersee zu den felchenreichsten Seen der Welt. Nach der letzten Eiszeit vor etwa 15 000 Jahren wanderten die Vorfahren der heutigen Felchen ein. «Indem sie sich auf unterschiedliche Lebensräume spezialisierten, konnten die Fische die Ressourcen des Sees effizienter nutzen. Das gilt nicht nur für die Wassertiefe, sondern auch für andere Umweltbedingungen», erklärt Dönz. So entstanden auch Unterschiede im Körperbau, wie etwa Kiemenreusen mit unterschiedlicher Anzahl Dornen, mit denen sie unterschiedlich grosse Nahrung aus dem Wasser filtern. Weil sich die verschiedenen Gruppen von Felchen in unterschiedlichen Wassertiefen fortpflanzten, bildeten sich mit der Zeit neue Arten. Die besonders tiefen Alpenrandseen boten hierzu besonders gute Bedingungen.

Die neue Studie bestätigt Hinweise, dass die Thunersee-Felchen, die heute «Alböcke» genannt werden, zu einer anderen Art gehören als der historische «Albock», der bis ins frühe 20. Jahrhundert in Quellen als wichtigste Felchenart des Sees erscheint. Die heutigen «Alböcke» stammen aus dem Bodensee, sie wurden in den 1930er-Jahren eingeführt. Carmela Dönz meint, es sei möglich, dass die neue Art von den Veränderungen des Ökosystems der letzten Jahrzehnte profitieren konnte. Interessant ist für Biologen, dass sich die «neuen Alböcke» als eigenständige Art neben den einheimischen Felchenarten halten konnten, womit erstmals die Theorie bestätigt wird, wonach Arten, die in geografischer Separation entstanden sind, oft auch dann koexistieren können, wenn ihre Nischen überlappen.

 

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