Kiemenschnitt – wie geht das genau?
18 | 04 | 2018 PraxisText: Dominique Roland Lambert | Fotos: André Suter 117605
18 | 04 | 2018 Praxis
Text: Dominique Roland Lambert | Fotos: André Suter 1 17605

Kiemenschnitt – wie geht das genau?

Die Regeln sind klar: Ein Fisch muss nach der erfolgten Betäubung durch einen Schlag auf den Kopf, oder Genickbruch, entblutet oder ausgenommen werden, um ihn zu töten. Wie ist das nun aber rechtlich mit dem vielzitierten «Kiemenschnitt», und wie geht der genau?

Immer wieder bekommen wir es aus nächster Nähe mit, dass Fischer, die ihre Fische auf Fotos zu Recht mit gros­sem Stolz präsentieren, danach angefeindet werden. Der Vorwurf: Sie hätten ihre Fische nicht gesetzeskonform getötet. Dies, weil die Fischkehle noch unzerschnitten und der Fisch offensichtlich auch nicht ausgenommen ist. Aber Vorsicht: «Kiemenschnitt» bedeutet keineswegs «Kehlschnitt»!


Im Gesetz heisst es «Entbluten»

Im Dezember 2014 wurde sie vom Bafu veröffentlicht, die «Vollzugshilfe Angelfischerei». Unter dem Untertitel «Interpretation der rechtlichen Vorschriften betreffend der Betäubung und Tötung von kleinen Fischen sowie des Freilassens von gefangenen Fischen» hat das Bafu damals mit den vorherrschenden Gerüchten ums Freilassen von gefangenen Fischen aufgeräumt.

Und sagte auch klar aus, dass ein Fisch, der zur Entnahme bestimmt ist, nach dem Betäubungsschlag (oder dem Betäuben durch Genickbruch) durch «Entbluten» getötet werden muss. Auch das sofortige Ausnehmen ist zulässig.

Entblutet wird ein Tier gemäss Artikel 187 der Tierschutzverordnung folgendermassen: «Das Entbluten hat mittels Durchtrennen oder Anstechen von Hauptblutgefässen im Halsbereich zu erfolgen. Das Hauptblutgefäss, also die Arterie, befindet sich beim Fisch zwischen seinem Herzen (etwa auf Höhe seiner Brustflossen) und dem Punkt, wo die Kiemenbögen zusammentreffen.


1. Kehle komplett durchschneiden

Deshalb ist es grundsätzlich am einfachsten, wenn man beim (betäubten) Fisch die Kiemendeckel anhebt, ein scharfes Messer am Ende des Kiemenbogens ansetzt (am besten so, dass die Klinge auf der anderen Seite wieder he­rauskommt) und die Kehle des Fischs komplett durchtrennt. So ist die Arterie mit Sicherheit ebenfalls zerschnitten, und das Entbluten tritt sofort ein. Nur ist ein solcher Fisch halt für manche Fischer optisch nicht mehr sonderlich attraktiv, beispielsweise für ein Fangbild. Hand aufs Herz: Hast du noch nie die Nase gerümpft, wenn du einen schönen Fisch gesehen hast, dessen Kopf nur noch an einem seidenen Faden hing?


2. Gefühlvoller Schnitt

Optisch schön sieht hingegen ein Fisch aus, der ebenfalls absolut gesetzeskonform getötet wurde: Anstatt dass man die Kehle komplett zerschneidet, fährt man mit dem Messer dem Kiemenbogen etwa ab dem unteren Drittel im 90-Grad-Winkel entlang nach unten, wo sich die Arterie befindet. Wenn man jetzt ein bisschen schneidet (ohne aber die Kehle komplett zu durchtrennen), wird unweigerlich die Arterie durchtrennt, ohne dass die Verbindung des Bauchraums zum Kopf in Mitleidenschaft gezogen wird. Auch hier: Das Entbluten fängt sofort an.

Mit geschlossenen Kiemendeckeln und abgewaschenem Blut sieht ein solcher Fisch dann auf dem Foto natürlich schön aus. Und er hat – für jeden verantwortungsvollen Fischer das Wichtigste – genauso wenig leiden müssen wie der Fisch, dem die Kehle komplett durchtrennt worden ist.

 Messer ansetzen, dem Kiemenbogen entlangfahren, dann entweder gefühlvoll die Arterie druchtrennen. Oder einfacher, die Kehle durchschneiden.

Messer ansetzen, dem Kiemenbogen entlangfahren, dann entweder gefühlvoll die Arterie druchtrennen. Oder einfacher, die Kehle durchschneiden.

 Zweite Variante: Durchschneiden der Kiemenbögen. Auch hier erfolgt eine vollständige Entblutung.

Zweite Variante: Durchschneiden der Kiemenbögen. Auch hier erfolgt eine vollständige Entblutung.


3. Kiemenbögen durchschneiden

In den Kiemen passiert Folgendes: Das Fischblut wird durch die Herzschläge durch die Kapillargefässe der Kiemen gepumpt und nimmt dort den Sauerstoff aus dem Wasser auf. Dann versorgt das «frische» Blut den Fischkörper.

Anstatt die Arterie zu zerschneiden, gibt es auch die Möglichkeit, die Kiemenbögen komplett zu durchtrennen. Diese Variante ist sicher, und sofort setzt das vom Gesetzgeber geforderte Entbluten ein. Am 1. März, also vor knapp einem Monat, hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) die «Fachinformation Tierschutz Nr. 16.5» herausgegeben («Fische fachgerecht töten»). Dort heisst es unter Punkt «Kopfschlag und Kiemenschnitt»: «Unverzüglich nach der Betäubung muss der Fisch durch einen Kiemenschnitt entblutet werden. Dazu sind entweder das Hauptblut­gefäss zwischen dem Herzen und den Kiemenbögen oder die einzelnen Kiemenbögen mit einer scharfen Klinge zu durchtrennen.»


Augendrehreflex

Einem Fisch sieht man an, ob er betäubt/tot ist, oder aber ob sein Hirn noch aktiv ist: Wenn die Fischaugen horizontale Flächen fixieren, ist der Fisch weder betäubt noch tot. Ein toter Fisch hingegen hat aufgrund des betäubten Hirns den «starren Blick» und fixiert mit seinen Augen nichts.

Nach dem Betäubungsschlag spürt man auch genau, ob der Fisch richtig betäubt ist: Er beginnt sofort, ganz fein zu vibrieren. In diesem Zustand ist das Tier empfindungs- und somit schmerzfrei und kann zügig mit einer der drei obengenannten Methoden entblutet – oder eben ausgenommen werden.


Tipp fürs Entbluten

Fischblut gerinnt sehr schnell, wenn es mit Sauerstoff in Berührung kommt. Daher macht es Sinn, den Fisch, dem man die Arterie aufgetrennt hat, unter Wasser komplett entbluten zu lassen. Will man seinen Fisch aus Angst, dass er einem aus der Hand gleiten könnte, nicht im freien Wasser ausbluten lassen, kann man ihn auch in einen mit Wasser gefüllten Eimer legen – auch dort funktioniert es besser als an der frischen Luft.

 

1 Kommentare


abonino

02 | 01 | 2021

Schnitttiefe: Anatomisches Bild von unten: ist das Herz in der Mitte oder linke Seite?


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