Kunstsache Forellenfischen
08 | 05 | 2020 PraxisText & Fotos: Ivan Valetny 03377
08 | 05 | 2020 Praxis
Text & Fotos: Ivan Valetny 0 3377

Kunstsache Forellenfischen

Die Forelle ist bei uns Fischern ein heiss begehrter Zielfisch. Entsprechend aufwendig ist das Unterfangen, auch mal einen grösseren Fisch an den Haken zu bekommen. Ivan Valetny zeigt, wie ihm der Fang des «Fisch des Jahres 2020» mit Kunstködern am Bach und Fluss gelingt.

Unser Land ist von zwei Bergketten geprägt, dem Jura und den Alpen. Unzählige Bäche entspringen hier, fliessen durch unterschiedlichstes Terrain und werden schliesslich zu Flüssen. In den oberen Höhenlagen dominiert noch die Forelle unsere Fliessgewässer, und die Forellen-Fischerei bietet dem Petrijünger viele Möglichkeiten. So ist die Forelle wohl noch immer der beliebteste Zielfisch der Schweiz. Entsprechend hoch ist daher auch der fischereiliche Druck. Als Folge davon gibt es in den meisten Gewässern viele kleine, aber wenige grosse Bachforellen. Wenn man indessen gewillt ist, weite Strecken zu gehen, sich durch dornige Büsche und über steile Hänge zu kämpfen, schnellfliessende Bereiche zu queren, viele Hänger und an Steinen zersplitterte Wobbler in Kauf nimmt und sich an schwierigen Unterhandwürfen versucht – ja dann ist man auch im Frühling 2020 auf dem richtigen Weg, um schöne Forellen zu überlisten. Oft stehen sie dort, wo der normale Fischer nicht hingeht, wo es anstrengend oder sogar gefährlich ist, hinzukommen. Eine frische Starrkrampf- und eine Zeckenimpfung sowie gar eine Rega-Mitgliedschaft sind daher von Vorteil.


… am Bach

 Am Bach fängt man in der Regel kleinere Forellen, aber auch hier kann durchaus mal ein stattliches Exemplar wie diese Forelle die Rute krümmen.

Am Bach fängt man in der Regel kleinere Forellen, aber auch hier kann durchaus mal ein stattliches Exemplar wie diese Forelle die Rute krümmen.

 Hier meine Box für den Bach, wo ich mit der feinen Spinn- rute fische. Kleinere Wobbler und Spinner sind immer dabei.

Hier meine Box für den Bach, wo ich mit der feinen Spinn- rute fische. Kleinere Wobbler und Spinner sind immer dabei.

 Wobbler von 6 bis 7cm, schwere Spinjigs und grosse Spinner sind ideal für tiefe Bereiche im grossen Bach.

Wobbler von 6 bis 7cm, schwere Spinjigs und grosse Spinner sind ideal für tiefe Bereiche im grossen Bach.


Am Bach verwende ich feines Geschirr zum Spinnfischen. Dazu Watstiefel, eine Watweste und einen Watkescher. Damit ist man gerüstet für lange Ausflüge in schönster Umgebung. Die Bereiche, die ich abfischen möchte, sind selten sehr gross. Deshalb reicht eine kurze Rute um die zwei Meter Länge. Damit kann man auch watend gut fischen und sie ist bei Kletterpartien nicht gross hinderlich. Ich verwende im Bach am liebsten eine 1,86?m lange und gerade mal 53?Gramm schwere Rute von Graphiteleader mit einem Wurfgewicht von 0,3?bis?4?g; selbst Köder bis acht Gramm lassen sich gut damit werfen. Am Bach braucht es keine harte Spinnrute, da man auf kürzeste Distanz fischt. Gerade beim Fischen mit der Strömung ist eine Rolle mit schneller Übersetzung von Vorteil. Ich verwende hierfür am liebsten eine kleine, leichte Rolle wie die Daiwa Theory 2004h. Darauf ist eine 0,10er-Geflochtene, an die ich ein 0,18er- bis 0,20er-Fluorocarbon-Vorfach knüpfe. Je dicker das Vorfach, desto schlechter ist der Lauf bei kleinen, leichten Ködern. 

 
Unauffällig sein!

Ich fische meistens mit der Strömung. Heisst, ich werfe stromauf und führe den Köder mit der Strömung zu mir zurück. Diese Technik ist die unauffälligste für die scheuen Fische, weil diese meist stromaufwärts schauen. Auch folgen Forellen einem Köder gerne stromabwärts, weil sie dabei weniger Energie als gegen die Strömung brauchen. Eine Forelle kann sich blitzschnell umdrehen und zupacken. Bei angetrübtem und höherem Wasser kann man auch gut gegen die Strömung fischen. Im trüben Wasser sehen uns die Forellen schlechter und sie stehen oftmals auch nicht in ihrem Versteck, sondern in der Strömung. Die Köderführung fällt jetzt langsamer aus, der Köder verbleibt länger im gleichen Bereich. In der Strömung sind die Druckwellen des Köders stärker, was die Forellen richtig wild machen kann. Allgemein mache ich nicht zu viele Würfe an der selben Stelle. Wenn sie dieses Mal nicht beisst, kann sie beim nächsten Besuch besser in Fresslaune sein. Geduld der anderen Art sozusagen. 

 
Sink- und Suspending-Wobbler

Der Wobbler ist mein Liebling am Bach. Es gibt viele verschiedene Bauarten von Wobblern, welche alle ihre Vorteile und Einsatzgebiete haben. Ich bevorzuge im Allgemeinen schlanke Wobbler, sogenannte Minnows, auch Twitchbaits genannt. Bauchige Crankbaits mag ich persönlich nicht, auch wenn andere sie gerne und erfolgreich einsetzen. Am liebsten verwende ich sinkende Modelle. Diese kann man mit der Rutenspitze gegen oben führen, und trotzdem laufen sie in der richtigen Tiefe. So ist die Schnur nicht zu sehr im Wasser und dank des kleineren Schnurbogens hat man besseren Kontakt zum Köder. Wenn man an einer Stelle doch noch etwas tiefer kommen möchte, kann man die Rute einfach gegen unten halten, etwas längere Twitchpausen machen und so noch eine Etage tiefer fischen. Und das alles mit demselben Wobbler. Diese Vielseitigkeit ist an vielen Strecken äusserst praktisch. Daneben verwende ich auch Suspender. Diese schwebenden Wobbler kann man gut einige Meter abtreiben lassen und gegen die Strömung fischen. Das ist bei leichtem Hochwasser eine bewährte Taktik. Kleine und flachlaufende Suspender sind ideal, um an kleinen Bächen mit begrenzten Stellen die maximale Zeit am potenziellen Standplatz der Forelle zu verbringen. So kann man den Suspending-Wobbler auch ein oder zwei Sekunden stehen lassen, manche Fische fahren auf genau diese längere Pause ab und beissen erst dann an. Ich kurble einen Wobbler nie monoton ein, ich mache mehr oder weniger intensive Twitches und regel­mässige Pausen. Ich orientiere mich da immer am Gefühl. Wenn ich viel Wiederstand spüre, twitche ich weniger stark, wenn ich den Wobbler kaum spüre, wie es mit der Strömung oft der Fall ist, zupfe ich etwas stärker, sodass ich ihn immer wieder kurz spielen spüre. Führe ich den Köder mit der Strömung, kurble ich recht zügig und durchgehend. Gegen die Strömung mache ich hingegen wenige Kurbelumdrehungen und Kurbelstopps, gerade so viele, dass ich nicht zu starken Gegendruck spüre. Ich denke, je mehr Druck ich in der Rute bei der Köderführung spüre, desto mehr Energie muss die Forelle aufwenden, um dem Köder zu folgen. 

 
Köder-Alternativen

Ich habe den Spinner lange stiefmütterlich behandelt, obwohl er ein Klassiker ist. Aber nachdem ich einige Jahre nur mit dem Wobbler unterwegs war, lernte ich den Spinner doch noch zu schätzen. Er ist vielseitig einsetzbar und hat einige Eigenschaften, die ihn in gewissen Situationen besser abschneiden lassen als einen Wobbler. Niedrigwasser ist eine dieser Situationen. Wenn man fast überall kaum mehr als 20 cm Wassertiefe hat, kann man mit dem Spinner trotzdem noch fischen. Auch an tiefen Stellen hat er einen Vorteil: Man kann ihn mit der Strömung geführt etwas langsamer durch­ziehen als einen Wobbler. An manchen Stellen kann gerade diese eine Sekunde mehr über den Biss entscheiden. Ich bevorzuge den breitblättrigen Mepps Aglia 1er in Silber. Gegen die Strömung geführt sind Spinner weniger optimal, da sie schnell an die Oberfläche kommen.

Gummifische habe ich am Bach auch immer dabei. Sie eignen sich gut, um den grundnahen Bereich in einem tiefen Loch oder Lauf abzufischen, produzieren dadurch aber öfters Hänger. Häufig wähle ich 7 cm Gummifische mit einem Schaufelschwanz an einem 4 bis 8 Gramm Jigkopf. Manche Forellen, die steigfaul sind, kann man nur mit einem Gummifisch in Grundnähe fangen. Ich verwende manchmal gerne ganz leichte Jigs von 2 g mit kleinen 5 cm Gummi­fischen und fische sie wie einen Spinner mit der Strömung. Das funktioniert dort gut, wo oft mit Spinner gefischt wird und die Forellen dementsprechend vorsichtiger sind.

Spinjigs setze ich verhältnisweise selten ein. Diese Bleiköder mit einem Spinnerblatt hintendran sind super geeignet, um tiefe Stellen abzufischen. Ideal, um an wirklich tiefen Stellen ordentlich Druck zu machen, ein interessanter Köder bei höherem Wasserstand.

Grosse Bachköder verwende ich da, wo ich mit grösseren Forellen rechne und wo der Bach langsam zu einem Fluss wird. Beispielsweise in der unteren Emme, der oberen Aare oder der unteren Birs. Hier ist es gut, wenn man durch das höhere Gewicht der grösseren Köder dementsprechend weiter auswerfen kann. Auch sind in solchen Bereichen manchmal etwas grössere Fische unterwegs, die einen solchen Köder nicht verschmähen.



… am Fluss

 Am Fluss sind solche stattlichen Bachforellen keine Ausnahme, aber man hat viel seltener Bisse als an einem Bach; Ausdauer ist gefragt.

Am Fluss sind solche stattlichen Bachforellen keine Ausnahme, aber man hat viel seltener Bisse als an einem Bach; Ausdauer ist gefragt.

 Ich verwende am Fluss am liebsten Köder um die 8 cm Länge, allen voran Wobbler in verschiedenen Ausführungen.

Ich verwende am Fluss am liebsten Köder um die 8 cm Länge, allen voran Wobbler in verschiedenen Ausführungen.

 Am Fluss bringen sinkende Wobbler wie dieser Duo Spearhead Ryuki 80s etwas mehr Wurfweite und einen interessanten Köderlauf.

Am Fluss bringen sinkende Wobbler wie dieser Duo Spearhead Ryuki 80s etwas mehr Wurfweite und einen interessanten Köderlauf.


Die Flüsse, die ich befische, haben eine mehr oder weniger glatte Wasseroberfläche und sind durchgehend tief. Überall könnte ein Fisch stehen. Hier trifft man oft auf Alet, Äschen, Barben und zwischendrin hat es mehr oder weniger regelmässig Forellen. Das Wasser wird im Sommer oft zu warm für die Forellen, weshalb sie in kühlere Seitengewässer fliehen, wenn sie denn können.

Am Fluss muss man nicht mehr so vorsichtig vorgehen wie an einem Bach. Hier fische ich die meisten Plätze nicht mehr stromauf, sondern seitwärts, leicht gegen oben, geradeaus und gegen unten. So macht der Köder verschiedene Bahnen mit der Strömung und man kann dadurch mehr Fläche abfischen. Auch hier macht es Sinn, mehr Strecke zu machen und nicht zu viele Würfe an einer Stelle auszuüben. Im Fluss ziehen die Forellen immer wieder umher und können überall und nirgends beissen. Suchen, werfen und Strecke machen ist hier angesagt.

Dazu verwende ich eine mittlere Spinnrute um die 2,40 m Länge und 10 bis
30 g Wurfgewicht mit einer 12er-Geflochtenen auf einer 2500er- bis 3000er-Rolle. Ich verwende bei dieser Fischerei einen Knotenlosverbinder, an den ich ein 0,23er-Fluorocarbon-Vorfach knüpfe. So muss man beim Auswurf von Ködern bis 25 g keine Angst vor einem Abriss haben und man kann die Bremse recht zudrehen, um einen Anhieb in grosser Distanz und mit einem grossem Schnurbogen durchzubringen. 

 
Eine Nummer grösser

Am Fluss verwende ich bevorzugt sinkende Wobbler und auch Suspending Twitchbaits mit normaler und grosser, flacher Tauchschaufel. Ich mag Wobbler um die 8 cm Länge. Mit diesen kann man auch grössere Fische zum Anbiss animieren, welche in solchen Gewässern häufiger vorkommen als in einem Bach. Auch Wobbler um die 6 bis 7 cm sind geeignet, aber diese Modelle laufen meistens nicht so strömungsstabil wie ein etwas grösserer Wobbler. Ausserdem fliegen sie oft weniger weit. Man kann gar Hecht-Wobbler bis 10 cm verwenden, weil man so noch etwas weiter wirft und tiefer fischen kann. Diese Köder sind durch die grössere Tauchschaufel laufstabiler. Gros­se und schwere Spinner sowie taumelnde Löffel fangen hier auch ihre Forellen. Ideal einsetzbar in Bereichen, wo es nicht so tief ist. Der grösste Stucki Brauen ist ein fängiger Vertreter dieser schweren Spinner. Die Führung sollte nicht zu schnell gemacht werden, damit der Köder nicht an der Oberfläche läuft. Beim Drill muss man aufpassen, da hier die Forellen gerne Sprünge machen und den schwereren Köder schnell losschütteln können. Deshalb sollte man versuchen, den Drill so kurz wie möglich zu halten und immer Spannung auf der Schnur zu haben. Am Fluss sind die Bisse rarer als am Bach und man kann schnell das Vertrauen in seine Köder verlieren. Hier ist Durchhaltevermögen angesagt und auch etwas Glück.

 

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