Mehr als Seeforellen & Vacherin
11 | 12 | 2015 SchweizText: Lukas Bammatter 0519
11 | 12 | 2015 Schweiz
Text: Lukas Bammatter 0 519

Mehr als Seeforellen & Vacherin

Viele Seeforellenfreaks können diesen Tag kaum erwarten. Am 16. Dezember pilgern wieder Dutzende Petrijünger aus der ganzen Schweiz an den Lac de Joux. Dass es noch weit mehr Gründe als die Seeforellen für eine Reise in den Waadtländer Jura gibt, weiss Lukas Bammatter.

Das Vallée de Joux ist weltberühmt für den Weichkäse Vacherin Mont-d’Or und seine Uhrenindustrie. Renommierte Marken wie Audemars Piguet, Breguet, Jaeger-LeCoultre werden noch heute im westlichen Zipfel des Waadtländer Juras hergestellt. Die fischereilichen Vorzüge des grössten Sees im Tal waren hingegen lange ein gut gehütetes Geheimnis. Nur wenige Deutschschweizer Petrijünger, meist aus dem Kanton Bern, verirrten sich an den Lac de Joux auf 1004 Meter ü. M. Erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde er auch unter Fischern der restlichen Schweiz häufiger zum Thema.

Trotz des oftmals garstigen Wetters mit Temperaturen im zweistelligen Minusbereich fiebern jedes Jahr unzählige Seeforellenfreaks der ersten Schweizer Seeforelleneröffnung entgegen. Eine wachsende Fischerschar, teilweise sogar in Cars, pilgert jeweils am 16. Dezember ins Vallée de Joux, um gemeinsam den frühesten Saisonstart der Schweiz zu zelebrieren.

Mittlerweile ist der Ansturm so gross geworden, dass die Patente an den beliebtesten Verkaufsstellen teilweise nach kurzer Zeit ausverkauft sind. Einigen einheimischen Fischern ist dieser Rummel zu viel geworden. Zudem stellten lokale Fischereivereine den Antrag an die Fischereibehörden, die Fischerei im See vom 15. November bis zum 15. Dezember zu verbieten. Angeblich haben einige schwarze Schafe regelmässig das Beissverhalten der Seeforellen in der Schonzeit getestet. Voraussichtlich wird das Verbot mit der nächsten Revision der Fischereivorschriften eingeführt.

Kritische Stimmen wären gar einer Verschiebung des Eröffnungstermins auf Ende Dezember nicht abgeneigt. Dies mit dem Hintergedanken, dass der See zu diesem Zeitpunkt in den meisten Jahren bereits zugefroren sein wird und sich die Schonzeit damit automatisch bis in den Frühling verlängert.

Im nahezu komplett abgeschlossenen Vallée de Joux bildet sich im Winter bei entsprechender Wetterlage oft eine Kaltluftblase, welche die Temperatur stark sinken lässt. Der See friert dann innert weniger Tage zu – sehr zur Freude der zahlreichen Schlittschuhläufer.

Im 19. und bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts hatte das Eis auch einen ökonomischen Stellenwert: Es wurde an Spitäler, Brauereien und Gasthäuser verkauft und nach Frankreich sowie Deutschland exportiert.


Gute Fangchancen nach der Eisschmelze

Die besten Fangchancen auf Seeforellen, da sind sich viele Kenner einig, bestehen ohnehin im Frühling, wenn das Eis taut. Meist ist dies Anfang März der Fall. Sobald sich die Eisdecke lockert und ein kräftiger Wind aufzieht, geht es schnell. Die Eisschollen werden, je nachdem aus welcher Richtung der Wind weht, in die obere oder untere Seehälfte verfrachtet, wo sie innerhalb zwei bis drei Wochen gänzlich wegschmelzen.

Im Gegensatz zum Saisonstart und den folgenden Tagen hat man im Frühling häufig weite Uferstrecken für sich allein. Der Lac de Joux zählt zu den reizvollsten Gewässern für die Seeforellenfischerei vom Ufer. Die Südostseite mit ihren verhältnismässig flachen Ufern eignet sich optimal zum Watfischen. Besonders beliebt ist die Strecke zwischen der Bachmündung der Lionne bei L’Abbaye und der Landspitze bei Vers chez Grosjean.

Weniger befischt wird die Nordwestseite, wo der See in seiner ganzen Länge von der markanten Gesteinsrippe Le Revers begleitet wird. Das Ufer ist hier stellenweise sehr steil und unwegsam. Ein offensichtlicher Hotspot auf dieser Strecke sind die beiden langen Steinmolen bei Le Rocheray. Hier versammeln sich häufig grössere Kleinfischschwärme, was auch die Räuber wissen.

Von den 100 bis 200 Seeforellen, die jährlich von Sportfischern in die Fangstatistik eingetragen werden, geht mindestens die Hälfte auf das Konto von Uferfischern. Währenddem viele lokale Fischer erfolgreich mit klassischen Spinner- und Löffelmuster fischen, montieren Gastangler mehrheitlich moderne Wobbler. Vor allem Stickbaits wie der Wander von Lucky Craft oder der Water Monitor von Illex sorgen immer wieder für schöne Fänge. Aber auch schlanke Twitchbaits, die sich weit werfen lassen, bieten gute Erfolgschancen.
 

Nymphe als Geheimwaffe

Deutlich in der Minderzahl sind die Fliegenfischer. Eigentlich schade, denn kaum ein anderes Schweizer Gewässer bietet bessere Voraussetzungen, um eine Seeforelle mit der Fliege zu überlisten. Die flachen Uferzonen sind voll mit Nahrung. Zwischen den Kalkgesteinen und in den zahlreichen Unterwasserpflanzen findet man Unmengen an Insektenlarven, Kleinkrebsen, Schnecken und Muscheln. Unter anderem besiedelt die Larve der stattlichen Maifliege die Uferzonen. Die Seeforellen schätzen sie nicht nur als Nymphe, sondern auch als ausgewachsenes Fluginsekt. Der Maifliegenschlupf findet jeweils Ende Mai / Anfang Juni statt. Es braucht Glück, um dieses Naturschauspiel mitzuerleben, und noch mehr «bonheur», um eine steigende Seeforelle zu überlisten.

So oder so wäre es ein grosser Fehler, nur die Streamerbox an den Lac de Joux mitzunehmen. Der Autor selbst hat hier schon einige, wenn auch mehrheitlich kleinere Silberbarren mit Nymphen überlistet. Zugegeben: Ein kapitaler Fang ist damit nicht zu erwarten, aber Fische bis 60 Zentimeter sind jederzeit möglich. Wenn starker Wind die Uferzone aufwühlt und unzählige Kleintiere freispült, fressen viele Seeforellen im flachen Wasser. Oft machen sie sich dabei mit Ringen und Spritzern an der Oberfläche bemerkbar.

Fängige Muster sind etwa 1,5 bis 2 Zentimeter lang und besitzen ein Schwänzchen aus Marabou- oder CDC-Federn. Dieses sollte beim langsamen Einzupfen verführerisch pulsieren und so die Seeforellen zum Anbiss reizen. Der grosse Vorteil der Larven-imitation ist, dass die Forellen diese quasi im Vorbeischwimmen ohne die geringste Skepsis einsammeln. Fehlbisse gibt es daher nur selten.

Wer Neuland betreten möchte, sollte es einmal vom treibenden Boot mit einer Zweier- oder Dreierkette an Nymphen versuchen. Das sogenannte «Loch Style-Fishing» wird in Grossbritannien seit Urzeiten erfolgreich zum Forellenfischen in grossen Seen betrieben. Ich sehe keinen Grund, warum diese Methode nicht auch auf unsere heimischen Seeforellen Erfolg bringen sollte…


Schleppen ist Trumpf

Auch wenn man am Lac de Joux gute Fangchancen vom Ufer hat, ist die Schleppfischerei die produktivste Methode. Der rund neun Kilometer lange und im Durchschnitt knapp einen Kilometer breite See lässt sich gut auch von kleineren Booten aus befischen. Wanderboote sind erlaubt und können bei der Bootsrampe zwischen den Steinmolen bei Le Rocheray eingewassert werden. Der Lac de Joux eignet sich zudem auch gut zum Fischen vom Kanu oder Kajak.

Pro Patent darf mit maximal fünf Schnüren und Anbissstellen geschleppt werden. Seehunde oder mehrere Schleppbrettchen sind aber nicht zwingend erforderlich, um erfolgreich zu sein. Eine Rute sowie ein bis zwei Planerboards auf jeder Seite genügen allemal. Da der Lac de Joux nur maximal 32 Meter tief ist, müssen die Schleppschnüre weder besonders lang noch stark beschwert sein. Häufig beissen die Seeforellen auf dicht unter der Wasseroberfläche geführte Köder. Von der Perlmutterspange über leichte und schwere Löffel bis zum Wobbler sind alle gängigen Seeforellenwaffen am Lac de Joux fangerprobt.

Ein wichtiger Begleiter beim Schleppen ist der Wind. Lac de Joux-Kenner fahren bei glatter Wasseroberfläche gar nicht erst raus oder spinnfischen dann vom treibenden Boot.

Die Seeforellensaison dauert am Lac de Joux bis in den Mai. Im Dezember, März und April stehen die Fangchancen meist den ganzen Tag über gut. Je wärmer das Wasser wird, desto stärker verlagert sich die Beisszeit der Seeforellen in die frühen Morgen- und die späten Abendstunden.


Erstklassiger Hechtbestand

Für viele einheimische Fischer ist der Start der Hechtsaison am 11. Mai von grösserer Bedeutung als die Seeforelleneröffnung. Wirft man einen Blick in die Fangstatistik, ist diese Haltung leicht verständlich. Jedes Jahr erbeuten Sportfischer etwa zwischen 500 bis knapp 1500 Hechte – beachtliche Zahlen für die Grösse dieses Gewässers. Die natürliche Reproduktion funktioniert gut und wird durch einen jährlichen Besatz von ein bis zwei Millionen Brutfischen unterstützt.

Eine Vielzahl der «brochets» geht beim Schleppfischen im Freiwasser an den Haken. Die lokalen Fischer schleppen mehrheitlich mit Brettchen, die sie fest an einer Stange im Boot befestigen. Bei einem Biss wird die Schnur von Hand eingezogen. Als Köder dienen dabei Gummifische und tote Köderfische am System, Wobbler und gros-se Löffel.

Obwohl beim Seeforellenfischen auch bei tiefen Wassertemperaturen regelmässig Hechte gefangen werden, ist das Uferfischen auf Esox weniger verbreitet. Gerade für Gastfischer ohne Boot eine spannende Herausforderung. An den flachen Uferpartien lohnt sich ein Versuch mit flach laufenden Twitch- und Swimbaits. Ebenso haben Fliegenfischer mit grossen Streamern hier gute Chancen.

Da grundsätzlich nur wenige Strukturen in der Uferregion vorhanden sind, halten sich vor allem die kleineren Hechte gerne in der Nähe dicht stehender Wasserpflanzen auf. Die grösseren Räuber stehen hingegen bevorzugt bei den Felchenschwärmen und an steil abfallenden Kanten. Letztere findet man vor allem entlang des Nordwestufers auch in Wurfweite. Hier empfiehlt sich ein Versuch mit grossen Gummifischen am Bleikopf.


Viel Egli & kaum befischte Felchen

Beim Hechtfischen im Sommer kommt es immer wieder mal vor, dass sich ein grosses Egli auf den Spinnköder stürzt. Nach dem Hecht ist es der wohl beliebteste Zielfisch vieler Lac de Joux-Angler. Bis über 10?000 Stück werden jährlich von den Sportfischern entnommen. Im Sommer bringt das Uferfischen mit leichtem Spinngerät zuverlässig Erfolg. Hier gilt es, die Stellen zu finden, wo sich die Kleinfischschwärme versammeln. Immer eine gute Idee ist ein Besuch der Steinmolen bei Le Rocheray. Wenn die Gestreiften dicht unter der Wasseroberfläche jagen, lohnt sich sogar ein Versuch mit schwimmenden Stickbaits oder Poppern. Ansonsten fängt man sie mit Spinnern, Wobblern und diversen Gummiködern. Die beliebteste Eglitechnik der Einheimischen ist das Hegenen vom Boot aus.

Umso erstaunlicher ist es, dass das Fischen mit der Nymphenhegene auf Felchen bisher nur wenig Anklang gefunden hat. Obwohl jährlich bis über 15 Tonnen «palée» im Netz der zwei Berufsfischer hängen bleiben, interessiert sich (noch) kaum ein Sportfischer für sie. Es scheint, als sei der Stellenwert der Raubfische im Vallée de Joux unantastbar – bei diesen Fangaussichten nicht verwunderlich…


Wissenswertes zum Lac de Joux

Der Lac de Joux liegt auf 1004 Meter ü. M. zwischen der Bergkette des Risoud und dem Bergmassiv des Mont Tendre. Sein Becken wurde während der letzten Eiszeit geformt. Der grösste Zufluss und zugleich das wichtigste Seeforellenlaichgewässer ist die Orbe. Als langsam strömender Wiesenfluss mündet sie bei L’Orient in den See.

Ursprünglich versickerte das Seewasser in den kalkigen Seegrund, um in der 200 Meter tiefer liegenden Orbequelle, einer Tropfsteinhöhle oberhalb Vallorbe, wieder hervorzutreten. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts aber dient der See als Speicherbecken eines Kraftwerks. Dieses verursacht starke Schwankungen des Seeniveaus. Regelmässig werden innert kurzer Zeit breite Uferstreifen trockengelegt – oft der sichere Tod für viele Wasserpflanzen, Kleinlebewesen und manchmal sogar den Laich der Hechte, Felchen oder Rotaugen.


Bestimmungen und Lizenzen

Die Seeforellensaison dauert vom 16. Dezember bis am 15. September, das Schonmass beträgt 40 Zentimeter. Zur Eröffnung werden gelegentlich Forellen gefangen, die noch nicht abgelaicht haben oder vom Laichgeschäft abgemagert sind – der faire Sportfischer lässt solche Fische wieder schwimmen. Der Hecht ist vom 15. März bis am 10. Mai geschont und hat ein Entnahmemass von 45 Zentimeter. Das Egli hat kein Schonmass, darf jedoch den gesamten Mai über nicht entnommen werden.

Das Boots- und Uferpatent (exkl. Hegenenfischerei) kostet pro Tag Fr. 10.–, pro Woche Fr. 30.–, pro Jahr Fr. 100.– (für Ausserkantonale Fr. 200.–). Das Hegenenpatent kostet pro Jahr Fr. 70.–. Patente sind unter anderem in Le Pont erhältlich bei Golay Boulangerie et Pâtisserie und dem Tea room et magasin d´alimentation sowie in Le Sentier beim Office du Tourisme.

 

 Im Gegensatz zur Eröffnung im Dezember hat man im Frühling meist weite Uferstrecken für sich allein.

Im Gegensatz zur Eröffnung im Dezember hat man im Frühling meist weite Uferstrecken für sich allein.

 Auch wenn der Lac de Joux über einen guten Seeforellenbestand verfügt, müssen vor allem Uferfischer ihre Fänge hart verdienen.

Auch wenn der Lac de Joux über einen guten Seeforellenbestand verfügt, müssen vor allem Uferfischer ihre Fänge hart verdienen.

 Auch während der warmen Jahreszeit hat der Lac de Joux fischereiliche Reize zu bieten. Mit der Fliege fängt man im Frühling Seeforellen und im Sommer Hechte und Egli. Nebst Wanderbooten sind auch Kanus, Kajaks, Belly- und Pontoonboote erlaubt.

Auch während der warmen Jahreszeit hat der Lac de Joux fischereiliche Reize zu bieten. Mit der Fliege fängt man im Frühling Seeforellen und im Sommer Hechte und Egli. Nebst Wanderbooten sind auch Kanus, Kajaks, Belly- und Pontoonboote erlaubt.

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