[Mouches de Vallorbe – ]Die Bickel-CDC
06 | 03 | 2023 Schweiz | Praxis | Video | Produkte | DiversesText: Rolf Frischknecht 03634
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Text: Rolf Frischknecht 0 3634

Mouches de Vallorbe – Die Bickel-CDC

Über die Entstehungsgeschichte der Entenhechelfliegen (CDC) wurde viel geschrieben und debattiert. Wer wirklich als Erster auf die Idee gekommen ist, die feinen Federn rund um die Bürzeldrüse der Ente zum Binden von Fliegen zu verwenden, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Vieles spricht aber für Charles Bickel aus Vallorbe, der die Enten­hechel­fliegen erstmals beschrieben hat und danach kommerziell herstellte.


Charles Bickel wurde 1891 in Vallorbe als Sohn eines Metallarbeiters geboren. Bereits sein Vater hatte Haken hergestellt. In den frühen zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts machte Charles sich selbstständig und begann, Fliegen kommerziell zu binden. In den besten Jahren waren in Vallorbe 18 Frauen beschäftigt, die gemäss den Bestellungen der Fischereifachgeschäfte Fliegen banden. Nach seinem Tod 1945 wurde die Fliegenwerkstatt zunächst bis in die 1960er-Jahre von seiner Witwe geführt und danach von Michel Fon­tannaz übernommen. Die Fliegen wurden via der Glardon SA über lange Jahre erfolgreich vertrieben. In den 1990er-Jahren stellte Mouches de Vallorbe den Betrieb ein, weil die Fliegenherstellung in der Schweiz zu teuer wurde.

 Ersterwähnung von CDC-Federn als Bindematerial (C. Bickel, 1924) © swissflies

Ersterwähnung von CDC-Federn als Bindematerial (C. Bickel, 1924) © swissflies

Charles Bickel hat diverse Fliegenbücher mit Jahresangaben hinterlassen, wo die Fliegen als nummerierte Muster mit Materialbeschreibung beschrieben sind. Im Jahr 1924 findet man die Muster 401-424 mit der Angabe «ailes grasses de la queue de canard» was ungefähr «Fettige Federn vom Entenschwanz» oder wie später verwendet cul de canard (CDC) heisst. 

 Fliegentafel Mouches de Vallorbe © swissflies

Fliegentafel Mouches de Vallorbe © swissflies


Auf der entsprechenden Fliegentafel werden sie «Berufs­fischern bestens empfohlen». Tatsächlich war die Fischerei mit der Fliege damals derart erfolgreich, dass man mit dem Fang und dem Verkauf von Fischen ein Auskommen finden konnte. Alleine in der Orbe sollen pro Woche 1000 Forellen gefangen worden sein. Die Fliegen von Bickel sind heute noch fängig – nur fehlen leider die gewaltigen Fisch­bestände von damals.

 Charles Bickel beim Fliegenfischen an der Orbe (um 1940) © swissflies

Charles Bickel beim Fliegenfischen an der Orbe (um 1940) © swissflies


Bindeweise

Die Bickel CDC-Fliegen sind ganz einfach aufgebaut und schnell gebunden. Die beste Fliegenbinderin schaffte es, 48 Stück pro Stunde zu binden.

  • Auf dem im Bindestock eingespannten Haken (meist Grössen 14-18) wird der Körper aus verschiedenen Materialien wie etwa Pfauenkiel, Seide, Leinen usw. aufgebaut. Die Fliegen haben keine Schwanzfibern.

  • Dann wird eine feine CDC-Feder angebunden und wie eine Hechel angewunden.

  • Der Endknoten wird hinter dem CDC-Hechelkranz gebunden, damit die CDC-Fibern leicht nach vorne abstehen.

  • Zum Ablängen der CDC-Fibern benutzt man am besten ein Röhrchen (Bickel-Tool), in welches die Fliege kopfvoran eingesteckt wird. Die nach hinten stehenden CDC-Fibern werden dann auf Höhe des Hakenbogens abgeschnitten



Die Originalfliegen und deren Bindeweise werden an der MONATURA vom 23.–26. März 2023 am Handwerkerstand des SFV gezeigt, wo auch Vorträge zum Kulturgut Schweizer Fliegen stattfinden werden. 



Kulturgut Schweizer Fliegen

Die Mustersammlung Mouches de Vallorbe mit sämtlichen Rechten wurde 2013 von Rolf Frischknecht (Swissflies) aufgekauft. Die Muster werden sorgsam konserviert, nach und nach publiziert und an Ausstellungen gezeigt. So – und indem begabte Fliegenbinder von heute die erfolgreichen Muster von gestern nachbinden und fischen – kann das einmalige Kulturgut Schweizer Fliegen vor Zerstörung und dem Vergessen bewahrt werden. 

Mehr dazu: swissflies.ch

 

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